Christlicher Fundamentalismus in Hamburg: Vom Elbschlosskeller über Mission Freedom ins Gebetshaus Hamburg und zurück
Quelle Titelbild: Instagram / danielkellerkind
„Ich werde Dich zu Tode lieben“– diesen Satz schleudert Daniel Schmidt jedem entgegen, der ihm aufs Maul hauen will. Diese und viele weitere Geschichten erzählt er in seinem jüngsten Buch „Löwengrube“. Schmidt ist Ausdruck des wieder erstarkenden Einfluss von christlich-fundamentalistischen auf Stadtteile wie St. Georg und St. Pauli. Dort wo die Kontraste zwischen der heilen Welt christlicher Rettungsversprechen und Armut, Ausbeutung und Ausgrenzung besonders groß sind, haben wir recherchiert.
Intro: Der „Kneipenchrist“
Wer ist Daniel Schmidt? Hauptberuflich Selbstdarsteller, Wirt des „Elbschlosskellers“ und weiterer kieznaher Szenekneipen auf Hamburg-St. Pauli und einer, der überall auf St. Pauli seine Finger mit im Spiel hat. Seit einigen Jahren stellt er dafür seinen neu erweckten Glauben ins Schaufenster. Schmidt hat einige Bücher veröffentlicht und ist sicher das, was man gern Multiplikator nennt: Kieztouren, Kneipen, ein Verein und dazwischen immer wieder sein Glauben.
Diesen Glauben lebt er in ziemlich konservativen Kirchen und Gemeinden aus. Warum dieser Aspekt nie thematisiert wird, fragen wir uns. Denn hinter „Jesus“ hier, „Gott“ stecken eng miteinander verbundene Aktivitäten, Personen und Anliegen.
Schmidts große Reichweite in den (Sozialen) Medien, ein auf den ersten Blick selbstloses soziales Engagement und seine zunehmende Präsenz in öffentlich-rechtlichen Formaten machen aus ihm einen weiteren Christfluencer. Weniger pastell ist Schmidts Mikrokosmos sicherlich: Anders als bei Jana Hochhalter & Leonard Jäger – zwei wichtige Sprachrohre eines „bibeltreuen“, konservativen bis rechtschrichstlichen Christentums – begegnet uns hier eine Ästhetik aus Schmutz, Gestank und Scheitern. Für Medienschaffende ist das attraktiv. Solche Stories, wie die von Schmidt clicken: 2024 war Schmidt sogar Protagonist der NDR-Doku: „Im Auftrag Gottes auf der Reeperbahn“. Dass dieser Titel ganz ohne Fragezeichen daherkommt, wundert bisher anscheinend nur uns. Denn wie gesagt: kritische Einordnung ist bei diesem Thema Mangelware.
Fundis? – Wir doch nicht!
Schmidts Umkreis, Gemeinden, die er besucht, die Prediger*innen mit denen er verkehrt – sie begegnen uns in den Recherchen von FundiWatch immer wieder.
Das evangelikale rechts-konservative Medium Idea widmete Schmidt nicht ohne Grund 2025 ein Porträt. Die ZEIT-Beilage „Christ und Welt“ war damit zwei Jahre früher dran. Der Tenor 2025 ist – also nach Trump II, dem Project 2025 und Paula Whites exzessiven Gebeten im Oval Office – weiterhin der Gleiche: Schmidt wird medial als Lichtblick im Schmutz von St. Pauli inszeniert. Und da liegt der Hase im Pfeffer: Fundis, das sind die Anderen – wird doch nicht!
Frohe und nächstenliebende Botschaften begegnen uns während der Recherche Seite an Seite mit rücksichtloser Vermarktung von Tod, Gewalt und Schicksal. Sei es das Jubiläum „400 Jahre Reeperbahn“ – die neueste Marketingkampagne für St. Pauli – oder der Totschlag an einem Mitarbeiter aus dem Elbschlosskeller. Schmidt zieht aus diesen Ereignissen Stoff für neue, von maskulinem Ego nur so strotzende Reels. In einem spendiert er, unterm „Jesus lebt“ Schriftzug am Gebäude der Heilsarmee in der Talstraße stehend, jemandem einen Haarschnitt. Der Beschenkte drückt sich im Hintergrund unsicher und etwas beschämt aus dem Fokus der Kamera. Schmidt dagegen voller Inbrunst und frei von Selbstzweifeln über dieses ich-bezogene Zurschaustellen seiner „Geschenke“. So ist die Rezeptur vieler solcher Filmchen. Das ist die „Daniel Schmidt Show“ in der die eigentlichen Protagonisten der Geschichte zur Kulisse verblassen.
In der bereits erwähnten NDR-Doku lässt sich Schmidt, umringt von Kameras, den Slogan „Jesus is King“ in den Nacken tätowieren. So leibt und lebt Schmidt: Religiöse Überzeugungen werden öffentlichkeitswirksam ausgeschlachtet. Seine Bücher ventilieren die immer gleichen Geschichten aus unterschiedlichen Blickwinkeln, seiner Popularität tut Wiederholung aber keinen Abbruch.
