Alle Jahre wieder?

MAGA, internationale Rechte, evangelikale Netzwerke und fossile Energielobbyisten treffen sich erneut zur Konferenz der Alliance for Responsible Citizenship (ARC) – von deutschen Medien wird das bisher ignoriert…

(Quelle Titelbild: ARC-Conference). Vor einem guten Jahr berichteten wir bereits über die Konferenz der Alliance for Responsible Citizenship ARC25 in London. Es handelt sich dabei um eine der wohl größten (und wohl einflussreichsten) rechten Konferenzen in Europa. Aktuell findet die Konferenz vom 23. bis 25.06. nun erneut in London statt.

Die ARC ist ein rechtslibertärer Think Tank, der vor etwa vier Jahren vom umstrittenen kanadischen Psychologen Jordan B. Peterson ins Leben gerufen wurde. Mehrere Medien verorten Teile des Teilnehmerfelds ausdrücklich im Rechtsaußen- bzw. far-right-Spektrum, insbesondere Vertreter aus AfD- und Vox-nahen Milieus.

Besonders auffällig ist die dortige Vernetzung der christlichen Rechten mit der internationalen Rechten, Teilen der MAGA-Bewegung und fossiler Energielobby.

1. Heute startet mit der #ARC2025 Konferenz eine der größten (und wohl einflussreichsten) rechten Konferenzen in Europa. Neben ua Mike Johnson und Frauke Petry dabei auch zahlreiche Personen aus dem christlich-fundamentalistischen KiNC-Netzwerk. Deutsche Medien scheint das nicht zu interessieren…?!

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-02-17T18:37:40.525Z

Rückblick: Die ARC25: Klassenfahrt „christlicher“ Influencer*innen

Bereits vergangenes Jahr wurde die Konferenz zunächst von deutschen Medien nicht aufgegriffen.

Das Blatt wendete sich etwas, als wir darüber berichteten, dass mehrere Christfluencer*innen wie u.a. Jasmin Friesen (damals noch Neubauer, liebezurbibel / „In Zeiten wie diesen„), Jana Hochhalter („In Zeiten wie diesen„), Tini Brüning (die tagespost), Lukas Furch (The Chosen) und auch der rechtsextreme Leonard Jäger aka „Ketzer der Neuzeit“ an der Konferenz teilnahmen und ihren Besuch intensiv auf Social Media als „gemeinsame Klassenfahrt“ verbreiteten. Johannes Hartl, Leiter des Gebetshaus Augsburg, trat als Redner auf.

Quelle: Instagram / Tini Brüning

Dabei traf die Gruppe der Christfluencer*innen auch auf Frauke Petry (ehem. AfD-Vorsitzende, jetzt „Team Freiheit“ – für die Lukas Furch tätig ist) sowie Fadi Krikor, einen der beiden Mitinitiatoren der umstrittenen Münchener Glaubenskonferenz UNUM24 und Betreiber des Father’s House of all Nation im ehemaligen Kloster Altenhohenau.

Erneut aufgegriffen wurde das Thema, als das christliche Rap-Duo O’Bros letztes Jahr Platz 1 der deutschen Albumstarts erreichte – auch Alexander Oberschelp von den O’Bros nahm an der „Klassenfahrt“ zur ARC25 teil. Übrigens nicht das erste Mal. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er an der ersten ARC-Konferenz teilgenommen – ebenfalls gemeinsam mit Jasmin Friesen und Leonard Jäger. Also eben kein „Zufall“ wie später häufig beschwichtigend verbreitet wurde.

Wohl das erste mal in der Geschichte steht mit den O'Bros eine rechts-christliche Lobpreisband auf Platz 1 der #Albumcharts. Dass es hier um viel mehr als "HipHop mit christlichen Botschaften" geht, wird von Medien bisher nicht wahrgenommen, in christlichen Kreisen oft verharmlost… 1/9

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-04-06T18:28:57.230Z

Erneut „bemerkenswerte“ Teilnehmende: Johannes Hartl und Springer-CEO Dopfner sowie Rechtskatholikin Gudrun Kugler (OIDAC)

Vom 23. bis 26.06. findet nun die vierte ARC-Konferenz statt – die dritte Konferenz in London; 2024 traf man sich im australischen Sydney.

Und wieder scheint das Medieninteresse in Deutschland gering bzw. nicht vorhanden. Dabei finden sich unter den Teilnehmenden erneut auch zahlreiche Teilnehmende aus Deutschland und Österreich, auf die wir hier nicht alle eingehen können.

Kurz zu einigen besonders bemerkenswerten Personen:

Johannes Hartl

Darunter erneut der Theologe und Leiter des Gebetshaus Augsburg, Johannes Hartl, der bereits letztes Jahr auf der ARC25 als Redner auftrat. Zuletzt stand Hartl in der BR-Doku „Die hippen Missionare“ mit seinem Gebetshaus und der MEHR-Konferenz im Fokus kritischer Medienberichte. Anschließend verteidigte er sich gegen Kritik – ausgerechnet im rechtspopulistischen Portal NIUS, wo er im Podcast zu Gast war.

