Christliche Fundamentalist*innen missionieren auf dem CSD München

„Outreach CSD“ von „Reviving the World“

(Titelbild: Instagram / Reviving the World). Nicht nur, dass es am Wochenende (auch) in München ends heiß wird (FundiWatch ist in der Fußgruppe 99 dabei und es gibt tatsächlich Sticker!). Nun wollen neben einer rechten Demo (die allerdings keinen direkten Bezug zum CSD hat) auch noch christliche Fundamentalist*innen aktiv auf dem CSD missionieren.

Abzuwarten bleibt, ob auch die Gruppe „Christkönigtum“ wieder dabei sein wird (deren Kundgebung „Kreuz statt Pride“ wurde letztes Jahr vorzeitig abgebrochen, da der Versammlungsleiter ein Messer dabei hatte…)

Konkret plant aktuell die christlich-fundamentalistische evangelikale Organisation „Reviving the world“ (im Evangelikalen-Sprech wohl am besten sinngemäß zu übersetzen mit „Erweckung für die Welt“) einen „outreach at the CSD Munich to reach the LGBT* community for Jesu„.

Treffpunkt der Gruppe ist die römisch-katholische Heilig-Geist-Kirche am Marienplatz um 14 Uhr. In der Heilig-Geist-Kirche sind christlich-fundamentalistische Gruppen beheimatet, u.a. auch die Loretto-Gemeinschaft. Am Sonntag veranstaltet Reviving the World dann noch einen Gottesdienst im Charismatischen Zentrum München, das Mitglied der Evangelischen Allianz München ist, über das zahlreiche evangelikale Gemeinden in München miteinander verbunden sind.

Ideologischer Hintergrund von Reviving the World: Sie wollen Macht

Welchen ideologischen Hintergrund Reviving the World hat, hatten wir hier anlässlich einer Missionsveranstaltung der Organisation letztes Jahr in München bereits angesprochen:

1. "Die Errettung für eine verlorene & sterbende Welt" – Es ist kaum möglich, über alle der mittlerweile stattfindenden Missionierungsevents zu berichten. Gestern & heute ist die der KiNC zuzuordnende Organisation "Reviving the World" – ein Ableger von "Christ for all nations" – in München…

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-05-24T12:09:55.427Z

Leiter des vor knapp fünf Jahren gegründeten Vereins Reviving the World ist der Evangelist David Rotärmel, der deutschlandweit regelmäßig auch die sogenannten „Nights of Hope“ (Paywall) veranstaltet.

Die Vision von Reviving the World wird auf der Homepage klar formuliert und passt 1:1 zur von der Theologin Dr. Maria Hinsenkamp in ihrer frei abrufbaren DissertationVisionen eines neuen Christentums – Neuere Entwicklungen pfingstlich-charismatischer Netzwerke“ beschriebenen herrschaftstheologischen „Kingdom-minded Network Christianity“ (KiNC): „Alle Nationen zu Jüngern machen“. Hier ein Screenshot aus einer früheren Version der Homepage:

Quelle: Screenshot revivingtheworld.com

Dass es dabei um deutlich mehr, als um individuelle religiöse Entscheidungen geht, wird in der vorgenannten Dissertation deutlich aufgezeigt. Es geht um die Vorstellung, dass Christ*innen berufen seien, das „Reich Gottes“ bereits im hier und jetzt auf der Erde aufzubauen, in diesem Sinne verschiedenste Gesellschaftsbereiche zu transformieren und ihren Einfluss auszubauen. Mehr dazu auch in diesem SWR-Radiofeature.

Was die Umsetzung dieser Ideologien in der Praxis bedeutet, können wir besonders deutlich u.a. in den USA sehen. Und tatsächlich ist Reviving the World nach eigenen Angaben international weitreichend auch mit US-Evangelikalen Gruppen wie Europe Shall Be Saved (ESBS) und der Global Evangelism Alliance (GEA) vernetzt:

1. BETEN FÜR DEN KRIEG: Medien berichten aktuell über ein Gebet evangelikaler Prediger*innen im Oval Office für Trump. Häufiger Tenor: "kurios", "skurril"… bei uns aber doch wohl unvollstellbar. Und doch reichen Netzwerke des Gebetskreises wie zB "empowered21" bis nach D & Europa 🧵 buff.ly/2DOzZVg

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2026-03-07T19:16:52.036Z

Queerfeindliche Hetze mit der Bibel in der Hand

Was Rotärmel über queere Menschen denkt, hat er in Predigten bereits sehr deutlich formuliert.

