„Jesus Army is rising up“

Aktionen von „Reviving the World“ dieses Wochenende in München

(Quelle Titelbild: Instagram / Revivg The World). Die international vernetzte und u.a. eng mit „Christus für alle Nationen“ (CfaN) vernetzte christlich-fundamentalistische Missionsorganisation Reviving the World veranstaltet im Nachgang zu ihrer Aktion beim CSD München (vgl. hier und hier) dieses Wochenende weitere Aktionen:

Am Freitag traf man sich am Stachus zum „Move of Hope“. Der Leiter David Rotärmel persönlich stand auf der Bühne und hetzte gegen queere Menschen. Am Samstag traf man sich dann zum Jesus-Marsch vom Fortuna-Brunnen zum Orleansplatz, wo dann erneut ein „Move of Hope“ stattfand, bevor man sich in der mit zahlreichen christlich-fundamentalistischen Gruppen verbundenen katholischen Heilig-Geist-Kirche traf.

Heute am Sonntag veranstaltet Reviving the World erneut einen Jesus-Marsch vom Friedensengel zum Marienplatz. Am Marienplatz findet dann von 14 bis 15 Uhr erneut ein „Move of Hope“ statt, bevor man sich Abends wiederum in der Heilig-Geist-Kirche trifft.

Quelle: Instagram / Reviving the World

 

Ein paar Beobachtungen:

Queerfeindliche Hetze am Stachus

Am Stachus fanden sich am Freitag im Publikum etwa 100 Personen vor einer aufgebauten Bühne ein. Begonnen wurde mit suggestiven Fragen, die man selbstverständlich bejahen muss. Die beiden jungen Prediger starten mit Fragen wie: „Fühlst du dich manchmal ängstlich? Findest du es gibt zu viele Kriege auf der Welt?“ usw. usw. Als Lösung, die all dies überwinden würde, wurde schnell „Jesus“ genannt, um den es heute gehen solle und von dem man sich heute (!) retten lassen könne.

Es folgt die typische Lobpreismusik. Ein älterer Herr fragt mich, was das denn sei und ob das heut modern sei. Ich antworte: „Naja, modern nur äußerlich. Ansonsten sicher nicht“.

Missionierungsversuche…

Neben mir redet eine ältere Dame mit zahlreichen Flyern von Reviving the World und weiteren Organisationen in der Hand auf ein Paar mit Kinderwagen ein, ob sie Jesus kennen.

Die beiden geben sich als Muslim*innen aus und betonen, dass Gott doch im Herzen sei, man eine persönliche Beziehung finden müsse und sie jeden Zwang ablehnen. Die ältere Dame lässt nicht locker, zückt einen Flyer nach dem anderen und versucht dann noch eine Bibel zu übergeben. Die Frau wirkt zunehmend genervt und ermahnt ihren Mann als er – wohl etwas überfordert von der Situation – zur dröhnenden Lobpreismusik anfängt mit den Händen zu wippen. Die beiden bleiben geduldig, verabschieden sich dann aber doch entschieden und ziehen weiter.

Eine Gruppe buddhistischer Mönche macht einige Selfies von sich vorm Karlstor. Sofort ist eine Person von Reviving the World bei ihnen, die ihnen Flyer aufdrängen will und ihnen – wie ich finde übergriffig – die Hände auf die Schutern legt. Die Gruppe reagiert irritiert und läuft etwas verschreckt weiter. Die Person von Reviving the World folgt ihnen und greift immer wieder an die Schultern. Doch die Mönche lassen sich nicht beirren und laufen weiter – ohne Flyer angenommen zu haben.

Von der Bühne aus werden nun Menschen aufgefordert, ihr Leben Gott zu übergeben und nach vorne zu kommen. Dort solle für sie gebetet werden. Einige wenige, vielleicht zehn Personen, folgen dem Aufruf und knien vor der Bühne nieder, wo für sie gebetet wird. Es folgt erneut Lobpreis. Zwei Frauen tanzen vor der Bühne und schwenken bunte Fahnen.

Leiter David Rotärmel tritt auf und hetzt am Stachus gegen LGBTIQ+

Dann kommt David Rotärmel, der Leiter von Reviving the World persönlich auf die Bühne. Mehr schreiend als sprechend ruft er zur Umkehr auf und brüllt, wie wichtig es sei, HEUTE sein Leben Gott zu übergeben.

Es dauert dann keine zehn Minuten bis er gegen queere Menschen hetzt:

Niemand schaffe es aus eigener Kraft frei zu werden aus dem „Gesetz der Sünde und dem Gesetz des Todes“. Er werde jetzt einfach mal sagen „wie es ist“: „LGBTQ sagt dir: Oh, wenn du dich leer oder kaputt fühlst, musst du an deinem Körper rumschnipseln„. Völlig aufgebracht schreit Rotärmel: „Doch wenn du das glaubst, lass es dir sagen, das ist die größte LÜGE! Ich hab keine Angst davor, auch wenn du hier einer bist und sagst, hey, wie kannst du nur sowas sagen. Das ist Hate Speech.“ „Hate Speech“ sei laut Rotärmel, wenn man transsexuelle Personen mit geschlechtsangleichenden Behandlungen unterstütze.

Am Ende brauche es laut Rotärmel keine Geschlechtsangleichung sondern ein neues Herz, das Jesus für einen bereithalte. Man müsse sich also nur bekehren, dann sei alles gut. Wie üblich auf entsprechenden Veranstaltungen, schlittert man haarscharf am Verbot für die Werbung von Konversionsbehandlungen vorbei. Die Botschaft wird dennoch deutlich. Widerspruch ist auf dem vielbelebten Stachus keiner zu hören.

„Gott“ ruft…

Rotärmel ruft dann eindringlich zur Umkehr, man solle nach vorne kommen und sein Leben Gott übergeben. Das geht bestimmt 10 Minuten so.

Rotärmel kommt von der Bühne herunter, rennt duch die Menschenmenge und schreit die einzelnen Personen geradezu an. Man solle auf seine innere Stimme hören, er wisse genau, hier sei noch wer, man solle seinen Nachbarn neben sich fragen usw. usw. Wieder findet sich eine Gruppe von Menschen vor der Bühne ein. Rotärmel spricht ein Übergabegebet um sein Leben Gott zu übergeben, dass man nachsprechen solle.

