Rückblick: CSD München 2026

Christliche Fundamentalist*innen auf dem CSD beflyern selbst FundiWatch…

Wir waren auf dem CSD München 2026 mit dabei. Bei brütender Hitze durften wir auf unsere Arbeit aufmerksam machen und waren mit unserem neuen Banner am Start. Bei der Hitze haben wir ganz vergessen, mehr Fotos zu machen, aber hier immerhin eines noch aus der Startaufstellung:

Neues Banner, neue Sticker und Flyer…

Sehr gefreut hat uns, dass rechtzeitig zum CSD München unser neues FundiWatch-Banner sowie unsere Flyer und Sticker ankamen, die wir an viele Interessierte verteilen konnten.

Ein herzlicher Dank gilt auch an all die Gruppen, die unsere Sticker und Flyer auf der CSD-Meile an ihren Ständen ausgelegt haben! Diese Aufmerksamkeit hat uns sehr geholfen, bekannter zu werden. Im Nachgang haben wir sogar Anfragen von Personen erhalten, die uns bisher nicht kannten, dadurch auf uns aufmerksam wurden und mit Fragen zu christlich-fundamentalistischen Gruppen auf uns zu kamen. Das Schwitzen hat sich also mehr als gelohnt!

Unser Banner für den #CSD in #München #MunichPride dieses Wochenende ist heute angekommen… Auf geht's zum fröhlichen Schwitzen! Wir sind in Gruppe Nr. 99 – und wenn's gut läuft haben wir auch Sticker dabei… 😉 Also schaut vorbei! 💜 🌈

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2026-06-24T20:02:02.786Z

Wer Interesse an unseren Stickern und Flyern hat und diese bei sich auslegen oder verteilen möchte, kann sich gerne bei uns melden! Gerne schicken wir euch ein unverbindliches Angebot zu, mit dem wir unseren Aufwand abdecken können.

Gerne würden wir die Bereitstellung von entsprechenden Info-Materialien noch weiter ausbauen, arbeiten bisher als Kollektiv aber weiterhin ohne feste Finanzierung. Wer uns also einmalig oder regelmäßig unterstützen mag, findet Gelegenheit dazu hier – jeder Euro hilft uns und Dank an all unsere Unterstützer*innen!

„Outreach CSD“ von Reviving the World

Auch dieses Jahr waren wieder christlich-fundamentalistische Gruppen auf dem CSD präsent. Über die Aktion „Outreach CSD“ der Gruppe „Reviving the World“ hatten wir bereits kurz vor dem Start des CSD berichtet.

Ein*e Teilnehmer*in vom CSD berichtete uns, dass sie von einer Gruppe angesprochen wurde, die behauptet habe, ein Straßeninterview zum Thema Liebe führen zu wollen. Es schien alles zunächst harmlos, doch dann wurde die Person skeptisch, lehnte ab und widersprach der Veröffentlichung von Aufnahmen. Absolut richtige Reaktion! Denn immer wieder werden Teilnehmende in Videos von christlichen Fundamentalist*innen auf CSDs vorgeführt, die Videos werden manipulierend geschnitten und es wird sich über sie lustig gemacht.

Fundis beflyern FundiWatch…

Auch vor FundiWatch machten die Fundis keinen Halt. Eine Person drängte uns ihren Flyer von der Gruppe Beit Sar Shalom auf (den wir natürlich zu Archivierungszwecken gern an uns nahmen). Unseren FundiWatch-Flyer wollte sie allerdings nicht haben…

Quelle: Eigene Fotoaufnahme FundiWatch.

Die weitreichend vernetzte Gruppe Beit Sar Shalom steht vor allem in Kritik aufgrund ihrer offensiven „Judenmission“. Zu ihren Netzwerken und Verbundenheiten mit zahlreichen umstrittenen und queerfeindlichen Organisationen gibt es auch einen Abschnitt in der open source verfügbaren Dissertation der Theologin Dr. Maria Hinsenkamp, „Visionen eines neuen Christentums – dies insbesondere im Hinblick auf die Mitgliedschaft von Beit Sar Shalom im Trägerkreis des Christlicher Convent Deutschland (CCD).

Ausführlich legt Hinsenkamp in ihrer Dissertation dar, welch zentrale Rolle der Christliche Convent Deutschland (CCD) als Bindeglied zahlreicher christlich-fundamentalistischer Akteur*innen der „Kingdom-minded Network Christianity“ (KiNC) – also einer Bewegung, die Gesellschaften entsprechend ihrer christlich-fundamentalistischer Ideologien „transformieren“ möchte – spielt:

„Aus der Mitte der KiNC wurde jedoch ihr Formationsprozess innerhalb der letzten Jahre einmal mehr durch die gezielte Bildung neuer Netzwerke und die daraus entstehenden Initiativen vorangetrieben, um möglichst viele Akteur:innen hinter den basileianisch orientierten Visionen zu sammeln und das Bewusstsein für ihre Relevanz zu steigern, auch über pfingstlich-charismatische Grenzen hinaus. Eine besondere Rolle spielt dabei der Christliche Convent Deutschland (CCD), entstanden aus dem Netzwerk Treffen von Verantwortlichen (TvV), das auch in der Formierung des Netzwerkes Miteinander für Europa (MfE) federführend war. Aus dem CCD haben sich insbesondere mit Ausbruch der Corona-Pandemie verschiedene Veranstaltungsinitiativen gebildet (z.B. Deutschland betet gemeinsam, Hoffnungsschimmer), die die synergetischen, flexiblen, agilen und einflussreichen Kräfte von visionsgetragenen Netzwerkstrukturen einmal mehr unter Beweis gestellt haben.“

Hinsenkamp, aaO., S. 282.

Hinsenkamp ordnet die verschiedenen maßgeblichen Akteur*innen der KiNC in Deutschland in ihrer Dissertation auch in einem Schaubild ihren verschiedenen Ausrichtungen zu:

Hinsenkamp, aaO., S. 283, Abbildung 12: Exemplarischer Ausschnitt aus der deutschsprachigen KiNC-Landschaft

Die Mitglieder des Trägerkreises des CCD sind auf dessen Homepage veröffentlicht:

Quelle: https://www.christlicherconvent.com/leitung

Und wer jetzt „Kontaktschuld!“ rufen mag: Die Netzwerke sind offensichtlich bewusst gewählt und eine (öffentliche) Abgrenzung innerhalb dieser findet so gut wie nicht statt.

Kurzer Einschub: Rückblick Protestaktion FundiWatch zum Treffen von „Miteinander für Europa“ parallel zum CSD 2025 in der St. Matthäus-Kirche und UNUM24 zum CSD 2024

Bis Anfang dieses Jahres fand sich als Mitglied im Trägerkreis des CCD auch noch Dr. Norbert Roth auf der Webseite. Mittlerweile ist er dort nicht mehr aufgeführt, die Gründe dafür sind öffentlich offenbar nicht bekannt.

Roth ist Pfarrer der St. Matthäus Kirche – der evangelisch-lutherischen Haupt- und Bischofskirche – am Sendlinger Tor in München. Dort fand letztes Jahr parallel zum CSD das Treffen des ebenfalls zur KiNC zuzuordnenden Netzwerks „Miteinander für Europa“ stattfand, wogegen FundiWatch mit Unterstützer*innen protestierte.

St. Matthäus arbeitet auch immer wieder eng mit dem CVJM München zusammen, der u.a. auch im Trägerkreis der umstrittenen Glaubenskonferenz UNUM24 in der Münchener Olympiahalle – parallel zum CSD 2024 – vertreten war.

Längere Zeit betreute in St. Matthäus Johanna Planeth vom Gebetshaus München – und zugleich neben Gaby Wentland zweite Vereinsvorsitzende von Mission Freedom – dort den Kinder-Krabbelgottesdienst. Die Einrichtung des seit Langem umstrittenen Vereins Mission Freedom „Haus Seenest“ im Allgäu wurde jüngst wegen vermeintlich „kindeswohlgefährdender Erziehungsmethoden“ geschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Heimleitung und mehrere Mitarbeitende wegen des Anfangsverdachts der Misshandlung Schutzbefohlener.

