Alle Jahre wieder?

MAGA, internationale Rechte, evangelikale Netzwerke und fossile Energielobbyisten treffen sich erneut zur Konferenz der Alliance for Responsible Citizenship (ARC) – von deutschen Medien wird das bisher ignoriert…

(Quelle Titelbild: ARC-Conference). Vor einem guten Jahr berichteten wir bereits über die Konferenz der Alliance for Responsible Citizenship ARC25 in London. Es handelt sich dabei um eine der wohl größten (und wohl einflussreichsten) rechten Konferenzen in Europa. Aktuell findet die Konferenz vom 23. bis 25.06. nun erneut in London statt.

Die ARC ist ein rechtslibertärer Think Tank, der vor etwa vier Jahren vom umstrittenen kanadischen Psychologen Jordan B. Peterson ins Leben gerufen wurde. Mehrere Medien verorten Teile des Teilnehmerfelds ausdrücklich im Rechtsaußen- bzw. far-right-Spektrum, insbesondere Vertreter aus AfD- und Vox-nahen Milieus.

Besonders auffällig ist die dortige Vernetzung der christlichen Rechten mit der internationalen Rechten, Teilen der MAGA-Bewegung und fossiler Energielobby.

1. Heute startet mit der #ARC2025 Konferenz eine der größten (und wohl einflussreichsten) rechten Konferenzen in Europa. Neben ua Mike Johnson und Frauke Petry dabei auch zahlreiche Personen aus dem christlich-fundamentalistischen KiNC-Netzwerk. Deutsche Medien scheint das nicht zu interessieren…?!

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-02-17T18:37:40.525Z

Rückblick: Die ARC25: Klassenfahrt „christlicher“ Influencer*innen

Bereits vergangenes Jahr wurde die Konferenz zunächst von deutschen Medien nicht aufgegriffen.

Das Blatt wendete sich etwas, als wir darüber berichteten, dass mehrere Christfluencer*innen wie u.a. Jasmin Friesen (damals noch Neubauer, liebezurbibel / „In Zeiten wie diesen„), Jana Hochhalter („In Zeiten wie diesen„), Tini Brüning (die tagespost), Lukas Furch (The Chosen) und auch der rechtsextreme Leonard Jäger aka „Ketzer der Neuzeit“ an der Konferenz teilnahmen und ihren Besuch intensiv auf Social Media als „gemeinsame Klassenfahrt“ verbreiteten. Johannes Hartl, Leiter des Gebetshaus Augsburg, trat als Redner auf.

Quelle: Instagram / Tini Brüning

Dabei traf die Gruppe der Christfluencer*innen auch auf Frauke Petry (ehem. AfD-Vorsitzende, jetzt „Team Freiheit“ – für die Lukas Furch tätig ist) sowie Fadi Krikor, einen der beiden Mitinitiatoren der umstrittenen Münchener Glaubenskonferenz UNUM24 und Betreiber des Father’s House of all Nation im ehemaligen Kloster Altenhohenau.

Erneut aufgegriffen wurde das Thema, als das christliche Rap-Duo O’Bros letztes Jahr Platz 1 der deutschen Albumstarts erreichte – auch Alexander Oberschelp von den O’Bros nahm an der „Klassenfahrt“ zur ARC25 teil. Übrigens nicht das erste Mal. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er an der ersten ARC-Konferenz teilgenommen – ebenfalls gemeinsam mit Jasmin Friesen und Leonard Jäger. Also eben kein „Zufall“ wie später häufig beschwichtigend verbreitet wurde.

Wohl das erste mal in der Geschichte steht mit den O'Bros eine rechts-christliche Lobpreisband auf Platz 1 der #Albumcharts. Dass es hier um viel mehr als "HipHop mit christlichen Botschaften" geht, wird von Medien bisher nicht wahrgenommen, in christlichen Kreisen oft verharmlost… 1/9

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-04-06T18:28:57.230Z

Erneut „bemerkenswerte“ Teilnehmende: Johannes Hartl und Springer-CEO Dopfner sowie Rechtskatholikin Gudrun Kugler (OIDAC)

Vom 23. bis 26.06. findet nun die vierte ARC-Konferenz statt – die dritte Konferenz in London; 2024 traf man sich im australischen Sydney.

Und wieder scheint das Medieninteresse in Deutschland gering bzw. nicht vorhanden. Dabei finden sich unter den Teilnehmenden erneut auch zahlreiche Teilnehmende aus Deutschland und Österreich, auf die wir hier nicht alle eingehen können.

Kurz zu einigen besonders bemerkenswerten Personen:

Johannes Hartl

Darunter erneut der Theologe und Leiter des Gebetshaus Augsburg, Johannes Hartl, der bereits letztes Jahr auf der ARC25 als Redner auftrat. Zuletzt stand Hartl in der BR-Doku „Die hippen Missionare“ mit seinem Gebetshaus und der MEHR-Konferenz im Fokus kritischer Medienberichte. Anschließend verteidigte er sich gegen Kritik – ausgerechnet im rechtspopulistischen Portal NIUS, wo er im Podcast zu Gast war.

