Hauptsache ‚machen‘ – Mission ohne Haftung?

Beim Macher Festival der Real Life Guys treffen Nachwuchswerbung fürs Handwerk, evangelikale Mission, riskante Selbstversuche und umstrittene Hilfe für wohnungslose Menschen aufeinander

Auf dem Ferropolis-Gelände in Gräfenhainichen wird geschweißt, geschraubt und ausprobiert. Das von den erfolgreichen Do-It-Yourself- und Abenteuer-YouTubern „The Real Life Guys“ initiierte und wesentlich geprägte Macher Festival präsentiert sich als riesiger Abenteuerspielplatz für Familien, Jugendliche und Menschen, die lieber anpacken als lange diskutieren. Vom 06. bis 09.08.2026 fand das Festival nun bereits zum dritten Mal statt.

Schon 2025 berichtete FundiWatch über die evangelikalen Verbindungen hinter dem Macher Festival. Auch 2026 waren Missionsorganisationen auf dem Gelände aktiv. Gleichzeitig arbeitet das Festival eng mit dem organisierten Handwerk zusammen und warb mit einer spektakulären Aktion in Kooperation mit dem Verein Little Home e.V.: Innerhalb von vier Tagen sollten 100 sogenannte „Little Homes“ (teils auch als „tiny homes“ bezeichnet) für wohnungslose Menschen entstehen.

Doch was wurde aus diesen Häusern? Warum lief die Spendenkampagne nach dem Festival weiter? Und weshalb sollen Besucher*innen bei einem Festival voller Werkzeuge, Maschinen und ungewöhnlicher Eigenbauten weitreichende Haftungsausschlüsse und -freistellungen unterschreiben?

Wir haben der Macher Festival GmbH und dem Little Home e.V. dazu ausführliche Fragen geschickt. Geantwortet hat keiner von beiden. Eine ausführliche Antwort erhielten wir hingegen von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, die das Konzept sogenannter tiny homes und von FundiWatch recherchierte Praktiken des Little Home e.V. kritisch beurteilt.

Los geht es mit Teil 1 unserer Beitragsreihe über das Festival…

Teil 1: Baugewerbe & Mission – „Es gibt immer was zu tun!“

Strategische Partnerschaft mit dem Baugewerbe

Das Macher Festival ist längst mehr als ein Fantreffen rund um die Real Life Guys, denen auf YouTube mehr als zwei Millionen Menschen folgen. Bereits 2025 ging der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) mit ihnen eine „strategische Partnerschaft“ ein. Dieses Jahr wurde sie fortgesetzt.

Quelle: zdb.de

Die Handwerkskammer Halle bezeichnete das Festival als „moderne Plattform des Handwerks“ und hob Nachwuchsgewinnung, Imagepflege und Unternehmenssichtbarkeit hervor. Hornbach warb in einer Pressemitteilung mit der „positiven Energie des Machermomentums“ und bezeichnete die Veranstaltung als größtes DIY- und Handwerksfestival Deutschlands.

Daran ist zunächst nichts auszusetzen – das Handwerk sucht dringend Nachwuchs, und ein Festival, auf dem Jugendliche Werkzeuge und Maschinen tatsächlich ausprobieren können, ist dafür eine naheliegende Plattform.

Die Unterstützung großer Verbände und Unternehmen verleiht dem Festival allerdings auch Seriosität. Bunte Werbebanner und Kooperationen fallen deutlich mehr auf als die missionarische Seite des Festivals. Absicht? Jedenfalls sollte diese Seite des Festivals ebenso wenig unberücksichtigt bleiben, wie weitere sich im Zusammenhang mit dem Festival aufdrängende Fragen.

Quelle: macherfestival.io

Weniger christliche Bands – weniger Mission?

Im Vergleich zum Vorjahr waren 2026 weniger Bands eindeutig dem christlichen Musik- und Gemeindemilieu zuzuordnen.

2025 waren noch unter anderem die O’Bros, Good Weather Forecast und Elijah Thomas Appel aus dem Umfeld der Outbreakband im Programm vertreten. Die Verbindungen hatten wir in unserem Artikel zum Festival 2025 dargestellt.

Quelle: https://www.macherfestival.io/talk-stages-collection/o-bros

Dieses Jahr standen auf der abendlichen Hauptbühne stattdessen eher „weltliche“ Künstler*innen wie die DJs Alle Farben und D.T.E. sowie der Saxophonist André Schnurra – begleitet von aufwendigen Feuer- und Lichtshows und abendlichen Feuerwerken.

Quelle: Instagram

Also weniger christliche Bands und damit auch weniger Mission? Bei genauerem Hinsehen eher nicht. Die evangelistischen Angebote verlagerten sich offenbar stärker auf persönliche Gespräche, Gottesdienste und niedrigschwellige Erlebnisangebote. Weniger offen christliche Bühnenkultur – dafür Mission mitten im allgemeinen Festivalbetrieb.

Mission als Teil des Festivalangebots – THE FOUR und Campus für Christus

In seiner Außendarstellung erscheint das Macher Festival nicht als christliche oder missionarische Veranstaltung. Ein Blick auf die beteiligten Organisationen ergibt jedoch – auch dieses Jahr – ein anderes Bild.

Erneut war THE FOUR auf dem Festival präsent. Dabei handelt es sich um ein Evangelisationskonzept der Missionsorganisation Campus für Christus. THE FOUR erklärt den christlichen Glauben anhand von vier Symbolen, die auch auf dem Festivalgelände an verschiedenen Stellen präsent waren und in einem von THE FOUR veröffentlichten Leseplan näher erläutert werden:

1. Das Herz: „Gott liebt mich“ 2. Trennzeichen: „Ich lebe getrennt von Gott.“ Gemeint ist die durch „Sünde“ verursachte Trennung. 3. Kreuz: „Jesus gab alles für mich.“ Jesu Tod und Auferstehung sollen diese Trennung überwinden. 4.  Fragezeichen: „Will ich mit Jesus leben?“ Das Fragezeichen fordert ausdrücklich zu einer persönlichen Glaubensentscheidung auf.

