Ein neues Projekt in Leipzig – Was hat es mit Yadira auf sich

In Leipzig öffnet gerade eine neue Beratungsstelle für „Menschen in der Prostitution“: Yadira. Es gibt bereits die niedrigschwellige Beratungsstelle mit einem Ansatz der anerkennenden Sozialen Arbeit: Die Fachberatungsstelle Leila der Aidshilfe Leipzig. Warum also eine zweite Beratungsstelle?

Wer steht hinter „Yadira“?

Yadira wird vom Verein The Justice Project (TJP) unter der Leitung von Justin Shrum betrieben. TJP betreibt in Karlsruhe bereits eine Beratungsstelle für „Menschen in der Prostitution“ (Mariposa) und eine für westafrikanische Betroffene von Menschenhandel (Oase). Der Verein hat laut seiner Satzung einen christlichen Hintergrund und stellt eine akzeptierende Soziale Arbeit in Aussicht. Diese soll einen „ganzheitlichen Ansatz, der den Menschen im christlichen Menschenbild von Geist, Körper und Seele betrachtet“ verfolgen. Was kann man sich darunter vorstellen?

Fragen an Leiter Justin Shrum

Das haben wir auch Justin Shrum von TJP gefragt. Seiner Antwort auf unsere Anfrage zufolge, ist der Verein „keine religiöse Organisation und verfolgt keinerlei missionarische Ziele“.

TJP stehe dem „Nordischen Modell“ „kritisch gegenüber“. Die Arbeit sei „menschenrechtsbasiert und richtet sich an alle Menschen der definierten Zielgruppe, unabhängig von Herkunft, rassistischer Zuschreibung, sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität, sozialer Lage, Religion, Behinderung oder Lebens- und Familienform.“ Shrum betont darüber hinaus, sein privates und öffentliches Lebens zu trennen:

„Persönlich bewegen meine Frau und ich uns wie viele Christ:innen in unterschiedlichen kirchlichen Zusammenhängen; das ist Teil unseres privaten Gemeindelebens und berührt die Unabhängigkeit, Arbeit und Ausrichtung von TJP nicht. Wichtig ist mir hierbei, meine private Person als gläubigen Menschen und studierten Theologen (M.A. London School of theology) von meiner Rolle als Vorstand von TJP sowie von der Arbeit des Vereins zu trennen.“

Ideologischer Hintergrund von Justin Shrum: TJP als Missionsprojekt?

Vergleichen wir Shrums Biografie und Social-Media-Posts mit diesem Statement, kommen an dieser Darstellung und der klaren Trennung von privater Religiosität und professioneller Arbeit erhebliche Zweifel auf.

Shrum wirbt auf zwei US-amerikanischen Websites evangelikaler internationaler Missionsorganisationen für Spenden für TJP und die eigene Arbeit, konkret beim World Outreach Center und bei der Dove Mission.

In der Gründungsphase der Beratungsstelle Oase äußerte Shrum sich darüber, dass Gott „sie“ (wahrscheinlich TJP) im Kampf gegen den Menschenhandel „installiert“ habe:

Quelle: https://www.facebook.com/100000357967541/posts/1646012922087291/?mibextid=rS40aB7S9Ucbxw6v

In einem theologischen Essay unter dem Titel „Integrative Theology Applied to the Use of African Traditional Religion and Voodoo Rituals in Cases of Nigerian Sex Trafficking“ und einer darauf aufbauenden Master-Arbeit  entwickelte Shrum parallel zum Entstehen der Beratungsstelle eine Art Ritual unter Anwendung des Bibel-Psalms 82, das Betroffenen von Menschenhandel, die aufgrund eines geleisteten Juju-Schwurs Angst vor der Rache bösartiger Gottheiten haben, die Übermacht des christlichen Gottes demonstrieren soll. In seinem Essay vergleicht er dieses Ritual mit bestimmten Formen des pfingstlich-charismatischen Exorzismus (hier nachzulesen).

Auf Facebook berichtet Shrum außerdem über seinen Glauben an die Heilung durch Handauflegen.

Quelle: https://www.facebook.com/100000357967541/posts/1348175885204331/

Auf die Frage, ob das Anti-Juju-Ritual in der Sozialen Arbeit des Vereins Anwendung finde, erhielten wir die folgende Antwort:

„Die in der Arbeit [gemeint ist die Masterarbeit, Anm. d. Verf.] vorgeschlagene Methode wird heute also nicht als internes Verfahren von TJP angewandt. Wir nehmen einen spezifischen, kultursensiblen Unterstützungsbedarf wahr und leiten auf Wunsch an eine dafür qualifizierte Stelle weiter.“

Allerdings liegt uns eine Päsentation zu einem bei der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge gehaltenen Vortrag von TJP aus dem Jahr 2022 vor, in dem genau diese Methode vorgestellt wurde. Die betreffende Abrufseite ist auf der Homepage der Akademie mittlerweile gelöscht, über das Webarchiv allerdings weiterhin abrufbar.

„The Girl in Dirt“ – Die „Reinwaschung“ der „Prostituierten“

Die Gründung der Beratungsstelle Mariposa wurde durch die Veröffentlichung des Image-Video „The Girl in Dirt“ begleitet. Bilder von einer stereotyp dargestellte straßenbasierten Sexarbeiterin, die von einer Sozialarbeiterin/Missionarin angesprochen wird, werden darin mit Bildern einer von Schlamm überzogenen Frau parallelisiert, die „rein“gewaschen wird, während eine männliche Stimme zu den Tönen eines synthetischen Orchesters ein bizarres Gedicht vorträgt. Das Video hat erkennbar Züge eines Konversions-Narrativs.

 

Mehrmals repostete Shrum auf Facebook zustimmend Artikel der umstrittenen US-amerikanischen Anti-Sexarbeits-Organisation Exodus Cry, die sich u.a. für eine Kundenkriminalisierung in der Sexarbeit aussprechen. Exodus Cry steht der Mega-Church International House of Prayer Kansas (IHOP) des Antisemiten und Queerfeinds Mike Bickle nahe, der laut einem Aufarbeitungsbericht mindestens 17 Menschen sexuell missbraucht hat. Der Gründer von Exodus Cry Benjamin Nolot steht ebenfalls in der Kritik, weil er Schwangerschaftsabbrüche mit dem Holocaust verglich und sich gegen die Ehe für Alle in den USA einsetzte. Samantha Cole kritisierte die Organisation auch für ihr ambivalentes Verhältnis gegenüber militanten Neonazi-Organisationen.

Bevor Shrum nach Deutschland kam, wurde er in der F.I.R.E. – School of Ministry in Charlotte des queerfeindlichen Predigers Dr. Michael Brown ausgebildet, der der pfingstlich-charismatischen Denomination der Assemblies of God angehört und bereits als Shrum noch in Charlotte lebte Anhänger gegen einen lokalen Pride Marche mobilisierte.

Verbindungen zur Alive Church

Shrum predigt bis heute regelmäßig in der Alive Church in Karlsruhe. Die Gemeinde ist Teil des Bunds Freikirchlicher Pfingstgemeinden, der ebenfalls zur World Assemblies of God Fellowship gehört und der in seiner „Stellungnahme zur Homosexualität in Bibel, Gemeinde und Gesellschaft“ sowie in seiner „Stellungnahme zur Frage unterschiedlicher sexueller Identitäten – Transgender und Kirche“ klar queerfeindlich positioniert hat. TJP selbst unterhalte laut Shrum „keinerlei institutionelle Verbindungen zur AoG.“ Welche Verbindungen aber bestehen, bleibt offen. Auf der Website der Alive Church wird TJP jedenfalls als soziales Projekt verlinkt und es ist die Rede von einer „Unterstützung“.