Quelle: Instagram / Johannes Hartl

Mathias Dopfner

Ein weiterer Redner auf der Konferenz sollte eigentlich ebenfalls die Öffentlichkeit besonders interessieren (und beunruhigen): Springer-CEO Mathias Dopfer findet sich ebenfalls auf der prominent besetzten Rednerliste.

Bildquellen: https://www.arc-conference.com/arc26-speakers

Ideologisch dürfte sich Dopfner auf der ARC26 sehr wohl fühlen

Dafür spricht auch ein erster Artikel des rechtskonservativen evangelikalen Idea-Magazins (Paywall). Demnach habe Dopfner auf der ARC26 kritisiert, dass zu viele Journalisten Aktivismus mit Journalismus verwechseln würden. Bei Springer sei das anders. Dort habe man sich eine „intellektuelle Verfassung“ gegeben, die sogenannten „Essentials“. Aha.

Gudrun Kugler

Mit dabei ist auch wieder Gudrun Kugler, österreichische Politikerin, Juristin sowie katholische Theologin und sogar im „Advisory-Board“ der ARC vertreten. Sie sitzt seit 2017 für die Österreichische Volkspartei im Nationalrat und ist seit 2024 Vizepräsidentin der Parlamentarischen Versammlung der OSZE.

2023 fand Kugler im Bereich Rechtskatholizismus Erwähnung im österreichischen Rechtsextremismusbericht des DÖW. Kugler wird zudem als zentrale Akteurin der „Agenda Europe“ gesehen, ein europaweites Netzwerk konservativ-christlicher Akteure, das sich für die Wiederherstellung einer „natürlichen Ordnung“ einsetzt und dabei insbesondere gegen Abtreibungs- und LGBTIQA+-Rechte mobilisiert.

Schließlich ist Gudrun Kugler Initiatorin des Observatoriums gegen Intoleranz und Diskriminierung von Christen in Europa (OIDAC), das über vermeintliche Fälle von Christenverfolgung berichtet. Executive Director des OIDAC ist Anja Tang, ehemalige Mitarbeiterin in Kuglers Büro. Der Ehemann von Kugler, Martin Kugler ist „President of the Board“ von OIDAC. Bis 2000 war Martin Kugler Pressesprecher der rechtskatholischen Gruppe Opus Dei für Zentraleuropa.

Die Seriosität der Zahlen und Falldarstellungen von OIDAC sind umstritten, dies auch hinsichtlich der Einordnung von Fällen als „christenfeindlich“. Beispielsweise listet das OIDAC auch den friedlichen Protest des Bündnisses #NoUNUM24, das gegen die christlich-fundamentalistische Glaubenskonferenz UNUM24 in der Münchener Olympiahlle protestiert hatte, als vermeintlichen Fall auf – obwohl der Protest, auch vor Ort, von zahlreichen christlichen Personen und Gruppen unterstützt wurde wie beispielsweise #OutInChurch oder der Evangelischen Jugend München. Gleichwohl greifen zahlreiche Medien gerade auch die vergangenen Wochen wieder die Zahlen von OIDAC völlig unkritisch auf (vgl. zB. erst jüngst die Welt aber auch der Deutschlandfunk).

„Anti-Woke-Davos“: Wirklich kein Thema für die Medien?

Es überrascht(?), dass insbesondere deutsche Medien die Vernetzung der internationalen Rechten, christlicher Fundamentalist*innen, Teilen der MAGA-Bewegung und Klimawandelleugner*innen offenbar nicht für berichtenswert halten. Aber vielleicht ändert sich das in den kommenden Tagen ja noch.

Besorgniserregend scheinen diese Vernetzungen allemal und sie sollten genau im Blick behalten werden. Nicht zuletzt auch, weil sich auf der ARC viel politischer Einfluss und viel Geld zu einer Agenda versammeln, die laut Guardian von einigen als „Anti-Woke-Davos“ bezeichnet wird. Zur ARC26 heißt es dort:

„Mehr als 4.000 Delegierte aus 85 Ländern – von der konservativen Führerin, Kemi Badenoch, bis hin zu US-amerikanischen Anti-Abtreibungs-Aktivisten und Vertretern europäischer rechtsextremer Parteien – nehmen an der diesjährigen Konferenz Alliance for Responsible Citizenship (ARC) in London teil.

Von manchen als „Anti-Woke-Davos“ bezeichnet, wurden auf der Bühne des Olympia-Konferenzzentrums Themen propagiert wie eine libertäre Ablehnung grüner Wirtschaftspolitik, sozialkonservative Anliegen wie die Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen sowie Widerstand gegen Multikulturalismus.“

(Original in Englisch, Übersetzung d. Verf.)

In Deutschland scheint das bisher kaum jemanden zu interessieren. Und so traten erst vergangenes Wochenende die O’Bros bei Hartls „Mission is possible“ Event in Augsburg auf. Mit dabei auch die Bischöfe Bertram Meier und Stefan Oster von der katholischen Kirche.