Eine junge Frau neben mir fragt mich freundlich, ob ich vielleicht auch nach vorne gehen möchte und sie mich begleiten soll. Ich lehne – zugegeben recht schroff – ab. Das akzeptiert sie, bleibt aber in meiner Nähe.

An einem Verkaufsstand neben mir bemerke ich einen Mann, dem die Tränen in die Augen schießen. Er betet mit. Die Reviving the World-Leute sind sofort bei ihm, beten mit ihm, nehmen ihn in den Arm. Und genau das ist eine der Situationen, die ich so pervers finde: Menschen mit Problemen, Sorgen und Nöten sowie in Krisensituationen welcher Art auch immer werden gezielt angesprochen. Zeigen sie Emotionen, lassen diese Gruppen nicht mehr locker und versprechen buchstäblich das Blaue vom Himmel. Was diese Gruppen an Ideologien und falschen Heilsversprechen dann noch so mit sich bringen, wir dann – völlig verständlich – häufig erst spät erkannt.

Jesus-Marsch am Samstag: „Alle anderen Götter sind Götzen“

Am Samstag folgte dann der Jesus Marsch vom Fortuna-Brunnen zum Orleansplatz. Dort waren ca. 80 Personen dabei.

Durch die Münchener Straßen mit „Jesus rettet“ und „Jesus reigns“ Bannern bewaffnet stimmt man dann auch zum in der Szene beliebten Lobpreis-Klassiker „Jeshua“ an. Das Lied wurde 2019 vom Glaubenszentrum Bad Gandersheim veröffentlicht, aus dem heraus auch die Outbreakband hervorgegangen ist und zu deren Mitglieder*innen auch Pala Friesen, Ehemann von Jasmin Friesen (Liebe zur Bibel), und die Predigerin Mia Friesen, gehören. In dem von zahlreichen „Lobpreis-Bands“ übernommen Song heißt es:

„Alle anderen Götter sind Götzen, aber mein Gott lebt!“

Die Zeile wird dann x-mal und fast mantra-artig wiederholt. So viel zu weltanschaulicher und religiöser Pluralität…

Und jetzt noch vom Friedensengel zum Marienplatz

Heute, am Sonntag, plant Reviving the World nun erneut einen Jesus-Marsch vom Friedensengel aus zum Marienplatz. Start ist um 13 Uhr am Friedensengel, ab 14 Uhr will man am Marienplatz sein, wo dann bis 15 Uhr wieder ein „Move of Hope“ stattfindet.

Ein bisschen mehr öffentlicher Widerspruch würde München eigentlich gut zu Gesicht stehen… Übrigens auch von christlichen Gläubigen, die sich ihren Glauben nicht von solchen Gruppen vereinnahmen lassen wollen und sich als Alternative zu solchen „Missionierungsversuchen“ vor Ort anbieten – leider ist davon bisher nichts bemerkbar…

Rückblick: CSD München 2026

Christliche Fundamentalist*innen auf dem CSD beflyern selbst FundiWatch…

Wir waren auf dem CSD München 2026 mit dabei. Bei brütender Hitze durften wir auf unsere Arbeit aufmerksam machen und waren mit unserem neuen Banner am Start. Bei der Hitze haben wir ganz vergessen, mehr Fotos zu machen, aber hier immerhin eines noch aus der Startaufstellung:

Neues Banner, neue Sticker und Flyer…

Sehr gefreut hat uns, dass rechtzeitig zum CSD München unser neues FundiWatch-Banner sowie unsere Flyer und Sticker ankamen, die wir an viele Interessierte verteilen konnten.

Ein herzlicher Dank gilt auch an all die Gruppen, die unsere Sticker und Flyer auf der CSD-Meile an ihren Ständen ausgelegt haben! Diese Aufmerksamkeit hat uns sehr geholfen, bekannter zu werden. Im Nachgang haben wir sogar Anfragen von Personen erhalten, die uns bisher nicht kannten, dadurch auf uns aufmerksam wurden und mit Fragen zu christlich-fundamentalistischen Gruppen auf uns zu kamen. Das Schwitzen hat sich also mehr als gelohnt!

Unser Banner für den #CSD in #München #MunichPride dieses Wochenende ist heute angekommen… Auf geht's zum fröhlichen Schwitzen! Wir sind in Gruppe Nr. 99 – und wenn's gut läuft haben wir auch Sticker dabei… 😉 Also schaut vorbei! 💜 🌈

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2026-06-24T20:02:02.786Z

Wer Interesse an unseren Stickern und Flyern hat und diese bei sich auslegen oder verteilen möchte, kann sich gerne bei uns melden! Gerne schicken wir euch ein unverbindliches Angebot zu, mit dem wir unseren Aufwand abdecken können.

Gerne würden wir die Bereitstellung von entsprechenden Info-Materialien noch weiter ausbauen, arbeiten bisher als Kollektiv aber weiterhin ohne feste Finanzierung. Wer uns also einmalig oder regelmäßig unterstützen mag, findet Gelegenheit dazu hier – jeder Euro hilft uns und Dank an all unsere Unterstützer*innen!

„Outreach CSD“ von Reviving the World

Auch dieses Jahr waren wieder christlich-fundamentalistische Gruppen auf dem CSD präsent. Über die Aktion „Outreach CSD“ der Gruppe „Reviving the World“ hatten wir bereits kurz vor dem Start des CSD berichtet.

Ein*e Teilnehmer*in vom CSD berichtete uns, dass sie von einer Gruppe angesprochen wurde, die behauptet habe, ein Straßeninterview zum Thema Liebe führen zu wollen. Es schien alles zunächst harmlos, doch dann wurde die Person skeptisch, lehnte ab und widersprach der Veröffentlichung von Aufnahmen. Absolut richtige Reaktion! Denn immer wieder werden Teilnehmende in Videos von christlichen Fundamentalist*innen auf CSDs vorgeführt, die Videos werden manipulierend geschnitten und es wird sich über sie lustig gemacht.