Positionierung von TJP zur Kundenkriminalisierung (sog. Nordisches Modell) – Zweifel bleiben

Tatsächlich scheint sich die Positionierung des Vereins TJP zur Kundenkriminalisierung in der Sexarbeit von Shrums bereits erwähnten Äußerungen auf Facebook zu unterscheiden: Im TJP-Jahresbericht von 2018 ist die Rede von drei gleichwertigen Ansätzen: Dem Abolitionismus bzw. der „Abschaffung der Prostitution“, der „gegensätzliche“ Ansatz der „Rechte von Sexarbeitern“ sowie eines dritten Ansatzes, der sich auf die „Bekämpfung des kriminellen Menschenhandels“ beschränke, ohne sich generell zu Sexarbeit zu positionieren. Uns gegenüber teilte Shrum mit, dass TJP den Netzwerk-Verein Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh) (bei dem TJP zuvor seit 2016 Mitglied war) im Jahr 2023 verlassen zu haben, weil dieser sich von da an offiziell für eine Kundenkriminalisierung positionierte. Zudem unterscheidet TJP zwischen Menschenhandel und „Prostitution“, was bei vielen Befürworter*innen einer Kundenkriminalisierung nicht der Fall ist. Ob sich die (vermeintlich neutrale) Positionierung des Vereins tatsächlich mit den christlichen Werten Shrums deckt oder ob und wie seine persönlichen Einstellungen hierzu auf die Arbeit von TJP einwirken, bleibt für uns offen. Eine klare öffentliche Positionierung von TJP gegen eine Kundenkriminalisierung, wie beispielsweise von anderen großen Organisationen wie der Diakonie Deutschland, dem KOK oder Amnesty International konnten wir jedenfalls nicht finden.

Ein taktisches Schweigen könnte hier, auch angesichts einer fehlenden Distanzierung von früheren Äußerungen Shrums, durchaus eine plausible Erklärung sein.

Ob Leipzig mit der Beratungsstelle Yadira etwas Positives dazu gewinnt, scheint uns zumindest fragwürdig. Sicher ist, wir werden das Ganze weiter beobachten.

 

Rückblick: CSD München 2026

Christliche Fundamentalist*innen auf dem CSD beflyern selbst FundiWatch…

Wir waren auf dem CSD München 2026 mit dabei. Bei brütender Hitze durften wir auf unsere Arbeit aufmerksam machen und waren mit unserem neuen Banner am Start. Bei der Hitze haben wir ganz vergessen, mehr Fotos zu machen, aber hier immerhin eines noch aus der Startaufstellung:

Neues Banner, neue Sticker und Flyer…

Sehr gefreut hat uns, dass rechtzeitig zum CSD München unser neues FundiWatch-Banner sowie unsere Flyer und Sticker ankamen, die wir an viele Interessierte verteilen konnten.

Ein herzlicher Dank gilt auch an all die Gruppen, die unsere Sticker und Flyer auf der CSD-Meile an ihren Ständen ausgelegt haben! Diese Aufmerksamkeit hat uns sehr geholfen, bekannter zu werden. Im Nachgang haben wir sogar Anfragen von Personen erhalten, die uns bisher nicht kannten, dadurch auf uns aufmerksam wurden und mit Fragen zu christlich-fundamentalistischen Gruppen auf uns zu kamen. Das Schwitzen hat sich also mehr als gelohnt!

Unser Banner für den #CSD in #München #MunichPride dieses Wochenende ist heute angekommen… Auf geht's zum fröhlichen Schwitzen! Wir sind in Gruppe Nr. 99 – und wenn's gut läuft haben wir auch Sticker dabei… 😉 Also schaut vorbei! 💜 🌈

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2026-06-24T20:02:02.786Z

Wer Interesse an unseren Stickern und Flyern hat und diese bei sich auslegen oder verteilen möchte, kann sich gerne bei uns melden! Gerne schicken wir euch ein unverbindliches Angebot zu, mit dem wir unseren Aufwand abdecken können.

Gerne würden wir die Bereitstellung von entsprechenden Info-Materialien noch weiter ausbauen, arbeiten bisher als Kollektiv aber weiterhin ohne feste Finanzierung. Wer uns also einmalig oder regelmäßig unterstützen mag, findet Gelegenheit dazu hier – jeder Euro hilft uns und Dank an all unsere Unterstützer*innen!

„Outreach CSD“ von Reviving the World

Auch dieses Jahr waren wieder christlich-fundamentalistische Gruppen auf dem CSD präsent. Über die Aktion „Outreach CSD“ der Gruppe „Reviving the World“ hatten wir bereits kurz vor dem Start des CSD berichtet.

Ein*e Teilnehmer*in vom CSD berichtete uns, dass sie von einer Gruppe angesprochen wurde, die behauptet habe, ein Straßeninterview zum Thema Liebe führen zu wollen. Es schien alles zunächst harmlos, doch dann wurde die Person skeptisch, lehnte ab und widersprach der Veröffentlichung von Aufnahmen. Absolut richtige Reaktion! Denn immer wieder werden Teilnehmende in Videos von christlichen Fundamentalist*innen auf CSDs vorgeführt, die Videos werden manipulierend geschnitten und es wird sich über sie lustig gemacht.

Fundis beflyern FundiWatch…

Auch vor FundiWatch machten die Fundis keinen Halt. Eine Person drängte uns ihren Flyer von der Gruppe Beit Sar Shalom auf (den wir natürlich zu Archivierungszwecken gern an uns nahmen). Unseren FundiWatch-Flyer wollte sie allerdings nicht haben…

Quelle: Eigene Fotoaufnahme FundiWatch.

Die weitreichend vernetzte Gruppe Beit Sar Shalom steht vor allem in Kritik aufgrund ihrer offensiven „Judenmission“. Zu ihren Netzwerken und Verbundenheiten mit zahlreichen umstrittenen und queerfeindlichen Organisationen gibt es auch einen Abschnitt in der open source verfügbaren Dissertation der Theologin Dr. Maria Hinsenkamp, „Visionen eines neuen Christentums – dies insbesondere im Hinblick auf die Mitgliedschaft von Beit Sar Shalom im Trägerkreis des Christlicher Convent Deutschland (CCD).

Ausführlich legt Hinsenkamp in ihrer Dissertation dar, welch zentrale Rolle der Christliche Convent Deutschland (CCD) als Bindeglied zahlreicher christlich-fundamentalistischer Akteur*innen der „Kingdom-minded Network Christianity“ (KiNC) – also einer Bewegung, die Gesellschaften entsprechend ihrer christlich-fundamentalistischer Ideologien „transformieren“ möchte – spielt:

„Aus der Mitte der KiNC wurde jedoch ihr Formationsprozess innerhalb der letzten Jahre einmal mehr durch die gezielte Bildung neuer Netzwerke und die daraus entstehenden Initiativen vorangetrieben, um möglichst viele Akteur:innen hinter den basileianisch orientierten Visionen zu sammeln und das Bewusstsein für ihre Relevanz zu steigern, auch über pfingstlich-charismatische Grenzen hinaus. Eine besondere Rolle spielt dabei der Christliche Convent Deutschland (CCD), entstanden aus dem Netzwerk Treffen von Verantwortlichen (TvV), das auch in der Formierung des Netzwerkes Miteinander für Europa (MfE) federführend war. Aus dem CCD haben sich insbesondere mit Ausbruch der Corona-Pandemie verschiedene Veranstaltungsinitiativen gebildet (z.B. Deutschland betet gemeinsam, Hoffnungsschimmer), die die synergetischen, flexiblen, agilen und einflussreichen Kräfte von visionsgetragenen Netzwerkstrukturen einmal mehr unter Beweis gestellt haben.“

Hinsenkamp, aaO., S. 282.