Quelle: Instagram

 

Und genau darum geht es bei Campus für Christus und THE FOUR: Menschen zu einer solchen Entscheidung zu führen. Auf einem DIY-Handwerkerfestival? Wer sich die Evangelisationsstrategie der Organisation näher anschaut, dürfte davon kaum überrascht sein. Sport, Kultur, Beziehungen, Bildung oder Freizeit werden von Campus für Christus oder auch THE FOUR immer wieder als Begegnungsräume (aus-)genutzt, um damit Zugänge für die eigenen Missionsanliegen zu schaffen.

Kreuzzug für Christus?

Campus für Christus ist der deutsche Ableger der aus den USA stammenden und von Bill Bright gegründeten Missionsorganisation „Campus Crusade for Christ“ (in etwa: „Campus Kreuzzug für Christus“). Bereits 1976 zitierte das Time Magazine evangelikale Kritiker mit der Einschätzung, Campus Crusade werde „wie eine Diktatur mit militärischem Stil“ geführt; das System drohe wichtiger zu werden als seine Botschaft. Mittlerweile hat die US-Organisation den militärischen Namen zumindest im Erscheinungsbild etwas entschärft – sie heißt nun seit 2011 schlicht „Cru“.

Der 2003 verstorbene Gründer Bill Bright gehörte zu den Akteuren, die zur dauerhaften Verbindung von konservativem Evangelikalismus und republikanischer Politik und dem Erstarken einer religiösen Rechten in den USA beitrugen. Zudem war Bright einer der Evangelisten denen – vermeintlich vom Heiligen Geist – das sogenannte „Seven Mountain Mandate“ offenbart wurde. Nach dieser „Vision“ sollen Christ*innen berufen sein, strategisch in zentrale gesellschaftliche Bereiche hineinzuwirken – darunter Politik, Bildung, Medien, Kunst und Unterhaltung, Wirtschaft, Religion und Familie.

Diese Vorstellung hat sich bis heute zu einer durchaus weit verbreiteten herrschaftstheologischen Ideologie entwickelt, über die wir bereits an verschiedenen Stellen berichtet haben. Umso bemerkenswerter, wie unkritisch genau diese Strategie auch heute noch auf der Webseite von Campus für Christus benannt wird:

„Im Jahr 1975 traf sich Bill Bright, der Gründer von Campus für Christus, mit Loren Cunningham, dem Gründer von „Jugend mit einer Mission“. Sie dachten gemeinsam darüber nach, wie Gesellschaft durch Gottes Liebe transformiert werden könnte. Sie teilten die Gesellschaft in sieben Schlüsselbereiche, wie Politik, Bildung, Kunst und Entertainment ein und betonten die Wichtigkeit, dass Christen in alle diese Bereiche strategisch hineinwirken. Gut 45 Jahre später sind wir als Campus für Christus in Deutschland weiterhin auf den Spuren dieser beiden Visionäre unterwegs und tragen Gottes Liebe durch unsere Ministries in immer mehr Zielgruppen und Bereiche der Gesellschaft hinein.“

Im Übrigen vertritt Campus für Christus national wie international im Wesentlichen „klassisch“ christlich-fundamentalistische und erzkonservative Ideologien. In Deutschland wurde Campus für Christus u.a. für seine Position zu Konversionsbehandlungen kritisiert, also Praktiken, die auf die (nach allgemeinen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mögliche und potentiell lebensgefährdende) Versuche der Veränderung der sexuellen Orientierung oder Identität von Menschen abzielen.

„Living Bus“, „Camping Church“ & „THE FOUR Challenge“: „Wir bringen die Botschaft zu den Leuten“

Doch zurück zum Festival auf dem Ferropolis-Gelände: Für das Macher Festival 2026 beschrieb THE FOUR den eigenen Einsatz als „Outreach“. Auf der Aktionsseite wurden unter anderem ein „Living Bus“, eine „Camping Church“, Morgenandachten, Lobpreiszeiten, Gottesdienste und die „THE FOUR Challenge“ angekündigt. Wörtlich hieß es: „Wir bringen die Botschaft zu den Leuten“ (THE FOUR: Macherfestival 2026).

Quelle: Screenshot https://thefour.com/de-ch/einsaetze/macherfestival/

Bereits der Rückblick von THE FOUR auf einen früheren Festivaleinsatz zeigt, wie weit diese Präsenz über einen bloßen Informationsstand hinausging. Nach Angaben der Organisation waren die Beteiligten von den Real Life Guys eingeladen worden, „um mit den Menschen über Gott zu sprechen“. Im Living Bus und in einer Kapelle habe es Glaubensgespräche, „evangelistische Inputs“ und ein „Hingabegebet“ gegeben. THE FOUR bezeichnete das Festival rückblickend als „Jackpot“ für die Evangelisation (THE FOUR: Rückblick auf das Macher Festival). THE FOUR betreibt auf dem Festival also nicht einfach einen Informationsstand. Vielmehr handelt es sich um einen geplanten Missionseinsatz offenbar in enger Abstimmung mit den Veranstaltenden.

In der allgemeinen Werbung des Festivals erfährt man davon allerdings kaum etwas. FundiWatch wollte deshalb unter anderem wissen, welche Missionswerke 2026 beteiligt waren, ob THE FOUR ausdrücklich zu evangelistischen Aktivitäten eingeladen wurde, welche Regeln für Bekehrungsaufrufe und sogenannte Hingabegebete gelten und wie Minderjährige vor missionarischen Ansprachen ohne Wissen ihrer Sorgeberechtigten geschützt werden. Das Macher Festival ließ alle Fragen unbeantwortet.

„Planlos? Bau auf Jesus“ – und die Medien laufen vorbei

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der Umgang regionaler Medien mit dem Festival. Mitteldeutsche Zeitung und Volksstimme kündigten für den 6. August einen gemeinsamen Livestream vom Gelände an.