Sowohl der Südkurier (im Rahmen eines Berichts über eine „Nights of Hope“ im Schwarzwald) als auch die Autonome Antifa berichten, wie Rotärmel in Videos Homosexuelle nachäfft und Homosexualität mit Pädophilie verbindet.

Die Antifa berichtet von einem Auftritt Rotärmels 2022, in dem er seinem Publikum von einem Gespräch erzählt, das er angeblich auf einer „Pride Parade“ hatte. Dort äffte er demnach einen stereotypen Homosexuellen nach, der ihm angeblich gesagt habe, dass die Menschen auf der Parade auch „voller Liebe“ seien. Rotärmels Kommentar: „Wenn du es liebst, wenn ein kleines Kind vergewaltigt wird, dann ist das dämonische Liebe.

Aus dem Nichts konstruierte Rotärmel demnach einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie und berief sich dabei auf Jesus. Für seine Hetze nutzte er die eigene Interpretation eines Bibelzitats: „Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden.“ Diese Bibelstelle verwendete er dann gegen ein vermeintliches Queer-Zitat von der „Pride Parade“: „Ich wurde nunmal so geboren. Ich liebe Männer, ich liebe Frauen, was ist denn falsch daran?!

Die betreffende Stelle ist in dem weiterhin abrufbaren Video auf dem Youtube-Kanal der Freikirche ICF (International Christian Fellowship) am Standort ICF Schwarzwald-Bodensee offenbar nachträglich entfernt worden: Bei Minute 6:55 bemerkt man einen Videoschnitt, der dies im Zusammenhang mit dem weiteren Bericht der Antifa sehr nahe legt.

Denn die anschließende „Lösung“ von Rotärmel ist nach dem Schnitt im Video weiter enthalten:

„Wenn du so geboren wurdest, mit dieser Sache […], dann habe ich eine gute Nachricht für uns heute: Das ist Grund, dass wir von Neuem geboren werden müssen. Wenn wir so geboren wurden, dann ist es eine Herausforderung zu sagen: Ok, Jesus, das bedeutet, dass es ein Problem in meinem Leben gibt. Und die Lösung für dieses Problem ist, dass du mein kaputtes Herz komplett rausreißt und zerstörst und mir ein komplett neues Herz gibst. Dass du meine menschliche Natur rausreißt und mir eine neue geistliche, göttliche, übernatürliche Natur von Jesus gibst.“

Queerfeindlichkeit auch beim Kooperationspartner „Christus für alle Nationen“ (CfaN)

Ebenso queerfeindliche Positionen vertritt übrigens auch der heutige Leiter von Christus für alle Nationen (CfaN), Daniel Kolenda.

Rotärmel hat sich bei CfaN „trainieren“ lassen und auch heute arbeiten die Organisationen eng zusammen. Vergangenes Jahr hatte Reviving the World mit Unterstützung von CfaN die Missionsaktion „Salvation Bayern 2025“ ausgerufen.

Gründer und langjähriger Leiter von CfaN war der mittlerweile verstorbene Reinhard Bonnke (Spitznahme: „Mähdrescher Gottes„). Bonnke und CfaN wurden aufgrund ihrer Massenevangelisationen mit vermeintlich massenhaften Bekehrungen und Wunderheilungen bekannt, mit denen Bonnke insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent ganze Stadien füllte (was zeitweise auch lokale Unruhen auslöste). In seinen Predigten rief Bonnke:

„Tumore weicht in Jesu Namen! Krebs verschwinde in Jesu Namen! HIV-positiv werde HIV-negativ! In Jesu Namen! (…) Alle Infektionen, Neurosen, ich breche die Kette aller Depressionen, in Jesu Namen! Die Freude am Herrn wird deine Stärke sein und deine Medizin sein.“

Zitiert nach: Lambrecht /Baars, Mission Gottesreich Gottesreich: Fundamentalistische Christen in Deutschland (2013) – der Ausschnitt stammt demnach aus einer Predigt aus der heutigen hoop-Kirche in Bremen.