Hinsenkamp ordnet die verschiedenen maßgeblichen Akteur*innen der KiNC in Deutschland in ihrer Dissertation auch in einem Schaubild ihren verschiedenen Ausrichtungen zu:

Hinsenkamp, aaO., S. 283, Abbildung 12: Exemplarischer Ausschnitt aus der deutschsprachigen KiNC-Landschaft

Die Mitglieder des Trägerkreises des CCD sind auf dessen Homepage veröffentlicht:

Quelle: https://www.christlicherconvent.com/leitung

Und wer jetzt „Kontaktschuld!“ rufen mag: Die Netzwerke sind offensichtlich bewusst gewählt und eine (öffentliche) Abgrenzung innerhalb dieser findet so gut wie nicht statt.

Kurzer Einschub: Rückblick Protestaktion FundiWatch zum Treffen von „Miteinander für Europa“ parallel zum CSD 2025 in der St. Matthäus-Kirche und UNUM24 zum CSD 2024

Bis Anfang dieses Jahres fand sich als Mitglied im Trägerkreis des CCD auch noch Dr. Norbert Roth auf der Webseite. Mittlerweile ist er dort nicht mehr aufgeführt, die Gründe dafür sind öffentlich offenbar nicht bekannt.

Roth ist Pfarrer der St. Matthäus Kirche – der evangelisch-lutherischen Haupt- und Bischofskirche – am Sendlinger Tor in München. Dort fand letztes Jahr parallel zum CSD das Treffen des ebenfalls zur KiNC zuzuordnenden Netzwerks „Miteinander für Europa“ stattfand, wogegen FundiWatch mit Unterstützer*innen protestierte.

St. Matthäus arbeitet auch immer wieder eng mit dem CVJM München zusammen, der u.a. auch im Trägerkreis der umstrittenen Glaubenskonferenz UNUM24 in der Münchener Olympiahalle – parallel zum CSD 2024 – vertreten war.

Längere Zeit betreute in St. Matthäus Johanna Planeth vom Gebetshaus München – und zugleich neben Gaby Wentland zweite Vereinsvorsitzende von Mission Freedom – dort den Kinder-Krabbelgottesdienst. Die Einrichtung des seit Langem umstrittenen Vereins Mission Freedom „Haus Seenest“ im Allgäu wurde jüngst wegen vermeintlich „kindeswohlgefährdender Erziehungsmethoden“ geschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Heimleitung und mehrere Mitarbeitende wegen des Anfangsverdachts der Misshandlung Schutzbefohlener.

Norbert Roth behauptete vor einem Jahr, von der Kritik an Mission Freedom und Miteinander für Europa nichts zu wissen. Selbstverständlich nehme man unsere Kritik aber ernst und wolle dieser nachgehen. Sichtbar geschehen ist seitdem – jedenfalls von seiner Seite aus – nichts. Der evangelische Regionalbischof Prieto Peral hingegen, der sich offen für unsere Kritik zeigte und sich dieser auch auf unserer Protestkundgebung persönlich stellte, sagte offenbar die Teilnahme an einem Treffen mit entsprechenden KiNC-Akteur*innen ab.

Who lets the Dogs out? Puppys im Einsatz gegen christliche Fundis…

Und dann war da ja noch die Gruppe, die mit Fahrrad und großer Jesus-Flagge das Wochenende über den CSD und das Glockenbachviertel mit ihren Missionseinsätzen behelligte und „zur Umkehr“ aufrief.

Die Gruppe gehört offenbar unter anderem zu einer christlich-fundamentalistischen Gemeinde, die im Glockenbach-Viertel beheimatet ist, dort fleißig das Viertel mit „Jesus rettet“ und ähnlichen Aufklebern bestickert und für „geistliche Kriegsführung“ wirbt.

Quelle: Eigene Aufnahme FundiWatch
Quelle: Eigene Aufnahme FundiWatch

Welche Rolle "geistliche Kriegsführung" ("spiritual warfare") – also die "Befreiung" von Orten von bösen Mächten oder Dämonen durch Gebet – beim Sturm auf das US-Kapitol am 6.1. spielte, kann man in der sehr hörenswerten Podcast-Reihe von @matthewdtaylor.bsky.social erfahren: buff.ly/Inat34L 1/4

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-03-13T20:44:25.094Z

Als sich die kleine Gruppe ausgerechnet die CSD-Fetish-Area für ihren Missionseinsatz aussuchte, kam es zum beherzten friedlichen Protest einiger Personen, woraus diese Bilder entstanden sind…:

Quelle: Instagram

„Christliche“ Kampfsportgruppe „Christkönigtum“ dieses Jahr offenbar nicht auf dem CSD München

Nicht wahrgenommen haben wir bisher eine erneute Präsenz der rechtsklerikal-katholischen Gruppe Christkönigtum auf dem Münchener CSD.

Quelle: christkoenigtum.de

Akteurinnen von u. a. „Christkönigtum“ beim „Tausend Kreuze für das Leben“-Aufmarsch 2025 in München. Foto: Lina Dahm

Quelle: a.i.d.a.-Archiv

Letztes Jahr hatte Christkönigtum eine Kundgebung auf dem CSD München angemeldet, die allerdings vorzeitig beendet wurde, als beim Versammlungsleiter ein Messer in seiner Gürtelschnalle festgestellt wurde…

Christkönigtum bietet eigene „christliche Kampfsportgruppen“ an und steht in enger Verbindung mit der Piusbruderschaft – die durch ihre durchgeführten eigenen Priesterweihen „ohne päpstliches Mandat und gegen den Willen des Papstes“ gerade aus der katholischen Kirche exkommuniziert wurde.

Was bleibt…?

Was bleibt: Christliche Fundamentalist*innen sind nicht in der Mehrheit. Aber es gilt weiterhin – wohl seit Langem wieder mehr als jeh – unsere Freiheit gegen antipluralistische und menschenfeindliche Ideologien zu verteidigen.

Aber wichtig auch: Auf dem CSD waren auch viele queere christliche und christliche queerfreundliche Gruppen präsent. Christlichen Fundamentalist*innen und ihren Vereinnahmungsversuchen sollten wir gemeinsam laut und deutlich widersprechen. Gerade da, wo sie sich vielleicht auf den ersten Blick als vermeintlich modern, freundlich und weltoffen zeigen. Denn nicht selten folgt auf ein „Auch queere Menschen sind bei uns willkommen!“ ein ABER „queere Lebensweisen entsprechen nicht der Bibel, Gott kann ‚helfen‘, du musst dich ändern“ etc. pp. Und DAS ist pervers!

Danke euch, für diesen wunderschönen, heißen CSD und bis bald! Stay strong!


Mehr zum Thema:

Christliche Fundamentalist*innen missionieren auf dem CSD München

„Outreach CSD“ von „Reviving the World“

(Titelbild: Instagram / Reviving the World). Nicht nur, dass es am Wochenende (auch) in München ends heiß wird (FundiWatch ist in der Fußgruppe 99 dabei und es gibt tatsächlich Sticker!). Nun wollen neben einer rechten Demo (die allerdings keinen direkten Bezug zum CSD hat) auch noch christliche Fundamentalist*innen aktiv auf dem CSD missionieren.

Abzuwarten bleibt, ob auch die Gruppe „Christkönigtum“ wieder dabei sein wird (deren Kundgebung „Kreuz statt Pride“ wurde letztes Jahr vorzeitig abgebrochen, da der Versammlungsleiter ein Messer dabei hatte…)

Konkret plant aktuell die christlich-fundamentalistische evangelikale Organisation „Reviving the world“ (im Evangelikalen-Sprech wohl am besten sinngemäß zu übersetzen mit „Erweckung für die Welt“) einen „outreach at the CSD Munich to reach the LGBT* community for Jesu„.

