Verbindungen zwischen christlichem Fundamentalismus und Rechtsextremismus

Antwort der Bundesregierung zu Kleiner Anfrage BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN

Am 29.05.2026 richtete die Bundestagsfraktion BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN in einer Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/6166) einen Katalog mit insgesamt 29 Fragen zu möglichen Verbindungen zwischen christlichem Fundamentalismus und Rechtsextremismus in Deutschland an die Bundesregierung.

Die Anfrage nimmt in ihrem ausführlichen Fragenkatalog detailliert viele nationale und internationale Akteur*innen in Bezug, die uns auch immer wieder in unserer Arbeit bei FundiWatch begegnen. Dabei differenziert die Anfrage deutlich zwischen christlich-fundamentalistischen Akteur*innen im Speziellen und der wichtigen Rolle von Kirchen und christlichen Organisationen im Allgemeinen im Kampf gegen Rechtsextremismus und für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. So leitet die Anfrage mit den Worten ein:

„Die Kirchen, christlichen Wohlfahrtsverbände, Hilfswerke und Jugendorganisationen sind eine zentrale Säule im Kampf gegen Rechtsextremismus und eine starke Stimme für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. […] Insgesamt sind die Kirchen ein unverzichtbarer Bestandteil einer aktiven Zivilgesellschaft, die sich im Sinne der freiheitlichen demokratischen Grundordnung vehement gegen extremistische Tendenzen und Vereinnahmung zur Wehr setzt. Umso mehr ist es im eigenen Interesse, extremistischen Tendenzen in den eigenen Reihen frühzeitig und mit der notwendigen Entschlossenheit entgegenzutreten.“

Nichstdestotrotz wurde die Anfrage in den vergangenen Tagen bereits von verschiedenen rechten und evangelikalen Medien als angebliches Anzeichen einer zunehmenden „Christenverfolgung“ geframed. Was uns nicht überrascht hat. Und leider sehen wir auch bei den (Amts-)Kirchen nicht immer die notwendige Entschlossenheit, sich von Vereinnahmungsversuchen christlich-fundamentalistischer Akteur*innen abzugrenzen.

Die Kleine Anfrage fragt nach möglichen Verbindungen zwischen christlich-fundamentalistischen Milieus, der AfD und rechtsextremen Netzwerken. Thematisiert wurden unter anderem christliche Influencer*innen, internationale Vernetzungen, die Lebensschutzbewegung, antifeministische und queerfeindliche Positionen sowie mögliche demokratie- und sicherheitspolitische Risiken. Zudem wollte die Fraktion wissen, welche Erkenntnisse Sicherheitsbehörden zu entsprechenden Akteur*innen und Strukturen vorliegen.

Mittlerweile liegt die Antwort der Bundesregierung vor, über die diverse Medien bereits berichten (vgl. zur dpa-Meldung z.B. Tagesspiegel vom 13.06.2026). Demnach erkennt die Bundesregierung Verbindungen einzelner christlich-fundamentalistischer Akteure zu AfD-nahen und internationalen rechten Netzwerken. Der Verfassungsschutz beobachte zudem Akteur*innen, die christliche Motive zur Verbreitung extremistischer Inhalte einsetzen. Namen nennt die Bundesregierung bislang offenbar nicht.

Mit der Antwort bestätigt die Bundesregierung erstmals, dass der Verfassungsschutz christlich-fundamentalistische Akteur*innen und Netzwerke mit Verbindungen in nationale und internationale Netzwerke, die extremistische und verfassungsfeindliche Ideologien verbreiten, im Blick hat.

Das ist eine gute Nachricht. Denn bisher war das nicht der Fall, was unter anderem Dr. Jobst Paul vom Duisburger Institut für Spach- und Sozialforschung (DISS) 2023 in einem bereits mehrfach von uns erwähnten Kurzgutachten für das CoRE NRW unter dem Titel „Religion und Macht. Zum extremistischen Potenzial des christlichen Fundamentalismus“ ausführlich dargestellt und kritisiert hat. Zu hinterfragen, was der Verfassungsschutz genau im Blick hat und ob das Beobachtungsfeld ausreicht, gilt es allemal.

Öffentlich verfügbar ist die Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage (BT-Drs. 21/6473) bislang noch nicht. Nach Auswertung der Antwort werden wir ausführlicher berichten.