Fundis beflyern FundiWatch…

Auch vor FundiWatch machten die Fundis keinen Halt. Eine Person drängte uns ihren Flyer von der Gruppe Beit Sar Shalom auf (den wir natürlich zu Archivierungszwecken gern an uns nahmen). Unseren FundiWatch-Flyer wollte sie allerdings nicht haben…

Quelle: Eigene Fotoaufnahme FundiWatch.

Die weitreichend vernetzte Gruppe Beit Sar Shalom steht vor allem in Kritik aufgrund ihrer offensiven „Judenmission“. Zu ihren Netzwerken und Verbundenheiten mit zahlreichen umstrittenen und queerfeindlichen Organisationen gibt es auch einen Abschnitt in der open source verfügbaren Dissertation der Theologin Dr. Maria Hinsenkamp, „Visionen eines neuen Christentums – dies insbesondere im Hinblick auf die Mitgliedschaft von Beit Sar Shalom im Trägerkreis des Christlicher Convent Deutschland (CCD).

Ausführlich legt Hinsenkamp in ihrer Dissertation dar, welch zentrale Rolle der Christliche Convent Deutschland (CCD) als Bindeglied zahlreicher christlich-fundamentalistischer Akteur*innen der „Kingdom-minded Network Christianity“ (KiNC) – also einer Bewegung, die Gesellschaften entsprechend ihrer christlich-fundamentalistischer Ideologien „transformieren“ möchte – spielt:

„Aus der Mitte der KiNC wurde jedoch ihr Formationsprozess innerhalb der letzten Jahre einmal mehr durch die gezielte Bildung neuer Netzwerke und die daraus entstehenden Initiativen vorangetrieben, um möglichst viele Akteur:innen hinter den basileianisch orientierten Visionen zu sammeln und das Bewusstsein für ihre Relevanz zu steigern, auch über pfingstlich-charismatische Grenzen hinaus. Eine besondere Rolle spielt dabei der Christliche Convent Deutschland (CCD), entstanden aus dem Netzwerk Treffen von Verantwortlichen (TvV), das auch in der Formierung des Netzwerkes Miteinander für Europa (MfE) federführend war. Aus dem CCD haben sich insbesondere mit Ausbruch der Corona-Pandemie verschiedene Veranstaltungsinitiativen gebildet (z.B. Deutschland betet gemeinsam, Hoffnungsschimmer), die die synergetischen, flexiblen, agilen und einflussreichen Kräfte von visionsgetragenen Netzwerkstrukturen einmal mehr unter Beweis gestellt haben.“

Hinsenkamp, aaO., S. 282.

Hinsenkamp ordnet die verschiedenen maßgeblichen Akteur*innen der KiNC in Deutschland in ihrer Dissertation auch in einem Schaubild ihren verschiedenen Ausrichtungen zu:

Hinsenkamp, aaO., S. 283, Abbildung 12: Exemplarischer Ausschnitt aus der deutschsprachigen KiNC-Landschaft

Die Mitglieder des Trägerkreises des CCD sind auf dessen Homepage veröffentlicht:

Quelle: https://www.christlicherconvent.com/leitung

Und wer jetzt „Kontaktschuld!“ rufen mag: Die Netzwerke sind offensichtlich bewusst gewählt und eine (öffentliche) Abgrenzung innerhalb dieser findet so gut wie nicht statt.

Kurzer Einschub: Rückblick Protestaktion FundiWatch zum Treffen von „Miteinander für Europa“ parallel zum CSD 2025 in der St. Matthäus-Kirche und UNUM24 zum CSD 2024

Bis Anfang dieses Jahres fand sich als Mitglied im Trägerkreis des CCD auch noch Dr. Norbert Roth auf der Webseite. Mittlerweile ist er dort nicht mehr aufgeführt, die Gründe dafür sind öffentlich offenbar nicht bekannt.

Roth ist Pfarrer der St. Matthäus Kirche – der evangelisch-lutherischen Haupt- und Bischofskirche – am Sendlinger Tor in München. Dort fand letztes Jahr parallel zum CSD das Treffen des ebenfalls zur KiNC zuzuordnenden Netzwerks „Miteinander für Europa“ stattfand, wogegen FundiWatch mit Unterstützer*innen protestierte.

St. Matthäus arbeitet auch immer wieder eng mit dem CVJM München zusammen, der u.a. auch im Trägerkreis der umstrittenen Glaubenskonferenz UNUM24 in der Münchener Olympiahalle – parallel zum CSD 2024 – vertreten war.

Längere Zeit betreute in St. Matthäus Johanna Planeth vom Gebetshaus München – und zugleich neben Gaby Wentland zweite Vereinsvorsitzende von Mission Freedom – dort den Kinder-Krabbelgottesdienst. Die Einrichtung des seit Langem umstrittenen Vereins Mission Freedom „Haus Seenest“ im Allgäu wurde jüngst wegen vermeintlich „kindeswohlgefährdender Erziehungsmethoden“ geschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Heimleitung und mehrere Mitarbeitende wegen des Anfangsverdachts der Misshandlung Schutzbefohlener.

Norbert Roth behauptete vor einem Jahr, von der Kritik an Mission Freedom und Miteinander für Europa nichts zu wissen. Selbstverständlich nehme man unsere Kritik aber ernst und wolle dieser nachgehen. Sichtbar geschehen ist seitdem – jedenfalls von seiner Seite aus – nichts. Der evangelische Regionalbischof Prieto Peral hingegen, der sich offen für unsere Kritik zeigte und sich dieser auch auf unserer Protestkundgebung persönlich stellte, sagte offenbar die Teilnahme an einem Treffen mit entsprechenden KiNC-Akteur*innen ab.

Who lets the Dogs out? Puppys im Einsatz gegen christliche Fundis…

Und dann war da ja noch die Gruppe, die mit Fahrrad und großer Jesus-Flagge das Wochenende über den CSD und das Glockenbachviertel mit ihren Missionseinsätzen behelligte und „zur Umkehr“ aufrief.

Die Gruppe gehört offenbar unter anderem zu einer christlich-fundamentalistischen Gemeinde, die im Glockenbach-Viertel beheimatet ist, dort fleißig das Viertel mit „Jesus rettet“ und ähnlichen Aufklebern bestickert und für „geistliche Kriegsführung“ wirbt.

