(Quelle Titelbild: eigene Aufnahme: Die Kicker Bibel, 9. Auflage, Bible for the Nations e.V.). Hier hatten wir bereits berichtet, wie geradezu „beseelt“ viele Medien aktuell ohne jede Einordnung über den Gebetskreis von Felix Nmecha und weiteren Fußballern bei der aktuell stattfindenden Weltmeisterschaft berichten.
Dass die Gebetsinitiative vor allem eine von den evangelikalen Plattformen Ballers in God und Fußball mit Vision e.V. unterstützte Aktion ist, die Profifußballer quasi als „Markenbotschafter“ zur Verbreitung ihrer christlich-fundamentalistischen Idologien nutzen, blieb weithin unerwähnt.
Selbst Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt meinte nun offenbar, sich hierzu völlig unkritisch und undifferenziert äußern zu müssen. Göring-Eckardt schreibt pauschal von „hässlichen Kommentaren“, die „einfach nur billig oder blöd“ seien.
Das ist ein wirklich berührender Moment. Sportlich. Und zusammen beten zeigt das tiefe Wissen, dass man nicht auf sich allein gestellt ist. Ich mag es sehr. Und die hässlichen Kommentare, die ich drunter lese sind einfach nur billig oder blöd. Danke für Team&Spirit https://t.co/W7wkaVCEzn
— Katrin Göring-Eckardt (@GoeringEckardt) June 15, 2026
Queerfeindliche und rassistische Kommentare
Zahlreiche Kommentator*innen haben in – teils in der Tat hitzigen – Social Media-Debatten u.a. auf die queerfeindlichen Vorwürfe gegen Nmecha und den genannten Vereinen hingewiesen. Andere Kommentator*innen wiederum verteidigten in den Kommentarspalten queerfeindliche und rassistische Stereotypen.
queer.de hat nun verchiedene Vorfälle noch einmal in einem Artikel zusammengefasst. Und vergisst dabei auch nicht den Nürnberger Jugendtrainer Enrico Valentini, der erst letztes Jahr unter Berufung auf seinen „christlichen“ Glauben Homosexuelle mit Rassisten gleichsetzte. In einem Podcast hatte er laut queer.de erklärt, Homosexualität aufgrund seines Glaubens für falsch zu halten. In dem Gespräch sagte Valentini: „Wenn der [Homosexuelle] sich jetzt beleidigt fühlt dafür, dass ich das nicht für gut heiße, was er tut, das ist genauso, wenn ich einem Rassisten sage: ‚Hey, das, was du machst, ist falsch.‘ Das ist genau dieselbe Geschichte.“ Auch Valentini gehört zum „Team“ von Fußball mit Vision.
Worum es wirklich geht – und worum nicht
Die beiden Journalist*innen Dina Falken und Felix Michaelis beschreiben nun bei belltower in erfreulicher Klarheit noch einmal, wobei es in der Debatte eigentlich geht. Nämlich weder um das Gebet noch um den christlichen Glauben an sich:
„Religiöse Gesten gehören seit Jahrzehnten zum Fußball. Die Frage ist deshalb nicht, ob Fußballerinnen ihren Glauben öffentlich zeigen dürfen, sondern, warum organisierte Missionskampagnen im Umfeld der weltweit größten Sportveranstaltung kaum als solche erkannt werden. […] Dabei zeigen die Verbindungen von „Ballers in God“, „Fußball mit Vision e.V.“ und ähnlichen Initiativen, dass es nicht nur um persönliche Glaubensbekundungen einzelner Spieler handelt, sondern um eine zunehmend professionelle Form religiöser Einflussnahme im Profisport.“
Um diese Einflussnahme geht es. Und um die dahinter stehenden christlich-fundamentalistischen und anti-pluralistischen Ideologien, die durch diese Netzwerke verbreitet werden sollen.
Sportler*innen als Markenbotschafter für christlich-fundamentalistische Ideologien – mit der „Kicker-Bibel“ unterm Arm in die Schule
Ballers in God, Fußball mit Vision und zahlreiche weitere Akteur*innen aus dem christlich-fundamentalistischen Umfeld nutzen gezielt das große Identifikationspotential erfolgreicher Sportler*innen. Zunächst ganz niederschwellig. Die Radikalisierung findet dann nicht selten auch online statt.