Interview zur ZDF-Doku: Der Teufel in mir – Exorzismus heute

Co-Autorin Emely Sporrer im Interview mit Zoe Luginsland von FundiWatch

Exorzismus boomt. Auch heute wird den Menschen noch der Teufel ausgetrieben.

In der an Pfingsten erschienenen ZDF-Dokumentation „Der Teufel in mir – Exorzismus heute“ begleiten die Autoren Max Damm und Emely Sporrer Exorzisten, Betroffene sowie Kritiker*innen und beleuchten eine Praxis zwischen Glauben und Gefahr.

Zoe von FundiWatch hat sich zu einem Interview mit Emely Sporrer getroffen, bei dem es unter anderem darum geht, wie Medien und die Gesellschaft insgesamt mit diesem Thema umgehen und wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Menschen aussehen könnte, die meinen, vom Teufel besessen zu sein.

Zoe Luginsland: Hallo, Emely Sporrer. Ihr habt gerade eine superspannende Doku über Exorzismen in Deutschland gemacht. Wie seid ihr zu dem Thema erst mal gekommen?

Emely Sporrer: Ich bin zunächst 2015 auf das Thema gestoßen, da wurde ein Exorzismus an einer koreanischen Frau in einem Frankfurter Hotel durchgeführt. Und dieser Fall ging durch die Medien. Ich habe das gelesen und war sehr überrascht, dass sowas in Deutschland noch immer stattfindet.

Und danach folgten immer mal wieder Medienberichte zum Thema: Auch in Berlin ist eine muslimische Frau nach einer Salzwasserkur gestorben, die durch einen Hodscha „verschrieben“ wurde, weil sie keine Kinder bekommen konnte. Und zuletzt gab es 2023 einen längeren Podcast in der Süddeutschen zu dem Internet-Exorzisten Nature23.

„Für mich gab es da noch offene Fragen: Gibt es das Ganze denn im großen Stil? Gibt es Exorzismus noch in der katholischen Kirche? Wie wird das auch in freikirchlichen Gemeinden heute gelebt, vielleicht auch in anderen Religionen?“

Im Internet tummeln sich selbsternannte Exorzisten. Sie arbeiten bei der Teufelsaustreibung auch mit Fixierung und Schmerzen. (c) ZDF / Mathias Fieme

Und dann wurde mir klar, dass ich mich dem Thema genauer annehmen möchte, denn es ploppen auch heute noch immer wieder Fälle auf, in denen Menschen bei einem Exorzismus auch zu Tode kommen. Für mich gab es da noch offene Fragen: Gibt es das Ganze denn im großen Stil? Gibt es Exorzismus noch in der katholischen Kirche? Wie wird das auch in freikirchlichen Gemeinden heute gelebt, vielleicht auch in anderen Religionen? Und so wollten wir uns dem Thema annähern und schauen, was wir rausfinden.

Zoe Luginsland: Ja, und das ist ja auch ganz gut gelungen. Also ihr habt eine ganze Menge Leute da getroffen aus ganz verschiedenen Richtungen. Einen katholischen Exorzisten, ein Team mit einer eher charismatisch-freikirchlichen Ausrichtung. Dann einen Betroffenen, der ein Exorzismus erfahren hat, der sehr negativ für ihn war und glaub ich auch in einer Freikirche stattgefunden hat.

Wie seid ihr erst mal an diese ganzen Leute gekommen? Ich stelle es mir jetzt nicht ganz einfach vor. Ihr habt auch am Anfang der Doku gesagt, dass es einige Monate gedauert hat, bis ihr wirklich in die Lage gekommen seid zu drehen. Ich stelle es mir auch nicht so einfach vor. Wie kann man sich das vorstellen, wie läuft so was ab?

Emely Sporrer: Als allererstes haben wir geschaut, was es bisher für öffentliche Berichte zu diesem Thema gibt und wer schon als Protagonist aufgetreten ist. So sind wir auf Dr. Jörg Müller, unseren katholischen Pater im Befreiungsdienst, gestoßen. Und dann geht es natürlich ans Kontaktieren, man führt Gespräche, um Erfahrungen auszutauschen und um Vertrauen aufzubauen.

Und durch eine Social-Media-Recherche habe ich erfahren, dass tatsächlich auch dort Exorzismus präsenter ausgelebt wird, als man es zunächst vermutet. Wenn man Befreiungsdienst oder Exorzismus in die Suche auf TikTok eingibt, dann kommen auch die Menschen zum Vorschein, die diese Dienste ausüben. Und so bin ich auf Rose de Jesus und das LOROSA Gebets-Team gestoßen. Nature23 ist auch auf YouTube aktiv und war vorher bereits in Medienberichten präsent. Ihn haben wir ebenfalls kontaktiert und er hat einem Hintergrundgespräch zugestimmt. Auf diesem Weg führte sich die Recherche dann fort.