Quelle: Eigene Aufnahme FundiWatch
Quelle: Eigene Aufnahme FundiWatch

Welche Rolle "geistliche Kriegsführung" ("spiritual warfare") – also die "Befreiung" von Orten von bösen Mächten oder Dämonen durch Gebet – beim Sturm auf das US-Kapitol am 6.1. spielte, kann man in der sehr hörenswerten Podcast-Reihe von @matthewdtaylor.bsky.social erfahren: buff.ly/Inat34L 1/4

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-03-13T20:44:25.094Z

Als sich die kleine Gruppe ausgerechnet die CSD-Fetish-Area für ihren Missionseinsatz aussuchte, kam es zum beherzten friedlichen Protest einiger Personen, woraus diese Bilder entstanden sind…:

Quelle: Instagram

„Christliche“ Kampfsportgruppe „Christkönigtum“ dieses Jahr offenbar nicht auf dem CSD München

Nicht wahrgenommen haben wir bisher eine erneute Präsenz der rechtsklerikal-katholischen Gruppe Christkönigtum auf dem Münchener CSD.

Quelle: christkoenigtum.de

Akteurinnen von u. a. „Christkönigtum“ beim „Tausend Kreuze für das Leben“-Aufmarsch 2025 in München. Foto: Lina Dahm

Quelle: a.i.d.a.-Archiv

Letztes Jahr hatte Christkönigtum eine Kundgebung auf dem CSD München angemeldet, die allerdings vorzeitig beendet wurde, als beim Versammlungsleiter ein Messer in seiner Gürtelschnalle festgestellt wurde…

Christkönigtum bietet eigene „christliche Kampfsportgruppen“ an und steht in enger Verbindung mit der Piusbruderschaft – die durch ihre durchgeführten eigenen Priesterweihen „ohne päpstliches Mandat und gegen den Willen des Papstes“ gerade aus der katholischen Kirche exkommuniziert wurde.

Was bleibt…?

Was bleibt: Christliche Fundamentalist*innen sind nicht in der Mehrheit. Aber es gilt weiterhin – wohl seit Langem wieder mehr als jeh – unsere Freiheit gegen antipluralistische und menschenfeindliche Ideologien zu verteidigen.

Aber wichtig auch: Auf dem CSD waren auch viele queere christliche und christliche queerfreundliche Gruppen präsent. Christlichen Fundamentalist*innen und ihren Vereinnahmungsversuchen sollten wir gemeinsam laut und deutlich widersprechen. Gerade da, wo sie sich vielleicht auf den ersten Blick als vermeintlich modern, freundlich und weltoffen zeigen. Denn nicht selten folgt auf ein „Auch queere Menschen sind bei uns willkommen!“ ein ABER „queere Lebensweisen entsprechen nicht der Bibel, Gott kann ‚helfen‘, du musst dich ändern“ etc. pp. Und DAS ist pervers!

Danke euch, für diesen wunderschönen, heißen CSD und bis bald! Stay strong!


Mehr zum Thema:

Christliche Fundamentalist*innen missionieren auf dem CSD München

„Outreach CSD“ von „Reviving the World“

(Titelbild: Instagram / Reviving the World). Nicht nur, dass es am Wochenende (auch) in München ends heiß wird (FundiWatch ist in der Fußgruppe 99 dabei und es gibt tatsächlich Sticker!). Nun wollen neben einer rechten Demo (die allerdings keinen direkten Bezug zum CSD hat) auch noch christliche Fundamentalist*innen aktiv auf dem CSD missionieren.

Abzuwarten bleibt, ob auch die Gruppe „Christkönigtum“ wieder dabei sein wird (deren Kundgebung „Kreuz statt Pride“ wurde letztes Jahr vorzeitig abgebrochen, da der Versammlungsleiter ein Messer dabei hatte…)

Konkret plant aktuell die christlich-fundamentalistische evangelikale Organisation „Reviving the world“ (im Evangelikalen-Sprech wohl am besten sinngemäß zu übersetzen mit „Erweckung für die Welt“) einen „outreach at the CSD Munich to reach the LGBT* community for Jesu„.

Treffpunkt der Gruppe ist die römisch-katholische Heilig-Geist-Kirche am Marienplatz um 14 Uhr. In der Heilig-Geist-Kirche sind christlich-fundamentalistische Gruppen beheimatet, u.a. auch die Loretto-Gemeinschaft. Am Sonntag veranstaltet Reviving the World dann noch einen Gottesdienst im Charismatischen Zentrum München, das Mitglied der Evangelischen Allianz München ist, über das zahlreiche evangelikale Gemeinden in München miteinander verbunden sind.

Ideologischer Hintergrund von Reviving the World: Sie wollen Macht

Welchen ideologischen Hintergrund Reviving the World hat, hatten wir hier anlässlich einer Missionsveranstaltung der Organisation letztes Jahr in München bereits angesprochen:

1. "Die Errettung für eine verlorene & sterbende Welt" – Es ist kaum möglich, über alle der mittlerweile stattfindenden Missionierungsevents zu berichten. Gestern & heute ist die der KiNC zuzuordnende Organisation "Reviving the World" – ein Ableger von "Christ for all nations" – in München…

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-05-24T12:09:55.427Z

Leiter des vor knapp fünf Jahren gegründeten Vereins Reviving the World ist der Evangelist David Rotärmel, der deutschlandweit regelmäßig auch die sogenannten „Nights of Hope“ (Paywall) veranstaltet.

Die Vision von Reviving the World wird auf der Homepage klar formuliert und passt 1:1 zur von der Theologin Dr. Maria Hinsenkamp in ihrer frei abrufbaren DissertationVisionen eines neuen Christentums – Neuere Entwicklungen pfingstlich-charismatischer Netzwerke“ beschriebenen herrschaftstheologischen „Kingdom-minded Network Christianity“ (KiNC): „Alle Nationen zu Jüngern machen“. Hier ein Screenshot aus einer früheren Version der Homepage:

Quelle: Screenshot revivingtheworld.com

Dass es dabei um deutlich mehr, als um individuelle religiöse Entscheidungen geht, wird in der vorgenannten Dissertation deutlich aufgezeigt. Es geht um die Vorstellung, dass Christ*innen berufen seien, das „Reich Gottes“ bereits im hier und jetzt auf der Erde aufzubauen, in diesem Sinne verschiedenste Gesellschaftsbereiche zu transformieren und ihren Einfluss auszubauen. Mehr dazu auch in diesem SWR-Radiofeature.