Zum Einsatz kommt dabei auch die sogenannte „Kickerbibel“ – heraugegeben von Athletes in Action, Fußball mit Vision, Sportler ruft Sportler (SRS) und Bible for the Nations mit Bibeltexten der recht freien und evangelikal geprägten Bibelübersetzung „Neues Leben Bibel„. Die Bibel als Fan-Editon für Fußballfreunde… Und übrigens mal wieder ein anschauliches Beispiel, wie US-evangelikale und deutsche evangelikale Organisationen längst bestens miteinander vernetzt sind und zusammenarbeiten.
Hier einige eigene Fotoaufnahmen der Bibel, die diese Tage von einer christlich-fundamentalistischen Gemeinde in München kostenlos verteilt wird.
Bildquellen: eigene Aufnahmen: Die Kicker Bibel, 9. Auflage, Bible for the Nations e.V.
Gerade bei jungen Menschen kann das ziehen. Und so wundert es nicht, dass Fußball mit Vision regelmäßig auch an Schulen auftritt. Nicht immer wird einladenden Schulen und Lehrer*innen bewusst sein, welche Netzwerke und Ideologien dahinter stehen.
Und gerade hier könnten Medien einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung leisten.
(Bildquelle: NDR.Info / Instagram). Viele Medien sind gerade völlig aus dem Häuschen über betende Fußballer bei der aktuell stattfindenden Weltmeisterschaft – allen voran Felix Nmecha, der nach dem 7:1 gegen Curacao auf dem Platz einen Gebetskreis mit Fußballern der Gegenmannschaft bildete.
Eine kritische Hinterfragung zu dem, was wir dort auf dem Platz sehen, findet in den Medien hingegen kaum statt. Und das ist immer noch ziemlich symptomatisch für die deutsche Medienlandschaft. Christliche Glaubensbekundungen im Sport sind kein Problem – bei anderen Religionen schaut es dann schon anders aus…
Nun ist das Problem selbstverständlich nicht die persönliche Glaubensanschauung einzelner Spieler. Aber es geht um mehr: Christlich-fundamentalistische Gruppen mit anti-pluralistischen und menschenfeindlichen Ideologien fluten gezielt auch den Sport. Dem liegt häufig die Vorstellung einer aus den USA stammenden und mittlerweile weltweit verbreiteten Ideologie zu Grunde: Dem sogenannten „Seven Mountain Mandate„. Demnach sollen Christ*innen berufen sein, das „Reich Gottes“ bereits hier auf Erden aufzubauen. Hierzu sollen zentrale Gesellschaftsbereiche gezielt transformiert werden, um sie letztlich wieder mit christlich(-fundamentalistischen) Wertvorstellungen zu dominieren. Einer dieser Gesellschaftsbereich ist der Bereich Kunst & Unterhaltung, worunter auch der Sport gezählt wird. Und außerdem eignen sich erfolgreiche Fußballer*innen hervorragend zur Missionierung…
International ist im Fußball vor allem der Verein Ballers in God aktiv. Kenji Gorré, Flügelspieler bei Curacao, ist Leiter von Ballers in God. Die Nationalmannschaft von Curacao veranstaltete vor der Abreise zur WM einen Lobpreisabend. In Deutschland ist vor allem der Verein Fußball mit Vision aktiv, der mit Sportler ruft Sportler verbunden ist und zu dem auch Felix Nmecha gehört. Fußball mit Vision tritt auch an Schulen auf.
Über all das hatte u.a. die ARD bereits im vergangenen Jahr berichtet. Ein Sturm der Entrüstung ließ nicht lange auf sich warten – einschließlich einer Programmbeschwerde des CDU-Abgeordneten Johannes Volkmann, dem Enkelsohn von Helmut Kohl.
Mehr zu den Hintergründen und Verbindungen, der damaligen Programmbeschwerde und zu finanzstarken Unterstützer*innen in unserem bereits letzes Jahr veröffentlichten Artikel:
ARD löschte nach Programmbeschwerde Reel und passte Bericht an -Was steckt dahinter und welche Rolle spielten Verbindungen von „Fußball mit Vision“ in die Politik?
Es folgte viel Aufregung und eine Programmbeschwerde des CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Volkmann (Enkelsohn von Helmut Kohl). Laut Volkmann beinhalte der Artikel eine „Missachtung religiöser Überzeugungen“, da dieser „gezielt christliche Bekenntnisse mit einem negativen Werturteil versieht und dabei Grundsätze journalistischer Sachlichkeit oder Ausgewogenheit außen vorlässt“.