Die „Daniel Schmidt Show“
Schmidts Glaube: An sich Privatsache – oder? Doch die berechnende Inszenierung machte uns stutzig. Hyper-Moral, Drama und Selbstgerechtigkeit fließen in der Figur des „Löwengruben-Daniel“ zusammen. Der „Elbschlosskeller“ als Vorhof der Hölle, Daniel als Retter mittendrin. Exakt diese Vermengung von Selbsterzählung und gesellschaftlichen Anliegen zeichnet auch jene Prediger*innen und Missionar*innen aus, denen wir große Teile der Aufklärungsarbeit von FundiWatch widmen.
Spoiler: Schmidts Elbschlosskeller-Mikrokosmos und sein – nicht ganz selbstloses und nicht immer ganz glaubwürdiges – Engagement passen perfekt in das Setting Hamburg. Nicht nur auf St. Pauli und der Reeperbahn, aber dort besonders, nimmt die christlich-fundamentalistische Mission seit einiger Zeit wieder Fahrt auf.
Unsere bisherigen Recherchen zu Hamburg und Norddeutschland kreisten um Missionsdienste, wie Operation Mobilisation (OM) – deren Schiff „Logos Hope“ in wenigen Tagen im Hamburger Hafen anlanden wird (dazu bald mehr!) – Gottesdiensten im Strip Club und Pastorengattinnen auf „Prostituierten-Rettungstour“.

Biotop St. Pauli
Nun „feiern“ wir einige Wiedersehen, zum Beispiel mit dem Ehepaar Häsler sowie dem “Kiezpastor“ Frank Hoffmann, und werfen einen Blick auf die auch Gemeinden innerhalb der Evangelischen Ortsallianz Hamburg.
Das Biotop rund um Reeperbahn und Partymeile – also dem, wie Madeleine Häsler es ausdrückt: „Tummelplatz der Dämonen“ – hat uns bereits vor einem Jahr intensiv beschäftigt. Nachzulesen sind unsere damaligen Ergebnisse in der Handreichung „Christlicher Fundamentalismus & Soziale Arbeit“.
Nehmen Medienschaffende Bezug auf St. Pauli, fallen Attribute wie Rotlichtviertel, Ausgehkiez oder „Sündige Meile“. Für Menschen wie Schmidt, Häsler oder Hoffmann werden St. Pauli oder St. Georg, so beobachten wir es, zu einer Blaupause. Kiezpastoren und selbsternannte missionierende Heilsbringer finden in diesen verruchten Herzkammern der Versuchung den für sie idealen Einsatzort, andere verklären den Kiez zum Sehnsuchtsort. St. Pauli ist aber auch eine Marke und eine Business Opportunity. Und die geht einher mit einer Verkaufsstrategie, einer Erzählung, die immer weiter gesponnen werden muss. Eine Konstante dieser Erzählungen sind „Randständige“, Bedürftige und marginalisierte Communities. Sie werden zu einer Kulisse für die sich selbst überhöhende Selbstdarstellung der genannten Personen aus dem freikirchlichen, evangelikalen Spektrum bis in die Amtskirchen hinein.
Wie verwoben und verbunden die genannten Personen untereinander sind, war neu für uns. Wir sind darauf über das Buch von Daniel Schmidt gestoßen. Nebenbei haben wir beim Verfolgen der gemeinsamen Aktivitäten und Auftritte auch mehr Aufschluss darüber erhalten, wie lange sie bereits still und leise ankommen und immer mehr Raum einnehmen. Wieso lässt dieser erzkonservative Roll-Back die eigentlich lebendige und wachsame Hamburger Zivilgesellschaft so kalt? Worin unterscheidet sich Selbstverharmlosung der Fundis eigentlich von der extremen Rechten – oder sind beide füreinander anschlussfähig?
Feuer und Flamme für eine konservative religiöse Wende
Kurze Stippvisite in Bayern:
Anfang des Jahres 2026 berichteten zahlreiche Medien über das mehrtägige Glaubensevent „MEHR – Konferenz“ des Gebetshaus Augsburg. Die unter der Leitung des katholischen Theologen Johannes Hartls stehende „Konferenz“ rückte noch einmal besonders in den zivilgesellschaftlichen und medialen Fokus, weil sich dort zum Beispiel Ellen Kositza samt Familie blicken ließ. Kositza ist eine zentrale Figur der Neuen Rechten.
Die Berichterstattung rund um die „MEHR“ passte überwiegend in ein eingeübtes Schema. Populismus und Sehnsucht nach der Antimoderne werden dabei als Ausnahmen oder Ausrutscher innerhalb einer an sich harmlosen Spiritualität dargestellt. So verfahren Teile des Journalismus seit langem auch mit menschenfeindlichem Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft. Nicht nur im Journalismus, aber dort mit großer Reichweite werden zusätzlich sehr konservative bis reaktionäre Ansichten regelmäßig als legitime Äußerungen innerhalb eines demokratischen Meinungsspektrums definiert. Die Landeskirchen beteiligen sich daran, mal mehr – mal weniger, indem sie ultra-konservative Vertreter einladen und hofieren. Da geht es dann mal um „Ökumene“, mal um ein zunehmend verzweifelt klingendes „gemeinsam gegen den Faschismus“. Parallelen zum Versagen beim „politischen Stellen“ der extremen Rechten durch radikalisierte Konservative, wie es die CDU/CSU seit 15 Jahren gebetsmühlenartig proklamiert, sind – natürlich – rein zufällig?
Rechtes Christentum – bei „uns“ doch nicht!