Was die Umsetzung dieser Ideologien in der Praxis bedeutet, können wir besonders deutlich u.a. in den USA sehen. Und tatsächlich ist Reviving the World nach eigenen Angaben international weitreichend auch mit US-Evangelikalen Gruppen wie Europe Shall Be Saved (ESBS) und der Global Evangelism Alliance (GEA) vernetzt:

1. BETEN FÜR DEN KRIEG: Medien berichten aktuell über ein Gebet evangelikaler Prediger*innen im Oval Office für Trump. Häufiger Tenor: "kurios", "skurril"… bei uns aber doch wohl unvollstellbar. Und doch reichen Netzwerke des Gebetskreises wie zB "empowered21" bis nach D & Europa 🧵 buff.ly/2DOzZVg

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2026-03-07T19:16:52.036Z

Queerfeindliche Hetze mit der Bibel in der Hand

Was Rotärmel über queere Menschen denkt, hat er in Predigten bereits sehr deutlich formuliert.

Sowohl der Südkurier (im Rahmen eines Berichts über eine „Nights of Hope“ im Schwarzwald) als auch die Autonome Antifa berichten, wie Rotärmel in Videos Homosexuelle nachäfft und Homosexualität mit Pädophilie verbindet.

Die Antifa berichtet von einem Auftritt Rotärmels 2022, in dem er seinem Publikum von einem Gespräch erzählt, das er angeblich auf einer „Pride Parade“ hatte. Dort äffte er demnach einen stereotypen Homosexuellen nach, der ihm angeblich gesagt habe, dass die Menschen auf der Parade auch „voller Liebe“ seien. Rotärmels Kommentar: „Wenn du es liebst, wenn ein kleines Kind vergewaltigt wird, dann ist das dämonische Liebe.

Aus dem Nichts konstruierte Rotärmel demnach einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie und berief sich dabei auf Jesus. Für seine Hetze nutzte er die eigene Interpretation eines Bibelzitats: „Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden.“ Diese Bibelstelle verwendete er dann gegen ein vermeintliches Queer-Zitat von der „Pride Parade“: „Ich wurde nunmal so geboren. Ich liebe Männer, ich liebe Frauen, was ist denn falsch daran?!

Die betreffende Stelle ist in dem weiterhin abrufbaren Video auf dem Youtube-Kanal der Freikirche ICF (International Christian Fellowship) am Standort ICF Schwarzwald-Bodensee offenbar nachträglich entfernt worden: Bei Minute 6:55 bemerkt man einen Videoschnitt, der dies im Zusammenhang mit dem weiteren Bericht der Antifa sehr nahe legt.

Denn die anschließende „Lösung“ von Rotärmel ist nach dem Schnitt im Video weiter enthalten:

„Wenn du so geboren wurdest, mit dieser Sache […], dann habe ich eine gute Nachricht für uns heute: Das ist Grund, dass wir von Neuem geboren werden müssen. Wenn wir so geboren wurden, dann ist es eine Herausforderung zu sagen: Ok, Jesus, das bedeutet, dass es ein Problem in meinem Leben gibt. Und die Lösung für dieses Problem ist, dass du mein kaputtes Herz komplett rausreißt und zerstörst und mir ein komplett neues Herz gibst. Dass du meine menschliche Natur rausreißt und mir eine neue geistliche, göttliche, übernatürliche Natur von Jesus gibst.“

Queerfeindlichkeit auch beim Kooperationspartner „Christus für alle Nationen“ (CfaN)

Ebenso queerfeindliche Positionen vertritt übrigens auch der heutige Leiter von Christus für alle Nationen (CfaN), Daniel Kolenda.

Rotärmel hat sich bei CfaN „trainieren“ lassen und auch heute arbeiten die Organisationen eng zusammen. Vergangenes Jahr hatte Reviving the World mit Unterstützung von CfaN die Missionsaktion „Salvation Bayern 2025“ ausgerufen.

Gründer und langjähriger Leiter von CfaN war der mittlerweile verstorbene Reinhard Bonnke (Spitznahme: „Mähdrescher Gottes„). Bonnke und CfaN wurden aufgrund ihrer Massenevangelisationen mit vermeintlich massenhaften Bekehrungen und Wunderheilungen bekannt, mit denen Bonnke insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent ganze Stadien füllte (was zeitweise auch lokale Unruhen auslöste). In seinen Predigten rief Bonnke:

„Tumore weicht in Jesu Namen! Krebs verschwinde in Jesu Namen! HIV-positiv werde HIV-negativ! In Jesu Namen! (…) Alle Infektionen, Neurosen, ich breche die Kette aller Depressionen, in Jesu Namen! Die Freude am Herrn wird deine Stärke sein und deine Medizin sein.“

Zitiert nach: Lambrecht /Baars, Mission Gottesreich Gottesreich: Fundamentalistische Christen in Deutschland (2013) – der Ausschnitt stammt demnach aus einer Predigt aus der heutigen hoop-Kirche in Bremen.

Unter Leitung von Bonnke waren übrigens auch Gaby und Winfried Wentland viele Jahre für CfaN tätig. Winfried Wentland arbeitet dort heute noch. Gaby Wentland hat den Hamburger Verein Mission Freedom gegründet, dessen Kinderheim „Haus SeeNest“ im Allgäu aktuell für Schlagzeilen sorgt, nachdem dort alle Kinder wegen vermeintlich kindeswohlgefährdender Erziehungsmethoden in Obhut genommen wurden. Mehr dazu hier.