Reporter Chris Luzio Schönburg sollte in seiner „Livezeit“ zeigen, „was hier alles entsteht“ (Ankündigung der Mitteldeutschen Zeitung; Ankündigung der Volksstimme). In dem von FundiWatch ausgewerteten Video wird ausführlich über Mitmachangebote, auf dem Festival von Teilnehmenden gebaute Konstruktionen und die Real Life Guys berichtet. Eine Einordnung des religiösen Hintergrunds der YouTuber oder der auf dem Gelände tätigen Missionsorganisationen erfolgte hingegen nicht.

Besonders deutlich wird diese Leerstelle, als der Reporter in seinem Stream an einer für THE FOUR errichteten kirchenartigen Konstruktion vorbeiläuft, auf der sich auch das Logo und die bereits erwähnten vier Symbole von THE FOUR befinden. Groß und deutlich lesbar steht darauf: „Planlos? Bau auf Jesus.“

Anlass für den Reporter, dieses wohl zumindest ungewöhnliche „Angebot“ auf einem Handwerkerfestival anzusprechen? Nein.

Quelle: Screenshot aus dem bei volksstimme.de veröffentlichten Video

Natürlich muss nicht jeder Festivalbesuch zur investigativen Recherche werden. Wenn eine Redaktion die Inszenierung des Veranstalters aber weitgehend übernimmt und einen wesentlichen Teil des Angebots selbst dann übersieht, wenn ihr Reporter im wörtlichen Sinn daran vorbeiläuft, wird es journalistisch – vorsichtig ausgedrückt – „dünn“.

Die Real Life Guys sind nicht nur reichweitenstarke Bastel-YouTuber. Ihr christlicher Glaube und die Einbindung evangelikaler Akteur*innen wurden bereits mehrfach thematisiert und sind öffentlich ohne weiteres nachvollziehbar. Und THE FOUR macht keinen Hehl daraus, dass es auf dem Macher Festival evangelisieren will. Wer das Festival ausführlich vorstellt, sollte diese Ebene zumindest benennen.

THE FOUR, Reach Mallorca und Rose de Jesus

Die Aktivitäten von THE FOUR beschränkten sich übrigens erneut nicht nur auf das Macher Festival. Auch dieses Jahr war die Organisation wieder am zeitgleich stattfindenden „Reach Mallorca“ beteiligt.

Die Kampagne will Tourist*innen und auf Mallorca lebende Menschen mit dem Evangelium erreichen. Auf ihrer Internetseite kündigt „Reach Mallorca“ Straßeneinsätze, Strandgottesdienste, Gespräche an der sogenannten Schinkenstraße und weitere evangelistische Aktivitäten an. Erklärtes Ziel ist, dass Menschen die christliche Botschaft hören (Reach Mallorca; Outreach 2026; THE FOUR: Reach Mallorca).

In Ankündigungen zu Reach Mallorca wurde unter anderem die Christfluencerin Rose de Jesus als „Special Act“ geführt (Instagram-Ankündigung). Rose de Jesus, die auch unter dem Namen Lorosa auftritt, war kurz zuvor eine der Protagonistinnen der ZDF-Dokumentation „Der Teufel in mir – Exorzismus heute“, wo sie bei der Durchführung eines äußerst irritierenden „Exorzismus“ gezeigt wurde.

Das heißt nicht, dass entsprechende Praktiken auch auf dem Macher Festival stattfanden. Es zeigt aber, in welchem missionarischen Umfeld THE FOUR aktiv ist. Fragen nach Inhalt, Grenzen und Schutzkonzepten der religiösen Angebote wären also keineswegs abwegig gewesen, weswegen wir genau damit den Veranstalter konfrontiert haben. Beantwortet hat die Macher Festival GmbH unsere Fragen hingegen nicht.

Evangelisationsteam e.V. auf dem Macher Festival: Evangelisation, während die Kinder bauen

Auch das „Evangelisationsteam“ führte das Macher Festival dieses Jahr erneut als Evangelisationstermin und warb für Unterstützung zur Mitarbeit auf dem Festival.

Quelle: Facebook

Der Evangelisationsteam e.V. entstand wesentlich aus dem Konflikt um Homosexualität innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. So beschloss die Landeskirche Anfang 2012 einen „Kompromiss“ zum Umgang mit homosexuellen Pfarrpersonen. In begründeten Einzelfällen sollten in einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft mit ihrem Partner lebende Pfarrpersonen im Pfarrhaus leben dürfen; Voraussetzung war unter anderem die Zustimmung des Kirchenvorstands. Zugleich hielt die Kirchenleitung am Leitbild der Ehe von Mann und Frau fest.

Im Kreis um die Jugendevangelisten und Pfarrer Lutz Scheffler und Theo Lehmann stieß dies auf erhebliche Kritik, die schließlich dazu führte, dass das Evangelisationsteam den „status confessionis“ – also den Bekenntnisfall – ausrief und erklärte, den Landesbischof, die Kirchenleitung und die Landessynode nicht mehr als geistliche Leitung der Landeskirche anzuerkennen. Scheffler wurde daraufhin vom Dienst suspendiert und Ende 2014 wurde das bereits zuvor als loser Zusammenschluss geführte Evangelisationsteam als Verein gegründet.

Eng verwoben ist das Evangelisationsteam auch mit dem Missions- & Gottesdienstnetzwerk „Frohe Botschaft für Deutschland e.V.“. Der mit beiden Organisationen eng verbundene Pfarrer Theo Lehmann trat am 04.11.2017 bei den „Dresdner Gesprächen“ der Jungen Alternative Dresden auf und suchte immer wieder die Nähe zu Pegida und der AfD. Eine wissenschaftliche Untersuchung des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts führt Lehmann entsprechend als Beispiel für die Überschneidungen zwischen christlichem Antifeminismus und extremer Rechter an und verweist auf seine regelmäßigen Auftritte bei CEGIDA („Chemnitz gegen die Islamisierung des Abendlandes“). Chrismon formulierte bereits 2020, Lehmann gehöre zu den „radikal-evangelikalen“ Vertretern, die „die Nähe zu AfD und Pegida“ suchten.