Treffpunkt der Gruppe ist die römisch-katholische Heilig-Geist-Kirche am Marienplatz um 14 Uhr. In der Heilig-Geist-Kirche sind christlich-fundamentalistische Gruppen beheimatet, u.a. auch die Loretto-Gemeinschaft. Am Sonntag veranstaltet Reviving the World dann noch einen Gottesdienst im Charismatischen Zentrum München, das Mitglied der Evangelischen Allianz München ist, über das zahlreiche evangelikale Gemeinden in München miteinander verbunden sind.

Ideologischer Hintergrund von Reviving the World: Sie wollen Macht

Welchen ideologischen Hintergrund Reviving the World hat, hatten wir hier anlässlich einer Missionsveranstaltung der Organisation letztes Jahr in München bereits angesprochen:

1. "Die Errettung für eine verlorene & sterbende Welt" – Es ist kaum möglich, über alle der mittlerweile stattfindenden Missionierungsevents zu berichten. Gestern & heute ist die der KiNC zuzuordnende Organisation "Reviving the World" – ein Ableger von "Christ for all nations" – in München…

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-05-24T12:09:55.427Z

Leiter des vor knapp fünf Jahren gegründeten Vereins Reviving the World ist der Evangelist David Rotärmel, der deutschlandweit regelmäßig auch die sogenannten „Nights of Hope“ (Paywall) veranstaltet.

Die Vision von Reviving the World wird auf der Homepage klar formuliert und passt 1:1 zur von der Theologin Dr. Maria Hinsenkamp in ihrer frei abrufbaren DissertationVisionen eines neuen Christentums – Neuere Entwicklungen pfingstlich-charismatischer Netzwerke“ beschriebenen herrschaftstheologischen „Kingdom-minded Network Christianity“ (KiNC): „Alle Nationen zu Jüngern machen“. Hier ein Screenshot aus einer früheren Version der Homepage:

Quelle: Screenshot revivingtheworld.com

Dass es dabei um deutlich mehr, als um individuelle religiöse Entscheidungen geht, wird in der vorgenannten Dissertation deutlich aufgezeigt. Es geht um die Vorstellung, dass Christ*innen berufen seien, das „Reich Gottes“ bereits im hier und jetzt auf der Erde aufzubauen, in diesem Sinne verschiedenste Gesellschaftsbereiche zu transformieren und ihren Einfluss auszubauen. Mehr dazu auch in diesem SWR-Radiofeature.

Was die Umsetzung dieser Ideologien in der Praxis bedeutet, können wir besonders deutlich u.a. in den USA sehen. Und tatsächlich ist Reviving the World nach eigenen Angaben international weitreichend auch mit US-Evangelikalen Gruppen wie Europe Shall Be Saved (ESBS) und der Global Evangelism Alliance (GEA) vernetzt:

1. BETEN FÜR DEN KRIEG: Medien berichten aktuell über ein Gebet evangelikaler Prediger*innen im Oval Office für Trump. Häufiger Tenor: "kurios", "skurril"… bei uns aber doch wohl unvollstellbar. Und doch reichen Netzwerke des Gebetskreises wie zB "empowered21" bis nach D & Europa 🧵 buff.ly/2DOzZVg

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2026-03-07T19:16:52.036Z

Queerfeindliche Hetze mit der Bibel in der Hand

Was Rotärmel über queere Menschen denkt, hat er in Predigten bereits sehr deutlich formuliert.

Sowohl der Südkurier (im Rahmen eines Berichts über eine „Nights of Hope“ im Schwarzwald) als auch die Autonome Antifa berichten, wie Rotärmel in Videos Homosexuelle nachäfft und Homosexualität mit Pädophilie verbindet.

Die Antifa berichtet von einem Auftritt Rotärmels 2022, in dem er seinem Publikum von einem Gespräch erzählt, das er angeblich auf einer „Pride Parade“ hatte. Dort äffte er demnach einen stereotypen Homosexuellen nach, der ihm angeblich gesagt habe, dass die Menschen auf der Parade auch „voller Liebe“ seien. Rotärmels Kommentar: „Wenn du es liebst, wenn ein kleines Kind vergewaltigt wird, dann ist das dämonische Liebe.

Aus dem Nichts konstruierte Rotärmel demnach einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie und berief sich dabei auf Jesus. Für seine Hetze nutzte er die eigene Interpretation eines Bibelzitats: „Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden.“ Diese Bibelstelle verwendete er dann gegen ein vermeintliches Queer-Zitat von der „Pride Parade“: „Ich wurde nunmal so geboren. Ich liebe Männer, ich liebe Frauen, was ist denn falsch daran?!

Die betreffende Stelle ist in dem weiterhin abrufbaren Video auf dem Youtube-Kanal der Freikirche ICF (International Christian Fellowship) am Standort ICF Schwarzwald-Bodensee offenbar nachträglich entfernt worden: Bei Minute 6:55 bemerkt man einen Videoschnitt, der dies im Zusammenhang mit dem weiteren Bericht der Antifa sehr nahe legt.

Denn die anschließende „Lösung“ von Rotärmel ist nach dem Schnitt im Video weiter enthalten:

„Wenn du so geboren wurdest, mit dieser Sache […], dann habe ich eine gute Nachricht für uns heute: Das ist Grund, dass wir von Neuem geboren werden müssen. Wenn wir so geboren wurden, dann ist es eine Herausforderung zu sagen: Ok, Jesus, das bedeutet, dass es ein Problem in meinem Leben gibt. Und die Lösung für dieses Problem ist, dass du mein kaputtes Herz komplett rausreißt und zerstörst und mir ein komplett neues Herz gibst. Dass du meine menschliche Natur rausreißt und mir eine neue geistliche, göttliche, übernatürliche Natur von Jesus gibst.“

Queerfeindlichkeit auch beim Kooperationspartner „Christus für alle Nationen“ (CfaN)

Ebenso queerfeindliche Positionen vertritt übrigens auch der heutige Leiter von Christus für alle Nationen (CfaN), Daniel Kolenda.

Rotärmel hat sich bei CfaN „trainieren“ lassen und auch heute arbeiten die Organisationen eng zusammen. Vergangenes Jahr hatte Reviving the World mit Unterstützung von CfaN die Missionsaktion „Salvation Bayern 2025“ ausgerufen.

Gründer und langjähriger Leiter von CfaN war der mittlerweile verstorbene Reinhard Bonnke (Spitznahme: „Mähdrescher Gottes„). Bonnke und CfaN wurden aufgrund ihrer Massenevangelisationen mit vermeintlich massenhaften Bekehrungen und Wunderheilungen bekannt, mit denen Bonnke insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent ganze Stadien füllte (was zeitweise auch lokale Unruhen auslöste). In seinen Predigten rief Bonnke:

„Tumore weicht in Jesu Namen! Krebs verschwinde in Jesu Namen! HIV-positiv werde HIV-negativ! In Jesu Namen! (…) Alle Infektionen, Neurosen, ich breche die Kette aller Depressionen, in Jesu Namen! Die Freude am Herrn wird deine Stärke sein und deine Medizin sein.“

Zitiert nach: Lambrecht /Baars, Mission Gottesreich Gottesreich: Fundamentalistische Christen in Deutschland (2013) – der Ausschnitt stammt demnach aus einer Predigt aus der heutigen hoop-Kirche in Bremen.