Norbert Roth behauptete vor einem Jahr, von der Kritik an Mission Freedom und Miteinander für Europa nichts zu wissen. Selbstverständlich nehme man unsere Kritik aber ernst und wolle dieser nachgehen. Sichtbar geschehen ist seitdem – jedenfalls von seiner Seite aus – nichts. Der evangelische Regionalbischof Prieto Peral hingegen, der sich offen für unsere Kritik zeigte und sich dieser auch auf unserer Protestkundgebung persönlich stellte, sagte offenbar die Teilnahme an einem Treffen mit entsprechenden KiNC-Akteur*innen ab.

Who lets the Dogs out? Puppys im Einsatz gegen christliche Fundis…

Und dann war da ja noch die Gruppe, die mit Fahrrad und großer Jesus-Flagge das Wochenende über den CSD und das Glockenbachviertel mit ihren Missionseinsätzen behelligte und „zur Umkehr“ aufrief.

Die Gruppe gehört offenbar unter anderem zu einer christlich-fundamentalistischen Gemeinde, die im Glockenbach-Viertel beheimatet ist, dort fleißig das Viertel mit „Jesus rettet“ und ähnlichen Aufklebern bestickert und für „geistliche Kriegsführung“ wirbt.

Quelle: Eigene Aufnahme FundiWatch
Quelle: Eigene Aufnahme FundiWatch

Welche Rolle "geistliche Kriegsführung" ("spiritual warfare") – also die "Befreiung" von Orten von bösen Mächten oder Dämonen durch Gebet – beim Sturm auf das US-Kapitol am 6.1. spielte, kann man in der sehr hörenswerten Podcast-Reihe von @matthewdtaylor.bsky.social erfahren: buff.ly/Inat34L 1/4

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-03-13T20:44:25.094Z

Als sich die kleine Gruppe ausgerechnet die CSD-Fetish-Area für ihren Missionseinsatz aussuchte, kam es zum beherzten friedlichen Protest einiger Personen, woraus diese Bilder entstanden sind…:

Quelle: Instagram

„Christliche“ Kampfsportgruppe „Christkönigtum“ dieses Jahr offenbar nicht auf dem CSD München

Nicht wahrgenommen haben wir bisher eine erneute Präsenz der rechtsklerikal-katholischen Gruppe Christkönigtum auf dem Münchener CSD.

Quelle: christkoenigtum.de

Akteurinnen von u. a. „Christkönigtum“ beim „Tausend Kreuze für das Leben“-Aufmarsch 2025 in München. Foto: Lina Dahm

Quelle: a.i.d.a.-Archiv

Letztes Jahr hatte Christkönigtum eine Kundgebung auf dem CSD München angemeldet, die allerdings vorzeitig beendet wurde, als beim Versammlungsleiter ein Messer in seiner Gürtelschnalle festgestellt wurde…

Christkönigtum bietet eigene „christliche Kampfsportgruppen“ an und steht in enger Verbindung mit der Piusbruderschaft – die durch ihre durchgeführten eigenen Priesterweihen „ohne päpstliches Mandat und gegen den Willen des Papstes“ gerade aus der katholischen Kirche exkommuniziert wurde.

Was bleibt…?

Was bleibt: Christliche Fundamentalist*innen sind nicht in der Mehrheit. Aber es gilt weiterhin – wohl seit Langem wieder mehr als jeh – unsere Freiheit gegen antipluralistische und menschenfeindliche Ideologien zu verteidigen.

Aber wichtig auch: Auf dem CSD waren auch viele queere christliche und christliche queerfreundliche Gruppen präsent. Christlichen Fundamentalist*innen und ihren Vereinnahmungsversuchen sollten wir gemeinsam laut und deutlich widersprechen. Gerade da, wo sie sich vielleicht auf den ersten Blick als vermeintlich modern, freundlich und weltoffen zeigen. Denn nicht selten folgt auf ein „Auch queere Menschen sind bei uns willkommen!“ ein ABER „queere Lebensweisen entsprechen nicht der Bibel, Gott kann ‚helfen‘, du musst dich ändern“ etc. pp. Und DAS ist pervers!

Danke euch, für diesen wunderschönen, heißen CSD und bis bald! Stay strong!


Mehr zum Thema:

Webtalk mit dem LSVD+ Bayern: Queerfeindlichkeit im Namen des Glaubens?

16. Juli 2026 | 17:30-19:00 Uhr
Jetzt anmelden!

(Bildquelle: LSVD+ Bayern) Christlicher Fundamentalismus gewinnt auch in Bayern zunehmend an Einfluss. Auf gesellschaftliche Debatten, auf die soziale Arbeit, auf politische Entscheidungen. Gerade dort, wo es um queere Vielfalt und körperliche Selbstbestimmung geht.

Doch welche Akteur*innen und Netzwerke stecken dahinter? Wie organisieren sich queerfeindliche Kampagnen? Und welche Strategien nutzen diese Gruppen?

Im Webtalk am 16. Juli von 17:30-19 Uhr wollen wir gemeinsam mit dem LSVD+ Bayern und euch einen genaueren Blick auf christlichen Fundamentalismus und dessen Rolle in aktuellen queerfeindlichen Mobilisierungen werfen. Nach einem Impulsvortrag gibt es Raum für Fragen, Diskussion und Austausch.

Weitere FundiWatch-Termine findet ihr hier.

Chronologie zu Misshandlungsvorwürfen gegen das Haus SeeNest von Mission Freedom

Letze Aktualiserung am 14.06.2026

(Quelle Titelbild: BR24) Über die aktuellen Vorwürfe gegen das zum umstrittenen christlich-fundamentalistischen Verein Mission Freedom gehörenden Haus SeeNest berichten wir bereits seit dem 26.04.2026. An dieser Stelle veröffentlichen wir eine Chronologie der aktuellen Entwicklungen zu Misshandlungsvorwürfen gegen die Kinder- und Jugendeinrichtung im Allgäu. Mission Freedom e.V. und die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH haben sich auf mehrfache Anfragen von FundiWatch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Auf Anfragen von FundiWatch an Mission Freedom e.V. und die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH mit der Bitte um Stellungnahme zu den Vorwürfen erhielten wir keine Antwort.

Die Seite wird immer wieder aktualisiert. Hinweise auf weitere Erkenntnisse und Berichte zu den Vorgängen nehmen wir gerne – sofern gewünscht auch vertraulich – entgegen!

Direkt zur Chronologie gehts hier.

Vorbemerkung

Bereits vor Bekanntwerden der aktuellen Vorwürfe berichteten wir wiederholt über die Einrichtung Haus SeeNest, den Verein Mission Freedom e.V. sowie dessen Vorsitzende, die evangelikale Predigerin Gaby Wentland.

Mission Freedom stand im Zuge einer Preisverleihung des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) bereits 2013 in erheblicher Kritik. In Folge dessen distanzierten sich Hamburger Stellen unter anderem wegen der Verbreitung von Falschdarstellungen, mangelnder fachlicher Standards und Zweifeln an der Seriosität des Vereins. Gleichwohl blieb die Kritik weitgehend folgenlos: Gaby Wentland blieb (selbst nachdem sie den US-Präsident Donald Trump als von Gott eingesetzt pries) über Jahre Mitglied im Vorstand der Evangelischen Allianz, Mission Freedom war weiterhin in zahlreiche Netzwerke eingebunden – unter anderem als Mitglied der Diakonie Hamburg sowie über weitere Organisationen, u.a. innerhalb des Netzwerkvereins Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh), zu dem nahezu 40 Mitgliedsorganisationen – teils auch aus dem US-evangelikalen Umfeld – gehören.