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass das Evangelisationsteam auch enge Verbindungen zum  rechtschristliche Pastor Olaf Latzel aus der St. Martini Gemeinde in Bremen unterhält, der auch beim Chemnitzer Bibelseminar 2025 des Evangelisationsteams auftrat. Latzel fällt immer wieder mit queerfeindlichen Hasstiraden und Zusammenarbeit mit der christlichen Rechten auf.

Bereits zum Macher Festival 2025 hatte FundiWatch dokumentiert, dass das Evangelisationsteam plante, auf dem Festival Eltern anzusprechen, „während ihre Kinder bauen“. Dieses Jahr fragten wir bei den Veranstaltern nach, was sie von dieser Aktion halten und welche konkreten Absprachen mit dem Evangelisationsteam bestanden. Doch die Macher Festival GmbH beantwortete weder dies, noch, welche konkreten Absprachen mit dem Evangelisationsteam bestanden.

International Justice Mission beim „Macher Talk“

Beim Festival trat zudem die ebenfalls evangelikal geprägte International Justice Mission (IJM) im Rahmen eines „Macher-Talks“ – ein Talk-Format auf dem Festival – auf.

Quelle: Instagram

IJM beschreibt sich selbst als internationale Menschenrechtsorganisation, die gegen Menschenhandel, Sklaverei und Gewalt gegen Menschen in Armut vorgeht. Zugleich ist IJM Mitglied im evangelikal geprägten Bündnis Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh) (Mitgliedsorganisationen von ggmh).

Zu den Mitgliedorganisationen von ggmh gehörte bis vor Kurzem auch noch der seit Langem umstrittene Verein Mission Freedom, aus dessen Einrichtung „Haus SeeNest“ im Allgäu erst vor Kurzem sämtliche Kinder wegen vermeintlich kindeswohlgefährdender Erziehungsmethoden in Obhut genommen wurden (worüber wir ausführlich berichten). Weiterhin Mitglied bei ggmh ist der Verein Hope e.V., über dessen ausgeprägten Dämonenglauben und Aktivitäten an Schulen wir hier bereits berichteten.

An IJM gibt es seit Jahren fachliche Kritik. Untersuchungen werfen Teilen der Organisation vor, stark auf Polizeieinsätze und sogenannte Rescue Operations zu setzen, deren Folgen für Sexarbeiter*innen und mutmaßliche Betroffene nicht immer ausreichend berücksichtigt würden. Kritisiert wurden unter anderem paternalistische Rettungsnarrative, eine unzureichende Unterscheidung zwischen freiwilliger Sexarbeit und Menschenhandel sowie die Gefahr, dass Razzien zu Festnahmen, Stigmatisierung oder erneuter Abhängigkeit führen können (Type Investigations; anti-trafficing review).

Eine BBC-Africa-Eye-Recherche dokumentierte 2023 Fälle in Ghana, in denen bei von IJM unterstützten „Rettungsaktionen“ Kinder von ihren Familien getrennt und Angehörige als Menschenhändler verfolgt wurden, obwohl sich der Verdacht später nicht bestätigte; Undercover-Aufnahmen warfen zudem Fragen nach einer internen Kultur quantitativer Zielvorgaben für „Rescues“ und Strafverfolgungen auf. IJM wies wesentliche Vorwürfe zurück, bestätigte aber, mit solchen Zielvorgaben zu arbeiten, und kündigte an, mögliche Verbesserungen seiner Verfahren zu prüfen – öffentlich dokumentierte Ergebnisse oder konkrete Konsequenzen dieser Überprüfung sind bislang nicht auffindbar. Bemerkenswert ist, dass IJM Deutschland die Stellungnahme zur BBC-Dokumentation bis heute auf seiner Ghana-Seite aufführt und dort zugleich weiterhin mit vermeintlich quantifizierten Erfolgen wirbt: mehr als 420 „befreite“ Betroffene und mehr als 150 Festnahmen.

FundiWatch fragte die Macher Festival GmbH, warum IJM zum Macher Talk eingeladen wurde. Auch diese Frage blieb unbeantwortet.

Teil 2 folgt bald…

In TEIL 2 schauen wir uns in Kürze das Netzwerk hinter dem Macher Festival einmal genauer an…

Alle Jahre wieder?

MAGA, internationale Rechte, evangelikale Netzwerke und fossile Energielobbyisten treffen sich erneut zur Konferenz der Alliance for Responsible Citizenship (ARC) – von deutschen Medien wird das bisher ignoriert…

(Quelle Titelbild: ARC-Conference). Vor einem guten Jahr berichteten wir bereits über die Konferenz der Alliance for Responsible Citizenship ARC25 in London. Es handelt sich dabei um eine der wohl größten (und wohl einflussreichsten) rechten Konferenzen in Europa. Aktuell findet die Konferenz vom 23. bis 25.06. nun erneut in London statt.

Die ARC ist ein rechtslibertärer Think Tank, der vor etwa vier Jahren vom umstrittenen kanadischen Psychologen Jordan B. Peterson ins Leben gerufen wurde. Mehrere Medien verorten Teile des Teilnehmerfelds ausdrücklich im Rechtsaußen- bzw. far-right-Spektrum, insbesondere Vertreter aus AfD- und Vox-nahen Milieus.

Besonders auffällig ist die dortige Vernetzung der christlichen Rechten mit der internationalen Rechten, Teilen der MAGA-Bewegung und fossiler Energielobby.

1. Heute startet mit der #ARC2025 Konferenz eine der größten (und wohl einflussreichsten) rechten Konferenzen in Europa. Neben ua Mike Johnson und Frauke Petry dabei auch zahlreiche Personen aus dem christlich-fundamentalistischen KiNC-Netzwerk. Deutsche Medien scheint das nicht zu interessieren…?!