Quelle: Instagram / Johannes Hartl

Mathias Dopfner

Ein weiterer Redner auf der Konferenz sollte eigentlich ebenfalls die Öffentlichkeit besonders interessieren (und beunruhigen): Springer-CEO Mathias Dopfer findet sich ebenfalls auf der prominent besetzten Rednerliste.

Bildquellen: https://www.arc-conference.com/arc26-speakers

Ideologisch dürfte sich Dopfner auf der ARC26 sehr wohl fühlen

Dafür spricht auch ein erster Artikel des rechtskonservativen evangelikalen Idea-Magazins (Paywall). Demnach habe Dopfner auf der ARC26 kritisiert, dass zu viele Journalisten Aktivismus mit Journalismus verwechseln würden. Bei Springer sei das anders. Dort habe man sich eine „intellektuelle Verfassung“ gegeben, die sogenannten „Essentials“. Aha.

Gudrun Kugler

Mit dabei ist auch wieder Gudrun Kugler, österreichische Politikerin, Juristin sowie katholische Theologin und sogar im „Advisory-Board“ der ARC vertreten. Sie sitzt seit 2017 für die Österreichische Volkspartei im Nationalrat und ist seit 2024 Vizepräsidentin der Parlamentarischen Versammlung der OSZE.

2023 fand Kugler im Bereich Rechtskatholizismus Erwähnung im österreichischen Rechtsextremismusbericht des DÖW. Kugler wird zudem als zentrale Akteurin der „Agenda Europe“ gesehen, ein europaweites Netzwerk konservativ-christlicher Akteure, das sich für die Wiederherstellung einer „natürlichen Ordnung“ einsetzt und dabei insbesondere gegen Abtreibungs- und LGBTIQA+-Rechte mobilisiert.

Schließlich ist Gudrun Kugler Initiatorin des Observatoriums gegen Intoleranz und Diskriminierung von Christen in Europa (OIDAC), das über vermeintliche Fälle von Christenverfolgung berichtet. Executive Director des OIDAC ist Anja Tang, ehemalige Mitarbeiterin in Kuglers Büro. Der Ehemann von Kugler, Martin Kugler ist „President of the Board“ von OIDAC. Bis 2000 war Martin Kugler Pressesprecher der rechtskatholischen Gruppe Opus Dei für Zentraleuropa.

Die Seriosität der Zahlen und Falldarstellungen von OIDAC sind umstritten, dies auch hinsichtlich der Einordnung von Fällen als „christenfeindlich“. Beispielsweise listet das OIDAC auch den friedlichen Protest des Bündnisses #NoUNUM24, das gegen die christlich-fundamentalistische Glaubenskonferenz UNUM24 in der Münchener Olympiahlle protestiert hatte, als vermeintlichen Fall auf – obwohl der Protest, auch vor Ort, von zahlreichen christlichen Personen und Gruppen unterstützt wurde wie beispielsweise #OutInChurch oder der Evangelischen Jugend München. Gleichwohl greifen zahlreiche Medien gerade auch die vergangenen Wochen wieder die Zahlen von OIDAC völlig unkritisch auf (vgl. zB. erst jüngst die Welt aber auch der Deutschlandfunk).

„Anti-Woke-Davos“: Wirklich kein Thema für die Medien?

Es überrascht(?), dass insbesondere deutsche Medien die Vernetzung der internationalen Rechten, christlicher Fundamentalist*innen, Teilen der MAGA-Bewegung und Klimawandelleugner*innen offenbar nicht für berichtenswert halten. Aber vielleicht ändert sich das in den kommenden Tagen ja noch.

Besorgniserregend scheinen diese Vernetzungen allemal und sie sollten genau im Blick behalten werden. Nicht zuletzt auch, weil sich auf der ARC viel politischer Einfluss und viel Geld zu einer Agenda versammeln, die laut Guardian von einigen als „Anti-Woke-Davos“ bezeichnet wird. Zur ARC26 heißt es dort:

„Mehr als 4.000 Delegierte aus 85 Ländern – von der konservativen Führerin, Kemi Badenoch, bis hin zu US-amerikanischen Anti-Abtreibungs-Aktivisten und Vertretern europäischer rechtsextremer Parteien – nehmen an der diesjährigen Konferenz Alliance for Responsible Citizenship (ARC) in London teil.

Von manchen als „Anti-Woke-Davos“ bezeichnet, wurden auf der Bühne des Olympia-Konferenzzentrums Themen propagiert wie eine libertäre Ablehnung grüner Wirtschaftspolitik, sozialkonservative Anliegen wie die Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen sowie Widerstand gegen Multikulturalismus.“

(Original in Englisch, Übersetzung d. Verf.)

In Deutschland scheint das bisher kaum jemanden zu interessieren. Und so traten erst vergangenes Wochenende die O’Bros bei Hartls „Mission is possible“ Event in Augsburg auf. Mit dabei auch die Bischöfe Bertram Meier und Stefan Oster von der katholischen Kirche.

Rechtspopulisten ins neue EKD-Gesangbuch?