Unter Leitung von Bonnke waren übrigens auch Gaby und Winfried Wentland viele Jahre für CfaN tätig. Winfried Wentland arbeitet dort heute noch. Gaby Wentland hat den Hamburger Verein Mission Freedom gegründet, dessen Kinderheim „Haus SeeNest“ im Allgäu aktuell für Schlagzeilen sorgt, nachdem dort alle Kinder wegen vermeintlich kindeswohlgefährdender Erziehungsmethoden in Obhut genommen wurden. Mehr dazu hier.

Und so wundert es auch nicht, dass Gaby Wentland großer Fan von Rotärmels Reviving the World ist und dieses unterstützt:

Quelle: Facebook / Gaby Wentland

Der „Teufel“ der Homosexualität

CfaN-Leiter Daniel Kolenda steht Rotärmel in Sachen Queerfeindlichkeit jedenfalls in nichts nach:

Auf seiner Homepage bringt er Homosexualität mit dem „Teufel“ in Verbindung, den es auszutreiben gelte und beschreibt, wie er genau das auf seinen Evangelisationsveranstaltungen (offenbar auch an Jugendlichen) praktiziert:

„After I preached on the blood of Jesus, the young people answered the call, surrendered to Jesus and kicked the Devil out of their lives. One guy was dramatically delivered of demon possession while many looked on. They had never seen anything like it before. Several young people testified to me of being personally set free from addictions and compulsions including homosexuality, pornography and self-mutilation.“

Übersetzung d. Verf.:

„Nachdem ich über das Blut Jesu gepredigt hatte, folgten die jungen Menschen dem Aufruf, übergaben ihr Leben Jesus und verbannten den Teufel aus ihrem Leben. Ein junger Mann wurde auf dramatische Weise von einer dämonischen Besessenheit befreit, während viele zusahen. So etwas hatten sie zuvor noch nie erlebt. Mehrere junge Menschen berichteten mir persönlich, dass sie von Süchten und zwanghaftem Verhalten befreit worden seien, darunter Homosexualität, Pornografie und Selbstverletzung.“

Behandlungen an Minderjährigen, die auf eine Veränderung der sexuellen Orientierung oder Identität zielen, sind in Deutschland übrigens nach dem Konversionsbehandlungsschutzgesetz strafbar.

Wir lassen uns den Spaß nicht verderben: „Unsere Vielfalt. Unser Stärke.“

Wir lassen uns unseren Munich-Pride gleichwohl nicht vermiesen!

Das diesjährige Motto lautet: „Unsere Vielfalt. Unser Stärke.“

Lasst uns auf dem CSD diesen queerfeindlichen Fundis lautstark – aber friedlich – entgegentreten. Gemeinsam mit unseren queeren christlichen Freund*innen. Denn nicht zu vergessen ist auch: Zumindest aktuell teilt nur ein kleiner Teil der deutschen Christ*innen diese queerfeindlichen Positionen und deren Ideologien. Darum lasst uns – auch wenn wir den Glauben des anderen vielleicht nicht immer nachvollziehen können – hier Seite an Seite stehen. Religions- und Weltanschauungsfreiheit ist ein Menschenrecht. Anderen den eigenen Glauben aufzudrängen und queerfeindliche Hetze hingegen nicht!

In diesem Sinne: Lasst euch bitte von der Gruppe (und etwaigen sonstigen Fundis auf dem CSD) nicht provozieren.

Seid ihr selbst (ihr seid wundervoll, so wie ihr seid!), bleibt friedlich und äußert gerne euren (lautstarken, aber friedlichen) Protest!

Happy Pride!

(Edit 26.6.2026: redaktionell-sprachliche Korrekturen vorgenommen)

Mehr zum Thema:

Webtalk mit dem LSVD+ Bayern: Queerfeindlichkeit im Namen des Glaubens?

16. Juli 2026 | 17:30-19:00 Uhr
Jetzt anmelden!

(Bildquelle: LSVD+ Bayern) Christlicher Fundamentalismus gewinnt auch in Bayern zunehmend an Einfluss. Auf gesellschaftliche Debatten, auf die soziale Arbeit, auf politische Entscheidungen. Gerade dort, wo es um queere Vielfalt und körperliche Selbstbestimmung geht.

Doch welche Akteur*innen und Netzwerke stecken dahinter? Wie organisieren sich queerfeindliche Kampagnen? Und welche Strategien nutzen diese Gruppen?

Im Webtalk am 16. Juli von 17:30-19 Uhr wollen wir gemeinsam mit dem LSVD+ Bayern und euch einen genaueren Blick auf christlichen Fundamentalismus und dessen Rolle in aktuellen queerfeindlichen Mobilisierungen werfen. Nach einem Impulsvortrag gibt es Raum für Fragen, Diskussion und Austausch.

Weitere FundiWatch-Termine findet ihr hier.

Mission Respekt – oder Mission gescheitert?

Wie die Bremische Evangelische Kirche dem „Hassprediger“ Olaf Latzel wieder eine Bühne bietet

Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) hat sich jahrelang vom in Medien als „Hassprediger“ bezeichneten und wegen Volksverhetzung angeklagten Olaf Latzel distanziert – und ihn disziplinarisch sanktioniert.

Jetzt kooperiert ausgerechnet ihr eigenes Projekt „Lighthouse“ im Rahmen der „Aktionswoche.Evangelisation“ mit Latzel und seiner St. Martini Gemeinde. Am gleichen Wochenende heißt Latzel mit der Alliance Defending Freedom (ADF) anschließend einen einflussreichen Player der internationalen christlichen Rechten bei sich willkommen.

Nachfragen weicht die Kirchenleitung aus – und dann erhalten wir eine Mail, die wir eigentlich nie hätten erhalten sollen und an der ablesbar wird, wie die BEK in dieser Angelegenheit agiert.

Eine Pressemitteilung zu diesem Artikel ist hier abrufbar.

Edit (13.04.2026): Über den Fall berichten zwischenzeitlich auch mehrere Medien, wie u.a. queer.de (09.04.2026) und die taz (12.04.2026). Außerdem haben wir noch den Abschnitt „Lighthouse – das Trojanische Pferd der Evangelikalen in die Bremer Zivilgesellschaft?“ ergänzt.


Über den Einfluss der Evangelikalen auf die Soziale Arbeit in Bremen, insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit des Sozialwerks der Freien Christengemeinde Bremen und dessen Netzwerke, berichteten wir hier.

Weiterlesen

Ein Projekt zwischen Aufbruch und Rückgriff

Beim Lighthouse Bremen handelt es sich um eine gesamtkirchliche Arbeitsstelle der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK). Auf den ersten Blick inszeniert sich das Lighthouse modern und weltoffen: niedrigschwellig, experimentell, nah an den Menschen.

Formate wie „Prayer to go“ oder Bikertreffen unter dem Titel „Ride on Faith“ sollen Glauben aus kirchlichen Räumen herausholen und auch kirchenferne Gruppen erreichen:

Website der „Lighthouse – Bremische Evangelische Kirche“ mit Navigationsleiste (Info, Aktionen, Termine, Newsletter, Galerie, Kontakt). Darunter ein Abschnitt „Das LIGHTHOUSE erklärt“ mit einem Foto eines beleuchteten Kirchengebäudes bei Nacht und erklärendem Text zum Projekt „Lighthouse“.
Screenshot Webseite Lighthouse, Quelle: https://lighthouse-bremen.de/

Ein zweiter Blick weckt jedoch bereits andere Assoziationen: Angebote wie „Feuerabende für Männer!“ knüpfen wohl doch eher an konservativ-evangelikale Milieus inklusive darin vertretener klassischer Rollenbilder an – „echte Männer“ treffen sich am offenen Feuer „unter sich“:

Werbebild mit der Aufschrift „LIGHTHOUSE Feuerabende“: Am Strand bei Abenddämmerung stehen mehrere Männer um ein Lagerfeuer, im Hintergrund ist Wasser mit Lichtern am Horizont zu sehen. Unten steht der Text „Feuerabende für Männer!“.
Screenshot Werbung für Lighthouse-„Feuerabende“,Quelle: https://lighthouse-bremen.de/

Die missionarische Ausrichtung des Lighthouse wird jedenfalls stark betont.