Zoe Luginsland: Es stellen sich da ja auch eine Menge ethische Fragen: Wie man mit so einem Thema umgeht, aber auch wie man einen guten Film macht. Wenn man einen guten Film machen will, möchte man ja immer eigentlich, dass es sehr differenziert ist, dass die Menschen einfach von sich erzählen, dass sie sehr offen sind, dass sie einen auch so ein bisschen mitnehmen.

Und gleichzeitig stellen sich dann ja so Fragen wie: Wirbt man jetzt für deren Angebot? Gibt es einen Punkt, wo man vielleicht intervenieren hätte müssen? Wo irgendwas passiert, was wirklich zu weit geht? Oder man etwas sehr stark kritisch kommentieren sollte? Wie seid ihr damit umgegangen?

„Unser Anspruch war es, ergebnisoffen und unvoreingenommen an die Sache ranzugehen.“

Emely Sporrer: Unser Anspruch war es, ergebnisoffen und unvoreingenommen an die Sache ranzugehen. Max Damm und ich, wir haben die Doku gemeinsam gemacht, haben versucht uns von allen vorangegangenen Gedanken zum Thema Exorzismus freizumachen, um dem ohne Vorurteile begegnen zu können. Uns war es wichtig, einen multiperspektivischen Film zu erstellen, indem sowohl positive als auch kritische Stimmen zu Wort kommen und allen Protagonisten mit dem gleichen Respekt zu begegnen. Wir wollten auch nicht die Glaubensrealität von Menschen in Frage stellen, sondern uns ihnen zuwenden und zuhören.

Wie du aber auch sagst, gibt es natürlich Situationen oder Personen, bei denen man abwägen muss, ob man sie darstellt oder nicht. Zum Beispiel ob man die Betroffene, die eine Befreiung bei Nature23 in Anspruch nimmt und bereits diagnostizierte psychische Erkrankungen besitzt, ohne Unkenntlichmachung zeigt. Oder ob man auch einen Nature23 abbildet, der selbst schildert, dass gegen ihn immer wieder Anzeigen wegen Gewaltdarstellung im Internet oder Körperverletzung gestellt werden. Damit haben wir uns länger beschäftigt und uns die Frage gestellt, wie wir damit umgehen. Daher haben wir die Anzeigen auch offen in der Doku adressiert. Letztendlich fällt, laut eigener Aussage, alles, was Nature23 macht, aber unter die Religionsfreiheit und solange er beim Befreiungsdienst nicht gegen Gesetze verstößt, sind seine Rituale auch legal durchführbar. 

Wir waren beim Dreh vor Ort, haben uns allerdings dagegen entschieden, explizite Bilder aus dem Exorzismus zu zeigen, da wir auch nicht sensationalisieren wollten. Natürlich gibt es Videos davon auf YouTube, wenn man danach sucht, das wollten wir in der Doku aber so nicht reproduzieren. Unser Anspruch war es, Nature23 abzubilden und ihn als Protagonist zu zeigen, da er einfach Teil von dieser Exorzismus-Bubble ist.

Ein Internetexorzist fixiert eine vermeintlich Besessene, bevor das Ritual beginnt. (c) ZDF / Mathias Fiene

Zoe Luginsland: Was ihr häufig so ein bisschen fragt im Film ist: „Warum wählt ihr jetzt dieses Angebot und nicht eine Therapie?“. Unser Eindruck in der Recherche ist häufig, dass auch therapeutische Ansätze teilweise sehr stark religiös geprägt sein können und auch durchaus Vorstellungen über dämonische Kräfte oder sowas teilen. Zum Beispiel war es bei dem katholischen Exorzisten ja auch so, dass er auch eine therapeutische Ausbildung oder Praxis oder sowas hat. Inwieweit ist das auch ein fließender Übergang? Also kann man immer so scharf trennen zwischen Therapie und Exorzismus?