Achja, und ein von Johannes Hartl geschriebenes Lied steht übrigens aktuell auf einer vorläufigen Vorschlagsliste für das neue evangelische Gesangbuch der EKD. Als wenn es in der Vergangenheit nicht schon genug umstrittene Lieddichter in dem Gesangbuch gegeben hätte – einige wollen nun offenbar für „Nachschub“ sorgen…

Aber dazu an anderer Stelle einmal mehr.

Nach Kritik der ICF München: Spiegel-TV löscht Passage aus Doku

Gefährliches Einknicken mit Folgen?

Am 12.01.2026 strahlte Spiegel-TV die Reportage: „Radikale Christen: Hass im Namen des Herrn“ aus. Die ICF (International Christian Fellowship) München, eine große evangelikale Freikirche mit Hauptstandort in der Schweiz und zahlreichen Standorten in Deutschland, kritisierte die Sendung scharf. Unter anderem, da ihr dort „Hetze gegen Abtreibung“ vorgeworfen wurde.

Wie verschiedene evangelikale Medien und die ICF selbst berichten, wurden die entsprechenden Sequenzen zum ICF München nun nachträglich aus der Doku entfernt.

Ein Hinweis oder eine Stellungahme von Spiegel-TV dazu findet sich bisher nicht. Das könnte als Eingeständnis gewertet werden, dass die Vorwürfe unangebracht sind. Doch unsere Recherchen belegen eher das Gegenteil. Wie sonst sollten Vergleiche von Schwangerschaftsabbrüchen mit „Völkermord“, „Blutschuld“ und „Kinderopfern“ gemeint sein?

Edit: Am 06.02.2026 berichtete auch die taz über das Thema: Wenn radikale Christen den Schnitt diktieren


Um die International Christian Fellowhip (ICF) und deren herrschaftstheologische Ideologien geht es auch im Beitrag: Christliche Fußballinfluencer*innen zur Missionierung – Geistlicher Kampf mit Fußball?

Weiterlesen

Was ist passiert?

Die Spiegel-TV Doku beschäftigte sich mit der vom Verfassungsschutz beobachteten Gemeinde „FWBC Seelengewinnen“ aus Pforzheim (zuvor „Baptistenkirche Zuverlässiges Wort“), den Christfluencer*innen Jasmin Friesen und Leonard Jäger (aka „Ketzer der Neuzeit“) und im Zusammenhang mit der Anti-Abtreibungsbewegung „Marsch für das Leben“ mit der ICF München.

Die ICF München kritisierte die Berichterstattung scharf. Insbesondere sah sie den Vorwurf, gegen Abtreibung zu hetzen, als unbegründet an.

Kommentarlos wurden nun die die ICF München betreffenden Passagen aus der Doku entfernt. Eine Antwort auf eine Anfrage an Spiegel-TV über die Gründe hierzu blieb bis zur Veröffentlichung dieses Artikels unbeantwortet.

Mehrere Medien aus dem evangelikalen Umfeld (u.a. das rechtspopulistische Idea-Magazin und jesus.de) sowie die ICF München selbst berichten nun von einem Erfolg: Laut Idea wertete der ICF-Pressesprecher die Reaktion von Spiegel-TV als „Ermutigung, auch künftig entsprechend auf eine etwaige Berichterstattung zu reagieren, wenn es notwendig sei„.

Was wurde aus der Doku gelöscht?

Die bei Spiegel-TV gelöschten Sequenzen sind weiterhin in diversen Reaction-Videos evangelikaler Christfluencer*innen abrufbar.

So – wenig überraschend – beim ebenfalls in der Doku erwähnten Christfluencer Leonard Jäger. Jäger wird laut einer kürzlich veröffentlichten ZDF-Doku „Christliche Influencer mit rechter Agenda“ im Verfassungsschutzverbund als bekannter Extremist beurteilt und dem Bereich der „verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates“ zugeordnet. Er ist eng mit Jasmin Friesen befreundet und tritt immer wieder gemeinsam mit ihr auf.

Ursprünglich leitete der Spiegel-TV Bericht nach einer Sequenz über den Anti-Abtreibungs-„Marsch für das Leben“ zur ICF München über:

„Auch in der Freikirche ICF Church in München wird gegen Abtreibung gehetzt. Auf der Kanzel im lässigen Tarnhemd ein selbsternannter Moralapostel.“

Es folgte ein Ausschnitt aus einer Predigt von Jens Koslowski, bei der ICF München zuständig für den Bereich „Discipleship & Leadership„. Vor einem Monitor mit dem Bild eines Plakats mit der Aufschrift „My body, My choice“ sagt Koslowski:

„Da siehst du auch solche Sachen wie z.B. ‚Abortion ist Healthcare‘. Also Abtreibung ist sowas wie Gesundheitsfürsorge. Wäre in etwa so – ich muss es so ausdrücken – wenn du Sklaverei als Festanstellung betiteln würdest.“

und

„Aber Abtreibung wird jetzt nicht primär dazu führen, dass dein Schmerz, der dir zugefügt wurde jetzt heil wird, dass dein Herz heil wird.“

und

„Und das ist ein Punkt, vor dem ich dich einfach warnen möchte und dir zusprechen möchte: Gott ist der einzige, der deine Seele heilen kann.“

Die betreffende Predigt ist weiterhin in voller Länge unter dem Titel „Abtreibung – my body my choice?“ auf dem YouTube-Kanal der ICF München abrufbar.