Und so wundert es auch nicht, dass Gaby Wentland großer Fan von Rotärmels Reviving the World ist und dieses unterstützt:

Quelle: Facebook / Gaby Wentland

Der „Teufel“ der Homosexualität

CfaN-Leiter Daniel Kolenda steht Rotärmel in Sachen Queerfeindlichkeit jedenfalls in nichts nach:

Auf seiner Homepage bringt er Homosexualität mit dem „Teufel“ in Verbindung, den es auszutreiben gelte und beschreibt, wie er genau das auf seinen Evangelisationsveranstaltungen (offenbar auch an Jugendlichen) praktiziert:

„After I preached on the blood of Jesus, the young people answered the call, surrendered to Jesus and kicked the Devil out of their lives. One guy was dramatically delivered of demon possession while many looked on. They had never seen anything like it before. Several young people testified to me of being personally set free from addictions and compulsions including homosexuality, pornography and self-mutilation.“

Übersetzung d. Verf.:

„Nachdem ich über das Blut Jesu gepredigt hatte, folgten die jungen Menschen dem Aufruf, übergaben ihr Leben Jesus und verbannten den Teufel aus ihrem Leben. Ein junger Mann wurde auf dramatische Weise von einer dämonischen Besessenheit befreit, während viele zusahen. So etwas hatten sie zuvor noch nie erlebt. Mehrere junge Menschen berichteten mir persönlich, dass sie von Süchten und zwanghaftem Verhalten befreit worden seien, darunter Homosexualität, Pornografie und Selbstverletzung.“

Behandlungen an Minderjährigen, die auf eine Veränderung der sexuellen Orientierung oder Identität zielen, sind in Deutschland übrigens nach dem Konversionsbehandlungsschutzgesetz strafbar.

Wir lassen uns den Spaß nicht verderben: „Unsere Vielfalt. Unser Stärke.“

Wir lassen uns unseren Munich-Pride gleichwohl nicht vermiesen!

Das diesjährige Motto lautet: „Unsere Vielfalt. Unser Stärke.“

Lasst uns auf dem CSD diesen queerfeindlichen Fundis lautstark – aber friedlich – entgegentreten. Gemeinsam mit unseren queeren christlichen Freund*innen. Denn nicht zu vergessen ist auch: Zumindest aktuell teilt nur ein kleiner Teil der deutschen Christ*innen diese queerfeindlichen Positionen und deren Ideologien. Darum lasst uns – auch wenn wir den Glauben des anderen vielleicht nicht immer nachvollziehen können – hier Seite an Seite stehen. Religions- und Weltanschauungsfreiheit ist ein Menschenrecht. Anderen den eigenen Glauben aufzudrängen und queerfeindliche Hetze hingegen nicht!

In diesem Sinne: Lasst euch bitte von der Gruppe (und etwaigen sonstigen Fundis auf dem CSD) nicht provozieren.

Seid ihr selbst (ihr seid wundervoll, so wie ihr seid!), bleibt friedlich und äußert gerne euren (lautstarken, aber friedlichen) Protest!

Happy Pride!

(Edit 26.6.2026: redaktionell-sprachliche Korrekturen vorgenommen)

Mehr zum Thema:

Alle Jahre wieder?

MAGA, internationale Rechte, evangelikale Netzwerke und fossile Energielobbyisten treffen sich erneut zur Konferenz der Alliance for Responsible Citizenship (ARC) – von deutschen Medien wird das bisher ignoriert…

(Quelle Titelbild: ARC-Conference). Vor einem guten Jahr berichteten wir bereits über die Konferenz der Alliance for Responsible Citizenship ARC25 in London. Es handelt sich dabei um eine der wohl größten (und wohl einflussreichsten) rechten Konferenzen in Europa. Aktuell findet die Konferenz vom 23. bis 25.06. nun erneut in London statt.

Die ARC ist ein rechtslibertärer Think Tank, der vor etwa vier Jahren vom umstrittenen kanadischen Psychologen Jordan B. Peterson ins Leben gerufen wurde. Mehrere Medien verorten Teile des Teilnehmerfelds ausdrücklich im Rechtsaußen- bzw. far-right-Spektrum, insbesondere Vertreter aus AfD- und Vox-nahen Milieus.

Besonders auffällig ist die dortige Vernetzung der christlichen Rechten mit der internationalen Rechten, Teilen der MAGA-Bewegung und fossiler Energielobby.

1. Heute startet mit der #ARC2025 Konferenz eine der größten (und wohl einflussreichsten) rechten Konferenzen in Europa. Neben ua Mike Johnson und Frauke Petry dabei auch zahlreiche Personen aus dem christlich-fundamentalistischen KiNC-Netzwerk. Deutsche Medien scheint das nicht zu interessieren…?!

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-02-17T18:37:40.525Z

Rückblick: Die ARC25: Klassenfahrt „christlicher“ Influencer*innen

Bereits vergangenes Jahr wurde die Konferenz zunächst von deutschen Medien nicht aufgegriffen.

Das Blatt wendete sich etwas, als wir darüber berichteten, dass mehrere Christfluencer*innen wie u.a. Jasmin Friesen (damals noch Neubauer, liebezurbibel / „In Zeiten wie diesen„), Jana Hochhalter („In Zeiten wie diesen„), Tini Brüning (die tagespost), Lukas Furch (The Chosen) und auch der rechtsextreme Leonard Jäger aka „Ketzer der Neuzeit“ an der Konferenz teilnahmen und ihren Besuch intensiv auf Social Media als „gemeinsame Klassenfahrt“ verbreiteten. Johannes Hartl, Leiter des Gebetshaus Augsburg, trat als Redner auf.

Quelle: Instagram / Tini Brüning

Dabei traf die Gruppe der Christfluencer*innen auch auf Frauke Petry (ehem. AfD-Vorsitzende, jetzt „Team Freiheit“ – für die Lukas Furch tätig ist) sowie Fadi Krikor, einen der beiden Mitinitiatoren der umstrittenen Münchener Glaubenskonferenz UNUM24 und Betreiber des Father’s House of all Nation im ehemaligen Kloster Altenhohenau.

Erneut aufgegriffen wurde das Thema, als das christliche Rap-Duo O’Bros letztes Jahr Platz 1 der deutschen Albumstarts erreichte – auch Alexander Oberschelp von den O’Bros nahm an der „Klassenfahrt“ zur ARC25 teil. Übrigens nicht das erste Mal. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er an der ersten ARC-Konferenz teilgenommen – ebenfalls gemeinsam mit Jasmin Friesen und Leonard Jäger. Also eben kein „Zufall“ wie später häufig beschwichtigend verbreitet wurde.