Rechtspopulisten ins neue EKD-Gesangbuch?

Achja, und ein von Johannes Hartl geschriebenes Lied steht übrigens aktuell auf einer vorläufigen Vorschlagsliste für das neue evangelische Gesangbuch der EKD. Als wenn es in der Vergangenheit nicht schon genug umstrittene Lieddichter in dem Gesangbuch gegeben hätte – einige wollen nun offenbar für „Nachschub“ sorgen…

Aber dazu an anderer Stelle einmal mehr.

Erzkonservative Loretto-Gemeinschaft erwartet auch dieses Jahr wieder tausende Jugendliche

In München musste sich die Gemeinschaft offenbar neue Räume suchen

Alle Jahre wieder…

Jedes Jahr veranstaltet die aus Österreich stammende erzkonservative und weit vernetzte katholische Loretto-Gemeinschaft ihr Pfingsfest – dieses Jahr unter dem Titel „P26“ – für tausende junge Menschen an zahlreichen Standorten im deutschsprachigem Raum.

Bei Loretto handelt es sich um eine charismatische Erneuerungsbewegung (CE) in der katholischen Kirche. Die CE gilt als eine der wichtigsten Brücken zwischen katholischer Spiritualität und evangelikal bzw. pfingstlich-charismatisch geprägten Glaubensformen.

In der sehenswerten ARD-Doku „Die hippen Missionare“ war u.a. auch die Loretto-Gemeinschaft erst vor Kurzem Thema.

Letzes Jahr 2025: FundiWatch und KRISOH kritisieren Event in München

Im vergangenen Jahr waren wir nicht ganz unbeteiligt, dass die Veranstaltung im kirchlichen Zentrum Preysingstraße und in der Münchener Jugendkirche Vom Guten Hirten auf Kritik stieß.

1. Erzkonservative Loretto-Gemeinschaft erwartet 12.000 Besuchende: Die modern auftretende aber erzkonservative und für ihre “Purity-Culture” kritisierte Loretto-Gemeinschaft veranstaltet zu Pfingsten zahlreiche Events… pfingsten.at

FundiWatch (@fundiwatch.bsky.social) 2025-06-06T20:04:35.852Z

Als Rednerin auf dem P25 im vergangenen Jahr in München trat auch die 2. Vorsitzende des umstrittenen Vereins Mission Freedom auf: Johanna Planeth. Planeth leitet das dem ICF (International Christian Fellowship) nahestehende Gebetshaus München, damals auch noch den Kindergottesdienst in St. Matthäus (Kirche am Sendlinger Tor). Aktuell ist Mission Freedom mit schwerwiegenden Vorwürfen wegen Kindesmisshandlungen in seiner Einrichtung „Haus SeeNest“ im Allgäu konfrontiert. Mittlerweile ermittelt dazu auch die Staatsanwaltschaft. Mehr dazu hier.*

Für Kritik am P25 verganges Jahr sorgte insbesondere auch, dass sich der Veranstaltungsort auf dem Gelände bafand, auf dem auch die KSH – Katholische Stiftungshochschule München ihren Campus hat. Die Kirche wird von verschiedenen Gruppen genutzt.

Zwar hatte die KSH selbst keinen Einfluss auf die Nutzung der Kirche durch die Loretto-Gemeinschaft. Gleichwohl regte sich Kritik der Hochschulgruppe KRISOH (Kritisch Solidarische Hochschulstudierende), die schließlich als Protest-Gegenaktion ein Pride-Frühstück veranstaltete.

Außerdem lud KRISOH ein paar Tage später FundiWatch zu einem auch vom Deutschen Berufsverband Sozialer Arbeit (DBSH) unterstützten VortragstagChristlicher Fundamentalismus, Anti-Choice-Bewegung und ihre Verbindungen in die Soziale Arbeit“ ein. Dort durften wir zur Loretto-Gemeinschaft, den – gerade mal wieder für Schlagzeilen sorgenden – Verein Mission Freedom sowie Einflüsse Christlichen Fundamentalismus auf die Soziale Arbeit referieren.

Protest wirkt – ein wenig…

Wie wir erfuhren, fand die Veranstaltung von Loretto schon die Jahre zuvor an dem Ort statt. 2024 traten auf dem Event übrigens auch die umstrittene Christfluencerin Jana Hochhalter (aka Jana Highholder) und Lukas Repert von GODsPOWER und Christus für alle Nationen (CfaN) auf. Missionar Repert veranstaltete diese Tage das City of Light-Festival in Berlin – mehr dazu in Kürze…

Kritik gab es vor 2025 an der Veranstaltung auf dem Gelände nicht. Nun aber musste das Event offenbar umziehen und sich neue Räume suchen. Immerhin entsteht so nicht mehr der Eindruck, die Loretto-Gemeinschaft stünde in Verbindung mit der Hochschule.

Quelle: Screenshot https://pfingsten.at/veranstalter/muenchen/

Wenig überraschend fanden sich schnell neue Räume. Dieses Jahr findet das Pfingstfest in München in der Kirche St. Maximilian Kolbe statt.