Nachdem Matthias (heute Gründungsmitglied von FundiWatch) im Sommer 2023 erfuhr, dass Mission Freedom im Allgäu eine vollstationäre Einrichtung für sexuell missbrauchte Minderjährige plante, begannen umfangreiche Recherchen zu Träger, Netzwerken und Konzept der Einrichtung. Die Recherche und weitere Hintergründe dazu haben wir mittlerweile auch auf unserer Webseite im Volltext veröffentlicht.

Nachdem die Erteilung der Betriebserlaubnis im Sommer 2024 kurzfristig mediale und politische Aufmerksamkeit erzeugte, geschah erst mal – nichts.

Ende April 2026 erschienen schließlich erste Medienberichte, wonach alle Kinder aufgrund von Vorwürfen kindeswohlgefährdender Erziehungsmethoden aus der Einrichtung in Obhut genommen wurden. Seitdem werden schrittweise weitere Details zu den Vorgängen im Haus SeeNest bekannt; inzwischen berichten zahlreiche regionale und überregionale Medien über den Fall.

Das Jugendamt Oberallgäu und die zuständige Heimaufsicht bei der Regierung von Schwaben erklärten öffentlich, die bekannt gewordenen Vorfälle stünden nicht im Zusammenhang mit der bereits zuvor kritisierten weltanschaulichen Ausrichtung des Trägers. Auf Nachfrage von FundiWatch erklärte die Heimaufsicht, man sei den bekannt gewordenen Vorfällen „im einzelnen nachgegangen“. Dabei habe sich gezeigt, dass diese „jeweils nicht im Zusammenhang mit der spezifisch-religiösen Ausrichtung des Trägers standen“. Das Jugendamt Oberallgäu verwies mit Blick auf laufende Ermittlungen darauf, sich hierzu nicht weiter äußern zu können.

Auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen zu Ausrichtung, Konzeption, Netzwerken und Arbeitsweise von Mission Freedom bestehen aus unserer Sicht erhebliche Zweifel daran, dass mögliche Zusammenhänge zwischen religiös-weltanschaulicher Ausrichtung und den aktuellen Vorgängen bereits abschließend bewertet werden können. Deshalb halten wir es für absolut notwendig, nicht nur die konkreten Vorwürfe selbst aufzuklären, sondern auch die Fragen, ob die Betriebserlaubnis überhaupt hätte erteilt werden dürfen, ob bestehende Warnsignale ausreichend berücksichtigt wurden und inwieweit weltanschauliche Prägungen, Organisationskultur oder Netzwerkstrukturen problematische Entwicklungen möglicherweise begünstigt haben.

Unseres Erachtens reichen die Vorgänge deutlich über einen Einzelfall hinaus. Sie werfen grundsätzliche Fragen zum zunehmenden Engagement christlich-fundamentalistisch geprägter Organisationen im Bereich Sozialer Arbeit (auch im Erwachsenenbereich!), zu staatlicher Aufsicht sowie zu Qualitäts- und Schutzstandards auf. FundiWatch veröffentlichte hierzu bereits im Sommer 2025 die von der Freien und Hansestadt Hamburg geförderte Broschüre „Christlicher Fundamentalismus & Soziale Arbeit – Handreichung über Vorgehensweisen, Strategien und Netzwerke christlich-fundamentalistischer Akteurskonstellationen in der Sozialen Arbeit“, in der wir bereits auf Mission Freedom, das Haus SeeNest und relevante Netzwerke eingingen.

Wichtig ist uns abschließend: Im Mittelpunkt der hiesigen Kritik stehen nicht individuelle religiöse Überzeugungen einzelner Personen – auch wenn diese selbstverständlich ebenfalls Gegenstand von Kritik sein dürfen. Im Fokus steht vielmehr die Frage, wie weltanschaulich geprägte Organisationsformen, Arbeitsweisen und Machtstrukturen im Bereich Sozialer Arbeit wirken – insbesondere dort, wo Menschen in Abhängigkeits- oder Schutzverhältnissen leben und nach Unterstützung suchen.

Chronologie der Ereignisse

(Stand: 13.06.2026)

09.02.2026:
Meldungen ehemaliger Mitarbeitender der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH über Missstände im Haus SeeNest erreichen die Regierung von Schwaben als zuständige Heimaufsicht. Die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH und die pädagogische Heimleitung werden von der Heimaufsicht angehört.

05.03.2026:
Die Heimaufsicht erlässt ein Tätigkeitsverbot für die bisherige pädagogische Leitung des SeeNest und ordnet den Sofortvollzug der Maßnahme an.

12./24.03.2026:
Die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH legt Widerspruch gegen das Tätigkeitsverbot ein. Kurz darauf geht sie im Wege eines Eilverfahrens vor dem Verwaltungsgericht Augsburg gegen den Sofortvollzug des Tätigkeitsverbots vor.

13.04.2026:
Das Verwaltungsgericht Augsburg weist den Antrag der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH in einem Beschluss (Az. Au 3 S 26.987) zurück. Das Tätigkeitsverbot gegen die pädagogische Leitung bleibt in Kraft.

15.04.2026:
Auf der Webseite christliche-jobboerse.de veröffentlicht die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH eine Stellenausschreibung für die pädagogische Leitung einer heilpädagogisch-therapeutische Wohngruppe im Allgäu. Die Position sei zunächst als „Interimsfunktion“ vorgesehen. Sie „könne – je nach Entwicklung – perspektivisch in eine längerfristige Zusammenarbeit übergehen„. Laut Profilbeschreibung wird u.a. erwartet: „Bereitschaft, die Arbeit auf Grundlage eines christlichen Menschenbildes mitzutragen„.

17.04.2026:
Das ortsansässige Jugendamt Oberallgäu nimmt alle sechs in der Einrichtung untergebrachten Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren in Obhut. Die Kinder werden anderweitig untergebracht.

24. – 26.04.2026:
Die Vorfälle werden durch diverse Medienberichte öffentlich: BR24 berichtet über die Inobhutnahmen von sechs Kindern in einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche im Oberallgäu. Auch die Allgäuer Zeitung und Antenne Bayern berichten über die Vorgänge und bereits in der Vergangenheit bestehende Kritik an der Einrichtung.

Der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) nimmt in einer Pressemitteilung auf die Vorgänge Bezug und warnt vor ideologischen Einflüssen auf die stationäre Jugendhilfe. Der DBSH fordert eine vollumfassende Aufklärung, strenge Aufsicht über entsprechende Einrichtungen und besseren Schutz vor Pseudowissenschaften in der Kinder- und Jugendhilfe.

Namen und Träger der Einrichtung werden in den Berichten nicht genannt. Aus den erwähnten Details ergibt sich jedoch eindeutig dass es sich um das Haus SeeNest in Immenstadt handelt. FundiWatch macht am 26.04. öffentlich, dass es sich bei der fraglichen Einrichtung um das zu Mission Freedom gehörende Haus SeeNest handelt, dessen Träger die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH ist.

Als Grund der Inobhutnahme nennen Heimaufsicht und Jugendamt auf Anfragen von FundiWatch „gewichtige Anhaltspunkte für eine mögliche Gefährdung des Kindeswohls“. Hierunter zählten laut Jugendamt „u.a. fragwürdige Erziehungsmaßnahmen, wie beispielswiese ein unangemessener Umgang mit freiheitsbeschränkenden Maßnahmen gegenüber den betreuten Kindern.

Auf spätere Anfrage von FundiWatch, warum die Inobhutnahmen erfolgten, obwohl die Heimleitung aufgrund des Tätigkeitsverbots bereits nicht mehr im SeeNest tätig sein durfte, teilt das Jugendamt mit, dass es aus Sicht des Jugendamtes Anhaltspunkte dafür gab, dass die Anwendung der fragwürdigen Erziehungsmaßnahmen gegenüber den betreuten Kindern nicht nur auf die Leitung beschränkt war.“ (Hervorhebung d.d.Verf.)

26.-29.04.2026:
Bereits zum dritten Mal findet der sog. Freiheit-Kongress im christlichen Gästezentrum Schönblick statt. Zu den Veranstaltern gehören neben Mission Freedom des Weiteren die Evangelische Allianz Deutschland (EAD), Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh), return gGmbH, Aktion Hoffnungsland gGmbH und die Schönblick gGmbH. In einer Artikelserie berichten wir über den Kongress, an dem auch mehrere Politiker*innen teilnahmen.