Was meinen wir bei FundiWatch, wenn wir die Zusammenhänge zwischen sehr konservativen bis reaktionären Ansichten, menschenfeindlichem Gedankengut und die Verbindungen ins rechte Christentum oder den christlichen Fundamentalismus thematisieren?
Beispielsweise vielfaltsfeindliche Haltungen gegenüber sexueller Selbstbestimmung, emanzipierter Lebensführung sowie die ausgesprochen skeptische bis offen feindselige Einstellung gegenüber Muslim*innen. Aber auch Rollenbilder aus dem letzten Jahrhundert, Moralpaniken und als Rettung getarnte Bekehrungsabsichten unter vulnerablen Personengruppen. Wir erkennen darin Einfallstore für die Ausweitung von Einfluss der angesprochenen Kräfte. Gleichzeitig sehen wir, weite Teile der Gesellschaft verfügen über (zu) wenig Wissen und Informationen, um diese Strategien zu erkennen und dort, wo nötig zu intervenieren.
…und in Hamburg doch erst recht nicht!
Manchmal reicht schon der Hinweis auf die geografische Lage eines Orts, um sich zu entlasten, statt zu intervenieren. Ein Beispiel? Die Stadt Augsburg liegt bekanntlich in Bayern und ist der Standort von Johannes Hartls „Gebetshaus“. Allein die Lage der Stadt dient manchen Menschen bereits als Ausflucht, indem sie sagen: Christlicher Fundamentalismus ist kein gesamtdeutsches oder europäisches Problem. Das ist eben Bayern… oder mit Blick auf die sog. Lebensschutzbewegung: Annaberg – Buchholz… oder… Neumünster.
Zurück nach Hamburg: Gerade das norddeutsche – zumal das hanseatische – Selbstverständnis ist eines, das sich ziemlich säkular und weitgehend erhaben über christlichen Fundamentalismus empfindet. Fundis, die gibt es im Süden, in Baden-Württemberg oder in Bayern. Bei „uns“ doch nicht.
Aber stimmt das? In Hamburg gibt es seit mehr als einem Jahrzehnt auch ein Gebetshaus, ähnlich wie das von Hartl in Augsburg. Und zwar eines, das in vielerlei Hinsicht viel näher dran am Augsburger ist, als viele sich eingestehen möchten. Der Zweck des Gebetshauses klingt erstmal unbedenklich: 24h täglich – 7 Tage die Woche – 365 Tag Gebet.
Verfolgte Christen?
Wofür gebetet wird, ist dann schon interessanter: Verfolgte Christen zum Beispiel. Damit hätten wir ein weiteres Leitmotiv erwähnt, das FundiWatch immer und immer wieder begegnet: Kritik und Einwände gegen ein sehr selbstbewusstes Auftreten oder Vordringen solcher Gemeinden, werden mit Hass und Verfolgung gleichgesetzt.
Berichten wir kritisch über Olaf Latzels Auftritte in Bremen, wird uns per Leserbrief[i] Hass unterstellt. Thematisieren wir den Skandal um Kindeswohlgefährdung im SeeNest unter dem Podcastauftritt eines ehemaligen Salutisten und Vorstandmitglied der Evangelischen Allianz Deutschland (EAD) und langjährigem Vorstandsmitglied von Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh), der nicht nur einmal oder zufällig das Anliegen von Gaby Wentlands Verein Mission Freedom in der Öffentlichkeit vertreten hat, wird uns geantwortet, dass es ja um was anderes („gemeinsam gegen den Faschismus“) ginge und wir nur unsere Arbeit „platzieren“ (aka unbezahlte Werbung) wollten.
Die Selbstvergessenheit solcher Abwehrbewegungen von Kritik ist enorm. Für solches harmonisches Beisammensein werden die (Selbstbestimmungs-)Rechte bestimmter Personen gern selbstgefällig beiseitegeschoben. Und wieder ist die Selbstverharmlosung gelungen.
Hartl und das Gebetshaus Hamburg
Johannes Hartl selbst ist als Person durchaus eng mit der Entstehungsgeschichte des Gebetshaus Hamburg verbunden. 2014 und 2015 lud Gemeinsam für Hamburg, also die Ortsallianz der Evangelischen Allianz in Hamburg, ihn als Hauptsprecher zu Gebetstagen und einer Jahreskonferenz ein. Über die Jahreskonferenz 2015 heißt es heute auf der Homepage des Gebetshaus Hamburg:
„Viele Leute wurden durch diese Konferenz geprägt. Sie trug maßgeblich dazu bei, dass schließlich die Entscheidung getroffen wurde, das Gebetshaus Hamburg zu gründen.“
Aber was wäre eine gute Fundi-Geschichte ohne ein bisschen Vision und Prophezeiung?