Reaktionen der ICF München

In ihrer Stellungnahme zur Doku betont die ICF München:

„Die im Beitrag von Spiegel TV behauptete ICF-Position zu Abtreibung wird falsch und pauschal dargestellt. Im Beitrag wörtlich: ‚Auch in der Freikirche ICF Church in München wird gegen Abtreibung gehetzt.‘

Diese Aussage entbehrt jeder Grundlage und ist eine falsche Behauptung, von der sich ICF München klar distanziert.

Das Thema Abtreibung ist äußerst komplex. Wenn darüber in einer Predigt gesprochen wird, dann nach bestem Wissen und Gewissen sowohl aus der seelsorgerischen als auch aus der theologischen Perspektive, sowohl ausführlich als auch ausgewogen.

Diese Tiefe vermissen wir im Beitrag von Spiegel TV deutlich.“

Schon die in der Doku ursprünglich enthaltenen Passagen vermitteln kaum den Eindruck einer „ausgewogenen“ Thematisierung des Themas Abtreibung.

Auch „mehr Tiefe“ – unter Berücksichtigung der ganzen Predigt – ändert daran nichts. Eher im Gegenteil: Im weiteren Verlauf der Predigt empfiehlt Koslowski Personen in Schwangerschaftskonflikten, statt abzutreiben, besser anonym zu entbinden und das Kind in Obhut zu geben…

Die „ausgewogene seelische und theologische Perspektive“ der ICF auf das Thema Abtreibung: Götzenopfer, Völkermord, Blutschuld und Generationenflüche…

Und auf den Internetseiten der ICF München finden sich noch eine ganze Reihe weiterer Zitate, die den Vorwurf einer „Hetze“ gegen Abtreibung noch weiter nachvollziehbar, wohl eher sogar als zu harmlos erscheinen lassen.

So zum Beispiel Passagen aus einem veröffentlichten Paper vom 30.06.2019 von Tobias Teichen, dem Leiter der ICF München, unter dem Titel „Fighting for Truth„. Mit aus der Luft gegriffenen Behauptungen werden dort Abtreibungen mit „Götzenopfern“ verglichen:

„Abtreibung: Einige der Nachbarvölker Israels opferten damals ihre Kinder im Feuer, um von dem Götzen Moloch Wohlergehen, eine bessere Zukunft, Erleichterung, Freiheit, finanziellen oder beruflichen Segen zu erhalten. In erschreckender Weise sind dies dieselben Argumente, die hinter 96% der Abtreibungen heutzutage stehen (über die restlichen 4%, die mit Vergewaltigungen und medizinischen Notfällen zu tun haben, kann man diskutieren).“

In einem weiteren auf der Webseite abrufbaren Dokument zu einem ICF-Gottesdienst des evangelikalen Prof. Christian Raedel (u.a. bekannt aus dem Gerichtsverfahren gegen den Bremer Pfarrer Olaf Latzel wegen Volksverhetzung) vom 07.07.2024 heißt es unter dem Titel „Wie schön, dass du geboren bist“:

„Sag NEIN zu der Kultur des Todes. Durch den Heiligen Geist Kraft empfängst du die Kraft, JA zu sagen zu dem Kind, zu dem Gott bereits JA gesagt hat.“

In einem Dokument von Koslowskis Ehefrau, die bei der ICF München im gleichen Bereich wie er tätig ist, wird Abtreibung schließlich als „Geistliche Ursache für psychische Krankheiten“ bezeichnet, die sich nach ihrer Auffassung offenbar wie ein Generationenfluch auf folgende Generationen auswirken kann:

„Blutschuld: Deine Vorfahren tun etwas (z.B. Abtreibung), und du hast nun ‚Blut‘ an deinen Händen.“

Ähnlich problematische Äußerungen lassen sich auch an weiteren Standorten der ICF auffinden, wie beispielsweise bei der ICF Hamburg, wo Abtreibung mit „Völkermord“ (Archivlink, Original zwischenzeitlich entfernt; edit: 07.04.2026) verglichen wird:

„Wenn es Gott gibt und jedes menschliche Wesen von ihm gewollt und geliebt ist, dann ist Abtreibung eine Tötung und damit von der Schwere gleichzusetzen mit dem Töten eines Menschen der schon geboren ist. Die Abtreibe-Praktiken ähneln dann einem Völkermord, in welchem viele Menschen umgebracht werden, weil es einem eben gerade so passt.“

Die Problematik am „Rückzieher“ von Spiegel-TV

Die Ideologie der ICF beim Thema Abtreibung sollte aus den Zitaten bereits ablesbar sein. Ebenso, dass es wohl alles andere als fernliegend ist, diese als „Hetze gegen Abtreibung“ zu bezeichnen.

Warum also löschte SPIEGEL-TV die Sequenzen zur ICF München? Revidiert das Format so seine Wertung der ICF-Positionen oder hält sie gar doch nicht für so problematisch? Fakt ist: In einer Zeit, in der das Thema Abtreibung durch ultra-konservative bis extrem rechte Kampagnen zur Zielscheibe gemacht wurde und wird, besteht ein dringender Aufklärungsbedarf über Akteur*innen in diesem Umfeld.