Eine inhaltliche Debatte zu den von den thematisierten Organisationen verbreiteten christlich-fundamentalistischen Ideologien und deren aufgezeigten Verbindungen blieb hingegen zunächst nahezu vollständig aus.
Dabei hätten die gut recherchierten Kritikpunkte dazu allen Anlass geboten: Ein Glaube an Dämonen, Exorzismen, Prophezeiuungen und Wunderheilungen, mit dem zunächst Fußballer*innen missioniert werden, die dann als Fußballstars wiederum insbesondere junge Menschen auch an Schulen missionieren sollen?
Und das durch Organisationen, die wie z.B. die Trump-nahe Bethel Church oder ihr deutscher „Ableger“ Awakening Church interntional bestens vernetzt sind und dafür stehen, ihr eigenes christlich-fundamentalistisches und antipluralistisches Glaubensverständnis in allen Gesellschaftsbereichen zur Vorherrschaft bringen zu wollen? Was ist da los?
Stattdessen fokussierte sich die Debatte auf die vermeintliche Diskriminierung „christlicher Glaubensüberzeugungen“. Die Webseite „Dokumentieren gegen Rechts“ hat den Vorgang bereits ausführlich dargestellt.
Mittlerweile hat das Thema zu weiterer kritischer Berichterstattung geführt: Unter anderen die Journalist*innen Dina Falken und Felix Michaelis widmeten sich bei Belltower News in zwei Teilen hier und hier den missionierenden Fußballer*innen, ihren Netzwerken und ideologischen Hintergründen.
Wir gehen in diesem Beitrag noch einmal explizit auf das Netzwerk Fußball mit Vision, dem dahinter stehenden Verein Sporler ruft Sportler (SRS) und deren Verbindungen in die Politik ein. Denn dies lässt die Programmbeschwerde des CDU-Abgeordneten Johannes Volkmann durchaus noch einmal in einem „besonderen“ Licht erscheinen…
Alles bleibt wie es ist – die rechtspopulistischen Eiferer jubeln dennoch…
Zunächst vorab: Die Programmbeschwerde von MdB Volkmann wurde abgewiesen.
Dennoch hat Tagesschau den Bericht angepasst, das auf Social Media geteilte Reel wurde gelöscht. Zur Begründung heißt es laut Welt:
„Der Sender habe sich aber dennoch entschlossen, den Artikel auf „tagesschau.de“ zu überarbeiten, da durch „einzelne Formulierungen der Eindruck entstehen könnte, wir würden Missionsarbeit generell einen Vorwurf machen“. Da sich das Instagram-Video nicht nachträglich bearbeiten lasse, habe man es entfernt.“
Insbesondere auf rechtspopulistischen Seiten wie Nius und der Jungen Freiheit sowie auf Accounts der „üblichen“ Influencer*innen der christlich-fundamentalistischen rechtschristlichen Szene wie Jasmin Friesen oder Johannes Hartl herrschte großer Jubel.
Doch tatsächlich wurde NICHTS im überarbeiteten Artikel zurückgenommen – allenfalls wurden Präzisierungen vorgenommen, wie dieser Dokumentenvergleich zeigt.
Harmlose Glaubensverkündung oder antipluralistische Gesellschaftstransformation?
Die Kritik der Tagesschau an den hinter der Missionsarbeit der thematisierten Vereine stehenden christlich-fundamentalistischen Ideologien und deren Zielen ist hinter der Debatte um vermeintlich „religionsfeindliche“ Berichtertstattung zunächst völlig in den Hintergrund getreten. Dabei wäre eine Debatte darüber tatsächlich dringend geboten.
Die Tagesschau wies darauf hin, sie habe Missionsarbeit „nicht generell einen Vorwurf machen“ wollen.
Kritik an einer Missionsarbeit, die auf christlich-fundamentalistische Ideologien beruht, die sich letztlich auch gegen unsere pluralistische Gesellschaft insgesamt richtet, also vorrangig eine Ausgrenzung anderer betreibt, ist jedoch völlig berechtigt und dringend geboten. Gerade auch Christ*innen sollten sich aufgerufen fühlen, sich zu derartigen Glaubensvorstellungen klar zu positionieren.
Ein empfehlenswerter Artikel von Mascolo et al. in „The Christian Right in Europe“ beschäftigt sich mit der christlichen Rechten. Dort werden Ideologien und Strategien beschrieben, die wir bei Fußball mit Vision wiederfinden. Besorgniserregend: Diese Entwicklungen vollziehen sich weitgehend unbemerkt und doch manipulieren und beeinflussen sie den gesellschaftlichen Diskurs bewusst.