„Es begann mit einem Pastor, dessen Herz für die Stadt Hamburg brannte. Er war gut vernetzt (…) 2011 wurde ein prophetisches Bild an den Pastor herangetragen: In der Stadt brannten viele kleine Flammen. Von hoch oben sah es aus, als wäre die ganze Stadt erleuchtet und die vielen kleinen Flammen sahen zusammen aus wie ein großes Feuer. (…) Ein paar Wochen später kam eine Frau auf ihn zu. Sie erzählte ihm davon, dass sie mit einer kleinen Gruppe an Leuten schon mehrere Jahre wöchentlich für die Entstehung eines Gebetshauses in Hamburg betete. Nun hatte sie den Eindruck, dass die Zeit gekommen sei und das Gebetshaus in Existenz kommen sollte. Auch sie hatten von dem Eindruck mit den vielen kleinen Flammen, die von oben wie ein großes Feuer aussahen, gehört und bezogen ihn konkret auf das Thema Gebet in Hamburg. Mutig und entschlossen im Glauben, erstellte die Frau mit ihren Mitbetern ein Logo. Auch schrieben sie schon eine mögliche Vereinssatzung, um die Sache ins Rollen zu bringen. Bei ihrem Gespräch mit dem Pastor gab sie ihm all das vorbereitete Material mit den Worten, dass sie vom Heiligen Geist gehört habe, dass es an ihm sei, sich nun darum zu kümmern und die Verantwortung für die Gründung zu übernehmen.“

Das oben abgebildete alte Logo des Gebetshaus Hamburg lässt sich durchaus als Verbildlichung dieses „prophetischen Bilds“ verstehen. Kürzlich wurde es dennoch durch ein neues ersetzt.
Bei Johannes Hartl hören die Anknüpfungspunkte zu christlich-fundamentalistischen Netzwerkkonstellationen aber nicht auf. Personen wie Hartl sind Bindeglieder, die uns immer wieder in unserer Recherche begegnen. Was in den Medien regelmäßig wie zufällig erscheint und kontextlos berichtet wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen nicht selten als Verflechtung. Und solche Geflechte sind keine Ausnahme, sondern die absolute Regel.
Auch Gaby Wentland tritt ab und an im Gebetshaus Hamburg auf. Zuletzt ist von ihr eine Predigt von vor rund einem Jahr auf Spotify abrufbar. Neben Gerede über ein vermeintlich „falsches Geschlecht“:
„…wenn dann irgend so ein Idiot, wollte ich gerade sagen, kommt und ihnen erklären will, dass sie im falschen Geschlecht sind, dass sie sagen: ‚nein, nein, nein, nein, mein Jesus hat gesagt: ich bin ein Junge und ich weiß, ich bin ein Junge‘. So stark sollen sie werden.“
(ca. min 12:30, Satzzeichen für Lesbarkeit ergänzt)
…geht es dort bald auch um Wentlands Herzensthema: Die Errettung von Menschen aus der „Prostitution“:
„Ich wollte in Hamburg im Rotlicht nicht nur den Mädchen von Jesus erzählen, was wir ja viele Jahre gemacht haben, wir waren jede Woche unterwegs, über viele Jahre in Sankt Georg (s. Exkurs Hansaplatz, Anm. FundiWatch) und haben den Mädchen von Jesus erzählt, haben für sie gebetet. Ich wollte den schweren Jungs, den Zuhältern, den Bandidos und den Hells Angels und wie sie alle so heißen, wollte ich von Jesus erzählen. Und dann hab ich gesagt: ‚Herr, kannst du mir helfen, wie kann ich das machen?‘“
(ca. min 14:30, s.o.)
Ja, wie? Was dann 2019 geschah, erzählen wir am Ende dieses Artikels – also dranbleiben!
Skandale perlen an Wentland ab – wie lange noch?
Die umstrittene Predigerin Gaby Wentland von Mission Freedom e.V., Predigerin in der Freien Christengemeinde Hamburg-Neugraben, gehörte schon früh zum Leiterteam von Gemeinsam für Hamburg.
Im November 2014 veranstalteten sie und Gemeinsam für Hamburg einen Kongress unter dem Titel „Aufstehen gegen Menschenhandel“ – und zwar an illustrem Ort, dem Hamburger Michel. Bis heute sind sie und ihre Organisation unter „Werken“ auf der Homepage von GfH gelistet.
Wentland stand nur wenige Monate vor dem Kongress im Mittelpunkt kritischer Berichterstattung rund um ihren Verein Mission Freedom. Vorwürfe der religiösen Indoktrinierung vulnerabler Personen, Lügengeschichten über vermeintliche Opfer von Kindesmissbrauch und queerphobe sowie erzkonservative Predigtinhalte wurden gegenüber Wentland und Mission Freedom erhoben, geprüft und beschäftigten neben dem Landeskriminalamt auch die Hamburger Bürgerschaft. Offiziell gibt es bis heute keinerlei Kooperation mit Mission Freedom, obwohl der Verein anstrebte, ins offizielle Hilfenetzwerk der Stadt aufgenommen zu werden.
Die Evangelische Allianz Hamburg jedenfalls haben die Vorwürfe und die Kritik gegen Wentland keineswegs von der Veranstaltung im Michel abgehalten.
Dass gerade Mission Freedom – wenn auch oberflächlich durch die Trägerschaft seiner 100% Tochter Himmelsstürmer Deutschland gGmbH getarnt – weniger als 10 Jahre später das Haus SeeNest als vollstationäre Einrichtung für von sexueller Gewalt und Missbrauch betroffene Kinder und Jugendliche in Immenstadt im bayerischen Allgäu eröffnen konnte, ist ein Skandal.
Im März dieses Jahres nahm das ortsansässige Jugendamt alle Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren aus der besagten Einrichtung wegen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung und einem unangemessenen Umgang mit freiheitsbeschränkenden Maßnahmen in Obhut.