„Der allgemeine Tenor in der bisherigen Recherche und auch in den Hintergrundgesprächen war meist, dass Betroffene, die aus einem religiösen Umfeld stammen und Hilfe bei einem nicht gläubigen Therapeuten suchen, sich oft nicht ernstgenommen fühlen.“

Emely Sporrer: Ich denke schon, dass der Glaubenshintergrund von Pater Müller auch Auswirkungen auf seine Arbeit als Psychotherapeut und sein Leben hat. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass auch Menschen, die nicht religiös sind, zu ihm kommen können und er ihnen genauso weiterhelfen kann.

Der katholische Pater Dr. Jörg Müller erlöst auch Kühe vom Bösen. Die Besitzerin vermutet einen Fluch auf ihren erkrankten Tieren. (c) ZDF / Benjamin Hotz

Der allgemeine Tenor in der bisherigen Recherche und auch in den Hintergrundgesprächen war meist, dass Betroffene, die aus einem religiösen Umfeld stammen und Hilfe bei einem nicht gläubigen Therapeuten suchen, sich oft nicht ernstgenommen fühlen. Dieser würde nicht richtig verstehen und nachvollziehen können, von welchem Standpunkt die Betroffenen kommen und ihre Probleme rühren und daher wollten sie auch nicht mehr zur Therapie gehen. Wir nehmen aus der Recherche das Gefühl mit, dass eine religionssensible oder religionsintegrierte Therapie gerade bei Personen, die ihre Symptome dämonischen Ursprungs sehen, eher hilfreich wäre.

Zoe Luginsland: Also eine religionssensible Therapie wäre dann der Ansatz? Wo man dann das Religiöse auch einfach diskutieren kann innerhalb einer Therapie.

Emely Sporrer: Also es ist natürlich auch wichtig, wenn Personen davon sprechen sich beispielsweise dämonisch belastet zu fühlen, das nicht zu unterfüttern, sondern es einfach zu akzeptieren und als Realität des Menschen wahrzunehmen. Sich nicht zu fragen: ‚Ist das jetzt wahr oder nicht‘, darum geht es nicht, sondern einfach den Menschen so zu akzeptieren, wie er ist und woran er glaubt und ab diesem Standpunkt die Therapie zu starten.

Zoe Luginsland: Es gibt ja auch Fälle, wo Exorzismen jetzt eindeutig schief gegangen sind. Im Film wird der Fall Anneliese Michel zitiert, der schon etwas länger her ist.

Ein anderer Fall, zu dem wir teilweise recherchiert hatten, ist auch schon über zehn Jahre her. Da war eine Person mit einer Schizophrenie-Diagnose in einer Freien evangelischen Gemeinde* und hat dort sehr viel Zungenreden praktiziert und dann irgendwann angefangen auch Stimmen zu hören und hatte auch so eine Art ‚dämonische Belastung/Poltergeist‘ in der Wohnung, die dann von einer Exorzistin ausgetrieben werden sollte. Dann gab es auch den Ratschlag: ‚Wenn du Stimmen hörst, dann hörst du die Stimme von Gott, vom Teufel oder von dir selbst. Wenn Gott es sagt, solltest du es tun. Wenn der Teufel es sagt, solltest du es nicht tun. Wenn es deine eigene Stimme ist, dann musst du darüber nachdenken.

*Edit (13.6.26): Auf Wunsch des Pressesprechers des Bundes freier evangelischer Gemeinden (FeG) Deutschland, Artur Wiebe, stellen wir klar, dass die gemeinte Gemeinde Christliches Zentrum Herborn Mitglied im Bund freikirchlicher Pfingsgemeinden (BfP) und nicht im FeG ist. Ergänzend weisen wir darauf hin, dass FeG und BfP heute beide zu den mit der Evangelischen Allianz Deutschland (EAD) „intensiv verbundenen Werken gehören. Zudem gehört die örtliche FeG Herborn heute ebenso wie das Christliche Zentrum Herborn zu den in der Ortsallianz der EAD, der Evangelischen Allianz Herborn, verbundenen Allianzgemeinden. Die Evangeliche Allianz Herborn tritt unter dem Motto „gemEINSam [sic!] glauben, beten und handeln“ auf. Das Christliche Zentrum Herborn bietet auch heute noch den „Befreiungsdienst“ SOZO an, um den es im Folgenden noch gehen wird.