Unter Leitung von Bonnke waren übrigens auch Gaby und Winfried Wentland viele Jahre für CfaN tätig. Winfried Wentland arbeitet dort heute noch. Gaby Wentland hat den Hamburger Verein Mission Freedom gegründet, dessen Kinderheim „Haus SeeNest“ im Allgäu aktuell für Schlagzeilen sorgt, nachdem dort alle Kinder wegen vermeintlich kindeswohlgefährdender Erziehungsmethoden in Obhut genommen wurden. Mehr dazu hier.

Und so wundert es auch nicht, dass Gaby Wentland großer Fan von Rotärmels Reviving the World ist und dieses unterstützt:

Quelle: Facebook / Gaby Wentland

Der „Teufel“ der Homosexualität

CfaN-Leiter Daniel Kolenda steht Rotärmel in Sachen Queerfeindlichkeit jedenfalls in nichts nach:

Auf seiner Homepage bringt er Homosexualität mit dem „Teufel“ in Verbindung, den es auszutreiben gelte und beschreibt, wie er genau das auf seinen Evangelisationsveranstaltungen (offenbar auch an Jugendlichen) praktiziert:

„After I preached on the blood of Jesus, the young people answered the call, surrendered to Jesus and kicked the Devil out of their lives. One guy was dramatically delivered of demon possession while many looked on. They had never seen anything like it before. Several young people testified to me of being personally set free from addictions and compulsions including homosexuality, pornography and self-mutilation.“

Übersetzung d. Verf.:

„Nachdem ich über das Blut Jesu gepredigt hatte, folgten die jungen Menschen dem Aufruf, übergaben ihr Leben Jesus und verbannten den Teufel aus ihrem Leben. Ein junger Mann wurde auf dramatische Weise von einer dämonischen Besessenheit befreit, während viele zusahen. So etwas hatten sie zuvor noch nie erlebt. Mehrere junge Menschen berichteten mir persönlich, dass sie von Süchten und zwanghaftem Verhalten befreit worden seien, darunter Homosexualität, Pornografie und Selbstverletzung.“

Behandlungen an Minderjährigen, die auf eine Veränderung der sexuellen Orientierung oder Identität zielen, sind in Deutschland übrigens nach dem Konversionsbehandlungsschutzgesetz strafbar.

Wir lassen uns den Spaß nicht verderben: „Unsere Vielfalt. Unser Stärke.“

Wir lassen uns unseren Munich-Pride gleichwohl nicht vermiesen!

Das diesjährige Motto lautet: „Unsere Vielfalt. Unser Stärke.“

Lasst uns auf dem CSD diesen queerfeindlichen Fundis lautstark – aber friedlich – entgegentreten. Gemeinsam mit unseren queeren christlichen Freund*innen. Denn nicht zu vergessen ist auch: Zumindest aktuell teilt nur ein kleiner Teil der deutschen Christ*innen diese queerfeindlichen Positionen und deren Ideologien. Darum lasst uns – auch wenn wir den Glauben des anderen vielleicht nicht immer nachvollziehen können – hier Seite an Seite stehen. Religions- und Weltanschauungsfreiheit ist ein Menschenrecht. Anderen den eigenen Glauben aufzudrängen und queerfeindliche Hetze hingegen nicht!

In diesem Sinne: Lasst euch bitte von der Gruppe (und etwaigen sonstigen Fundis auf dem CSD) nicht provozieren.

Seid ihr selbst (ihr seid wundervoll, so wie ihr seid!), bleibt friedlich und äußert gerne euren (lautstarken, aber friedlichen) Protest!

Happy Pride!

(Edit 26.6.2026: redaktionell-sprachliche Korrekturen vorgenommen)

Mehr zum Thema:

Erzkonservative Loretto-Gemeinschaft erwartet auch dieses Jahr wieder tausende Jugendliche

In München musste sich die Gemeinschaft offenbar neue Räume suchen

Alle Jahre wieder…

Jedes Jahr veranstaltet die aus Österreich stammende erzkonservative und weit vernetzte katholische Loretto-Gemeinschaft ihr Pfingsfest – dieses Jahr unter dem Titel „P26“ – für tausende junge Menschen an zahlreichen Standorten im deutschsprachigem Raum.

Bei Loretto handelt es sich um eine charismatische Erneuerungsbewegung (CE) in der katholischen Kirche. Die CE gilt als eine der wichtigsten Brücken zwischen katholischer Spiritualität und evangelikal bzw. pfingstlich-charismatisch geprägten Glaubensformen.

In der sehenswerten ARD-Doku „Die hippen Missionare“ war u.a. auch die Loretto-Gemeinschaft erst vor Kurzem Thema.

Letzes Jahr 2025: FundiWatch und KRISOH kritisieren Event in München

Im vergangenen Jahr waren wir nicht ganz unbeteiligt, dass die Veranstaltung im kirchlichen Zentrum Preysingstraße und in der Münchener Jugendkirche Vom Guten Hirten auf Kritik stieß.

1. Erzkonservative Loretto-Gemeinschaft erwartet 12.000 Besuchende: Die modern auftretende aber erzkonservative und für ihre “Purity-Culture” kritisierte Loretto-Gemeinschaft veranstaltet zu Pfingsten zahlreiche Events… pfingsten.at

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-06-06T20:04:35.852Z

Als Rednerin auf dem P25 im vergangenen Jahr in München trat auch die 2. Vorsitzende des umstrittenen Vereins Mission Freedom auf: Johanna Planeth. Planeth leitet das dem ICF (International Christian Fellowship) nahestehende Gebetshaus München, damals auch noch den Kindergottesdienst in St. Matthäus (Kirche am Sendlinger Tor). Aktuell ist Mission Freedom mit schwerwiegenden Vorwürfen wegen Kindesmisshandlungen in seiner Einrichtung „Haus SeeNest“ im Allgäu konfrontiert. Mittlerweile ermittelt dazu auch die Staatsanwaltschaft. Mehr dazu hier.*

Für Kritik am P25 verganges Jahr sorgte insbesondere auch, dass sich der Veranstaltungsort auf dem Gelände bafand, auf dem auch die KSH – Katholische Stiftungshochschule München ihren Campus hat. Die Kirche wird von verschiedenen Gruppen genutzt.

Zwar hatte die KSH selbst keinen Einfluss auf die Nutzung der Kirche durch die Loretto-Gemeinschaft. Gleichwohl regte sich Kritik der Hochschulgruppe KRISOH (Kritisch Solidarische Hochschulstudierende), die schließlich als Protest-Gegenaktion ein Pride-Frühstück veranstaltete.

Außerdem lud KRISOH ein paar Tage später FundiWatch zu einem auch vom Deutschen Berufsverband Sozialer Arbeit (DBSH) unterstützten VortragstagChristlicher Fundamentalismus, Anti-Choice-Bewegung und ihre Verbindungen in die Soziale Arbeit“ ein. Dort durften wir zur Loretto-Gemeinschaft, den – gerade mal wieder für Schlagzeilen sorgenden – Verein Mission Freedom sowie Einflüsse Christlichen Fundamentalismus auf die Soziale Arbeit referieren.

Protest wirkt – ein wenig…

Wie wir erfuhren, fand die Veranstaltung von Loretto schon die Jahre zuvor an dem Ort statt. 2024 traten auf dem Event übrigens auch die umstrittene Christfluencerin Jana Hochhalter (aka Jana Highholder) und Lukas Repert von GODsPOWER und Christus für alle Nationen (CfaN) auf. Missionar Repert veranstaltete diese Tage das City of Light-Festival in Berlin – mehr dazu in Kürze…

Kritik gab es vor 2025 an der Veranstaltung auf dem Gelände nicht. Nun aber musste das Event offenbar umziehen und sich neue Räume suchen. Immerhin entsteht so nicht mehr der Eindruck, die Loretto-Gemeinschaft stünde in Verbindung mit der Hochschule.

Quelle: Screenshot https://pfingsten.at/veranstalter/muenchen/

Wenig überraschend fanden sich schnell neue Räume. Dieses Jahr findet das Pfingstfest in München in der Kirche St. Maximilian Kolbe statt.

Mit dabei u.a. Sebastian König – seit knapp zwei Jahren Priester in der Erzdiözese München und Freising. Und langjähriges Mitglied der Loretto-Gemeinschaft


Edit (25.05.2026): Den Abschnitt zur Teilnahme von Johanna Planeth am P25 haben wir nachträglich ergänzt.

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