Was die Kinder mutmaßlich im Haus SeeNest erlebten, illustriert eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Augsburg, die uns vorliegt und auf die mittlerweile mehrere Medien Bezug nehmen: Freiheitsberaubung, Chillipaste auf die Lippen, sexualisierende Kleidung, Arbeitsdienst in vollurinierter Kleidung sind nur einige, erschreckende Beispiele, die die Gerichtsentscheidung benennt. Auch wenn die Vorwürfe vom Träger teils pauschal bestritten wurden, lassen einem bereits die unstreitigen Geschehnisse fassungslos zurück. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Doch auch fällt auf: in den seltensten Fällen werden Mission Freedom oder Wentland in der Berichterstattung überhaupt namentlich genannt. Im weitesten Sinne aus dem Hamburger Raum, berichtete bisher lediglich einmal die taz über den Fall. Und das, obwohl 2013 über die Vorwürfe gegen Mission Freedom und Gaby Wentland sogar in bundesweiten Medien berichtet wurde.
Das Versagen gleich mehrerer Behörden und Organisationen, das mit der Erteilung der Betriebserlaubnis beginnt, muss transparent aufgearbeitet werden. Die Räumlichkeiten des Haus SeeNest wurden von der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg an Mission Freedom vermietet, die sich dabei offenbar vor allem auch von der weiterhin bestehenden Mitgliedschaft von Mission Freedom bei der Diakonie Hamburg als vermeintliches „Seriositätsmerkmal“ beeindrucken ließ. Zu diesem Versagen gehört auch die mangelnde Problematisierung von christlich-fundamentalistischen Weltbildern in der Sozialen Arbeit, oder vielmehr von Mission, die als (vermeintlich) „Soziale Arbeit“ im Auftrag Gottes ausgeübt wird.
Wirt Daniel Schmidt erwähnt, in seinem Buch nicht. Nicht ausgeschlossen, dass sich das in Zukunft ändert, denn enge Weggefährt*innen von Wentland nennt Schmidt in „Löwengrube“ sehr wohl.
Alte Bekannte und neue Beter
Da wäre zum Beispiel der„Kiezpastor“ Frank Hoffmann. Dieser feiert immer wieder Gottesdienste in Suzis Show Bar, einer Tabledance Bar am Beatles Platz.
Auf Social Media Schnipseln identifizierten wir 2025 im Rahmen unserer bereits erwähnten Recherche zur Handreichung „Soziale Arbeit und Christlicher Fundamentalismus“ bereits einige zentrale Figuren der Anti-Sexarbeits-Bewegung, die zu Gospel-Abenden oder Gottesdiensten in Suzis Show Bar ein und aus gingen. Darunter die oben erwähnte Gaby Wentland oder Madeleine „Tummelplatz der Dämonen“ Häsler, die regelmäßig in streng religiösen Formaten wie ERF, Bibel-TV und Co. Auskunft über ihre Rotlicht-Rettungsaktionen erteilt. Madeleine Häsler und ihr Ehemann Gabriel erachten sich als von Gott nach Hamburg-St. Pauli berufen. Gabriel Häsler predigt regelmäßig deutschlandweit in unterschiedlichen Freikirchen, unter Anderem immer wieder bei ELIM Hamburg. Seine Predigten anzuhören ist mühsam und zeitintensiv, denn der Schweizer verfügt über die „Gabe der Länge“. In der Musical-Reihe „Life on Stage“ verquirlen die Häslers regelmäßig individuelle Schicksale mit religiösen Botschaften und tingeln damit durch Deutschland. Wie bei Schmidt verschwimmen dabei die Grenzen zwischen Popkultur und Evangelisation.
Gemeinsam die Stadt verändern?
Elim ist eine charismatische Gemeinde in Hamburg, mit dem üblichen freshen Auftritt, den wir schon oft thematisiert haben.
Der Hauptpastor von Elim Hamburg ist übrigens auch Leiter bei „Gemeinsam für Hamburg“ (GfH). Die Rede ist von Matthias C. Wolff. Er ist bei GfH auch verantwortlich für den dortigen „Arbeitskreis Politik“.
Wir berichten bei FundiWatch regelmäßig über die Strategie der erzkonservativen, christlich-fundamentalistischen Durchdringung aller gesellschaftlicher Sphären (wie beim 7 Mountain Mandate). Wie das in einer Stadt konkret umgesetzt werden kann, illustriert die „Stadtveränderer GbR“, in der der andere Leiter von Gemeinsam für Hamburg, Detlef Pieper, federführend ist: Das Loft für „Arbeit und Impulse“ ist am Hammer Steindamm 62 gelegen.
„Arbeit und Impulse“ dient als Co-Working-Space, soll Menschen für gemeinsame Initiativen, Projekte und Engagement für „Das Beste der Stadt“ zusammenbringen. Hier klingt der Bibelvers Jeremia 29, Vers 7 „Suchet der Stadt Bestes“ nicht zufällig an. Auch über die Stadtreformer oder das City Changer Movement haben wir bei FundiWatch schon berichtet. Bei Hamburgs Stadtveränderern sammeln sich, ganz im Einklang mit dem Transformationsauftrag vom 7 Mountain Mandate denn auch sehr unterschiedliche Akteure, verbunden mit dem Auftrag in ihre Bereiche hineinzuwirken – oder gar Gesellschaftsbereiche zu transformieren, um „christlichen Werten“ wieder zur Dominanz zu verhelfen.