Und das wirkt natürlich erstmal so ein bisschen pragmatisch und auch wie ein Ratschlag, der erstmal total plausibel wirken kann, wenn man jetzt diese religiöse Realität annimmt. Gleichzeitig wurde dann in der Gemeinde auch empfohlen, dass er die Medikamente absetzen könnte, weil man auch durch Gebet mit der Schizophrenie umgehen könnte und letztendlich hat er irgendwann die Stimme Gottes gehört und sie hat ihn aufgefordert, jemanden zu ermorden und er hat das dann tatsächlich getan. Es gab dann einen Gerichtsprozess darum und deswegen ist das Ganze auch dokumentiert. Und dort ist dann dieser Punkt, wo man gesagt hat, wir nehmen die Religiöse an und versuchen damit pragmatisch umzugehen, total nach hinten losgegangen, natürlich auch in Kombination mit dem Absetzten der Medikamente.

Inwieweit kann das auch gefährlich werden religiöse Realitäten anzunehmen?

Exorzismus und Befreiungsrituale können auch gefährlich sein. Es sollte sich nicht nur auf eine religiöse Behandlung verlassen werden, sondern eine ganzheitliche Betrachtung passieren.

Emely Sporrer: Exorzismus und Befreiungsrituale können auch gefährlich sein, auf alle Fälle. Es gibt wie bei Allem positive wie auch negative Effekte, aber es ist ganz wichtig, dass eben auch medizinische und therapeutische Hilfe in Anspruch genommen wird. Pater Müller hat darauf hingewiesen: Man kann zusätzlich noch beten, vielleicht auch Handauflegen, das kann zumindest nicht schaden, sagt er. Aber das Problem muss auf jeden Fall auch noch interdisziplinär abgeklärt sein. Es sollte sich nicht nur auf eine religiöse Behandlung verlassen werden, sondern eine ganzheitliche Betrachtung passieren.

Vermeintliche Dämonen verlassen den Körper bei einem Exorzismus durch Husten und Spucken. (c) ZDF / Benjamin Hotz

Zoe Luginsland: Das ganze Feld ist ja im Moment relativ verdeckt, so ein bisschen ein Tabuthema und den meisten Leuten nicht bekannt. Was ist damit verbunden? Also ich würde mir vorstellen, dass das zum Beispiel dazu führt, dass es relativ unreguliert ist und man nicht so genau weiß, als eine Person, die so ein Angebot sucht, wo man dann landet. Habt ihr da eine Idee, was da ein besserer Weg wäre?

Es ist ein großes Problem, dass Personen, die sich betroffen fühlen, keine Anlaufstellen finden.

Emely Sporrer: Genau, das ist ein großes Problem, dass Personen, die sich betroffen fühlen, beziehungsweise, die sich in ihrer Welt als dämonisch belastet empfinden, keine Anlaufstellen finden. Wie zum Beispiel im katholischen Kontext: Dort weiß ich erstmal gar nicht, an wen ich mich wenden kann. Man findet bei den verschiedenen Bistümern keine Namen zu öffentlich agierenden Exorzisten, die man um Hilfe bitten könnte. Und dann sucht man als Betroffener eben im Internet, zum Beispiel über TikTok oder Instagram, und stößt dort auf diverse Angebote. Hier besteht allerdings die Gefahr, dass die dort angebotenen Befreiungsrituale in keinem festen kontrollierten Rahmen stattfinden, Anbieter sich ihr Vorgehen zur Dämonenaustreibung selbst angeeignet haben und diese Prozedur letztendlich auch total schiefgehen kann.

Unser Wunsch wäre es, dass offener mit dem Thema Exorzismus und vermeintlich dämonischer Belastung umgegangen wird. Dass Menschen, die davon berichten, nicht stigmatisiert und nicht vorverurteilt werden, sondern ein offener Diskurs stattfindet. Deshalb haben wir auch diesen Film gemacht, um das Thema aus dem Untergrund zu holen, auf diese Thematik aufmerksam zu machen und vielleicht führt das ja dazu, dass es in Zukunft mehr auffindbare, geeignete Ansprechpartner für Hilfesuchende gibt.

Zoe Luginsland: Und wie würdest du Antworten, wenn jemand sagt: ‚Dass es überhaupt dieses Angebot gibt, sorgt schon dafür, dass die Leute bestärkt werden in so einem Dämonen-Glaube. Wenn man jetzt sagen würde, das wäre alles komplett verboten, dann würden die Menschen vielleicht auch diesen Glauben hintersichlassen.‘ Wie denkst du über so eine Idee?