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-02-17T18:37:40.525Z

Rückblick: Die ARC25: Klassenfahrt „christlicher“ Influencer*innen

Bereits vergangenes Jahr wurde die Konferenz zunächst von deutschen Medien nicht aufgegriffen.

Das Blatt wendete sich etwas, als wir darüber berichteten, dass mehrere Christfluencer*innen wie u.a. Jasmin Friesen (damals noch Neubauer, liebezurbibel / „In Zeiten wie diesen„), Jana Hochhalter („In Zeiten wie diesen„), Tini Brüning (die tagespost), Lukas Furch (The Chosen) und auch der rechtsextreme Leonard Jäger aka „Ketzer der Neuzeit“ an der Konferenz teilnahmen und ihren Besuch intensiv auf Social Media als „gemeinsame Klassenfahrt“ verbreiteten. Johannes Hartl, Leiter des Gebetshaus Augsburg, trat als Redner auf.

Quelle: Instagram / Tini Brüning

Dabei traf die Gruppe der Christfluencer*innen auch auf Frauke Petry (ehem. AfD-Vorsitzende, jetzt „Team Freiheit“ – für die Lukas Furch tätig ist) sowie Fadi Krikor, einen der beiden Mitinitiatoren der umstrittenen Münchener Glaubenskonferenz UNUM24 und Betreiber des Father’s House of all Nation im ehemaligen Kloster Altenhohenau.

Erneut aufgegriffen wurde das Thema, als das christliche Rap-Duo O’Bros letztes Jahr Platz 1 der deutschen Albumstarts erreichte – auch Alexander Oberschelp von den O’Bros nahm an der „Klassenfahrt“ zur ARC25 teil. Übrigens nicht das erste Mal. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er an der ersten ARC-Konferenz teilgenommen – ebenfalls gemeinsam mit Jasmin Friesen und Leonard Jäger. Also eben kein „Zufall“ wie später häufig beschwichtigend verbreitet wurde.

Wohl das erste mal in der Geschichte steht mit den O'Bros eine rechts-christliche Lobpreisband auf Platz 1 der #Albumcharts. Dass es hier um viel mehr als "HipHop mit christlichen Botschaften" geht, wird von Medien bisher nicht wahrgenommen, in christlichen Kreisen oft verharmlost… 1/9

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-04-06T18:28:57.230Z

Erneut „bemerkenswerte“ Teilnehmende: Johannes Hartl und Springer-CEO Dopfner sowie Rechtskatholikin Gudrun Kugler (OIDAC)

Vom 23. bis 26.06. findet nun die vierte ARC-Konferenz statt – die dritte Konferenz in London; 2024 traf man sich im australischen Sydney.

Und wieder scheint das Medieninteresse in Deutschland gering bzw. nicht vorhanden. Dabei finden sich unter den Teilnehmenden erneut auch zahlreiche Teilnehmende aus Deutschland und Österreich, auf die wir hier nicht alle eingehen können.

Kurz zu einigen besonders bemerkenswerten Personen:

Johannes Hartl

Darunter erneut der Theologe und Leiter des Gebetshaus Augsburg, Johannes Hartl, der bereits letztes Jahr auf der ARC25 als Redner auftrat. Zuletzt stand Hartl in der BR-Doku „Die hippen Missionare“ mit seinem Gebetshaus und der MEHR-Konferenz im Fokus kritischer Medienberichte. Anschließend verteidigte er sich gegen Kritik – ausgerechnet im rechtspopulistischen Portal NIUS, wo er im Podcast zu Gast war.

Quelle: Instagram / Johannes Hartl

Mathias Dopfner

Ein weiterer Redner auf der Konferenz sollte eigentlich ebenfalls die Öffentlichkeit besonders interessieren (und beunruhigen): Springer-CEO Mathias Dopfer findet sich ebenfalls auf der prominent besetzten Rednerliste.

Bildquellen: https://www.arc-conference.com/arc26-speakers

Ideologisch dürfte sich Dopfner auf der ARC26 sehr wohl fühlen

Dafür spricht auch ein erster Artikel des rechtskonservativen evangelikalen Idea-Magazins (Paywall). Demnach habe Dopfner auf der ARC26 kritisiert, dass zu viele Journalisten Aktivismus mit Journalismus verwechseln würden. Bei Springer sei das anders. Dort habe man sich eine „intellektuelle Verfassung“ gegeben, die sogenannten „Essentials“. Aha.

Gudrun Kugler

Mit dabei ist auch wieder Gudrun Kugler, österreichische Politikerin, Juristin sowie katholische Theologin und sogar im „Advisory-Board“ der ARC vertreten. Sie sitzt seit 2017 für die Österreichische Volkspartei im Nationalrat und ist seit 2024 Vizepräsidentin der Parlamentarischen Versammlung der OSZE.

2023 fand Kugler im Bereich Rechtskatholizismus Erwähnung im österreichischen Rechtsextremismusbericht des DÖW. Kugler wird zudem als zentrale Akteurin der „Agenda Europe“ gesehen, ein europaweites Netzwerk konservativ-christlicher Akteure, das sich für die Wiederherstellung einer „natürlichen Ordnung“ einsetzt und dabei insbesondere gegen Abtreibungs- und LGBTIQA+-Rechte mobilisiert.

Schließlich ist Gudrun Kugler Initiatorin des Observatoriums gegen Intoleranz und Diskriminierung von Christen in Europa (OIDAC), das über vermeintliche Fälle von Christenverfolgung berichtet. Executive Director des OIDAC ist Anja Tang, ehemalige Mitarbeiterin in Kuglers Büro. Der Ehemann von Kugler, Martin Kugler ist „President of the Board“ von OIDAC. Bis 2000 war Martin Kugler Pressesprecher der rechtskatholischen Gruppe Opus Dei für Zentraleuropa.