Wohl das erste mal in der Geschichte steht mit den O'Bros eine rechts-christliche Lobpreisband auf Platz 1 der #Albumcharts. Dass es hier um viel mehr als "HipHop mit christlichen Botschaften" geht, wird von Medien bisher nicht wahrgenommen, in christlichen Kreisen oft verharmlost… 1/9

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-04-06T18:28:57.230Z

Erneut „bemerkenswerte“ Teilnehmende: Johannes Hartl und Springer-CEO Dopfner sowie Rechtskatholikin Gudrun Kugler (OIDAC)

Vom 23. bis 26.06. findet nun die vierte ARC-Konferenz statt – die dritte Konferenz in London; 2024 traf man sich im australischen Sydney.

Und wieder scheint das Medieninteresse in Deutschland gering bzw. nicht vorhanden. Dabei finden sich unter den Teilnehmenden erneut auch zahlreiche Teilnehmende aus Deutschland und Österreich, auf die wir hier nicht alle eingehen können.

Kurz zu einigen besonders bemerkenswerten Personen:

Johannes Hartl

Darunter erneut der Theologe und Leiter des Gebetshaus Augsburg, Johannes Hartl, der bereits letztes Jahr auf der ARC25 als Redner auftrat. Zuletzt stand Hartl in der BR-Doku „Die hippen Missionare“ mit seinem Gebetshaus und der MEHR-Konferenz im Fokus kritischer Medienberichte. Anschließend verteidigte er sich gegen Kritik – ausgerechnet im rechtspopulistischen Portal NIUS, wo er im Podcast zu Gast war.

Quelle: Instagram / Johannes Hartl

Mathias Dopfner

Ein weiterer Redner auf der Konferenz sollte eigentlich ebenfalls die Öffentlichkeit besonders interessieren (und beunruhigen): Springer-CEO Mathias Dopfer findet sich ebenfalls auf der prominent besetzten Rednerliste.

Bildquellen: https://www.arc-conference.com/arc26-speakers

Ideologisch dürfte sich Dopfner auf der ARC26 sehr wohl fühlen

Dafür spricht auch ein erster Artikel des rechtskonservativen evangelikalen Idea-Magazins (Paywall). Demnach habe Dopfner auf der ARC26 kritisiert, dass zu viele Journalisten Aktivismus mit Journalismus verwechseln würden. Bei Springer sei das anders. Dort habe man sich eine „intellektuelle Verfassung“ gegeben, die sogenannten „Essentials“. Aha.

Gudrun Kugler

Mit dabei ist auch wieder Gudrun Kugler, österreichische Politikerin, Juristin sowie katholische Theologin und sogar im „Advisory-Board“ der ARC vertreten. Sie sitzt seit 2017 für die Österreichische Volkspartei im Nationalrat und ist seit 2024 Vizepräsidentin der Parlamentarischen Versammlung der OSZE.

2023 fand Kugler im Bereich Rechtskatholizismus Erwähnung im österreichischen Rechtsextremismusbericht des DÖW. Kugler wird zudem als zentrale Akteurin der „Agenda Europe“ gesehen, ein europaweites Netzwerk konservativ-christlicher Akteure, das sich für die Wiederherstellung einer „natürlichen Ordnung“ einsetzt und dabei insbesondere gegen Abtreibungs- und LGBTIQA+-Rechte mobilisiert.

Schließlich ist Gudrun Kugler Initiatorin des Observatoriums gegen Intoleranz und Diskriminierung von Christen in Europa (OIDAC), das über vermeintliche Fälle von Christenverfolgung berichtet. Executive Director des OIDAC ist Anja Tang, ehemalige Mitarbeiterin in Kuglers Büro. Der Ehemann von Kugler, Martin Kugler ist „President of the Board“ von OIDAC. Bis 2000 war Martin Kugler Pressesprecher der rechtskatholischen Gruppe Opus Dei für Zentraleuropa.

Die Seriosität der Zahlen und Falldarstellungen von OIDAC sind umstritten, dies auch hinsichtlich der Einordnung von Fällen als „christenfeindlich“. Beispielsweise listet das OIDAC auch den friedlichen Protest des Bündnisses #NoUNUM24, das gegen die christlich-fundamentalistische Glaubenskonferenz UNUM24 in der Münchener Olympiahlle protestiert hatte, als vermeintlichen Fall auf – obwohl der Protest, auch vor Ort, von zahlreichen christlichen Personen und Gruppen unterstützt wurde wie beispielsweise #OutInChurch oder der Evangelischen Jugend München. Gleichwohl greifen zahlreiche Medien gerade auch die vergangenen Wochen wieder die Zahlen von OIDAC völlig unkritisch auf (vgl. zB. erst jüngst die Welt aber auch der Deutschlandfunk).

„Anti-Woke-Davos“: Wirklich kein Thema für die Medien?

Es überrascht(?), dass insbesondere deutsche Medien die Vernetzung der internationalen Rechten, christlicher Fundamentalist*innen, Teilen der MAGA-Bewegung und Klimawandelleugner*innen offenbar nicht für berichtenswert halten. Aber vielleicht ändert sich das in den kommenden Tagen ja noch.

Besorgniserregend scheinen diese Vernetzungen allemal und sie sollten genau im Blick behalten werden. Nicht zuletzt auch, weil sich auf der ARC viel politischer Einfluss und viel Geld zu einer Agenda versammeln, die laut Guardian von einigen als „Anti-Woke-Davos“ bezeichnet wird. Zur ARC26 heißt es dort:

„Mehr als 4.000 Delegierte aus 85 Ländern – von der konservativen Führerin, Kemi Badenoch, bis hin zu US-amerikanischen Anti-Abtreibungs-Aktivisten und Vertretern europäischer rechtsextremer Parteien – nehmen an der diesjährigen Konferenz Alliance for Responsible Citizenship (ARC) in London teil.

Von manchen als „Anti-Woke-Davos“ bezeichnet, wurden auf der Bühne des Olympia-Konferenzzentrums Themen propagiert wie eine libertäre Ablehnung grüner Wirtschaftspolitik, sozialkonservative Anliegen wie die Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen sowie Widerstand gegen Multikulturalismus.“

(Original in Englisch, Übersetzung d. Verf.)