Gemeinsam für Hamburg selbst ist ebenfalls sehr heterogen. Neben Mission Freedom werden dort auch Faktor C (Christen in der Wirtschaft), die Arche, Elim, Kirche des Nazareners und viele weitere konservative und christlich-fundamentalistische Gemeinden erwähnt. Auf einer Unterseite erwähnt GfH explizit das Soziale Engagement der Netzwerkpartner*innen unter Verweis auf Verantwortungsbewusstsein und Hilfsbedürftigkeit. Das mag als Absichtserklärung zutreffen. Jedoch stellt soziales Engagement, wie wir bei FundiWatch regelmäßig aufzeigen, auch eine Möglichkeit dar, Einfluss auf bestimmte gesellschaftliche Themenfelder, wie beispielsweise sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung sowie Geschlechterrollen zu nehmen. Darüber hinaus dienen Soziale Werke, Diakonie und Nächstenliebe oft auch der selbstverharmlosenden Imagepflege bestimmter Akteure.
Hilfsangebote?
Für Opfer von Menschenhandel listet GfH – auch nach dem jüngsten Skandal um Haus SeeNest – weiterhin Mission Freedom sowie die Broken Hearts-Stiftung auf. Über die Stiftung Broken Hearts finden Interessierte auf Anhieb kaum etwas im Internet. Die Domain steht zum Verkauf, die Wayback Machine findet die letzte Aktualisierung im September 2021. Hinter der Broken Hearts Stiftung steht Cinderella von Dungern aus der norddeutschen Adelsfamilie von Dungern. Cinderella heiratete 2012 Jörgen Hemme, den vielleicht manche von der Hemme Molkerei kennen, und nahm auch dessen Nachnamen an. Erste Anzeichen deuten auf Verflechtungen mit der Herzschlag Stiftung. Genug Stoff für weitere Recherchen, also. Nur ein explizites Hilfsangebot können wir hinter Broken Hearts nicht finden.
Elim: Sexualisierung oder „Göttlicher Sex“?!
Zurück zur Elim Hambur. Sie feiern dort dieses Jahr 100-jähriges Bestehen.
Ganz entgegen der modernen Aufmachung der Homepage lassen sich auf dem Youtube-Kanal von Elim Hamburg explizit konservative Predigten über Sexualmoral und „Sexualisierung“ finden, z. B. vom bereits genannten Matthias C. Wolff („Pastor Matthias“), aber auch über „Göttlichen Sex“ von Tim Sukowski.
Ein anderes Beispiel ist Pastor Andy Nothnagel, heute bei der Christus – Gemeinde Bremen. Er saß 2022 im ZDF-Youtube-Format unbubble zusammen mit Robin Solf und berichtete über sein Verständnis von Ehebruch und Homosexualität. Rechtfertigend sagt Nothnagel dann Sätze, wie „ich als Christ“ oder „Wir als Christen“ – die deutlich belegen, wie Glauben und Überzeugung als Rechtfertigung für homophobes Gedankengut herhalten muss.
Hoffmanns Kiez-Kirche

Beruflich war Hoffmann in der Werbebranche, bevor er seine religiöse Berufung spürte. Bis 2022 war Frank Hoffmann in der Freien evangelischen Gemeinde Mölln tätig. Zuvor absolvierte er ein Vikariat in der Anskar-Kirche Hamburg. 2022 zog es ihn nach Hamburg und nach St. Pauli zurück. Auch ihn porträtierte der NDR 2025 für das Hamburg Journal. Auch in diesem Beitrag fehlen wieder einmal sämtliche journalistischen Einordnungen oder kritische Rückfragen. Hoffmann wird als tolerant und weltoffen inszeniert, hat erkennbar keine Berührungsängste mit dem liederlichen Schmutz des „Rotlichtviertels“.
Hoffmann selbst versteht sich als von Wolfram Kopfermann geprägt. Die Älteren unter Euch erinnern sich vielleicht? Wolfram Kopfermann war bis 1988 Pfarrer an der Hamburger Hauptkirche St. Petri und gründete nach seinem Abgang aus der evangelischen Landeskirche die Anskar-Freikirche, eine weitere einflussreiche Freikirche in Hamburg, ebenfalls bei GfH.
Warum Arne Kopfermann kein Charismatiker mehr ist
Kopfermanns Sohn, Arne Kopfermann, setzte sich zuletzt kritisch mit dem charismatischen Christentum auseinander. Zentrale Aspekte seiner Kritik enthalten Schlagworte wie Autorität, geistige Kriegsführung, „Alpha-Männchen“ und Hierarchie. Das entspricht auch unserer Wahrnehmung und ist im Zuge eines in heftige Krisen und Kriege eingebetteten markanten gesellschaftlichen Rechtsrucks ziemlich besorgniserregend. Im Hamburg der 1980er führte Kopfermanns Gründung der Anskar-Kirche zu einer Jahre andauernden intensiven, konflikthaften Auseinandersetzung, die aber mittlerweile unter dem Schlagwort „Ökumene“ weitgehend ruht.
Hoffmann jedenfalls gründete das Projekt „Kiez-Kirche“, das angeblich zu einem „Christlichen Glaubenswerk“ in Wedel gehört, über das sich aber keine weiteren Details herausfinden lassen.