Zudem verdeutlichen weitere Berichte über die ICF und Informationen von Weltanschauungsstellen immer wieder, dass die Positionen der ICF nicht nur beim Thema Abtreibung problematisch sind: Erst letztes Jahr deckte der Journalist Kevin Ebert in einer Undercover-ARD-Recherche im ICF Augsburg Praktiken von Konversionsbehandlungen auf, als er durch Handauflegen und Zungengebet von seiner Homosexualität „befreit“ werden sollte. Die Reportage „Inside Freikirche ICF“ ist weiterhin abrufbar.

Was Spiegel-TV konkret zur Löschung der Sequenzen bewogen hat, ist uns bisher nicht bekannt. Die ICF kritisierte zudem, die Doku habe sie mit der Pforzheimer Gemeinde “FWBC Seelengewinnen” in „einen Topf“ geworfen. Diese propagiere in der Tat ein mit einem „biblischen Anstrich“ „radikal verzerrtes Glaubensverständnis“ und predige tatsächlich Hass.

Diese Art der Argumentation begegnet uns bei Diskussionen um christlichen Fundamentalismus und spirituellen Missbrauch immer wieder: Die Verantwortung liegt immer bei anderen, eine Selbstreflexion findet nicht statt.

Tatsächlich schlägt Spiegel-TV in seiner Doku einen großen Bogen von der vom Verfassungsschutz beobachteten FWBC Seelengewinnen mit ihrem wegen Volksverhetzung verurteilten Prediger Anselm Urban über Christfluencer*innen bis zum „Marsch für das Leben“ und die ICF München.

Wir halten es für wichtig, aufzuzeigen, wo die ideologischen Verbindungen zwischen diesen Akteur*innen liegen, worin konkrete Gefahren für Radikalisierungen liegen und was dies für Betroffene bedeutet. Hier stellte die Doku einen mutigen Versuch dar, wies allerdings – insbesondere im Bezug auf ideologische Verbindungen zur „FWBC Seelengewinnen“ – tatsächlich einige Schwachstellen auf, die vermeidbar gewesen wären.

So thematisierte die Doku beispielsweise auch den Pforzheimer Prediger Lothar Gassmann. Gegen ihn richteten sich Mordaufrufe aus der „FWBC Seelengewinnen“ bzw. der „Baptistengemeinde Zuverlässiges Wort“. Gassmann wird in der Doku lediglich als „erzkonservativer Christ“ vorgestellt. Hier fehlen wichtige Einordnungen.

Denn Gassmann steht der Werteunion und der AfD nahe, für deren Wahl er sich mehrfach aussprach. Das wird ebenso wenig erwähnt wie seine ebenfalls radikal queerfeindlichen Positionen.

Bereits im Lutherjahr 1996 und aktualisiert im Jahr 2017 verfasste Gassmann mit weitreichender Unterstützung aus dem christlich-fundamentalistischen Umfeld „95 Thesen zur Situation von Kirche und Gesellschaft„, die seine Radikalität belegen. Unter anderem wird dort die Aufhebung gesetzlicher Verfolgung „homosexueller Praktiken“ bedauert und prophezeit, dass dies zu einem Zerfall der Gesellschaftssysteme führen werde (Thesen 3 – 6):

„3. In vielen Staaten sind die Gesetze aufgeweicht oder abgeschafft worden, die Gotteslästerung, Pornographie, Abtreibung, Euthanasie, homosexuelle Praktiken, Drogenmißbrauch und ähnliches verboten haben.

4. Eine Gesellschaft, die Handlungen duldet oder sogar öffentlich fördert, welche die Heilige Schrift als „Sünde“ und „Greuel“ in den Augen Gottes bezeichnet, gräbt sich ihr eigenes Grab. Sie wird gerichtsreif. „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben“ (Sprüche 14,34).

5. Viele Staaten gleichen heute dem Römischen Reich vor seinem Untergang: Die innere Ursache seines Zerfalls war die sittliche Dekadenz.

6. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch heute Staats- und Gesellschaftssysteme, die sich gegen Gottes Gebote stellen, zerfallen.

Die Unterschiede zu den Forderungen der „FWBC Seelengewinnen“ nach Todesstrafen für queere Menschen erscheinen allenfalls graduell.

Die Äußerungen zeigen, dass fundamentalistische Glaubensvorstellungen nahezu immer mit der Abwertung von marginalisierten Gruppen einhergehen, denen häufig zudem die Verantwortung für (vermeintliche) gesellschaftliche Problemlagen zugeschrieben wird. Hier gäbe es auch noch weitere Anknüpfungspunkte zu anderen Protagonist*innen der Spiegel-TV Doku.

Fazit

Im Ergebnis ist die Spiegel-TV Doku trotz ihrer Leerstellen weiterhin ein Beitrag zur dringend nötigen Aufklärung über christlich-fundamentalistische Ideologien und Akteur*innen.