Lighthouse – das Trojanische Pferd der Evangelikalen in die Bremer Zivilgesellschaft?

(Edit 13.04.2026: Dieser Abschnitt wurde nach Erstveröffentlichung hinzugefügt)

Bereits Mitte 2022 berichtete die taz über das Lighthouse Bremen und dessen Leiter Johannes Müller – dem ehemaligen Jugendreferenten der Matthäusgemeinde, die wie St. Martini und die Stiftung Marburger Medien Mitglied der Evangelischen Allianz ist.

Die Evangelische Allianz Deutschland (EAD) arbeitet übrigens immer wieder mit der Alliance Defending Freedom (ADF) zusammen, wie beispielsweise bei Veröffentlichung von queerfeindlichen Broschüren, erst Ende letzten Jahres zum Selbstbestimmungsgsetz.

Die Gruppe Religionsfrei in Bremen berichtet, dass die Förderung der Evangelikalen durch die Leitung der BEK bereits 2013 mit der Neuwahl des Kirchenausschusses unter Vorsitz von Edda Bosse, der damaligen Kirchenleiterin, begonnen habe.

Religionsfrei in Bremen bezeichnet das Lighthouse als…

„…das Trojanische Pferd der Evangelikalen in die Bremer Zivilgesellschaft“.

Entsprechendes lässt sich scheinbar auch für die Rolle des Lighthouse innerhalb der als eher liberal geltenden Bremer Landeskirche selbst feststellen…

„Mission Respekt“ – Anspruch mit Sollbruchstelle

Offiziell arbeitet das Lighthouse unter dem Leitmotiv „Mission Respekt“. Gemeint ist ein missionsorientierter Ansatz, der Verkündigung mit Dialog, Respekt und Religionsfreiheit verbinden soll.

Das hierzu veröffentlichte Konzeptpapier des Lighthouse nimmt Bezug auf das ökumenische Leitpapier „MissionRespekt. Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt.

Das Leitpapier wurde 2011 vom Ökumenischen Rat der Kirchen, der Evangelischen Weltallianz und dem Vatikan veröffentlicht. Konservative Evangelikale sehen in dem Papier teils eine Verwässerung klassischer Evangelisation zugunsten von Dialog, während andere betonen, der Anspruch respektvoller Glaubenskommunikation unter Achtung anderer Glaubensbekenntnisse bleibe oft programmatisch und werde von aggressiven Missionspraktiken in Teilen der Christenheit noch längst nicht eingelöst.

Und tatsächlich: Auch im aktuellen Fall zeigt sich, wie wirkungslos das Papier weiterhin bleibt. Denn wie sollten die Ansprüche des erwähnten Papiers mit einem Pastor zusammen passen, dessen Predigten immer wieder Respekt vermissen lassen oder Respekt vor Andersdenkenden und -gläubigen gar willentlich verwehren?

Missionstraining mit einem der umstrittensten Pastoren Deutschlands

Vom 20. bis 24. April 2026 lädt das Lighthouse zur „Aktionswoche Evangelisation.

Das Ziel:

„Christen in D darin AUSBILDEN und SENDEN, das Evangelium klar zu formulieren und mutig ‚Eins zu Eins‘ weiterzugeben.“

Zweiteiliges Plakat zur „Aktionswoche Evangelisation“ (20.–24. April 2026). Links: Titel, Datum und Slogan „Geh’ los und erzähl’ bei dir vor Ort von Jesus!“ sowie ein QR-Code für weitere Infos. Rechts: Beschreibung der Aktionswoche mit Einladung, den christlichen Glauben praktisch weiterzugeben, gefolgt vom Tagesprogramm (Workshop, Einsatz, Feiern). Unten stehen Treffpunkt (St. Martini-Kirche in Bremen), Anmeldehinweis mit QR-Code "theturning.info" sowie Logos von Lighthouse und St. Martini.
Veranstaltungsankündigung auf der der Webseite von Lighthose, Quelle: lighthouse-bremen.de


In täglichen Workshops mit Lighthouse-Leiter Johannes Müller wird das Missionieren trainiert, bevor es dann für den „Praxisteil“ auf die Straße geht. Abends wird das Erlebte „gefeiert“.

Programmübersicht zum Ablauf der „Aktionswoche (20.–24. April)“. Überschrift „Ablauf der Tage Mo–Fr“. Treffpunkt werktags 16–19:30 Uhr in St. Martini Bremen oder vor Ort. Programmpunkte: 16:00 Ankommen; 16:30–16:45 Andacht (Olaf Latzel, via YouTube); 16:45–17:20 Training (Johannes Müller, via YouTube); 17:20–17:30 Gebet und Vorbereitung; 17:30–18:30 Outreach in Teams; 18:30–19:30 Zeugnisse, Lobpreis, Gebet und Abschluss. Zusätzlich: Sonntag 10:00 Gottesdienst aus St. Martini (YouTube-Übertragung).
Ablaufprogramm der Aktionswoche, Quelle: lighthouse-bremen.de


Treffpunkt und offenbar spirituelles Zentrum der Aktionswoche ist die St. Martini Gemeinde Bremen. Jeder Tag beginnt mit einer Andacht von Olaf Latzel. Andachten und Workshops werden auch online übertragen, so dass Gemeinden die Evangelisationswoche auch bei sich vor Ort organisieren können.

All das geschieht in Zusammenarbeit mit einem Pastor, der zeitgleich mit Gehaltskürzungen durch die BEK sanktioniert wird.

Der Fall Latzel: Eskalation mit Ansage

Denn Olaf Latzel steht seit Jahren für eine bewusst provozierende Form von Predigt.

So verweigerte er einer Pastorin die Kanzel und beleidigte andere Religionen. Dabei nannte Latzel zum Beispiel das islamische Zuckerfest (das muslimische Fest des Fastenbrechens) „Blödsinn“, sprach vom katholischen „Reliquiendreck“ oder von Buddha als „dicken, fetten Herrn“.

Spätestens damit war er weit über Bremen hinaus zum Symbol eines besonders scharf ausgrenzenden, kulturkämpferischen Fundamentalismus geworden.

Zum Strafverfahren wegen Volksverhetzung und Disziplinarmaßnahmen der BEK führten letztlich queerfeindliche Äußerungen Latzels auf einem Eheseminar im Jahr 2019, das ein Gemeindemitglied online veröffentlichte. Eine Chronik des gesamten Verfahrens ist bei buten un binnen veröffentlicht.

In dem Eheseminar sprach Latzel – wie u.a. im Urteil des Amtsgerichts Bremen wiedergegeben – von Homosexualität als eine „Degenerationsform von Gesellschaft“. Außerdem sagte er: „Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day.“ Hinzu kam die Formulierung: „Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung. Das ist zutiefst teuflisch und satanisch.

Das Amtsgericht Bremen verurteilte Latzel wegen dieser Äußerungen zunächst wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe. Das Landgericht sprach ihn in der Berufung hingegen frei.

Zwar sah das Landgericht die Wortwahl Latzels als „befremdlich“ und „archaisch“ an und gewiss nicht als geeignet, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, wo alle gut miteinander auskommen. Es hielt die Schwelle zur Strafbarkeit aber als noch nicht erreicht.

Das Oberlandesgericht Bremen wiederum hob das Urteil des Landgerichts auf, weil es eine seines Erachtens durchaus mögliche Strafbarkeit nicht ausreichend geprüft sah und verwies die Sache zurück an das Landgericht.