Auch das ist eher normal, wenn wir recherchieren. Vieles bleibt nebulös, oft scheint es, als ob Namen und Begebenheiten bewusst uneindeutig gehalten werden. Das war ja auch in der Entstehungsgeschichte des Gebetshaus Hamburg deutlich zu spüren, wo nur „von einem Pastor“ und „einer Frau“ die Rede ist. Vielleicht sind das Reminiszenzen an den Tonfall von Bibelgeschichten? Aber vielleicht ist auch einfach unerwünscht, dass allzu klar wird, wer mit wem und zu welchem Zweck kooperiert? Ob mystische Folklore oder Geheimniskrämerei … allzuoft wird nicht klar, wer eigentlich „dahinter“ steckt.
Im Podcast „Kiezmenschen“ der Hamburger Morgenpost erzählt Hoffmann allerdings ziemlich bereitwillig über seinen Werdegang. Lieben wir.
Hoffmann ist ein Kirchenhopper, er nimmt sich von allem etwas mit und bastelt daraus sein eigenes Image. Werber, halt? Ob Trauung in der „Ritze“, Gottesdienst mit Tanzeinlage („alles bedeckt“) in Susis Showbar oder Gottes Wirken in „einem Kneipenwirt“. „Sogar die Transvestiten aus der Schmuckstraßen“ könnten zu Gott finden, sagt er da.
Lieben wir nicht, solche Sätze.
In einem Eintrag im Blog des Gebetshaus Hamburg vom 26.06.2025 erwähnt Hoffmann auch Daniel Schmidt:
„So tauchte ein Kneipenwirt in den öffentlichen Gottesdiensten des Projekts Kiezkirche auf. Im Nachhinein weiß ich, dass zu der Zeit schon einige Christen für ihn beteten. Hin und wieder begegnete ich ihm in der Folge des Gottesdienstbesuches scheinbar zufällig auf dem Kiez. Auch in diesen Begegnungen bildete sich Vertrauen. Ich bemerkte, dass der Heilige Geist an ihm arbeitete und er offen für Christus war. Gleichzeitig hatte ich den Gedanken, den Prozess zum konkreten Glauben an Christus nicht „pushen“ zu sollen.
Den genauen Zeitraum habe ich nicht mehr parat, ich denke, es war ein Prozess von zwei bis drei Jahren. Schließlich schrieb er mir eine WhatsApp Message und wollte beten. Wir trafen uns und er war so weit, Jesus Christus als Herrn in sein Leben zu lassen und dabei auch Dinge an diesen sozusagen abzugeben.
Seitdem ist um diesen Mann herum weiteres geistliches Leben – auch mitten auf dem Kiez St. Pauli – gewachsen. Weitere Personen gewinnen Glauben, interessieren sich für den Glauben und werden in vorhandenem Glauben stärker. Mittlerweile ist in diesem Umfeld die christliche Gemeinde Barmbek Süd am Geschehen beteiligt.“
Auch Hoffmann hat Großes vor: Die Kiez-Kirche soll ein „Pionierprojekt“ sein, wer unterstützt wird gar zum „St. Pauli Glaubenspate“.
Ein letzter Exkurs: An den Hansaplatz
Wie sehr Mission Freedom, Gaby Wentland und auch die „operative Leitung“ von Mission Freedom, Inga Gerckens (zugleich Geschäftsführerin des erwähnten Haus SeeNest im Allgäu), überall in Hamburg seit Jahren mitmischen, zeigt auch der Blick zurück. Nicht nur die Reeperbahn, Herbertstraße und St. Pauli werden immer wieder zum Sehnsuchtsort christlich-fundamentalistisch motivierter Rettungs- und Missionsarbeit. Auch im Umfeld des Hamburger Hauptbahnhofs, genauer gesagt am Hansaplatz, sind solche Aktivitäten dokumentiert.
Seit 2009 „überschüttet“ die Freie Christus Gemeinde Barmbek Süd (FCGB Süd) Sexarbeiter*innen mitten im heutigen Kontaktverbotsgebiet – wo die Anbahnung und die Nachfrage von sexuellen Dienstleistungen untersagt ist – mit „der Liebe Jesu“ und zeigt ihnen so „einen Weg zu Gott“. Auf der Gemeinde-Homepage wird diese „Arbeit unter den Prostituierten in St. Georg“ vorgestellt. Der Text schließt mit dem Satz: „Dafür wollen wir verstärkt ein Netzwerk zu anderen Hilfsorganisationen aufbauen.“
Netz – werken!
Dieses Netz hält bis heute. Und wächst gerade wieder. Zufällig entdeckten wir Inga Gerckens – obgleich nicht namentlich erwähnt – auf Fotos des Instagram-Profils der FCGB Süd. Sucht man genauer, finden sich dort zwischen 2021 und heute immer wieder Bilder von ihr.[i] Wir graben also tiefer: Bingo. 2022 ist Gerckens ehrenamtlich im Leitungsteam der FCGB Süd engagiert. Übrigens: Das ist diese Gemeinde, die Daniel Schmidt in Hamburg aufsucht – in der bereits genannten ARD Doku unterhält er sich mit deren Pastor Philipp Quast.
Und es gibt ein weiteres Bindeglied, das sowohl in Schmidts Buch „Löwengrube“ als auch in der FCGB auftaucht und zusätzlich den Bogen zu Ehrenamtlichem Engagement schlägt: Annikka Möller bietet in den Gemeinden der Freien Christus Gemeinde Hamburg Kinderfreizeiten an. Gleichzeitig leitet sie das Büro von Schmidts Verein: Wer wenn nicht wir e.V.