In Deutschland scheint das bisher kaum jemanden zu interessieren. Und so traten erst vergangenes Wochenende die O’Bros bei Hartls „Mission is possible“ Event in Augsburg auf. Mit dabei auch die Bischöfe Bertram Meier und Stefan Oster von der katholischen Kirche.

Rechtspopulisten ins neue EKD-Gesangbuch?

Achja, und ein von Johannes Hartl geschriebenes Lied steht übrigens aktuell auf einer vorläufigen Vorschlagsliste für das neue evangelische Gesangbuch der EKD. Als wenn es in der Vergangenheit nicht schon genug umstrittene Lieddichter in dem Gesangbuch gegeben hätte – einige wollen nun offenbar für „Nachschub“ sorgen…

Aber dazu an anderer Stelle einmal mehr.

Glaube & Gebet sind nicht das Thema – christlich-fundamentalistische Einflussnahme aber durchaus

Zur Diskussion über die Gebete bei der Fußball-WM

(Quelle Titelbild: eigene Aufnahme: Die Kicker Bibel, 9. Auflage, Bible for the Nations e.V.). Hier hatten wir bereits berichtet, wie geradezu „beseelt“ viele Medien aktuell ohne jede Einordnung über den Gebetskreis von Felix Nmecha und weiteren Fußballern bei der aktuell stattfindenden Weltmeisterschaft berichten.

Dass die Gebetsinitiative vor allem eine von den evangelikalen Plattformen Ballers in God und Fußball mit Vision e.V. unterstützte Aktion ist, die Profifußballer quasi als „Markenbotschafter“ zur Verbreitung ihrer christlich-fundamentalistischen Idologien nutzen, blieb weithin unerwähnt.

Selbst Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt meinte nun offenbar, sich hierzu völlig unkritisch und undifferenziert äußern zu müssen. Göring-Eckardt schreibt pauschal von „hässlichen Kommentaren“, die „einfach nur billig oder blöd“ seien.

Queerfeindliche und rassistische Kommentare

Zahlreiche Kommentator*innen haben in – teils in der Tat hitzigen – Social Media-Debatten u.a. auf die queerfeindlichen Vorwürfe gegen Nmecha und den genannten Vereinen hingewiesen. Andere Kommentator*innen wiederum verteidigten in den Kommentarspalten queerfeindliche und rassistische Stereotypen.

queer.de hat nun verchiedene Vorfälle noch einmal in einem Artikel zusammengefasst. Und vergisst dabei auch nicht den Nürnberger Jugendtrainer Enrico Valentini, der erst letztes Jahr unter Berufung auf seinen „christlichen“ Glauben Homosexuelle mit Rassisten gleichsetzte. In einem Podcast hatte er laut queer.de erklärt, Homosexualität aufgrund seines Glaubens für falsch zu halten. In dem Gespräch sagte Valentini: „Wenn der [Homo­sexuelle] sich jetzt beleidigt fühlt dafür, dass ich das nicht für gut heiße, was er tut, das ist genauso, wenn ich einem Rassisten sage: ‚Hey, das, was du machst, ist falsch.‘ Das ist genau dieselbe Geschichte.“ Auch Valentini gehört zum „Team“ von Fußball mit Vision.

Worum es wirklich geht – und worum nicht

Die beiden Journalist*innen Dina Falken und Felix Michaelis beschreiben nun bei belltower in erfreulicher Klarheit noch einmal, wobei es in der Debatte eigentlich geht. Nämlich weder um das Gebet noch um den christlichen Glauben an sich:

„Religiöse Gesten gehören seit Jahrzehnten zum Fußball. Die Frage ist deshalb nicht, ob Fußballerinnen ihren Glauben öffentlich zeigen dürfen, sondern, warum organisierte Missionskampagnen im Umfeld der weltweit größten Sportveranstaltung kaum als solche erkannt werden. […] Dabei zeigen die Verbindungen von „Ballers in God“, „Fußball mit Vision e.V.“ und ähnlichen Initiativen, dass es nicht nur um persönliche Glaubensbekundungen einzelner Spieler handelt, sondern um eine zunehmend professionelle Form religiöser Einflussnahme im Profisport.“

Um diese Einflussnahme geht es. Und um die dahinter stehenden christlich-fundamentalistischen und anti-pluralistischen Ideologien, die durch diese Netzwerke verbreitet werden sollen.

Sportler*innen als Markenbotschafter für christlich-fundamentalistische Ideologien – mit der „Kicker-Bibel“ unterm Arm in die Schule

Ballers in God, Fußball mit Vision und zahlreiche weitere Akteur*innen aus dem christlich-fundamentalistischen Umfeld nutzen gezielt das große Identifikationspotential erfolgreicher Sportler*innen. Zunächst ganz niederschwellig. Die Radikalisierung findet dann nicht selten auch online statt.

Zum Einsatz kommt dabei auch die sogenannte „Kickerbibel“ – heraugegeben von Athletes in Action, Fußball mit Vision, Sportler ruft Sportler (SRS) und Bible for the Nations mit Bibeltexten der recht freien und evangelikal geprägten Bibelübersetzung „Neues Leben Bibel„. Die Bibel als Fan-Editon für Fußballfreunde… Und übrigens mal wieder ein anschauliches Beispiel, wie US-evangelikale und deutsche evangelikale Organisationen längst bestens miteinander vernetzt sind und zusammenarbeiten.

Hier einige eigene Fotoaufnahmen der Bibel, die diese Tage von einer christlich-fundamentalistischen Gemeinde in München kostenlos verteilt wird.

Bildquellen: eigene Aufnahmen: Die Kicker Bibel, 9. Auflage, Bible for the Nations e.V.

Gerade bei jungen Menschen kann das ziehen. Und so wundert es nicht, dass Fußball mit Vision regelmäßig auch an Schulen auftritt. Nicht immer wird einladenden Schulen und Lehrer*innen bewusst sein, welche Netzwerke und Ideologien dahinter stehen.

Und gerade hier könnten Medien einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung leisten.


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