Überraschenderweise kam es dort dann nicht zu einem Urteil. Denn das Landgericht stellte das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage ein: Latzel musste 5.000 Euro an den Bremer Verein Rat&Tat – Zentrum für queeres Leben zahlen.

Damit war das Strafverfahren beendet, die strafrechtliche Beurteilung der Äußerungen Latzels bleibt ungeklärt.

Die BEK auf Distanz – zumindest offiziell

Die BEK reagierte nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Latzel zunächst deutlich und äußerte sich immer wieder zur „Causa Olaf Latzel:

Die Kirchenleitung distanzierte sich dabei „entschieden“ von Latzels abwertenden Äußerungen und erklärte, sie stehe „klar an der Seite homosexuell lebender Menschen“. Im Mai 2020 leitete sie ein Disziplinarverfahren ein. Zwischenzeitlich wurde Latzel sogar vorläufig seines Dienstes enthoben, wogegen er sich jedoch erfolgreich wehrte.

Nach Abschluss des Strafverfahrens beschloss der Kirchenausschuss im Mai 2025 schließlich als Sanktion eine Kürzung von Latzels Bezügen um fünf Prozent für 48 Monate. Die Maßnahme müsste demnach also auch aktuell noch wirksam sein.

Ungeachtet dessen, ob man die von der BEK ergriffenen Maßnahmen als ausreichend beurteilen mag – die Botschaft der BEK, an der maßgeblich die damalige Kirchenpräsidentin Edda Bosse mitwirkte, schien bisher jedenfalls klar: So nicht.

Und jetzt: Kooperation

Umso bemerkenswerter ist die aktuelle Zusammenarbeit.

Denn anders als frühere Konflikte lässt sich die jetzige Kooperation wohl nicht mit der Autonomie der Gemeinden in der spezifischen Struktur der BEK erklären. Hier handelt mit dem Lighthouse eine Arbeitsstelle der Landeskirche selbst und hat sich offenbar aktiv ausgerechnet Latzels Gemeinde als Kooperationspartner ausgesucht.

Die naheliegende Frage: Hat sich die Haltung der BEK unter einer zwischenzeitlich neuen Leitung geändert? Und wenn ja, auf welcher Grundlage?

Will die BEK beschwichtigende Signale senden, statt sich klar gegen Hass und Hetze zu positionieren?

FundiWatch fragt nach

Noch vor Ostern fragten wir bei der BEK nach. Denn für uns enthält die aktuelle Zusammenarbeit zwischen Lighthouse und der St. Martini Gemeinde empfindliche Widersprüche.

Von der BEK erhielten wir eine ausweichende Antwort. Soweit so erwartbar?

Was wir allerdings nicht erwartet hatten, stand in einer zweiten Mail, die wir versehentlich zugestellt bekamen…

Konkrete Fragen – und eine Antwort, die keine ist

Im Kern ging es bei unserer Anfrage an die BEK um vier Punkte:

  • Wie passt die Zusammenarbeit mit Olaf Latzel zur bisherigen klaren Distanzierung – einschließlich laufender Disziplinarmaßnahmen?
  • Hält die Kirche ihn und seine Gemeinde ernsthaft für einen geeigneten Partner – ausgerechnet unter dem Leitbild „Mission Respekt“?
  • Und darüber hinaus: Wie will die BEK dem wachsenden Einfluss christlich-fundamentalistischer Strömungen begegnen, wenn sie gleichzeitig mit entsprechenden Akteuren kooperiert?
  • Und nimmt sie dabei bewusst in Kauf, dass solche Kooperationen als Signal der Akzeptanz verstanden werden könnten?

Kurz gesagt: Wir wollten wissen, ob die BEK ihre eigenen Maßstäbe ernst nimmt – oder ob sie in der Praxis deutliche Abstriche macht.

Die Antwort, die uns Donnerstagabend „für die Kirchenleitung der BEK“ erreichte, könnte nichtssagender und ausweichender kaum sein:

„Alle Veranstaltungen des Lighthouse Bremen finden auf der Grundlage von ‚MissionRespekt.Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt‘ statt. Die Bremische Evangelische Kirche geht davon aus, dass sich auch die von Ihnen genannte Veranstaltung des Lighthouse auf der Basis dieses Konsenspapiers bewegt.“

Mehr nicht. Keine Einordnung, keine Abgrenzung, keine Erklärung der Zusammenarbeit.

Ein Blick hinter die Kulissen: Mission respektlos?

Nun zum Überraschenden und für uns Entlarvenden:

Eine interne, kommentierende E-Mail des Pressesprechers der BEK an einen Medienverteiler (im Cc der aktuelle Kirchenpräsident Bernd Kuschnerus sowie die Leitung der Kirchenverwaltung) erreichte – offenbar versehentlich – auch uns.

Aus der Kommunikation geht hervor, dass die Antwort bewusst erst spät innerhalb der gesetzten Frist vor den Osterfeiertagen versendet wurde, offenbar mit dem Ziel, möglichst wenig öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Zudem wurde intern festgelegt, auf weitere Nachfragen nicht einzugehen und die öffentliche Reaktion – etwa in sozialen Medien – zu beobachten.

Was sehen wir hier? Auf Zeit spielen, Aufmerksamkeit vermeiden, Kritik möglichst aussitzen.

Mehr als nur ein lokales Problem

Die Kooperation der BEK mit St. Martini sollte auch nicht als ausschließlich lokales Thema gesehen werden.

Abgesehen davon, dass die Aktionswoche (einschließlich der Predigten von Latzel), auch online übertragen wird ist sie bewusst auf die Übernahme durch Gemeinden auch andernorts ausgerichtet.

Zudem sind Latzel und seine Gemeinde in christlich-fundamentalistischen Netzwerken weit vernetzt. Sowohl im „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“ als auch weit darüber hinaus wird sein Strafverfahren als vermeintlicher „Justizskandal“ und angeblich zunehmende „Christenverfolgung“ hochstilisiert.

Unterstützung durch die internationale Christliche Rechte: Alliance Defending Freedom

Latzel kann dabei auch auf die Unterstützung der internationalen christlichen Rechten setzen: die rechtschristliche US-amerikanische Anwalts-Lobby-Organisation Alliance Defending Freedom (ADF) begleitete das Strafverfahren gegen Latzel engmaschig medial.

ADF praktiziert Kulturkampf vor Gericht. Ihre Strategie lässt sich durchaus als „lawfare“ bezeichnen – eine Strategie, bei der Mittel des Rechtsstaats wie Gerichtsverfahren nicht primär zur Rechtsdurchsetzung, sondern zur Schwächung der Gegner*innen eingesetzt werden.

Seit Jahren zählt ADF zu den zentralen internationalen Akteuren der christlich-rechten Szene, die weltweit gegen LGBTQ*-Rechte und reproduktive Selbstbestimmung mobilisiert und vom Southern Poverty Law Center als „hate group“ eingeordnet wird.

Screenshot einer Website des SPLC (Southern Poverty Law Center) mit dunklem Design. Links steht groß „Alliance Defending Freedom“ mit dem Hinweis „SPLC Designated Hate Group“. Darunter Angaben: Ideologie „Anti-LGBTQ“, gegründet 1994, Standort Scottsdale, Arizona. Oben Navigation zu „Racial Justice Issues“, „Find Resources“ und „State Support“. Rechts ist das Logo von „Alliance Defending Freedom“ zu sehen.
Infoseite Southern Poverty Law Center zur Alliance Defending Freedom, Quelle: https://www.splcenter.org

So wirkte ADF beispielsweise im Umfeld der Aufhebung des Urteils zum Recht auf Abtreibung in den USA (Roe v. Wade) mit, unterstützt dort aktuell – vor dem Supreme Court gerade erst „erfolgreich“ – Verfahren gegen Verbote von Konversionsbehandlungen und baut – von Medien weitgehend ignoriert oder allenfalls am Rande erwähnt – bereits seit einigen Jahren ihren Einfluss in Europa mit erheblicher finanzieller Schlagkraft aus.