Besonders wichtig erscheinen die Ausführungen von Daniela-Marlin Jakobi, die in der Doku ebenfalls zur Sprache kommt. Seit ihrem Ausstieg aus einer freikirchlichen Gemeinde leistet Jacobi durch ihre persönlichen Erfahrungen einen Beitrag zur Aufklärung über die gesellschaftlichen und gesundheitlichen Auswirkungen entsprechend christlich-fundamentalistischer Ideologien.

Wir finden, die Doku schöpft nicht das gesamte Potential bei der Darstellung von Zusammenhängen und Netzwerken aus. Auf die ideologischen Verbindungen zur „FWBC Seelengewinnen“ wird kaum eingegangen.

Insbesondere kritisieren wir die kommentarlose nachträgliche Löschung der Sequenzen zum ICF München. Hier wäre eine öffentliche Erläuterung seitens Spiegel-TV das Mindeste.

Das „Macher Festival“ der „Real Life Guys“

Missionierung christlicher Fundamentalist*innen zwischen Bohrmaschinen und Monster-Cars?

Vom 07. bis 10.08.2025 fand nördlich von Leipzig zum zweiten Mal das sogenannte Do-It-Yourself & Handwerker-Macher Festival des Projekts The Real Life Guys in Kooperation mit zahlreichen Unternehmen aus dem Bau- und Heimwerkergewerbe statt. Das Ferropolis-Gelände wurde dazu in einen riesigen Abenteuerspielplatz verwandelt.

Wer die Geschichte der Real Life Guys und ihr Engagement in der christlich-fundamentalistischen Szene kennt, wird eine dementsprechende „christliche“ Ausrichtung des Festivals zunächst trotzdem allenfalls am Rande finden. Bei genauerer Betrachtung, scheint das Festival aber durchaus auch als „Missionsfeld“ dienen zu sollen…

Weiterlesen

Nach 2024 veranstalteten die Youtuber The Real Life Guys nun zum zweiten Mal das DIY & Handwerker-Macher-Festival in Gräfenhainichen auf der Halbinsel des Ferropolis-Gelände. Mit zahlreichen Partnerunternehmen wie Abus, Bosch, Hailo, Hornbach u.v.m. versprach das Macher Festival ein actionreiches Wochenende bei besten Sommertemperaturen, dessen Fokus auf Spaß, Erlebnis und Abenteuer liegt.

Strategische Partnerschaft zur Förderung des Branchennachwuchses?

Das Ganze soll allerdings offenbar auch einen wirtschaftpolitischem Zweck dienen: Erst letzten Monat gingen der Zentralverband Deutsches Baugewerbe und die Real Life Guys eine strategische Partnerschaft in den Bereichen Fachkräfte und Branchennachwuchs ein.

Laut einer hierzu veröffentlichten Pressemitteilung soll die Partnerschaft dazu dienen, die vielfältigen Möglichkeiten einer Ausbildung im Bauhandwerk sichtbar zu machen. Die Real Life Guys seien durch spektakuläre Eigenbau-Projekte wie U-Boote aus Badewannen oder selbstkonstruierte Fluggeräte bekannt, erreichten allein auf YouTube fast zwei Millionen Abonnenten und sprächen mit ihrem DIY-Ansatz gezielt eine junge Zielgruppe an.

Doch beim Projekt der Real Life Guys geht es um mehr…

Die Glaubensgeschichte der Real Life Guys

Tatsächlich ist die Erfolgsgeschichte der Real Life Guys und ihr großer Erfolg bemerkenswert. Wer sich mit dieser aber etwas näher befasst, wird schnell feststellen, dass es dabei um deutlich mehr als actionreiche Youtube-Videos und waghalsige DIY-Aktionen geht. Denn Johannes Mickenbecker, der das Projekt The Real Life Guys zunächst mit seinem Zwillingsbruder Philipp und seiner Schwester Elli startete, ist die Vermittlung seines tiefen christlichen Glaubens sehr wichtig.

Zwar wuchsen die Mickenbeckers bereits in einer streng christlichen Familie auf. Die Eltern unterrichteten ihre Kinder in der Grundschulzeit selbst, da es ihnen wichtig war, dass alle Dinge in Verbindung mit dem Glauben geschehen. Den Weg zum persönlichen Glauben fand Johannes nach eigenen Angaben aber erst nach dem plötzlichen Tod seiner Schwester und während der Krebserkrankung seines Zwillingsbruders Philipp.

Philipp war sich nach seiner Erkrankung zunächst sicher, dass Gott ihn heilen wird. Mit seiner Zuversicht, die er in seinem Glauben fand, war er gefragter Gast in zahlreichen Talkshows und auf christlichen Events, insbesondere in der freikirchlichen Szene. Die letzten Monate seiner Krankheit – bis hin zu seinem Verbluten auf dem Krankenbett – wurden in der Dokumentation „Philipp Mickenbecker: Real Life“ festgehalten (und kein noch so intimer Moment ausgelassen). Kurz nach dem in der Doku festgehaltenem Moment des Sterbens von Philipp verkündet einer der anwesenden (letzten nicht christlichen) Freunde: „Ich lass mich taufen“.