Nach den Vorstellungen dieser KiNC sollen die verschiedenen Gesellschaftsbereiche – darunter auch der Gesellschaftsbereich „Kunst und Unterhaltung“ (also auch „Sport“) – wieder unter christliche Vorherrschaft gebracht und im Sinne des „Reichs Gottes“ transformiert werden. Es geht also explizit nicht um die Einbringung einer Meinung in den demokratischen Diskurs, sondern um eine Vorherrschaft bzw. Dominanz der eigenen Überzeugungen.
Das „Reich Gottes“ soll sich somit immer weiter ausbreiten, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Jesus auf die Erde zurückkehrt. Die Idee dieser Strategie geht zurück auf eine vermeintlich vom „Heiligen Geist“ offenbarte Vision, das sogenannte „Seven Mountain Mandate„ (vgl. auch hier).
Wie real und präsent diese Ideologie bereits auch in Europa ist, zeigt u.a. auch eine aktuelle Predigt von Leo Bigger aus der v.a. in der Schweiz und Deutschland massiv gewachsenen Megakirche ICF (International Christian Fellowhip) zum „geistlichen Kampf“:
Quelle: Screenshot Screenshot Predigt aus der ICF Zürich mit Leo Bigger vom 26.10.2025, Youtube-Kanal ICF.
Ganz offen wird sich in der mit Kampfesrhetorik durchsetzten Predigt stattdessen zur Ideoligie des „Seven Mountain Mandate“ bekannt:
Quelle: Screenshot Screenshot Predigt aus der ICF Zürich mit Leo Bigger vom 26.10.2025, Youtube-Kanal ICF.
Die Geschichte von „Sportler ruft Sportler“ und „Fußball mit Vision“
Fußball mit Vision ist um 2022 als Projekt aus dem Verein Sportler ruft Sportler (SRS) unter Leitung von Manuel Bühler, ehemaliger Fußballprofi beim 1. FC Nürnberg und 1860 München, gestartet worden.
Bühler selbst kam laut eigenen Angaben über Kontakte mit Zé Roberto zum Glauben. Denn SRS und Fußball mit Vision sind nicht nur nach außen missionarisch aktiv. Sie bieten auch Profifußballer*innen, die regelmäßig unter hohem Leistungsdruck stehen, mit Gebetskreisen u.v.m. – vermeintlich – eine „geistliche Heimat“ und freundschaftliche Beziehungen, die im Profisport sicher nicht einfach zu finden sind.
Profifußballer*innen eignen sich aber auch als Identifkationsfiguren zur Missionierung besonders gut. Gerade auch zum Missionieren unter jungen Menschen.
Und dessen ist sich die christlich-fundamentalistische „Szene“ durchaus bewusst: Das evangelikale christlich-fundamentalistische Schweizer Magazin jesus.ch – das auf seiner Webseite auch Geschichten von Personen bewirbt, die ihre Homosexualität nicht ausleben und daran glauben, dass „die Bibel ihnen Heteronormativität vermittelt“ – hat gleich ein ganzes Dossier zu „Fußball und Glaube“ veröffentlicht. Mit zahlreichen Bekehrungs- und „Erfolgsgeschichten“…
Es wundert kaum – beunruhigt indes umso mehr -, dass Fußball mit Vision sich besonders (und scheinbar durchaus erfolgreich) um Auftritte in Schulen bemüht. Entsprechendes gilt für SRS, wobei die Auftritte an Schulen häufig vermeintlich „neutral“ als „Sozialkompetenztraining“ vermarktet werden, wie hier am Landesmusik-Gymnasium Rheinland-Pfalz.
Gesellschaftstransformation durch Mission?
Dass es bei SRS und Fußball mit Vision um Mission geht, ist offensichtlich. SRS ist auf seiner Webseite hierzu sehr deutlich:
„Sport bietet Christen eine kraftvolle Möglichkeit, den Glauben in die Gesellschaft zu bringen.“
Wer den Vereinen SRS und Fußball mit Vision nachgeht findet diese vorwiegend im christlich-fundamentalistischen Umfeld, worauf der ARD-Bericht bereits eingeht. Und das zeigt eben auf, dass dort hochproblematische Ideologien vermittelt werden – sowohl gegenüber Fußballer*innen als auch deren Fans.
Auch die von SRS gestartete „Werteoffensive“ (Archivlink, Original zwischenzeitlich entfernt) macht hellhörig:
„Der christliche Glaube an Gott als Schöpfer, an Jesus Christus als Erlöser und den Heiligen Geist als Motivator, ist Ausgangspunkt und Wertemaßstab unseres Handelns.“
Und so wundert es eigentlich kaum, dass Lohs Wertestarter auch den Verein SRS unterstützen, der – übrigens ebenso wie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – offiziell zu den Kooperationspartnern der Wertestarter gehört.
„Der christliche Glaube hat in vielen gesellschaftlichen Bereichen seine prägende Kraft verloren. Die nachwachsende Generation erfährt auch in ihren Familien keine, am christlichen Glauben orientierte, Wertebildung. Dies hat mich, Friedhelm Loh veranlasst, die Stiftung für Christliche Wertebildung zu gründen. Sie will helfen, dass einerseits in Kindergärten, Schulen und in der außerschulischen Jugendbildung und andererseits in der Qualifizierung von Mitarbeitenden in den pädagogischen Handlungsfeldern, Bildungsräume zu einer am christlichen Menschenbild orientierten Wertebildung eröffnet werden.“
Das „gesellschaftstransformatorische“ Engagement der Wertestarter wird fortlaufend evaluiert, wie hier im Evaluationsbericht (S. 10) ersichtlich: Die 7 Stufen der Wirkungstreppe: „Aktivitäten finden wie geplant statt“ bis „Die Gesellschaft verändert sich“ (Quelle: https://wertestarter.de/media/downloads/A4-Wirkungsanalyse-022024.pdf, S. 10):
Gute Verbindungen in die Politik
Im Kuratorium der Wertestarter sitzt ein alter „Politik-Bekannter“: der ehemalige MdB Volker Kauder, CDU, ebenfalls eng verbunden mit der evangelikalen Szene. Und Parteikollege der Person, die gegen den ARD-Bericht Programmbeschwerde einlegte: Nämlich Johannes Volkmann, CDU, MdB & Enkel von Helmut Kohl und gewählt über den Wahlkreis Lahn-Dill – in dem übrigens auch die Stadt Haiger, der Wohnort von Friedhelm Loh, liegt.
In Haiger hat des Weiteren auch die Firma „Franz Hof GmbH“ ihren Sitz. Geschäftsführerin Katja Hof, die erst dieses Jahr auch auf dem dem Kongress Christlicher Führungskräfte des rechtspopulistischen idea-Magazins – dessen Gründung ebenfalls aus der Familie Loh unterstützt wurde – aufgetreten ist, ist Schwägerin von Gerhard Kehl aus der Kemptener Alpen Church.
Kehl ist wichtiges Bindeglied zur US-evangelikalen Bethel Church. Die Organisation Awakening Europe vom Bethel-Prediger ben Fitzgerald hat weiterhin ihr Impressum an Kehl’s Alpenchruch, von wo aus er schließlich die G5 Gemeinde Eimeldingen übernahm und die Awakening Church gründete.
Gibt es Zusammenhänge zwischen den Verbindungen von MdB Johannes Volkmann zum Verein SRS und Fußball mit Vision und der Programmbeschwerde? Es gibt Anzeichen, aber wir können es derzeit nicht konkret(er) belegen.
Hinter scheinbar harmlos ihren Glauben bekundenden Fußballer*innen scheint jedoch offenbar deutlich mehr zu stehen, als eine persöniche Glaubensüberzeugung. Und die Glaubensüberzeugungen, die in dem beschriebenen Umfeld vorherrschen, geben Grund zur Sorge und zu Widerspruch. Gerade WEIL wir Religions- UND Weltanschauungsfreiheit in unserer pluralistischen Geselschaft einen hohen Stellenwert einräumen.
Schließlich sind die bisher thematisierten Vereine Ballers in God, Sportler ruft Sportler und Fußball mit Vision auch kein Einzelfall. Auch die internationale evangelikale City Changer Movement, die in Deutschland v.a. als Die Stadtreformer unterwegs ist und zahlreiche niederschwellige lokale Angebote (häufig unter dem Namen „Gemeinsam für…“ und dem jeweiligen Städtenamen) unterstützt, setzt u.a. mit Unterstützung von Organisationen wie dem Christlichen Fußballernetzwerk (CFN) auf Sport als Missionierungsintsrument (dazu in Kürze mehr…).
Es wäre wünschenswert, wenn Medien diesen Anzeichen einer (letztlich antidemokratischen) christlich-fundamentalistischen Bewegung im Deutschland mehr nachgehen würden.