Die Seriosität der Zahlen und Falldarstellungen von OIDAC sind umstritten, dies auch hinsichtlich der Einordnung von Fällen als „christenfeindlich“. Beispielsweise listet das OIDAC auch den friedlichen Protest des Bündnisses #NoUNUM24, das gegen die christlich-fundamentalistische Glaubenskonferenz UNUM24 in der Münchener Olympiahlle protestiert hatte, als vermeintlichen Fall auf – obwohl der Protest, auch vor Ort, von zahlreichen christlichen Personen und Gruppen unterstützt wurde wie beispielsweise #OutInChurch oder der Evangelischen Jugend München. Gleichwohl greifen zahlreiche Medien gerade auch die vergangenen Wochen wieder die Zahlen von OIDAC völlig unkritisch auf (vgl. zB. erst jüngst die Welt aber auch der Deutschlandfunk).

„Anti-Woke-Davos“: Wirklich kein Thema für die Medien?

Es überrascht(?), dass insbesondere deutsche Medien die Vernetzung der internationalen Rechten, christlicher Fundamentalist*innen, Teilen der MAGA-Bewegung und Klimawandelleugner*innen offenbar nicht für berichtenswert halten. Aber vielleicht ändert sich das in den kommenden Tagen ja noch.

Besorgniserregend scheinen diese Vernetzungen allemal und sie sollten genau im Blick behalten werden. Nicht zuletzt auch, weil sich auf der ARC viel politischer Einfluss und viel Geld zu einer Agenda versammeln, die laut Guardian von einigen als „Anti-Woke-Davos“ bezeichnet wird. Zur ARC26 heißt es dort:

„Mehr als 4.000 Delegierte aus 85 Ländern – von der konservativen Führerin, Kemi Badenoch, bis hin zu US-amerikanischen Anti-Abtreibungs-Aktivisten und Vertretern europäischer rechtsextremer Parteien – nehmen an der diesjährigen Konferenz Alliance for Responsible Citizenship (ARC) in London teil.

Von manchen als „Anti-Woke-Davos“ bezeichnet, wurden auf der Bühne des Olympia-Konferenzzentrums Themen propagiert wie eine libertäre Ablehnung grüner Wirtschaftspolitik, sozialkonservative Anliegen wie die Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen sowie Widerstand gegen Multikulturalismus.“

(Original in Englisch, Übersetzung d. Verf.)

In Deutschland scheint das bisher kaum jemanden zu interessieren. Und so traten erst vergangenes Wochenende die O’Bros bei Hartls „Mission is possible“ Event in Augsburg auf. Mit dabei auch die Bischöfe Bertram Meier und Stefan Oster von der katholischen Kirche.

Rechtspopulisten ins neue EKD-Gesangbuch?

Achja, und ein von Johannes Hartl geschriebenes Lied steht übrigens aktuell auf einer vorläufigen Vorschlagsliste für das neue evangelische Gesangbuch der EKD. Als wenn es in der Vergangenheit nicht schon genug umstrittene Lieddichter in dem Gesangbuch gegeben hätte – einige wollen nun offenbar für „Nachschub“ sorgen…

Aber dazu an anderer Stelle einmal mehr.

Das „Macher Festival“ der „Real Life Guys“

Missionierung christlicher Fundamentalist*innen zwischen Bohrmaschinen und Monster-Cars?

Vom 07. bis 10.08.2025 fand nördlich von Leipzig zum zweiten Mal das sogenannte Do-It-Yourself & Handwerker-Macher Festival des Projekts The Real Life Guys in Kooperation mit zahlreichen Unternehmen aus dem Bau- und Heimwerkergewerbe statt. Das Ferropolis-Gelände wurde dazu in einen riesigen Abenteuerspielplatz verwandelt.

Wer die Geschichte der Real Life Guys und ihr Engagement in der christlich-fundamentalistischen Szene kennt, wird eine dementsprechende „christliche“ Ausrichtung des Festivals zunächst trotzdem allenfalls am Rande finden. Bei genauerer Betrachtung, scheint das Festival aber durchaus auch als „Missionsfeld“ dienen zu sollen…

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Nach 2024 veranstalteten die Youtuber The Real Life Guys nun zum zweiten Mal das DIY & Handwerker-Macher-Festival in Gräfenhainichen auf der Halbinsel des Ferropolis-Gelände. Mit zahlreichen Partnerunternehmen wie Abus, Bosch, Hailo, Hornbach u.v.m. versprach das Macher Festival ein actionreiches Wochenende bei besten Sommertemperaturen, dessen Fokus auf Spaß, Erlebnis und Abenteuer liegt.

Strategische Partnerschaft zur Förderung des Branchennachwuchses?

Das Ganze soll allerdings offenbar auch einen wirtschaftpolitischem Zweck dienen: Erst letzten Monat gingen der Zentralverband Deutsches Baugewerbe und die Real Life Guys eine strategische Partnerschaft in den Bereichen Fachkräfte und Branchennachwuchs ein.

Laut einer hierzu veröffentlichten Pressemitteilung soll die Partnerschaft dazu dienen, die vielfältigen Möglichkeiten einer Ausbildung im Bauhandwerk sichtbar zu machen. Die Real Life Guys seien durch spektakuläre Eigenbau-Projekte wie U-Boote aus Badewannen oder selbstkonstruierte Fluggeräte bekannt, erreichten allein auf YouTube fast zwei Millionen Abonnenten und sprächen mit ihrem DIY-Ansatz gezielt eine junge Zielgruppe an.

Doch beim Projekt der Real Life Guys geht es um mehr…

Die Glaubensgeschichte der Real Life Guys

Tatsächlich ist die Erfolgsgeschichte der Real Life Guys und ihr großer Erfolg bemerkenswert. Wer sich mit dieser aber etwas näher befasst, wird schnell feststellen, dass es dabei um deutlich mehr als actionreiche Youtube-Videos und waghalsige DIY-Aktionen geht. Denn Johannes Mickenbecker, der das Projekt The Real Life Guys zunächst mit seinem Zwillingsbruder Philipp und seiner Schwester Elli startete, ist die Vermittlung seines tiefen christlichen Glaubens sehr wichtig.

Zwar wuchsen die Mickenbeckers bereits in einer streng christlichen Familie auf. Die Eltern unterrichteten ihre Kinder in der Grundschulzeit selbst, da es ihnen wichtig war, dass alle Dinge in Verbindung mit dem Glauben geschehen. Den Weg zum persönlichen Glauben fand Johannes nach eigenen Angaben aber erst nach dem plötzlichen Tod seiner Schwester und während der Krebserkrankung seines Zwillingsbruders Philipp.

Philipp war sich nach seiner Erkrankung zunächst sicher, dass Gott ihn heilen wird. Mit seiner Zuversicht, die er in seinem Glauben fand, war er gefragter Gast in zahlreichen Talkshows und auf christlichen Events, insbesondere in der freikirchlichen Szene. Die letzten Monate seiner Krankheit – bis hin zu seinem Verbluten auf dem Krankenbett – wurden in der Dokumentation „Philipp Mickenbecker: Real Life“ festgehalten (und kein noch so intimer Moment ausgelassen). Kurz nach dem in der Doku festgehaltenem Moment des Sterbens von Philipp verkündet einer der anwesenden (letzten nicht christlichen) Freunde: „Ich lass mich taufen“.

Bereits Anfang 2024 berichtete die taz über die zunehmend (subtil) missionarischere Ausrichtung der Real Life Guys und das schließlich 2020 mit Christopher Schacht, damals in Ausbildung zum Pastor und Missionar am theologischen Seminar des Bundes freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), gegründete Projekt Life Lion.

Wer sich auf der Webseite von Life Lion umschaut, erkennt schnell das klar evangelikal christlich-fundamentalistische Profil: Im Podcast finden sich Gespräche mit der eng mit dem rechten Influencer „Ketzer der Neuzeit“ verbundenen Jasmin Friesen (damals noch Neubauer) ebenso wie mit dem Prediger Henok Worku von der Vive Church, der auf einer Holy Spirit Night von neuen Bücherverbrennungen träumte. Auch der Youtube-Kanal von Life Lion mit 300.000 Abonent*innen bedient die geradezu „klassischen“ Themenfelder der Szene, wie „rituelle Gewalt“, Satanismus, Abtreibung, „Zwangsprostitution“, Wunder uvm.

Wo versteckt sich „Gott“ beim Macher Festival?

Von all dem bemerkt man bei der Bewerbung und auf der Homepage des Macher-Festivals zunächst nichts. Lediglich für den Sonntagmorgen wird ein Gottesdienst („Sunday Church“) angeboten.

Blickt man auf die Rezensionen des Events im vergangenen Jahr zurück, findet man auch einige kritische Kommentare:

Ansich ein tolles Festival. Schade, dass es so christlich gehalten ist, auch das Bühnenprogramm. War auf der Webseite nicht zu lesen. Werde nicht mehr hin gehen.

Ein weiterer Kommentar sieht dies offenbar weniger tragisch:

Klasse Sache. Etwas sehr christlich angehaucht aber alles im Rahmen des erträglichen. Freut euch schon auf nächstes Jahr.

Bei den auftretenden Bands ist „Gott“ omnipräsent…

Schaut man allerdings auf die auftretenden Bands, so wird die christlich-fundamentalistische Ausrichtung doch sehr deutlich:

Wenig überraschend finden sich darunter die O’Bros, die mit den Mickenbeckers befreundet sind, und über die in den letzten Wochen bereits ausführlich kritisch berichtet wurde (übrigens ohne, dass sich Alexander Oberschelp bisher dazu positioniert hätte, warum er dieses Jahr zum zweiten Mal an der rechtslibertären Konferenz der Alliance for Responsible Citizenship (ARC) teilnahm…).

Des Weiteren die ebenfalls sehr erfolgreiche christliche Lobpreisband Good Weather Forecast, die gemeinsam mit Elijah Thomas Appel auftrat. Appel gehört, ebenso wie Pala Friesen – Ehemann der bereits erwähnten Jasmin Friesen – und Mia Friesen, zur Outbreakband, die ebenfalls der christlich-fundamentalistischen Lobpreis-Band-Szene zuzurechnen ist.

Subtile Missionierung funktioniert eben immer noch am besten über auf den ersten Blick modern wirkende Musik (wer achtet schon auf die Texte?)… Wer an den Bands Gefallen findet, findet sich dann bei einem nächsten Konzert vielleicht schon bei deutlich radikaler ausgerichteten Veranstaltungen wie der UNUM24, der Holy Spirit Night oder einem Gottesdienst des katholischen Theologen Johannes Hartl wieder…

Über Umwege: „Bock auf missionieren?“

Abgesehen davon, scheint den verantstaltenden Real Life Guys bzw. genauer genommen der eigens hierfür gegründeten Macher Festival GmbH aber sehr daran gelegen, den Eindruck eines christlich ausgerichteten Festivals in der Außendarstellung vermeiden zu wollen.

Stattdessen verfolgt man das Anliegen, den „christlichen Glauben“ bei dieser Gelegenheit zu verbreiten, offenbar über Umwege:

So berichtete eine Gruppe der christlich-fundamentalistischen Organisation Campus für Christus (ursprünglich gegründet unter dem Namen „Campus Crusade for Christ“ und u.a. kritisiert für ihre Position zu Konversionsbehandlungen) bereits zum letztjährigen Macher Festival, dass sie von den Real Life Guys eingeladen wurden. Und zwar, so heißt es bei der Gruppe „The Four“ auf ihrer Webseite, „um mit Menschen über Gott und den Glauben zu sprechen – das, was wir am liebsten machen – wie cool ist das denn bitteschön?“.

The Four zeigte sich schon im letzten Jahr begeistert:

Da konnten wir hervorragend mit den wartenden Leuten ins Gespräch über die vier Symbole kommen – sie hingen uns richtig an den Lippen und man konnte mit Jesus “relaten”, als er von einem Boot aus zu den Menschen predigte. […]

Wir brachten auch den Living Bus mit einer Zehnstündigen Fahrt als evangelistischer Begegnungsort mit und bauten kurzerhand einen Kirchen-Aussichtsturm dazu – die Festival-Chappel war perfekt im Herzen des Campings platziert. […]

Also ging es weiter, wir hielten mehrere Evangelistische Inputs mit konkreten Aufrufen, Jesus kompromisslos nachzufolgen. Viele Menschen beteten ein Hingabegebet mit und einige entschieden sich für ein Leben mit Jesus. Irgendwann tauchten die O’Bros und Real Life Guys als Special-Acts auf und wollten den letzten Abend so richtig Party machen mit den Leuten. Doch nach fünf Minuten verabschiedeten sie sich wieder und meinten: „Macht ihr weiter, das passt irgendwie grad nicht in die Atmosphäre hinein.“ Und so wurde aus einer halben Stunde drei (!) Stunden Lobpreis und für viele fühlte es sich an wie Himmel auf Erden! Der Techniker meinte begeistert, dass 1000 Leute da waren. […]

Die Nächte waren kurz, der Schlaf wenig, die Reise lange und die Materialschlacht gross! Aber es hat sich mehr als gelohnt! Crazy, was Gott uns hier ermöglicht hat. Wir sind bereits wieder angefragt für nächstes Jahr.

Und tatsächlich, auch dieses Jahr ist The Four wieder beim Macher Festival vor Ort. Auf seiner Webseite sucht The Four nach Unterstützer*innen für den Missionseinsatz:

Hast du Bock, an dieser wilden Location Jesus gross zu machen? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie du deine Gaben und Fähigkeiten voll im ganzen Team einsetzen kannst. Wir brauchen jeden und sind sehr gespannt, was Gott dieses Jahr grosses vorbereitet hat. […]

Du kannst dich hier für den Aufbau, das Outreach Camp oder beides anmelden. Erlebe eine unvergessliche Zeit mit Gemeinschaft, Worship, gemeinsamer Gebetszeit und vieles mehr…

Während des diesjährigen Festivals ist The Four offenbar mit einem sogenannten „Living Bus“ aktiv und verteilt „Gewinn des Lebens“-Karten am Glücksrad. Verteilmaterial wie Bibeln und sonstige Traktate wurden offenbar rege verteilt.

Und so findet sich dann neben Monstertrucks und viel Feuerwerk dann doch noch ein Kirchturm mit der Aufschrift „Sprich mit Gott“ auf dem Gelände…

Bilder von der Instagram-Seite des Macherfestivals: Bühne mit Feuerwerk, Monstertrucks, ein aufgebauter Kirchturm

Ein anderer Teil der Gruppe von The Four ist währenddessen zeitgleich beim Missionseinsatz der Organisation ReachMallorca am Ballermann – mit „Heilungsgebeten“ und „Dämonenaustreibungen“ der Christfluencerin Rose de Jesus

Auch eine weitere Missionsorganisation hat sich auf den Weg zum Macher Festival gemacht: Das „Evangelisationsteamsuchte auf seiner Webseite ebenfalls nach jungen Leuten als willige Missionare:

Wen suchen wir?

Junge Leute zwischen 18 und 28 Jahren & offen, extrovertiert & herzlich

Bock auf Gespräche mit Eltern, während ihre Kinder bauen

Geschickt – denn vermutlich werden die meisten Eltern beim Aufpassen auf ihre Kinder also nicht weglaufen können. Obwohl es dazu sicher Anlass gäbe, wenn man sich die Inhalte auf der Seite des Evangeliumsdienst ansieht:

In einem auf der Webseite veröffentlichten Rundbrief wird z.B. vom letzten Bibelseminar und den dortigen Predigten des Bremer Pastors Olaf Latzel aus der Bremer Gemeinde St. Martini berichtet. So müssten Christen laut Latzel „in einem Land, das zunehmend Gottes Ordnungen ablehnt, aufstehen und für diese einstehen„. Unter „Gottes Ordnung“, so führt der Bericht weiter aus, sei „die staatliche Ordnung, die Ehe und die biblische Vorstellung von zwei Geschlechtern“ zu verstehen. Erst vor Kurzem wurde ein wegen Volksverhetzung geführtes Verfahren gegen Olaf Latzel gegen Auflagen eingestellt, seine Bezüge von der Landeskirche gekürzt.

Der perfekte Einstieg in die hippe Rückschrittlichkeit des Evangelikalismus…

Und so bleibt zum Ende dieses Artikels, der mit einem scheinbar harmlosen DIY & Handwerker Event begann und damit endet, wie dieses Event offenbar subtil und manipulativ zur Werbung für christlich-fundamentalistische Ideologien genutzt wird, das gleiche Resümee, wie es die taz in oben bereits erwähnten Artikel bereits vergangenes Jahr formuliert hat:

[D]ie „Real Life Guys“ machen die Szene, die sonst oft in ihrer eigenen christlichen Blase stecken bleibt, zugänglich. Weil sie bei Reizthemen wie dem biblizistischen Weltbild, Purity-Culture und Homosexualität vage bleiben, bilden sie den perfekten Einstieg in die hippe Rückschrittlichkeit des Evangelikalismus.

Doch vage bleiben im öffentlichen Auftritt heißt offenbar nicht, dass entsprechende Positionen nicht radikal vertreten und durchzusetzen versucht werden.

Was sagen eigentlich der Zentralverband Deutsches Baugewerbe und die unterstützenden Unternehmen dazu, dass sie diesen „Einstieg in die hippe Rückschrittlichkeit des Evangelikalismus“ fördern?

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