Bereits Anfang 2024 berichtete die taz über die zunehmend (subtil) missionarischere Ausrichtung der Real Life Guys und das schließlich 2020 mit Christopher Schacht, damals in Ausbildung zum Pastor und Missionar am theologischen Seminar des Bundes freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), gegründete Projekt Life Lion.

Wer sich auf der Webseite von Life Lion umschaut, erkennt schnell das klar evangelikal christlich-fundamentalistische Profil: Im Podcast finden sich Gespräche mit der eng mit dem rechten Influencer „Ketzer der Neuzeit“ verbundenen Jasmin Friesen (damals noch Neubauer) ebenso wie mit dem Prediger Henok Worku von der Vive Church, der auf einer Holy Spirit Night von neuen Bücherverbrennungen träumte. Auch der Youtube-Kanal von Life Lion mit 300.000 Abonent*innen bedient die geradezu „klassischen“ Themenfelder der Szene, wie „rituelle Gewalt“, Satanismus, Abtreibung, „Zwangsprostitution“, Wunder uvm.

Wo versteckt sich „Gott“ beim Macher Festival?

Von all dem bemerkt man bei der Bewerbung und auf der Homepage des Macher-Festivals zunächst nichts. Lediglich für den Sonntagmorgen wird ein Gottesdienst („Sunday Church“) angeboten.

Blickt man auf die Rezensionen des Events im vergangenen Jahr zurück, findet man auch einige kritische Kommentare:

Ansich ein tolles Festival. Schade, dass es so christlich gehalten ist, auch das Bühnenprogramm. War auf der Webseite nicht zu lesen. Werde nicht mehr hin gehen.

Ein weiterer Kommentar sieht dies offenbar weniger tragisch:

Klasse Sache. Etwas sehr christlich angehaucht aber alles im Rahmen des erträglichen. Freut euch schon auf nächstes Jahr.

Bei den auftretenden Bands ist „Gott“ omnipräsent…

Schaut man allerdings auf die auftretenden Bands, so wird die christlich-fundamentalistische Ausrichtung doch sehr deutlich:

Wenig überraschend finden sich darunter die O’Bros, die mit den Mickenbeckers befreundet sind, und über die in den letzten Wochen bereits ausführlich kritisch berichtet wurde (übrigens ohne, dass sich Alexander Oberschelp bisher dazu positioniert hätte, warum er dieses Jahr zum zweiten Mal an der rechtslibertären Konferenz der Alliance for Responsible Citizenship (ARC) teilnahm…).

Des Weiteren die ebenfalls sehr erfolgreiche christliche Lobpreisband Good Weather Forecast, die gemeinsam mit Elijah Thomas Appel auftrat. Appel gehört, ebenso wie Pala Friesen – Ehemann der bereits erwähnten Jasmin Friesen – und Mia Friesen, zur Outbreakband, die ebenfalls der christlich-fundamentalistischen Lobpreis-Band-Szene zuzurechnen ist.

Subtile Missionierung funktioniert eben immer noch am besten über auf den ersten Blick modern wirkende Musik (wer achtet schon auf die Texte?)… Wer an den Bands Gefallen findet, findet sich dann bei einem nächsten Konzert vielleicht schon bei deutlich radikaler ausgerichteten Veranstaltungen wie der UNUM24, der Holy Spirit Night oder einem Gottesdienst des katholischen Theologen Johannes Hartl wieder…

Über Umwege: „Bock auf missionieren?“

Abgesehen davon, scheint den verantstaltenden Real Life Guys bzw. genauer genommen der eigens hierfür gegründeten Macher Festival GmbH aber sehr daran gelegen, den Eindruck eines christlich ausgerichteten Festivals in der Außendarstellung vermeiden zu wollen.

Stattdessen verfolgt man das Anliegen, den „christlichen Glauben“ bei dieser Gelegenheit zu verbreiten, offenbar über Umwege:

So berichtete eine Gruppe der christlich-fundamentalistischen Organisation Campus für Christus (ursprünglich gegründet unter dem Namen „Campus Crusade for Christ“ und u.a. kritisiert für ihre Position zu Konversionsbehandlungen) bereits zum letztjährigen Macher Festival, dass sie von den Real Life Guys eingeladen wurden. Und zwar, so heißt es bei der Gruppe „The Four“ auf ihrer Webseite, „um mit Menschen über Gott und den Glauben zu sprechen – das, was wir am liebsten machen – wie cool ist das denn bitteschön?“.

The Four zeigte sich schon im letzten Jahr begeistert:

Da konnten wir hervorragend mit den wartenden Leuten ins Gespräch über die vier Symbole kommen – sie hingen uns richtig an den Lippen und man konnte mit Jesus “relaten”, als er von einem Boot aus zu den Menschen predigte. […]

Wir brachten auch den Living Bus mit einer Zehnstündigen Fahrt als evangelistischer Begegnungsort mit und bauten kurzerhand einen Kirchen-Aussichtsturm dazu – die Festival-Chappel war perfekt im Herzen des Campings platziert. […]