Mit dabei u.a. Sebastian König – seit knapp zwei Jahren Priester in der Erzdiözese München und Freising. Und langjähriges Mitglied der Loretto-Gemeinschaft


Edit (25.05.2026): Den Abschnitt zur Teilnahme von Johanna Planeth am P25 haben wir nachträglich ergänzt.

Kongress der Unfreiheit (Teil 1)

Bereits zum dritten Mal fand vom 26.4. bis 29.4.2026 der sog. Freiheit-Kongress im christlichen Gästezentrum Schönblick statt.

Beten, Reinsteigern und Kampagne
In Gottes Namen

Bereits zum dritten Mal fand vom 26.4. bis 29.4.2026 der sog. Freiheit-Kongress im christlichen Gästezentrum Schönblick statt.

In einer Beitragsreihe berichten wir über den Kongress christlich-fundamentalistisch und ultra-konservativ ausgerichteter Organisationen – bei dem bemerkenswerte Bündnisse geschmiedet werden.

Der Freiheit-Kongress in Schwäbisch-Gmünd

Bei dem Kongress handelt es sich um eine groß angelegte Netzwerkveranstaltung christlich-fundamentalistisch, ultra-konservativ und esoterisch-traumatologisch ausgerichteter Organisationen. Bemerkenswert ist, wie bei den Themen Sexarbeit, Pornografie, Rituelle Gewalt Bündnisse zwischen Kräften möglich werden, die bei anderen Themen rundheraus unmöglich sind.

Dieses Jahr nahmen rund 400 Menschen am Freiheit-Kongress teil. Unsere Beobachtenden vor Ort erlebten ein Wechselbad aus Gefühlen, Furor und … Entschlossenheit. Kritische Medienvertreter*innen vor Ort fehlten, dafür war der freikirchliche Sender ERF und das evangelikale Medium IDEA Partner*innen der Veranstaltung.

Zur Erinnerung: Der Tagungsort Schönblick machte bereits im Mai 2025 als Tagungsort des Anti-Abtreibungs-Kongress Leben.Würde unter der Schirmherrschaft von Jana Hochhalter (aka Jana Highholder) und Bischof Stefan Oster von sich reden. Regelmäßig finden dort Veranstaltungen aus dem charismatischen und evangelikalen Spektrum statt. Mehr dazu in Teil 2 dieser Reihe.


Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung“ tauschte sich vier Tage lang ein erstaunlich heterogenes Potpourri aus Prediger*innen, Beter*innen und „Expert*innen“ zu Themen wie „Prostitution“, Ritueller Gewalt und Pornografie aus. Aufwallende Emotionen gehören dazu, begleitet von geistlicher Musik, Predigten, Vorträgen und Paneldiskussionen.

Beachtlich: die teilweise hochaufgeladene Stimmung schreckt Politiker*innen nicht von der Teilnahme ab – wie bereits beim vorherigen Kongress 2024 (Teil 3 – folgt bald!) suchten einige auch 2026 wieder die Nähe hochreligiöser Netzwerke, die bei ihren Rettungsversuchen auch vor dubiosen und teilweise obskuren Methoden nicht zurückschrecken.

„Wer veranstaltet diesen Kongress?“[i]

Quelle: www.freiheit-kongress.de

Auf der orange (steht weltweit für Engagement gegen Gewalt an Frauen) gehaltenen Homepage wird informiert, dass der Freiheit-Kongress von einer „Veranstalter- und Kooperationsgemeinschaft“ ausgerichtet wird. 40 NGO’s seien daran beteiligt, davon werden prominent mit Logo gelistet:

  • Evangelische Allianz Deutschland (EAD)
  • Gemeinsam Gegen Menschenhandel (GGMH)
  • Aktion Hoffnungsland (AH), Träger des Hoffnungshaus in Stuttgart
  • return, einer selbsternannten Fachstelle zu „Mensch sein in digitalen Zeiten“
  • christliches Gästezentrum Schönblick
  • Mission Freedom (MF)

Besonders der letztgenannte Verein, Mission Freedom, machte am Freitag vor Beginn des Kongress – mal wieder – Schlagzeilen, als Medienberichte erschienen, denen zufolge sechs Kinder aus der vom Verein[1] betriebenen Einrichtung „Haus SeeNest“ in Schwaben durch das Jugendamt Oberallgäu in Obhut genommen worden waren. Gegen die pädagogische Leitung des SeeNest wurde eine „Tätigkeitsuntersagung erlassen“, wie die Allgäuer Zeitung bereits am 24.4.2026 und nun auch die Süddeutsche Zeitung berichten.

Doch auf dem Freiheit-Kongress spielt dieser Vorfall keine Rolle. Genau genommen spielt nichts eine Rolle, was die zunehmend fanatisch vorgetragene Einigkeit stören könnte. Soweit uns berichtet wurde, erwähnte niemand öffentlich die Inobhutnahme der Kinder. Vielleicht ist jenen, die sich auf der „richtigen Seite“ in einer höchst emotionalisierten Debatte wähnen, Transparenz und Widerspruch einfach fremd?