Beobachter*innen berichten FundiWatch, dass die Vorgänge um das Haus SeeNest auf dem Kongress nicht öffentlich thematisiert wurden. Die Geschäftsführerin der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH war zur Moderation des Films „Blinder Fleck“ vorgesehen, dem u.a. die Verbreitung verschwörungsideologischer Narrative über vermeintliche Fälle sog. ritueller Gewalt vorgeworfen wird (vgl. unseren Artikel hier).

30.04.2026:
Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Vorgänge und stellt ebenfalls den Bezug zum Haus SeeNest, der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH und Mission Freedom her.

Der BR berichtet erneut über den Fall und berichtet von 29 Polizeieinsätzen seit Eröffnung der Einrichtung. Ein Kind habe sich von einem Balkon abgeseilt, Nachbarn hätten immer wieder Hilferufe aus dem Heim gehört. [Edit: Ergänzung kurz nach Veröffentlichung:] Auf spätere Nachfrage von FundiWatch teilt die Heimaufsicht mit, ihr sei nur ein Polizeieinsatz wegen eines abgängigen Kindes bekannt. Angebliche weitere Einsätze seien der Behörde von keiner Seite gemeldet worden. Das ortsansässige Jugendamt teilt mit, ihr seien nur Meldungen aus dem Jahr 2024 bekannt, die eine einzelne Jugendliche betrafen. Die Polizei teilt auf Anfrage mit, alle Einsätze ordnungsgemäß gemeldet zu haben.

Gaby Wentland, die sich nicht öffentlich zu den Vorwürfen äußert, veröffentlicht auf ihrem Youtube-Kanal ein Predigtvideo unter dem Titel „Widerstände überwinden„.

02.05.2026:
Mission Freedom veröffentlicht zu den Vorgängen eine Stellungnahme auf seiner Homepage. Ehemalige Mitarbeitende hätten angebliche Missstände direkt an die Aufsichtsbehörde gemeldet, ohne zuvor das Gespräch mit der Einrichtungsleitung zu suchen. Eine von Mission Freedom im März beauftragte „externe Kinderschutzfachkraft“ habe nach Prüfung festgestellt, dass keine aktuelle Kindeswohlgefährdung vorliege. Durch die Inobhutnahmen seitens der Behörden seien die Kinder „retraumatisiert“ worden. Man bedaure die Entwicklungen und prüfe weitere Schritte.

03.05.2026:
Die taz berichtet über die Vorfälle. Die Regierung von Schwaben prüfe den Widerruf der Betriebserlaubnis für das Haus SeeNest. Zudem weist die taz auf eigene frühere Recherchen zu Zuständen in „Schutzhäusern“ von Mission Freedom für Betroffene von Menschenhandel und „Zwangsprostitution“ hin: Demnach hätten die Frauen nach Recherchen der taz keine weltliche Musik mehr hören dürfen, ihr Handy abgeben müssen und nicht ohne Begleitung das „Schutzhaus“ verlassen dürfen.

04.05.2026:
In einer Anfrage zum Plenum im Bayerischen Landtag richtet die Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel (Bündnis 90 / Die Grünen) Fragen an die Bayerische Staatsregierung zu den aktuellen Vorkommnissen im Haus SeeNest.

Unter anderem fragt Triebel, ob beabsichtigt sei, die Betriebserlaubnis zu widerrufen und wie die Grundkonzeption des Trägers Mission Freedom nach den Vorfällen neu bewertet werde, auch im Hinlick auf Forderungen des DBSH, eine Trennung von missionarischem Eifer und professioneller Unterstützung zu gewährleisten.

Die Staatsregierung verweist in ihrer Antwort auf das laufende Verfahren, dessen Ergebnis abgewartet werden müsse. Die Vorfälle stünden laut Rückmeldung der Heimaufsicht „wohl in keinem Zusammenhang mit der religiösen Ausrichtung des Trägers„.

04./05.05.2026:
Erstmals greifen Medien aus dem christlichen Umfeld die Vorgänge auf: Die evangelikalen Magazine pro und Idea (hier und hier) berichten über die Vorgänge und die Kritik von Mission Freedom an dem behördlichen Vorgehen.

Gegenüber Idea teilt der Verein Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh) – einem Bündnis von knapp 40 Organisationen, bei dem auch Mission Freedom Mitglied und in dessem Vorstand Gaby Wentland vertreten ist – mit, Wentland lasse ihr Vorstandstätigkeit bei ggmh bis zur Klärung der aktuellen Vorwürfe ruhen.

Der Bericht von Idea wird auch im Newsletter des Arbeitskreis Religionsfreiheit – Menschenrechte – Verfolgte Christen der Evangelischen Allianz Deutschland (EAD) wiedergegeben.

05.05.2026:
Mission Freedom ergänzt auf seiner Webseite die Stellungnahme zum Haus SeeNest durch ein knappes Update: „Aufgrund der weiteren Entwicklungen wurde der Betrieb eingestellt. Der Träger wird zudem keine weiteren rechtlichen Schritte mehr verfolgen.

10.05.2026:
Durch Beschluss des Amtsgerichts Hamburg (67c IN 195/26) wird für die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt.

11.05.2026:
Auf Anfrage bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Kempten erfährt FundiWatch, dass diese ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener eingeleitet hat. Aktuell werde gegen eine Person ermittelt. Das Ermittlungsverfahren wurde laut Staatsanwaltschaft „auf Grund des Ergebnisses geführter Vorermittlungen eingeleitet, welches im Zusammenhang mit der Presseberichterstattung über die Inobhutnahme von Kindern im Haus SeeNest geführt wurde.“

12.05.2026:
Eine dpa-Mitteilung, die u.a. von der Zeit und weiteren Medien wiedergegeben wird berichtet über die Vorgänge im Haus SeeNest und die Einleitung des staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens gegen die Heimleitung. Die Wohnung einer beschuldigten Person sowie die Einrichtung selbst seien durchsucht worden.

Am gleichen Tag teilt die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg (KJF) gegenüber FundiWatch mit, dass die KJF den mit Mission Freedom bestehenden Mietvertrag über das Haus SeeNest nach den Inobhutnahmen fristlos gekündigt habe.

21.05.2026:
Auf Anforderung beim Verwaltungsgericht Augsburg erhält FundiWatch die bereits erwähnte Gerichtsentscheidung vom 13.04.2026 zum Sofortvollzug des Tätigkeitsverbots gegen die Heimleitung übersendet. In der Entscheidung werden erschütternde Behandlungsmethoden geschildert. Aus der Entscheidung geht zudem hervor, dass die Handlungen offenbar unter Mitwirkung verschiedener Mitarbeitender vorgenommen wurden und sich offenbar über einen längeren Zeitraum zugetragen haben.

FundiWatch weist verschiedene Medien auf die Gerichtsentscheidung hin, was in den nächsten Tagen u.a. von der Süddeutschen Zeitung, dem Bayerischen Rundfunk und der Allgäuer Zeitung in Berichten über den Inhalt des Gerichtsbeschlusses aufgegriffen wird.

28.05.2026:
Das Hamburger Abendblatt berichtet, dass die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH Insolvenz angemeldet habe und geht ausführlich auf die Hintergründe der Vorgänge ein. Die Regierung von Schwaben habe gegenüber der Zeitung mitgeteilt, einen etwaigen Widerruf der Betriebserlaubnis für das Haus SeeNest nun abschließend geprüft zu haben und jetzt zu beabsichtigen, die Erlaubnis zu widerrufen. Die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH habe angekündigt, die Erlaubnis „zurückzugeben“. Eine Sprecherin von Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh) habe mitgeteilt, dass Gaby Wentland ihr dortiges Vorstandsamt niedergelegt habe.

Nach Recherchen von FundiWatch wird Gaby Wentland auf der Webseite von ggmh tatsächlich nicht mehr als Mitglied des Vorstands gelistet. Mission Freedom selbst wird hingegen weiterhin als Mitgliedorganisation von ggmh geführt. Das Titelbild der Seite zeigt Wentland weiterhin gemeinsam mit den weiteren Vorstandsmitgliedern Frank Heinrich (ehem. MdB, CDU), Gerhard Schönborn (Neustart e.V.), Heike Menzel-Kötz (Blickfeld Menschenhandel e.V.), Klaus Engelmohr (Augsburger / innen [sic!] gegen Menschenhandel) und Angela Fischer (Heilsarmee Deutschland).

29.05.2026:
Die taz veröffentlicht zu den Vorgängen um das Haus SeeNest einen Kommentar der Redakteurin Eiken Bruhn unter dem Titel „Glaube an Jesus reicht nicht, um ein Kinderheim zu betreiben“. In dem Kommentar kritisiert Bruhn die Erteilung der Betriebserlaubnis für das Haus SeeNest im Hinblick auf bereits seit Jahren bekannte Kritik. Hierzu weist sie auch auf eine öffentliche Distanzierung von Mission Freedom seitens Hamburger Stellen hin und verweist dazu auf Berichte der taz bereits aus dem Jahr 2013.

01.06.2026:
Der Fachverband Traumapädagogik e.V. teilt auf Anfrage von FundiWatch mit, man habe den Vorstandsbeschluss gefassst, die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH mit sofortiger Wirkung aus dem Fachverband auszuschließen. Zu unseren Nachfragen unter welchen Voraussetzungen eine Organisation aus dem Verband ausgeschlossen werden könne geht der Verband nicht näher ein, teilt jedoch mit, dass man zu internen Prozesse „in ständiger Reflexion und Weiterentwicklung und in dieser Hinsicht auch im Austausch im kooperierenden Fachgesellschaften“ sei.

03.06.2026:
Die Webseite 2mind.org mit christlichem Hintergrund berichtet unter Bezugnahme auf einen aktuellen Newsletter von Mission Freedom: Mission Freedom habe darin mitgeteilt, einige „Veränderungen vorgenommen“ zu haben. So sei dem Haus SeeNest die Betriebserlaubnis entzogen worden und die pädagogische Leitung des Hauses sei freigestellt worden. Die verantwortliche Geschäftsführerin verlasse den Verein.

FundiWatch konnte diese Angaben bisher noch nicht überprüfen. Geschäftsführerin der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH ist Inga Gerckens, die nach eigenen Angaben bereits seit 10 Jahren für Mission Freedom tätig ist und die dortigen „Schutzhäuser“ leitet.

Edit (13.06.): Der erwähnte Newsletter von Mission Freedom vom 31.05.2025 liegt FundiWatch mittlerweile vor. Tatsächlich heißt es in dem Newsletter – in dem auch über den Freiheit Kongress berichtet wird – unter der Überschrift „Wir nehmen einige Veränderungen vor“: Gaby Wentland habe im Januar 2026 Rückmeldungen ehemaliger Mitarbeitender zur pädagogischen Leitung im Haus SeeNest erreicht. Diese seien „verantwortungsvoll an die Regierung von
Schwaben weitergegeben“ worden. Anschließend seien verschiedene behördliche Schritte eingeleitet worden. Trotz des eigenen „Einsatzes“ und eines eingelegten Widerspruchs seien die Entscheidungen der Regierung von Schwaben bestehen geblieben. Schließlich seien die Inobhutnahmen erfolgt und kurz darauf die Genehmigung zum Betrieb der Einrichtung „entzogen“ worden. Die Entwicklung bewege Mission Freedom sehr. Gleichzeitig blicke man „dankbar auf alles, was im Haus SeeNest mit Herz, Einsatz und Hingabe aufgebaut wurde“. Schließlich wird mitgeteilt, dass Inga Gerckens, die Geschäftsführerin der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH und langjährige Leiterin der „Schutzhäuser“ von Mission Freedom sich Ende Juli „neuen beruflichen Wegen widmen“ werde.
Mission Freedom wünsche Gerckens, deren Arbeit Mission Freedom „nachhaltig geprägt“ habe „alles Gute und viel Segen für Ihre Zukunft„. Mit Mission Freedom erlebe man seit 15 Jahren, wie „Gott Mission Freedom und leitet„. Man vertraue darauf, „dass Gottes Wirken weitergeht„. Gaby Wentland wolle künftig „besonders in die Ausbildung neuer Mitarbeiterinnen investieren, damit noch mehr betroffene Frauen kompetent, liebevoll und hoffnungsvoll begleitet werden können„.

Die Aussage, Gaby Wentland selbst sei im Januar von ehemaligen Mitarbeitenden auf Vorfälle hingewiesen worden und habe die Behörden informiert, widerspricht den bisherigen Äußerungen der Regierung von Schwaben und der eigenen Stellungnahme von Mission Freedom. In der Stellungnahme von Mission Freedom auf dessen Webseite heißt es: „Anfang Februar meldeten ehemalige Mitarbeitende angebliche Missstände direkt an die Aufsichtsbehörde, ohne zuvor das Gespräch mit der Einrichtungsleitung zu suchen.“

Auf Anfrage von FundiWatch bei der Regierung von Schwaben teilte diese mit, die Betriebserlaubnis sei nicht im engeren Sinne „entzogen“ worden. Da die Erlaubnis gebäudebezogen erteilt wurde, der Mietvertrag für das Haus SeeNest durch die Katholischen Jugendfürsorge der Diözese mittlerweile jedoch fristlos gewkündigt wurde, sei die Erlaubnis erloschen. Hierüber habe die Behörde am 03.06.2026 einen Feststellungsbescheid gegenüber der Trägerin erlassen. Unabhängig davon habe die Behörde bereits die Voraussetzungen für den Widerruf der erteilten Betriebserlaubnis abschließend geprüft und beabsichtigt, die Betriebserlaubnis zu widerrufen. Aufgrund des Erlöschens der Betriebserlaubnis bedürfe es des Widerrufs nun jedoch nicht mehr. Zum Tätigkeitsverbot gegen die pädagogische Heimleitung habe die Trägerin erklärt, das Verfahren derzeit wegen der angemeldeten Insolvenz der Trägerin Himmelsstürmer Deutschland gGmbH nicht weiterzuführen. Da die Behörde nicht davon ausgehe, dass die Trägerin das Widerspruchsverfahren wieder aufnehmen wird, sei insofern für die Regierung von Schwaben das Verfahren insgesamt abgeschlossen.

05.06.2026:
Die Vorgänge im Haus SeeNest werden von Boulevard-Medien aufgegriffen: Die BILD-Zeitung berichtet über den Fall, zeigt vermeintliche Innenaufnahmen des Haus SeeNest und ein verfremdetes Bild der pädagogischen Leitung des SeeNest, die sich gegenüber der Zeitung nicht zu den Vorwürfen äußern wollte. Das Haus SeeNest mache mittlerweile einen verlassenen Eindruck, ein polizeiliches Sigel an der Eingangstür sei mittlerweile gebrochen. Nachbarn hätten berichtet, Mitarbeitende hätten tagelang Umzugskisten in ein Haus in der Nähe gebracht.

08.06.2026:
Auf Anfrage von FundiWatch teilt die Diakonie Hamburg mit, dass ein satzungsgemäßes Verfahren zur Beendigung der Mitgliedschaft von Mission Freedom bei der Diakonie Hamburg eingeleitet wurde. Mission Freedom habe daraufhin im Zusammenhang einer Anhörung „ohne auf die Vorwürfe einzugehen“ seinerseits um Austritt aus dem Landesverband gebeten. Man habe sich nun auf eine einvernehmliche Aufhebung der Mitgliedschaft zum nächstmöglichen Zeitpunkt zum 30.06.2026 verständigt.

Auf Anfrage von Fundiwatch nimmt die Staatsanwaltschaft Kempten zum Stand der Ermittlungen Stellung: Die Staatsanwaltschaft habe „auf Grund der Presseberichterstattung Anfang Mai 2026“ zunächst ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet. Die Vorermittlungen führten zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen die (ehemalige) pädagogische Heimleiterin wegen des Anfangsverdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen. Die Ermittlungen dauern an. Auf Grund der bereits vorliegenden Ermittlungsergebnisse, Angaben von Zeugen und unter Berücksichtigung, dass die Heimleitung zum Zeitpunkt der Inobhutnahmen bereits nicht mehr in der Einrichtung tätig war, werde geprüft, ob die Ermittlungen gegen weitere Personen wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen von Amts wegen ausgeweitet werden müssen. Zudem prüfe die Staatsanwaltschaft auf Grund einer Anzeigeerstattung, „ob gegen angezeigte Personen ein Anfangsverdacht strafbaren Handelns besteht und ob Ermittlungen einzuleiten sind„. Die Frage von FundiWatch, ob die Staatsanwaltschaft – statt von den Vorgängen aus der Presse zu erfahren – erwartet oder sich gewünscht hätte, hierüber durch die Regierung von Schwaben oder das Jugendamt Oberallgäu informiert zu werden, könne die Staatsanwaltschaft nicht beantworten, da „es nicht Aufgabe der Staatsanwaltschaft ist dies zu kommentieren„.

Die Aktion Mensch, die die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH als Träger des Haus SeeNest gefördert hat, teilt auf Anfrage von FundiWatch mit, dass nicht ausgezahlte Mittel derzeit nicht weiter ausgezahlt werden. Bereits nach öffentlicher Kritik an der Erteilung der Betriebserlaubnis hatte man eine Vor-Ort-Besichtigung der Einrichtung durchgeführt. Dabei seien „einzelne Aspekte vertieft betrachtet und im weiteren Verlauf aufmerksam begleitet“ worden. Zum damaligen Zeitpunkt hätten jedoch keine belastbaren Erkenntnisse vorgelegen, „die eine Beendigung der Förderung auf rechtlich tragfähiger Grundlage gerechtfertigt hätten„. Gleichwohl hatte sich Aktion Mensch im Anschluss mit der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH darauf verständigt, dass Fördersigel der Aktion Mensch von der Homepage der Himmensstürmer zu entfernen. Die Förderung selbst wurde jedoch fortgeführt. Eine wesentliche Veränderung der Sachlage habe sich erst im Frühjahr 2026 durch Maßnahmen der zuständigen Behörden im Zusammenhang mit den Inobhutnahmen ergeben. Vor diesem Hintergrund habe man unverzüglich reagiert. Nun sei der Träger gesperrt, und etwaige weitere Schritte – einschließlich möglicher Rückforderungen – würden aktuell rechtlich geprüft.

10.06.2026:
RTL berichtet über die Vorwürfe gegen das Haus SeeNest sowie die Kritik an Mission Freedom und interviewt Matthias von FundiWatch, der bereits seit langem zu dem Verein recherchiert. Bei der Ausstrahlung bei RTL Punkt 12 wurde noch ein Predigtausschnitt von Gaby Wentland gezeigt, in dem sie über den Satan predigt und empfiehlt, keine Medien mehr zu konsumieren (ist in der Mediatheksfassung nicht mehr enthalten). Die Aussage von Matthias zu den Befreiungsdiensten bezog sich insbesondere auf den Befreiungsdienst SOZO, in dem sich Gaby Wentland und die Geschäftsführerin der Himmesstürmer Deutschland gGmbH haben schulen lassen. Ob diese Praxis tatsächlich im Haus SeeNest angewendet wurde, ist uns nicht bekannt.

Jugendamt nimmt alle Kinder aus christlich-fundamentalistischer Einrichung im Allgäu in Obhut

„SeeNest“ der Himmelsstürmer Deutschland von Mission Freedom stand bereits in Kritik

Mehrere Medien berichten über Inobhutnahmen von sechs Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren aus einem Heim in Immenstadt (Allgäu) – vgl. hier, hier und hier.

Bisher nicht genannt wird der Name der Einrichtung. Es handelt sich jedoch offensichtlich um das erst 2023 eröffnete „Haus SeeNest“ der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH – einer 100%-Tochtergesellschaft des bereits lange in Kritik stehenden christlich-fundamentalistischen Vereins Mission Freedom.

So tragisch der Vorgang ist: Überrascht sind wir nicht. Wir hatten bereits kritisch über die Erteilung der Betriebserlaubnis und Zweifeln an einer dortigen Gewährleistung des Kindeswohls berichtet.

Eine regelmäßig aktualisierte Chronologie zu den aktuellen Ereignissen um das Haus SeeNest veröffentlichen wir hier.

„Kindeswohlgefährdende Erziehungsmethoden“

Grund für die Inobhutnahme seien laut Regierung von Schwaben „kindeswohlgefährdende Erziehungsmethoden“ gewesen. Die gute Nachricht: Stand jetzt befinden sich keine Kinder mehr in der Einrichtung. Für uns ist klar: Der gesamte Fall muss umfassend und insoweit mit den Persönlichkeitsrechten der betroffenen Minderjährigen vereinbar transparent aufgeklärt werden.

Die Regierung von Schwaben teilt laut Berichterstattung mit: „Die weltanschauliche Ausrichtung des Trägers hatte keinen Bezug zu den Inobhutnahmen“. Das ist schwer vorstellbar und sehr viel spricht dafür, dass das nicht zutrifft.

Die Einrichtung und ihre Träger stehen schon lange in Kritik

Auch wenn der Name der Einrichtung bisher nicht genannt wird: Der Vorgang lässt sich klar zuordnen.

So wird in den Berichten u.a. erwähnt, dass es sich um die Einrichtung eines „religiös ausgerichteten“ Betreibers aus Hamburg handelt. Mission Freedom und – an gleicher Adresse – die Himmelsstürmer Deutschland haben dort ihren Sitz: In der Freien Gemeinde Neugraben in Hamburg, zu der auch Gaby Wentland gehört. Wentland ist Gründerin und Vorsitzende von Mission Freedom e.V. und teilte bereits Anfang 2023 auf Facebook mit: „Im Allgäu hat Gott große Pläne vor 23!“

Quelle: Facebook – Gaby Wentland

Hamburger Behörden und Opferschutzverbände distanzierten sich übrigens bereits vor Jahren von Mission Freedom. Das Hamburger Landeskriminalamt teilte mit, es halte den Verein für „nicht seriös„.

Bereits Erteilung der Betriebserlaubnis sorgte für Kritik

Zudem wird in den Berichten auf bereits öffentliche Kritik an der Einrichtung und eine Anfrage der Abgeordneten Gabriele Triebel im Bayerischen Landtag aus dem Jahr 2024 hingewiesen.

Schon zu diesem Zeitpunkt berichteten damals bereits unter anderem die Süddeutsche Zeitung (Paywall) und Panorama über das „SeeNest“:

Quelle: sueddeutsche.de
Quelle: ndr.de

Eine ausführliche Recherche – die bereits vor Erteilung der Betriebserlaubnis erstellt wurde und auch der Genehmigungsbehörde vorlag – haben wir letztes Jahr hier veröffentlicht.

Quelle: fundiwatch.org

Auch in der 2025 mit Förderung der Freien und Hansestadt Hamburg veröffentlichen Handreichung zu Christlichem Fundamentalismus & Sozialer Arbeit gingen wir auf Mission Freedom und das SeeNest ein. Die Handreichung thematisiert Vorgehensweisen, Strategien und Netzwerke christlich-fundamentalistischer Akteurskonstellationen in der Sozialen Arbeit und ist hier frei abrufbar.

Quelle: fundiwatch.org

Die Verantwortlichen schweigen zum Vorgang – und tagen ab Sonntag auf dem „Freiheit-Kongress“ in Schwäbisch-Gmünd

Die Verantwortlichen der Einrichtung haben sich bisher öffentlich nicht geäußert.

Stattdessen tagen sie – darunter auch die Vereinsvoritzende von Mission Freedom, Gaby Wentland, sowie die Geschäftsführerin der Himmelsstürmer Deutschland, Inga Gerckens – ab Sonntag gemeinsam mit zahlreichen weiteren Organisationen auf dem „Freiheit-Kongress“ im evangelikal ausgerichteten Kongresszentrum „Schönblick“ in Schwäbisch-Gmünd:

Quelle: Instagram, Freiheit_Kongress
Quelle: freiheit-kongress.de

Mission Freedom ist u.a. neben der Evangelischen Allianz Deutschland und dem Netzwerkverein „Gemeinsam gegen Menachenhandel“ sogar Mitveranstalter dieses Events.

Bereits Programm und Mitwirkende des Kongresses mit einem besonderen Schwerpunkt zum Thema „Rituelle Gewalt“ – darunter auch die Regisseurin Liz Wieskerstrauch mit ihrem Film „Blinder Fleck“ – lassen aufhorchen. Auch be idiesem Thema stand Mission Freedom bereits mehrfach in der Kritik, Verschwörungsideologien zu verbreiten.

Auch die Zeit berichtete kritisch über den Film „Blinder Fleck“ und einem darin vermeintlich falsch dargestellten Fall angeblich „ritueller Gewalt“ an einer Minderjährigen. Aktuell befindet sich unter der Überschrift des Artikels allerdings lediglich ein Hinweis, der Beitrag sei „aus rechtlichen Gründen depubliziert“. Wir haben bereits nachgefragt, was es damit auf sich hat.

Unser Kollektivmitglied Matthias hat für den Kongress übrigens ein Hausverbot erteilt bekommen, Zoé und Ruby haben von vorneherein eine Beobachtung der Veranstaltung aus Sicherheitsgründen für sich ausgeschlossen.

Selbstverständlich bleiben wir dran, an Mission Freedom und an vergleichbaren Organisationen. Mehr dazu bald!


Update (28.04.2026): Der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) hat zu dem Fall am 25.04.2026 eine Pressemitteilung veröffentlicht: „Kindeswohl ist unverhandelbar: Berufsverband warnt vor ideologischen Einflüssen in der stationären Jugendhilfe“

Update (30.04.2026): Jetzt berichtet auch die Süddeutsche Zeitung über den Fall und ordnet diesen dem SeeNest zu.

Update (03.05.2026): Auch die taz berichtet nun über den Fall. Demnach handelte es sich bei den kindeswohlgefähredenden Erziehungsmethoden offenbar auch um einen „unangemessenen Umgang mit freiheitsbeschränkenden Maßnahmen“.


MEHR ZUM THEMA:

Christliche Fundamentalist*innen in der Sozialen Arbeit

Recherche zum Verein Mission Freedom e.V., dessen Gesellschaft Himmelsstürmer Deutschland gGmbH und deren Einrichtung „SeeNest“ für sexuell missbrauchte Minderjährige 

Ein Beitrag von Matthias Pöhl

An dieser Stelle veröffentlichen wir eine von mir bereits vor dem Start von FundiWatch verfasste Recherche zur christlich-fundamentalistischen und missionarischen Ausrichtung des Vereins Mission Freedom e.V. Denn leider ist das Thema immer noch sehr aktuell, der Verein immer noch aktiv.

Und außerdem hat die Recherche auch einiges mit dem Entstehen von FundiWatch – und meinem persönlichen Weg dorthin – zu tun…


Mehr zum Thema „Christlichem Fundamentalismus & Soziale Arbeit“ auch in unserer von der Freien und Hansestadt Hamburg geförderten Broschüre hier.


Zu aktuellen Inobhutnahmen aller Kinder aus dem „Haus SeeNest“ vgl. unseren Bericht vom 26.04.2026 hier!


Weiterlesen

Rückblick

Die Recherche zu Mission Freedom habe ich bereits 2023 verfasst. Damals hätte ich mir nie vorstellen können, was das alles auslösen würde. Wie viele neue wunderbare und engagierte Menschen ich darüber kennen lernen würde, dass ich darüber auf die christlich-fundamentalistische Glaubenskonferenz „UNUM24“ in der Münchener Olympiahalle aufmerksam werden würde (Mission Freedom hatte dort einen Stand), dass ich daraufhin mit einigen Mitstreiter*innen das Protestbündnis #NoUNUM24 initiieren würde. Und dass einige von diesen neu kennengelernten Menschen nun Ende vergangenen Jahres mit mir gemeinsam FundiWatch starten werden…

Als ich von all dem noch nichts ahnte, erfuhr ich im Sommer 2023 von Diskussionen in der Profession der Sozialen Arbeit. Diese befassten sich mit der Frage, wie sich die Soziale Arbeit zu religiösen und spirituellen Bedürfnissen ihrer Klient*innen verhalten und damit umgehen sollte. Dabei ging es auch darum, ob bzw. wie Religion bzw. der „christliche Glaube“ für Klient*innen – gerade solche, die aus religiösen Kontexten stammen – als hilfreiche Ressource genutzt werden könne.

Ich war skeptisch. Natürlich mag Religion und Spiritualität für manche Menschen eine wichtige Ressource darstellen. Für andere aber auch nicht. Und vor allem: Leider werden insbesondere Lebenskrisen nicht selten ausgenutzt, um Menschen eigene religiöse Vorstellungen (teils sehr subtil) aufzudrängen.

Ich halte es nach wie vor für wichtig, dass professionell Sozialarbeitende religiöse Hintergründe ihrer Klient*innen verstehen und nachvollziehen ggf. auch vermitteln können. Bereits die vom DBSH veröffentlichte Berufsethik würde jedoch einer Vermischung von Missionierung und Sozialer Arbeit ebenso entgegenstehen, wie die Anwendung unwissenschaftlicher Methoden, wie beispielsweise die Vermittlung eines Glaubens an „Dämonen“, Befreiungsgebete, Wunderheilungen etc.

Was steckte also dahinter? Von wem ging diese Diskussion aus? Sollte es etwa doch um Missionierung gehen?

Christliche Fundamentalist*innen in der Sozialen Arbeit? Der Netzwerkverein „Gemeinsam gegen Menschenhandel e.V.“ und „Mission Freedom e.V.“

Also stieg ich in die Thematik ein und schaute mich um, welche Gruppen diese Diskussion (jedenfalls teilweise) mit angestoßen hatten. Schnell stieß ich auf diverse Organisationen, die sich als Hilfen zum „Ausstieg aus der Prostitution“ (die Selbstbezeichnung „Sexarbeit“ wird von diesen explizit abgelehnt) für eine „Welt ohne Prostitution“ engagieren. An ersterem fand ich zunächst nichts Verwerfliches: Wer nicht (mehr) in der Sexarbeit tätig sein möchte, sollte Unterstützung finden.

Skeptisch wurde ich, als ich feststellte, dass viele dieser Organisationen sich für ihr Engagement explizit auf ihren christlichen Glauben berufen. Und dieser offenbar in ihrer Arbeit eine zentrale Rolle spielt, auch wenn dies auf deren Internetseiten teils nicht auf den ersten Blick erkennbar war.

Viele dieser Organisationen sind in dem nahezu ausschließlich christlich-evangelikal ausgerichteten Netzwerkverein „Gemeinsam gegen Menschenhandel e.V.“ (GGMH) verbunden. Darunter auch der Verein „Mission Freedom e.V.“ aus Hamburg, dessen Vorsitzende Gaby Wentland auch im Vorstand von GGMH vertreten ist. Ich wurde hellhörig.

Hamburger Landeskriminalamt 2013: Mission Freedom „nicht seriös“

Denn bereits 2013 stand Mission Freedom unter massiver öffentlicher Kritik, u.a. auch wegen öffentlichen Äußerungen von Gaby Wentland (vorehelichen Geschlechtsverkehr bezeichnete sie als „die erste große Sünde vor Gott“, Homosexualität als „Greuelsünde“).

Das Hamburger LKA beurteilte den Verein als „nicht seriös“. Der Hamburger Senat und dortige Opferschutzverbände bewerteten das Konzept von Mission Freedom als nicht den fachlichen Qualitätsanforderungen entsprechend und lehnten jede Zusammenarbeit ab. Kritisch wurde insbesondere die „spezifisch religiöse Ausrichtung im Umgang mit Opfern sexuellen Missbrauchs gesehen („Heilung vom sexuellen Missbrauch“ […])“ gesehen.

Selbst die Diakonie Hamburg, bei der Mission Freedom – bis heute – Mitglied ist, hegte „starke Zweifel“, ob Mission Freedom im geforderten Maß zwischen Sozialarbeit auf der Basis des christlichen Glaubens und dem eigenen Missionierungsauftrag unterscheiden könne.

Die „großen Pläne Gottes“

Und dann fiel mir eine Nachricht auf dem Facebook-Profil der Vorsitzenden von Mission Freedom, Gaby Wentland, auf:

„Im Allgäu hat Gott große Pläne vor 23!“

Bitte was?! Ich schaute weiter und stellte fest, dass Mission Freedom im bayerischen Allgäu eine vollstationäre Schutzeinrichtung für sexuell missbrauchte Minderjährige plante.

Ein Verein, den ein LKA für unseriös hält, von dem sich Opferschutzverbände distanzieren, dessen Vorsitzende mit menschenfeindlichen Äußerungen auffällt und der sexuellen Missbrauch „heilen“ will soll sich um sexuell missbrauchte Minderjährige kümmern?! In der Einrichtung eines solchen Vereins soll das „Kindeswohl“ gewährleistet sein? Denn genau das wäre die gesetzliche Voraussetzung für die Erteilung einer Betriebserlaubnis für so eine Einrichtung (vgl. § 45 SGB VIII).

Ich suchte also nach weiteren, v.a. neueren Erkenntnissen über Mission Freedom. Unter anderem in zahlreichen online abrufbaren Predigten und Vorträgen von Wentland wurde ich fündig – und war alarmiert. Ich trug also alles zusammen und letztlich entstand daraus die nun hier veröffentlichte Recherche. Wir haben diese bewusst auf dem damaligen Stand vom 15.11.2023 mit Aktualisierungen bis zum 15.04.2024 belassen.

Die weiteren Entwicklungen seither daher noch einmal im Folgenden kurz zusammengefasst:

Was seither geschah

Mit der Recherche wendete ich mich ab Herbst 2023 an diverse weltanschauungsbeauftragte Stellen, Verbände, Behörden, Politiker*innen und Medien. Die Recherche bekam „Beine“ und verbreitete sich erstaunlich schnell.

Das bekam ich auch zu spüren, als ich zu Recherchezwecken im Frühjahr 2024 auf der u.a. von GGMH und Mission Freedom alle zwei Jahre im „Schönblick“ veranstalteten „Konferenz gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung“ teilnahm (ja, genau an dem Ort, an dem derzeit deutsche radikale Abtreibungsgegner*innen ihren Vernetzungskongress abhalten). Gaby Wentland und Inga Gerckens (die heutige Geschäftsführerin der Einrichtung im Allgäu) erkannten mich und stellten mich recht verärgert zur Rede.

Immerhin, rausgeworfen haben sie mich nicht. Ich durfte noch zwei weitere erkenntnisreiche Tage auf der Konferenz mit zahlreichen skurrilen Erlebnissen verbringen. Und an einem Vortrag zum sogenannten BethelSOZO Befreiungsgebet teilnehmen, das laut Beschreibung der internationalen Leiterin Dawna de Silva auch zur „Befreiung“ von Homosexualität eingesetzt werden kann. Ein Bild im Internet auf dem Facebook-Profil von Gaby Wentland zeigt Wentland und Gerckens, wie sie mit weiteren Mitarbeitenden von Mission Freedom ein Seminar von de Silva besuchen…

Betriebserlaubnis für das „SeeNest“, „Gottesgeschenke“ für Gaby Wentland

Die Erlaubnis für die Einrichtung von Mission Freedom, die nun seit Anfang 2024 unter der „Himmelsstürmer Deutschland gGmbH“ das „SeeNest“ betreibt, wurde trotz alledem erteilt. Um die Verbindung zu Mission Freedom zu erkennen, ohne das Handelsregister zu bemühen, muss man schon ganz genau ins Impressum sehen – dort findet man dann den Namen von Inga Gerckens. Und eine Postfachadresse, die auch von Mission Freedom genutzt wird.

Der Bedarf entsprechender Einrichtungen in Deutschland ist grundsätzlich groß. Wenn dann ein Verein daher kommt, der für die Eröffnung keine Fördermittel in Anspruch nimmt und gestützt vom  „Gütesiegel Diakonie“ als christlich auftritt, kommt das nicht ungelegen. Auch ein Jugendamt, dem ich explizit meine Recherche zusendete und Gespräche anbot, ließ sich letztlich nicht davon abbringen, Kinder in der Einrichtung unterzubringen.

Gaby Wentland selbst begrüßte die Unterbringung erster Kinder im „SeeNest“ in einem Video schließlich mit den Worten:

„Das ist so, als wenn Gott mir drei neue Babys geschenkt hat.“

Ein Bericht von Panorama3, eine Anfrage im Bayerischen Landtag, weitere Medienberichte hier und hier (PW) änderten bisher nichts: In der Einrichtung befinden sich weiterhin schwerst traumatisierte Minderjährige in Obhut eines christlich-fundamentalistischen Vereins.

In einem eigenen Artikel in der MIZ kam ich zu dem – leider für mich auch heute noch so gesehenen – bitteren Fazit:

„Das einzige, das zynischer Weise bisher für einen auch öffentlich wahrgenommenen Skandal ‚fehlt‘: Aussagewillige geschädigte Opfer.“

Ich hoffe weiterhin inständig, dass es auch anders geht. Zumal selbst solche Aussagen von Opfern in der Vergangenheit leider immer wieder folgenlos blieben.

Zum Schluss noch ein Buchtipp zum Thema: „Warum sie uns hassen“ von Ruby Rebelde

Über die Recherche zu Mission Freedom und weiterer sich für ein sog. „Sexkaufverbot“ einsetzender Organisationen habe ich einen mir völlig neuen Einblick in eine auf den ersten Blick seltsam anmutende Allianz christlich-fundamentalistischer, radikal-feministischer und rechter Akteur*innen erhalten.

Maßgeblich dazu beigetragen hat Ruby Rebelde, eine Person, die ich im Zuge meiner Recherchen kennen lernen und mit ihr und weiteren Personen FundiWatch starten durfte. Ruby ist selbst in der Sexarbeit tätig, Autor*in und in der politischen Bildungsarbeit engagiert. Ich habe zuvor – und auch bisher – keine andere Person getroffen, die sich so umfassend und professionell mit den Verbindungen christlich-fundamentalistischer Akteur*innen in Anti-Sexarbeits-Allianzen und deren ideologischen Schnittstellen und Hintergründen befasst hat.

Gerade erst ist Rubys Buch „Warum sie uns hassen“ über Sexarbeitsfeindlichkeit erschienen. Eine absolut empfehlenswerte Lektüre – sei es nun als Alternative oder Ergänzung zu der Recherche zu Mission Freedom…


P.S.: Von Mission Freedom und weiteren nahestehenden Organisationen und Gruppen werden übrigens auch krude Verschwörungserzählungen rund um das Thema „Rituelle Gewalt“ und „Mind Control“ verbreitet (zu Mission Freedom vgl. die Recherche ab Seite 19). So wundert es auch kaum, dass der aktuelle Dokumentarfilm „Blinder Fleck“ von mehreren Mitgliedsorgansiationen von GGMH mit finanziert wurde. Zu der Doku hat Nephthys Morgenstern von FundiWatch gerade einen Gastbeitrag bei belltower.news veröffentlicht, der auch auf die Rollen von Antisemitismus und Verschwörungserzählungen in diesem Zusammenhang eingeht.


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