Christus für alle Nationen & der Mähdrescher Gottes
Nun kommen wir zur bereits angekündigten letzten Begebenheit (zumindest für heute 😊) rund um Mission Freedom und Gemeinsam für Hamburg:
Gaby Wentlands Ehemann Winfried, Evangelist und Pastor, arbeitet neben seiner Tätigkeit in der Freien Gemeinde Neugraben auch heute noch für das Missionswerk „Christus für alle Nationen“ (CfaN). Der Dienst ist insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent mit Massenevangelisationen und (vermeintlichen) „Massenheilungen“ bekannt. Zu Zeiten des mittlerweile verstorbenen ehemaligen Leiters Reinhard Bonnke, der aufgrund seines Predigtstils auch „Mähdrescher Gottes“ genannt wurde, waren die Wentlands noch beide gemeinsam für CfaN tätig. Auch in Deutschland ist CfaN aktiv – mittlerweile auch mit diversen Ablegern, wie gerade erst beim „City of Lights“-Event mit Kinderfest in Berlin.
Oda Lambrecht und Christian Baars schildern in ihrem bereits 2009 erschienenen Buch „Mission Gottesreich“ einen Auftritt Bonnkes in der Freien Christengemeinde Bremen (heute: hoop Kirche) im Mai 2008. Dort betete Bonnke für Kranke:
„Tumore weicht in Jesu Namen! Krebs verschwinde in Jesu Namen! HIV-positiv werde HIV-negativ! In Jesu Namen! (…) Alle Infektionen, Neurosen, ich breche die Kette aller Depressionen, in Jesu Namen! Die Freude am Herrn wird deine Stärke sein und deine Medizin sein.“
Doch zurück zu den Wentlands: 2019 hat Winfried Wentland angeblich diesen Truck herumstehen, auf dem Grundstück in Neugraben (?). Gaby Wentland erzählt das so:
„‚Brauchst du den?‘ hab ich gesagt. ‚Den brauch ich sofort‘.‚OK‘, hat er gesagt. ‚Gut dann hast du ihn, kannst ihn haben.‘ Und dann hab ich gesagt:
‚Herr, ich brauch jetzt richtig gesalbte Männer. Eigentlich wünschte ich mir den Reinhard Bonnke. Das war 2019. Ich wünschte mir den Reinhard Bonnke, weil den kenn ich persönlich, ne, ich bin mit ihm viele viele Jahre zusammen im Dienst gewesen oder fast die meiste Zeit meines Lebens und dann ruft er mich doch glatt an.
Der Reinhard Bonke ruft mich an und sagt: ‚Gabi, der Herr hat noch einmal zu mir gesprochen, ich soll noch einmal nach Hamburg kommen.‘ Sag ich: ‚Reinhard, ja, das ist richtig, das ist vom Herrn.‘ Und in dem Moment fiel mir aber ein, dass er körperlich nicht mehr fit war. Also er war körperlich nicht mehr fit, geistlich war er beste, beste Sahne, also ging gar nicht besser und (…)“
Wentland fragt Bonnke:
„‘Reinhard, hast du jemanden, den du mitbringst aus Amerika?‘
‚Ja, ich bringe Todd White mit.‘
Und Todd White (gehört zu Lifestyle Christianity, Anm. FundiWatch), das ist so der gesalbteste Mann für die Straße, mehr geht nicht, der ist mehr im Gefängnis gewesen als jemals woanders, und der liebt Jesus von ganzem Herzen und jeder, der ihm begegnet, der muss Jesus annehmen, also wirklich (…)“
Und so geht es minutenlang weiter: Ambassadors for Christ als Gaby Wentlands Bodyguards, die Polizei befürchtet einen Krieg, Wentland stellt die Behörden ruhig, indem sie vorgibt, es ginge nur um Musik („Die haben gar nicht gemerkt, um was es ging.“) und so weiter… Und schließlich gewinnt sie noch einen weiteren „Stargast“ für ihr Event:
„Ein ganz krasser Typ aus Amerika“
„Dann bin ich in die Bordelle und dann habe ich zu den Jungs in den Bordellen gesagt: ‚Ey, ich bringe euch den besten Musiker der Welt und einen ganz krassen Typ aus Amerika. (…) Jake Hamilton, der ist bei Bethel (Bethel Church aus Redding, Anm. FundiWatch) angestellt. Jake hab ich erlebt in Nürnberg, da haben wir im Stadion eine große Konferenz gehabt, da waren 26.000 Menschen und der Jake kam auf die Bühne, und er hat es so gemacht, und Jesus war in der Halle.“
Wentlands Rock & Gospel stieg am 18.05.2019 mit Repräsentant*innen von Christ for all Nations, Lifestyle Christianity und Bethel Church. Im Abspann: Gemeinsam für Hamburg.
Frei nach dem Motto: „Wer, wenn nicht wir?“ wachsen und gedeihen fragwürdige Netzwerke mit noch fragwürdigeren Absichten. Hinschauen lohnt sich, meinen wir!
[1] Privatarchiv FundiWatch
[2] https://www.instagram.com/p/DRXjrx1DLzX/ (2025)
https://www.instagram.com/p/CfLLsOjIye4/ (2022) https://www.instagram.com/p/CQP960HLuRK/ (2021)