Sind sie vielleicht gewohnt, dass es sich am „Lagerfeuer der Anständigen“ warm und trocken sitzt und kritische Fragen anderen gestellt werden?

Quelle: „Warum sie uns hassen – Sexarbeitsfeindlichkeit“ von Ruby Rebelde (2025)

Auf dem Freiheit-Kongress geht es nicht um ein vollständiges Bild der komplexen Themen Sexarbeit & Menschenhandel, auch nicht um differenzierte Analyse und schon gar nicht um durchdachte Lösungsvorschläge. Das Event steht für (schein-)heilige Selbstbespiegelung, emotionale Radikalisierung und scharfe Kritik an Andersdenkenden.

Tag 1 – Aufwärmen & Seriosität mimen

Vier Tage Gebet, Seminare, Reden und Musik liegen am Sonntag in Schwäbisch-Gmünd vor den Teilnehmenden.

Um 14:30 Uhr startet der Einlass. Nach überschwänglichen Grußworten – der Bürgermeister von Schwäbisch-Gmünd ist Schönblick-Fan, allem Anschein nach auch von den tollen (Anti-Abtreibungs-, Anti-Sexwork,- Anti-Vielfalts-) Events dort – startet der Kongress mit einem Vortrag von Dr. Jakob Drobnik.

Quelle: https://freiheit-kongress.de/programm

Dr. Drobnik (oder „Jay“, Instagram), tritt im geschniegelten Chic der neuen Rechten auf, Einstecktuch im Anzugjacket, Krawatte, akkurat frisiert.


Einschub: Wer sich wundert, wieso ich in diesem Artikel gleich zwei Mal über Kleidungsstile (von Huschke Mau und Jakob Drobnik) spreche: Mit einem bestimmten Auftreten und Aussehen verbinden sich auch Aspekte, wie Habitus, Milieu und Zielgruppe. Bei den entsprechenden Einordnungen in diesem Text geht es also nicht um Abwertung oder persönlichen Diss, sondern eher um die Frage der Anschlussfähigkeit und Akzeptanz für die spezielle Zielgruppe auf dem Schönblick. Einschub Ende


Der 40-jährige arbeitete unter der Professorin Elke Mack an deren Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaft und Sozialethik an der Uni Erfurt und seit einigen Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Posen. Er promovierte zu Fundamentaltheologie.

Drobnik ist auch im Vorstand vom pseudowissenschaftlichen Institut DIAKA (Deutsches Institut für Angewandte Kriminalitätsanalyse), unter deren Dach seit Jahren Stimmung gegen das aktuell in Deutschland gültige Prostituiertenschutzgesetz und für die Einführung der Kriminalisierung der Nachfrage nach schwedischem Vorbild erzeugt wird. Pseudowissenschaftlich, denn der Begriff „Institut“ ist in Deutschland nicht geschützt und somit kein Qualitätssiegel. Wir von FundiWatch könnten ein „Institut für Angewandte Fundianalyse“ gründen. Der Begriff Institut an sich trifft keine Aussage, über das, was sich dahinter verbirgt.

Das DIAKA beauftragte die bereits erwähnte Professorin Mack und Ullrich Rommelfanger mit dem Buch „Sexkauf“, an dem auch Drobnik mitschrieb – sonst finden sich auf der DIAKA-Homepage eher skandalisierende und empörte Blogartikel.  

Doch Drobniks Name ist noch mit einem anderen Vorfall verbunden: Er verfasste einen Text über die Kriminalisierung der Nachfrage, den er im Juni 2025 auf einem Termin, der wie eine offizielle Pressekonferenz inszeniert war, feierlich-zeremoniell der zuständigen Ministerin Karin Prien überreichte. Dies geschah -zufällig?- an dem Tag, als die von der Ampelregierung beauftragte wissenschaftliche Evaluation des Prostituiertenschutzgesetz veröffentlicht wurde. Ministerin Prien nahm im Grunde also eine alternative Arbeit, statt des immerhin durch die Vorgängerregierung beauftragten Evaluationsbericht des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) entgegen. Jeder Person steht frei, sich ihren Teil zu diesem Verhalten des BMBFSFJ denken.

Drobniks akademische Tätigkeit an sowohl juristischen als auch theologischen Fakultäten macht ihn zu einem perfekten Scharnier innerhalb der Anti-Sexarbeits-Bewegung. Dort sammeln sich, bildlich gesprochen: am Lagerfeuer der Anständigen, konservative, ultra-religiöse und frauen – RECHTS – bewegte Strömungen.

Auch die extreme Rechte beansprucht zunehmend, in dieser Debatte mitzusprechen. Vor Kurzem luden eine AfD- und eine FPÖ-Abgeordnete zu dem Event „Käufliche Liebe ins Rechte Licht (sic) gerückt“ ins Europäische Parlament. Der lagerübergreifende Tenor lautet: Strengere Gesetze zu Sexarbeit, Selbstbestimmung und Leihmutterschaft müssen her. Ihre Strategie: Moralpaniken angesichts einer, ihrem Empfinden nach, verheerenden Ist-Situation zu schüren.