Also ging es weiter, wir hielten mehrere Evangelistische Inputs mit konkreten Aufrufen, Jesus kompromisslos nachzufolgen. Viele Menschen beteten ein Hingabegebet mit und einige entschieden sich für ein Leben mit Jesus. Irgendwann tauchten die O’Bros und Real Life Guys als Special-Acts auf und wollten den letzten Abend so richtig Party machen mit den Leuten. Doch nach fünf Minuten verabschiedeten sie sich wieder und meinten: „Macht ihr weiter, das passt irgendwie grad nicht in die Atmosphäre hinein.“ Und so wurde aus einer halben Stunde drei (!) Stunden Lobpreis und für viele fühlte es sich an wie Himmel auf Erden! Der Techniker meinte begeistert, dass 1000 Leute da waren. […]

Die Nächte waren kurz, der Schlaf wenig, die Reise lange und die Materialschlacht gross! Aber es hat sich mehr als gelohnt! Crazy, was Gott uns hier ermöglicht hat. Wir sind bereits wieder angefragt für nächstes Jahr.

Und tatsächlich, auch dieses Jahr ist The Four wieder beim Macher Festival vor Ort. Auf seiner Webseite sucht The Four nach Unterstützer*innen für den Missionseinsatz:

Hast du Bock, an dieser wilden Location Jesus gross zu machen? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie du deine Gaben und Fähigkeiten voll im ganzen Team einsetzen kannst. Wir brauchen jeden und sind sehr gespannt, was Gott dieses Jahr grosses vorbereitet hat. […]

Du kannst dich hier für den Aufbau, das Outreach Camp oder beides anmelden. Erlebe eine unvergessliche Zeit mit Gemeinschaft, Worship, gemeinsamer Gebetszeit und vieles mehr…

Während des diesjährigen Festivals ist The Four offenbar mit einem sogenannten „Living Bus“ aktiv und verteilt „Gewinn des Lebens“-Karten am Glücksrad. Verteilmaterial wie Bibeln und sonstige Traktate wurden offenbar rege verteilt.

Und so findet sich dann neben Monstertrucks und viel Feuerwerk dann doch noch ein Kirchturm mit der Aufschrift „Sprich mit Gott“ auf dem Gelände…

Bilder von der Instagram-Seite des Macherfestivals: Bühne mit Feuerwerk, Monstertrucks, ein aufgebauter Kirchturm

Ein anderer Teil der Gruppe von The Four ist währenddessen zeitgleich beim Missionseinsatz der Organisation ReachMallorca am Ballermann – mit „Heilungsgebeten“ und „Dämonenaustreibungen“ der Christfluencerin Rose de Jesus

Auch eine weitere Missionsorganisation hat sich auf den Weg zum Macher Festival gemacht: Das „Evangelisationsteamsuchte auf seiner Webseite ebenfalls nach jungen Leuten als willige Missionare:

Wen suchen wir?

Junge Leute zwischen 18 und 28 Jahren & offen, extrovertiert & herzlich

Bock auf Gespräche mit Eltern, während ihre Kinder bauen

Geschickt – denn vermutlich werden die meisten Eltern beim Aufpassen auf ihre Kinder also nicht weglaufen können. Obwohl es dazu sicher Anlass gäbe, wenn man sich die Inhalte auf der Seite des Evangeliumsdienst ansieht:

In einem auf der Webseite veröffentlichten Rundbrief wird z.B. vom letzten Bibelseminar und den dortigen Predigten des Bremer Pastors Olaf Latzel aus der Bremer Gemeinde St. Martini berichtet. So müssten Christen laut Latzel „in einem Land, das zunehmend Gottes Ordnungen ablehnt, aufstehen und für diese einstehen„. Unter „Gottes Ordnung“, so führt der Bericht weiter aus, sei „die staatliche Ordnung, die Ehe und die biblische Vorstellung von zwei Geschlechtern“ zu verstehen. Erst vor Kurzem wurde ein wegen Volksverhetzung geführtes Verfahren gegen Olaf Latzel gegen Auflagen eingestellt, seine Bezüge von der Landeskirche gekürzt.

Der perfekte Einstieg in die hippe Rückschrittlichkeit des Evangelikalismus…

Und so bleibt zum Ende dieses Artikels, der mit einem scheinbar harmlosen DIY & Handwerker Event begann und damit endet, wie dieses Event offenbar subtil und manipulativ zur Werbung für christlich-fundamentalistische Ideologien genutzt wird, das gleiche Resümee, wie es die taz in oben bereits erwähnten Artikel bereits vergangenes Jahr formuliert hat:

[D]ie „Real Life Guys“ machen die Szene, die sonst oft in ihrer eigenen christlichen Blase stecken bleibt, zugänglich. Weil sie bei Reizthemen wie dem biblizistischen Weltbild, Purity-Culture und Homosexualität vage bleiben, bilden sie den perfekten Einstieg in die hippe Rückschrittlichkeit des Evangelikalismus.

Doch vage bleiben im öffentlichen Auftritt heißt offenbar nicht, dass entsprechende Positionen nicht radikal vertreten und durchzusetzen versucht werden.

Was sagen eigentlich der Zentralverband Deutsches Baugewerbe und die unterstützenden Unternehmen dazu, dass sie diesen „Einstieg in die hippe Rückschrittlichkeit des Evangelikalismus“ fördern?

Instagram
Fundiwatch at Bluesky
Bluesky
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner