Queere Erfahrungen in christlich-fundamentalistischen Kontexten
Im Schwulen Museum Berlin startet am 26.06.2026 eine spannende Ausstellung: „Lieber glücklich als normal! Queere Erfahrungen in christlich-fundamentalistischen Kontexten“. Die Ausstellung läuft bis zum 24.08.2026.
Aus der Ausstellungsankündigung (Quelle: Schwules Museum Berlin):
Ein Projekt der Stiftung Schwules Museum
Subtile Ablehnung bis hin zu offenem Hass und politischen Kampagnen gegen queere Identitäten sind zentrale Elemente christlich-fundamentalistischer Ideologien. Als einzig legitime und „natürliche“ Lebensform gilt die heterosexuelle Ehe zwischen Mann und Frau und es gibt zwei und nur zwei biologisch determinierte Geschlechter. Queerness hingegen wird als Verweigerung des göttlichen Plans verstanden – als Sünde, die korrigiert werden muss und als besonders schwere Prüfung Gottes. Queeren Menschen wird vermittelt, sie seien falsch. Ihnen wird Unterstützung dafür angeboten – oder aufgedrängt – ihre geschlechtliche Identität oder ihr Begehren zu verleugnen und so zu leben, wie Gott es vermeintlich für sie vorgesehen hat. Das reicht vom freundlich verbrämten „Seelsorge-Gespräch“ bis zu gewaltvollen Maßnahmen unter dem Etikett sogenannter „Konversionsbehandlungen“. Obwohl diese heute gesetzlich verboten sind, existieren sie weiter – unter anderen Namen, in Grauzonen oder im Verborgenen. Queerfeindlichkeit wird häufig nur anderen Religion und Kulturen zugeschrieben und in den eigenen Traditionen ausgeblendet. Doch Queerfeindlichkeit ist tief in der sogenannten christlich-abendländischen Leitkultur verwurzelt. Der christliche Fundamentalismus bringt nur radikal zum Ausdruck, was in vielen Teilen der Gesellschaft unausgesprochen fortwirkt: die Vorstellung, es sei besser, nicht queer zu sein.
Der Titel dieser Ausstellung ist inspiriert von Jeanette Winterson. In ihrem autofiktionalen Roman Warum glücklich statt einfach nur normal? erzählt sie von ihrer Kindheit in einem streng evangelikalen Umfeld und von der Zurückweisung, der sie als junge queere Frau durch ihre Adoptiv-Familie und die Gemeinde ausgesetzt ist. Zugleich beschreibt sie ihren Weg hinaus in ein selbstbestimmtes Leben. Als sie sich das erste Mal verliebt, fragt ihre Adoptivmutter sie genau das, nämlich warum sie denn glücklich sein will, wenn sie auch normal sein könnte. Den Druck, auf das eigene Glück zu verzichten, um der Norm zu entsprechen, kennen queere Menschen auch aus vermeintlich toleranten christlichen Milieus. Queere Menschen sind willkommen, ihre Queerness ist es auch hier häufig nicht.
In einer Reihe von Interviews kommen in dieser Ausstellung queere (Ex-)Christ*innen zu Wort, die in fundamentalistischen Gemeinschaften gelebt – und überlebt – haben. Sie berichten von psychischem Druck, spirituellem Missbrauch und sozialen Ausschlüssen, aber auch von ihrem Weg heraus aus zerstörerischen Glaubenssystemen. Einige finden dabei auch neue Zugänge zu Bibel und Spiritualität. So kommen in manchen Interviews auch Gruppen vor, die versuchen, Glaube und Queer-Sein in Einklang zu bringen. Die Arbeiten von Pauli Linke, fog gender und Jay Hulme, Stuart Beatch und dem i Coristi Chamber Choir eröffnen mit künstlerischen Mitteln visuelle, poetische und musikalische Zugänge zu diesen Erfahrungen und den komplexen Prozessen zwischen Anpassung und Abwendung, Verlust und Befreiung mit all ihrer Ambivalenz. Die Ausstellung präsentiert ein vielstimmiges Narrativ, macht Gewaltmechanismen sichtbar, feiert die Resilienz der Betroffenen und würdigt ihren Widerstand genauso wie ihre spirituelle Kreativität.
Konzept: Birgit Bosold & Sophie Rauscher
Projektmanagement: Brigitte Oytoy
Kamera & Schnitt: Christopher Hewitt
Künstler*innen: Pauli Linke, fog gender, Jay Hulme, Stuart Beatch & i Coristi Chamber Choir
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