In solchen Moralpaniken erfolgen stigmatisierende und diskriminierende Zuschreibungen, oft adressiert an ohnehin marginalisierte Menschen: Gender-Wahn als Bedrohung für die weiße, bürgerliche christliche Frau, die Beschwörung eines gefährlichen „Stadtbilds“, der Fingerzeig auf Migrant*innen und nicht-weiße Täterkreise. Emotionale, hochpersönliche Reizthemen, wie Leihmutterschaft, Sexarbeit und Pornografie eignen sich dabei besonders, um sich als moralisch erhaben, rechtschaffen und selbstverharmlosend zu inszenieren.

Ein weiterer Stargast des diesjährigen Freiheit-Kongress ist Huschke Mau. Ihr Bild prangt auf SharePics und Homepage des Events. Sie ist sowas wie eine Säulenheilige der Gruppe von Überlebenden des Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung. Mau teilt gern und happig gegen Sexarbeitende aus.

Nicht ihre persönliche Meinung zur Prostitutionspolitik ist das Problem, sondern ihr Anspruch, sie allein und ihre Gefolgsleute kannten die einzige „Wahrheit“, die sie aus ihren eigenen Erlebnissen verbindlich für alle anderen ableitet. Wie viele in dieser „prostitutionskritischen“ Strömung teilt sie auch „genderkritische“ Einstellungen. Weil sich anekdotische Evidenz so schwer belegen lässt, sind in Maus Buch „Entmenschlicht“ auch keine kontextualisierenden Fußnoten enthalten, und das – trotz oder wegen? – ihrer teils steilen Thesen.

Feminist*innen unter sich?

Mau’s Bild prangt auf SharePics und Homepage des Events – teils auch direkt neben Gaby Wentland, der Vorsitzenden von Mission Freedom, für die Homosexualität für Gott ein „Greuel“ ist und Abtreibung eine „Blutschuld“.

Mau wird auf dem Schönblick im Gespräch mit Personen von Samaritans Purse beobachtet. Samaritans Purse ist in Deutschland besser als die „barmherzigen Samariter“ oder durch ihre (oft kritisierte) Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ bekannt. Hinter ihrer sorgfältig kuratierten Fassade aus Nächstenliebe verbirgt sich eine (weitere) umstrittene Freikirche.

Samaritans Purse wird vom umstrittenen Franklin Graham geleitet, der in der Kritik für islam- und queerfeindliche Äußerungen steht. Graham brachte erst kürzlich erneut seine unbedingte Unterstützung für Trump zum Ausdruck. Das geschah, als dieser es sich gerade mit Teilen der Maga-Bewegung durch das KI-Bildchen, das ihn als heilenden Jesus-Arzt zeigte, verscherzt hatte.

Mau wird von Beobachtenden auf dem Kongress im Gespräch mit Markus Habicht, und einer weiteren Person im T-Shirt der Samariter-Kampagne „Männer gegen Menschenhandel“ gesehen. Ganz klar, hier unterhalten sich Feminist*innen unter sich…

Samaritans Purse und deren Projekt Alabaster Jar kooperieren eng mit der Anlaufstelle Neustart e.V. aus Berlin (ebenfalls Mitgliedsorganisationen von Gemeinsam gegen Menschenhandel).

Mau ist Gründerin des Netzwerks Ella. Sie und andere aus dieser Gruppe trifft man seit über zehn Jahren immer dort, wo sich Stimmung gegen Sexarbeit machen lässt. Nun, so hört man, hat Mau ein neues Buch geplant, die nächste sexarbeitsfeindliche Welle muss schließlich geritten werden.

Menschenhandel = „Prostitution“

Die absolute Gleichsetzung von brutaler Gewalt und konsensueller Intimität zwischen erwachsenen Menschen gegen Vergütung ist das Muster. Und das durchzieht Titel, Selbstverständnis sowie Merch auf dem Freiheit-Kongress.

Und das nicht nur auf dem Schönblick, nicht nur an diesen vier Tagen: Überall allem prangt das Wort Menschenhandel. Doch die Aktionen und Events dieser Vereine und Organisationen richten sich in erster Linie gegen Sexarbeitende und marginalisierte Menschen. Die Akteure des Freiheit-Kongress protestieren in der Regel nicht auf Demos gegen Migrationsunrecht, gegen Abschiebungen oder den Rechtsruck. Sie treffen sich lieber in einem evangelikalen Tagungshaus bei Gebet und geistlicher Musik. Eine Beobachterin des Events sagt dazu:

„Während des gesamten Kongresses wurde kein Wort über Alternativen zur Sexarbeit verloren. Flucht wurde ebenso wenig thematisiert, wie wirtschaftlicher Zwang. All diejenigen, die es wagen eine andere Position einzunehmen, als das „Nordische Modell“ zu fordern, werden pauschal als Lobbyistinnen oder Profiteurinnen dargestellt. Gegenstimmen sind auf dem Kongress nicht zu hören, offensichtlich ist eine echte Debatte nicht erwünscht.“

Beobachterin, anonymisiert


Einbindung von Politik ins Fundi-Happening

Der Freiheit-Kongress ist trotz alledem kein Gottesdienst. Es geht hier nicht ausschließlich um Religion, sondern darum, politisch wirksam zu werden. Das wird besonders deutlich am ersten Tag des Events.