Das European Parliamentary Forum for Sexual and Reproductive Rights (EPF) warnt seit Jahren vor massiv wachsender Einflussnahme religiös-extremer und gegen Menschenrechte agierender Netzwerke in Europa, darunter auch der ADF.

Titelseite des EPF-Reports: Grafik eines Eisbergs im Meer: Über der Wasseroberfläche ist nur die Spitze sichtbar, darunter ein großer Teil mit Geldscheinen im Inneren. Links steht der Titel „Die Spitze des Eisbergs“ sowie der Untertitel über religiös-extremistische Geldgeber gegen Menschenrechte auf Sexualität und reproduktive Gesundheit in Europa (2009–2018). Unten ist das Logo des European Parliamentary Forum (EPF).
Report des EPF „Die Spitze des Eisbergs“, Quelle: Quelle: https://www.epfweb.org

Wie berechtigt diese Warnungen sind, zeigt neben mittlerweile zahlreichen Auftritten der ADF in Deutschland (vgl. z.B. hier, hier oder hier) auch dessen Mitwirkung am Project 2025 – jenem Programm der Heritage Foundation, das nicht bloß konservative Politik formuliert, sondern auf einen autoritären Umbau des US-Staates hinausläuft, wie wir ihn derzeit in den USA verfolgen können.

Das Buch „Der Fall Latzel“: Ein Rufmord GEGEN den Rechtsstaat

Ungeachtet dessen veröffentlichte ausgerechnet Felix Böllmann, Leiter der Rechtsabteilung von ADF International Wien, gemeinsam mit David Wengenroth, Leiter des Meinungs-Ressorts beim rechtskonservativen, evangelikalen Idea-Magazin, Ende vergangenen Jahres das Buch „Der Fall Latzel – Ein Rufmord mithilfe der Justiz.

Buchcover „Der Fall Latzel“ von David Wengenroth und Felix Böllmann. Untertitel „Ein Rufmord mithilfe der Justiz“. Illustration zeigt zwei Männer im Gerichtssaal an einem Tisch sitzend, einer schreibt, der andere mit verschränkten Händen; im Hintergrund eine weitere Person.
Buchcover „Der Fall Latzel“, Fontis-Verlag, Quelle: https://www.fontis-shop.de

Nach Autoren und Untertitel nicht überraschend wird das Verfahren gegen Latzel in dem Buch als politischer Skandal geframed und Latzel zum Opfer einer Kampagne aus Justiz und Medien erklärt.

Idea begleitete das Verfahren ebenfalls intensiv und veröffentlichte beispielsweise ein Interview (Paywall) mit Latzel unter der Zitatüberschrift:

Screenshot eines IDEA-Artikels mit der Überschrift „Interview - Olaf Latzel: ‚Ich halte mich nach wie vor für unschuldig‘“ (29.07.2025). Darunter ein Foto von Olaf Latzel in einer Kirche mit bunten Kirchenfenstern im Hintergrund. Bildunterschrift: Olaf Latzel spricht über seine Gerichtsprozesse und Disziplinarverfahren.
Screenshot Vorschau Idea-Interview mit Olaf Latzel, Quelle: https://www.idea.de

Die BEK und die internationale Christliche Rechte geben sich in St. Martini die Klinke in die Hand…

Zuletzt bleibt zu erwähnen, dass bereits am 25. April 2026 – also einen Tag nach Abschluss der Aktionswoche mit dem Lighthouse – in St. Martini ein „Studientag“ unter dem Titel „Christenverfolgung in Deutschland?! stattfindet.

Zweiteiliges Veranstaltungsplakat „Christenverfolgung in Deutschland?!“ für Studientag kirchlicher Mitarbeiter und Pfarrer. Links: Referentenliste mit Namen und Themen (u. a. Pastor Dr. Theol. Stefan Felber, Dr. jur. Felix Böllmann, Prof. Dr. jur. Torsten Schmidt, Pastor Olaf Latzel). Rechts: Veranstaltungsdetails mit Datum (25. April 2026), Ort (St. Martini Gemeinde Bremen), Veranstalter (ADF International Wien), Kostenhinweis sowie Anmeldeinformationen. Dadruter Bibelvers: "Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. (Matthäus 5,10)"
Veranstaltungsankündigung „Studientag“: „Christenverfolgung in Deutschland?!“ auf der Webseite des Gemeindenetzwerks (Arbeitsbereich des Gemeindehifsbundes), Quelle: https://www.gemeindenetzwerk.de

Veranstalter: Die ADF International Wien. Als Referent dabei: wiederum Felix Böllmann von der ADF.

Auch darauf wiesen wir die BEK in unserer Anfrage hin. Die (Nicht-)Antwort wurde bereits erwähnt.

Man könnte also durchaus sagen: Die BEK und eine als Hate-Group eingeordnete rechtschristliche Organisation werden sich in St. Martini in Kürze die Klinke in die Hand geben…

Hofft die Kirchenleitung, dass das niemand mitbekommt?

Kein Einzelfall – Peter Hahne zu Gast in St. Martini

Wer also die Zusammenarbeit des Lighthouse mit St. Martini als punktuelle Kooperation verharmlosen will, übersieht den größeren politischen und ideologischen Zusammenhang, in dem sich diese Gemeinde längst bewegt.

Im Übrigen zeigte sich bereits im letzten Sommer, als zum Jubiläum der St. Martini Gemeinde ausgerechnet der ehemalige ZDF-Moderator und Brückenbauer zur Neuen Rechten, Peter Hahne, auftrat, wie sehr Latzel und seine Gemeinde ihrer ideologischen Linie treu bleiben.

In seiner Predigt stellte Hahne unter anderem den Nationalsozialismus („Hakenkreuz-Religion„) und queere Menschen („Regenbogen-Religion„) gleich.

Die Veranstaltung mit Hahne wurde zunächst auch auf der Webseite der BEK angekündigt:

1. Rechte Christen unter sich: Dass Olaf Latzel zum Jubiläum seiner Martini-Gemeinde Peter Hahne einlädt, wundert nicht wirklich – beide sind extrem rechts. Dass die Bremische Evangelische Kirche die Veranstaltung auf ihrer Homepage bewirbt macht hingegen fassunglos… buff.ly/PL6AiCY

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-08-26T19:49:40.065Z

Nach kritischen Medienberichten distanzierte sich die BEK, ohne den Auftritt Hahnes namentlich zu erwähnen. Und verwies auf die vermeintliche Alleinverantwortlichkeit der St. Martini Gemeinde.

Sehen wir im aktuellen Fall nun wieder einen merkwürdigen Schlingerkurs?

Die eigentlichen Fragen

Die BEK betont weiterhin ihre Werte: Respekt, Dialog, Verantwortung.

Schließt dieses Motto Kooperationen wie die mit Latzel ein?

Wo bleiben bei so einer Veranstaltung „Respekt, Dialog & Verantwortung“ in Bezug auf die Menschen, die immer wieder Betroffene von Hasstiraden Latzels werden?

Fazit: Zwischen (vermeintlichem) Anspruch und Praxis

Die BEK distanziert sich – und arbeitet doch zusammen.

Sie antwortet – ohne zu antworten.

Und sie kommuniziert – in der Hoffnung, dass es niemand mitbekommt.

Eine „Mission Respekt“ sollte anders aussehen.

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