„Jay“ Drobnik ist vieles, aber ein spannender Redner ist er wohl nicht. Wer nach seiner Keynote nicht eingeschlafen ist, erlebt im Anschluss eine Podiumsdiskussion, die keine Zweifel offenlässt, dass hier kein harmloses Glaubens-Retreat stattfindet.

Huschke Mau moderiert eine Podiumsdiskussion, an der neben Keynotespeaker Drobnik auch Politiker*innen aus CDU, LINKEN, SPD und Grünen teilnehmen.

Wer nun sagt, „ach, das ist ja nur die Landespolitik“, hat die Rolle von Baden-Württemberg innerhalb der Anti-Sexarbeits-Bewegung, aber auch mit Blick auf das rasche Vordringen erzkonservativer christlicher Kräfte nicht verstanden.

Huschke Mau auf dem Schönblick sieht nicht aus, wie die Huschke Mau, die ich von Bildern von vergangenen Events mit ihr kenne. Dort war ihr Markenzeichen eine Bluse im Leomuster, sehr rote Lippen – ich habe mich schon oft über ihre Anspielungen an jene Äußerlichkeiten, die Sexarbeitenden zugeschrieben werden, geärgert. Ist ihr Schönblick-Outfit – hochgeschlossen, in blickdichter Strumpfhose und Blümchenrock ein Zugeständnis an den evangelikalen Vibe des Kongress?

Quelle: https://www.idea.de/artikel/politiker-und-mediziner-fordern-nordisches-modell-in-deutschland

Mau befragt die Politik-Runde zum „blinden Fleck“ ihrer jeweiligen Parteien.

Auch eine Vertreterin der LINKEN hat auf dem Podium Platz genommen. Führt man sich vor Augen, an welchem Ort getagt wird und mit was für christlich-fundamentalistischen Vereinen und Organisationen der Freiheit-Kongress aufwartet, entspricht das wohl eher nicht einem emanzipatorischen Selbstverständnis.

Uta Beyer ist eine der Sprecherinnen der BAG Lisa, die schon öfter eine problematische Nähe zum Kreis um Katharina Sass und Liane Bissinger bewiesen hat. Diese lose Gruppe „borgt“ sich das Logo der Partei und nennt sich „Linke für eine Welt ohne Prostitution“. Ansonsten ist Uta Beyer eher ein unbeschriebenes politisches Blatt.

Christian „christ.gehring“ Gehring ist schon eine wirkmächtigere Figur (sorry, Uta): Er war in der letzten Legislatur kirchenpolitischer Sprecher der CDU in Baden-Württemberg. Als Kriminalkomissar a.D. ist sein Profil gefragt in der Anti-Sexarbeits-Bewegung, die gern mit einer starken Betonung der Ordnungspolitik und der Exekutive aufwartet (so auch beim bereits erwähnten Institut DIAKA). Strafrechtsfeminist*innen lieben scheinbar markige Cops, und lauschen dann andächtig deren Copaganda-Anekdoten, ohne kritische Nachfragen.

Gehrings CDU Baden-Württemberg lud 2025 die Evangelische Allianz Stuttgart (Gemeinsam für Stuttgart) in den Landtag ein. Bei dieser Gelegenheit entstand ein Bild, das sich auf dem Instagram-Auftritt des evangelikalen Vereins Kainos (ebenfalls Mitgliedsorganisation von Gemeinsam gegen Menschenhandel) finden lässt. Gehring hält ein Exemplar des Buches seines schwedischen Kollegen Simon Häggström in die Kamera.

Gehring steht stellvertretend für einen Kurs, der Politik und Gesellschaft stärker an sehr konservativen Glaubensvorstellungen ausrichten will. 2025 kandidierte er für die Evangelische Landessynode und galt zunächst als nicht gewählt. Angetreten war er für die konservative Lebendige Gemeinde (ChristusBewegung). Später wurde das Ergebnis korrigiert und Gehring zog doch noch in die Synode ein. Mit verheerenden Folgen: Auf diese Weise zog die Lebendige Gemeinte mit der Stimmanzahl der Offenen Kirche gleich. Die Lebendige Gemeinde lehnt zum Beispiel die rechtliche und liturgische Gleichstellung von queeren Paaren ab.

An diesem Beispiel wird klar, dass es solchen Kräften nie „nur“ um Sexarbeit und Menschenhandel geht. Auf Treffen wie dem Freiheit-Kongress verbinden sich ultra-konservative Überzeugungen mit dem politischen Kalkül, Einfluss in allen gesellschaftlichen Sphären zu gewinnen (wie beim Seven Mountains Mandat).

Auch die GRÜNE Ursula Mayr hat auf dem Podium Platz genommen. Sie ist Ortschaftsrätin von Hohenwettersbach bei Karlsruhe. Mayr ist Psychologische Psychotherapeutin mit Sitz in Karlsruhe-Durlach. Damit sitzen, zusammen mit der SPD-Frau Brigitte Schmidt-Hagenmeyer, zwei mit Trauma-Therapie befasste Personen auf diesem Podium. Auch das ist, mit Blick auf die Anti-Sexarbeits-Bewegung nicht überraschend. Über die Vereinnahmung von Leid und Trauma sollten all jene nachdenken, denen die Themen Sexarbeit und Menschenhandel als sehr nischig oder identitätspolitisch erscheinen. Denn in der Viktimisierung und Pathologisierung Andersdenkender liegt eine autoritäre Versuchung, die auch bei anderen Themen verfangen kann.

Wie die LINKE Uta Beyer, ist Ursula Mayr ein prägnantes Beispiel dafür, wie die Slogans der Anti-Sexarbeits-Bewegung in bestimmten Schichten besondere Resonanz auslösen. Politiker*innen wittern hier eine Gelegenheit, sich selbst als entschlossen und auf der richtigen Seite positioniert ins Gespräch zu bringen. Vielleicht ist das der Grund, aus dem sich Mayr und Beyer auf den Fundi-Kongress verirrt haben?

Dass Events wie diese aber keine Bühne nur für die zweite, dritte und vierte Reihe in der Politik sind, damit beschäftigt sich der dritte Teil dieser Reihe, der auf den Kongress 2024 zurückblickt. Mayr jedenfalls fiel bislang weder durch Wortmeldungen noch politische Initiativen zum Thema auf.

Quelle: Archiv RR

Das ist bei Brigitte Schmidt-Hagenmeyer (BSH) anders. Auch sie ist, wie Drobnik, im Vorstand von DIAKA. Exemplarisch können wir an einer Figur, wie BSH typische Verflechtungen in unterschiedliche Themenfelder ablesen.

Jemand wie BSH erfüllt oft mehr als eine Funktion in den Allianzen und versucht in unterschiedliche Netzwerke zu wirken. Die Fäden ihrer Aktivitäten führen in die SPD Baden-Württemberg, in lokale Kampagnen wie den Appell „Karlsruhe gegen Sexkauf“, zum „Trauma & Prostitution“-Netzwerk um Dr. Ingeborg Kraus, in die Deutsche Gesellschaft für Trauma und Dissoziation (DGTD) aber auch zu Kommentierungen des Evaluationsberichts zum Prostituiertenschutzgesetz oder zu einer Handreichung, die Medienschaffende bei einer diskriminierungssensibleren Berichterstattung über Sexarbeit unterstützen will. Letztere war in den letzten Wochen bereits mehrfach durch den Kakao rechter Medien gezogen worden.

Vor Kurzem trat BSH bei einer Online-Veranstaltung der Linken für eine Welt ohne Prostitution auf, zusammen mit Liane Bissinger (LINKE Oberland): Genussvoll wurden dort emotionalisierende Schilderungen körperlicher und psychischer Verletzungen von Opfern des Menschenhandels ausgebreitet, einhellig und ohne Gegenstimme.  

Die Botschaft: Prostitution ist Gewalt. Verbote, so finden diese Menschen, die sich in allen Parteien finden, sind ganz gewiss die Lösung für soziale Ungerechtigkeit, Patriarchat und sexualisierte Gewalt. Darin ist man sich einig und entledigt sich somit seiner Verantwortung für konkrete Antworten auf strukturelle Gewalt, Ausschluss und nachhaltige Veränderung. Noch ein bisschen Musik, Gebet und Geld – und die nächste sexarbeitsfeindliche Kampagne rollt durch’s Land.

Auf diesem Podium schließt sich ein Kreis. Events, wie der Freiheit-Kongress sind per se nicht (ergebnis-) offen. Deep, deep into the rabbithole kreisen die Gedanken in den Köpfen der Verantwortlichen in einer Dauerschleife.

Um gewünschte und geforderte Unterstützung, Rechte und verbesserte Lebensbedingungen für Sexarbeiter*innen in Anerkennung ihrer Selbstbestimmung geht es auf dem Freiheit-Kongress offensichtlich nicht.

Freiheit im Denken ist auf dem Freiheit-Kongress: unerwünscht.

In den kommenden Tagen führen wir diese Reihe zum Freiheit-Kongress fort:

Teil 2: „Heftig zu erleben, was in so Fundikreisen abgeht, wenn die schon tagelang aufgewärmt sind und sich gut gegenseitig reinsteigern“


Teil 3: Rückblick auf 2024 und weitere Hintergründe (in Kürze!)


[1] Etwas kaschiert durch den Umweg über die 100% Tochter „Himmelsstürmer gGmbH“ von Mission Freedom, die als Betreiber des Haus SeeNest in Erscheinung tritt.


[i] https://freiheit-kongress.de/ (abgerufen am 28.4.2026)

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