Emely Sporrer: Das ist schwierig einzuschätzen. Ich gehe nicht davon aus, dass nur, weil das Angebot nicht mehr existiert, dann auch keine Nachfrage mehr herrschen würde. Das kann ich mir nicht vorstellen, denn der Glaube an Gut und Böse, an Gott und den Teufel, der ist seit Jahrhunderten in den Menschen verankert. Und auch den Glauben an Besessenheit gibt es schon lange.

Wir leben zwar gerade so rational wie nie, doch trotzdem halten einige Menschen an einem dichotomen Weltbild fest.

Wir leben zwar gerade so rational wie nie, doch trotzdem halten einige Menschen an einem dichotomen Weltbild fest. Deshalb gehe ich davon aus, auch wenn man Exorzismus offiziell verbieten würde, dass es dann noch immer Menschen gäbe, die sich dämonisch beeinflusst oder besessen fühle, ein Befreiungsritual in Anspruch nehmen möchten und vielleicht als Konsequenz ins Ausland für solche Angebote fahren würden.

Zoe Luginsland: Ja, oder jemand wie Nature23 würde sowas sicherlich auch im Untergrund machen. Also ich könnte mir vorstellen, dass man solche Angebote dadurch eigentlich auch eher stärkt als schwächt. Mit solchen Ansätzen trifft man häufig, glaube ich, die moderateren Varianten.

Emely Sporrer: Genau, ich bin auch der Meinung, dass dieses Thema nicht tabuisiert werden sollte. Dadurch könnte man auch Untergrundangeboten den Wind aus den Segeln nehmen. Vor allem: Der Exorzismus ist noch Teil der katholischen Lehre und klar darin verankert. Einerseits gibt es also die Lehre, andererseits wird seitens der katholischen Kirche in Deutschland kaum bis gar nicht über Exorzismus gesprochen und Betroffene fühlen sich mit ihren geistlichen Nöten alleine gelassen.

Zoe Luginsland: Vielleicht noch eine Frage. Es gibt ja so Exorzismen, die teilweise so einen Übergang auch darstellen zu Konversionsbehandlung. Also zum Beispiel im Befreiungsgebet Sozo, das von der Bethel-Church entwickelt wurde und in Deutschland von dem Verein Bethel-Sozo vertreten wird.

Da stellt man sich dann immer vor, man habe so vier Türen im Kopf und eine Tür führt jeweils zu einer Sünde, eine zu Okkultismus und eine zum Beispiel auch zu den sexuellen Sünden. Und teilweise wird dann dort auch so was wie Pornografie, Homosexualität und so weiter als sexuelle Sünde behandelt. In Deutschland schreiben sie das natürlich nicht auf die Website, weil das dann unter das Werbeverbot für Konversionsbehandlungen fallen würde. Inwieweit kann man da auch einen Schutz von Menschen gewährleisten, vor solchen Ansätzen, die wirklich problematisch sind?

Emely Sporrer: Das kann ich schlecht beantworten, damit habe ich mich zu wenig befasst. Wir haben uns in der Recherche zu unserer Doku hauptsächliche auf Befreiungsdienste und auf diese Thematiken spezialisiert und haben jetzt nicht grundsätzlich über Glaubensüberstülpungen o.Ä. recherchiert. Also ich bin da zu wenig informiert, als dass ich mich dazu äußern könnte.

Es ist von außen immer einfach zu sagen: ‚Das gibt es alles nicht und das ist alles Schwachsinn‚, aber viel spannender ist doch: Warum glauben Menschen heutzutage noch daran, dass sie von Dämonen beeinflusst werden können?

Zoe Luginsland: Magst du noch irgendwas Abschließendes loswerden?

Emely Sporrer: Es freut mich sehr, dass euch der Film so gut gefallen hat. Uns war es wichtig, jedem Protagonisten mit Respekt zu begegnen, jedem zuzuhören und das ganze Thema multiperspektivisch darzustellen. Es ist von außen immer einfach zu sagen: „Das gibt es alles nicht und das ist alles Schwachsinn“, aber viel spannender ist doch: Warum glauben Menschen heutzutage noch daran, dass sie von Dämonen beeinflusst werden können? Warum gibt es heute noch Exorzismen? Haben Teufelsaustreibungen eine Daseinsberechtigung oder nicht? Und der Film sollte eine beobachtende Einordnung geben, die Thematik rund um Exorzismen aufzeigen und sowohl mit positiven als auch mit kritischen Stimmen beleuchten.

Zoe Luginsland: Das ist finde ich auch ganz gut gelungen. Also das Spektrum ist ganz gut sichtbar geworden.

Emely Sporrer: Das freut mich sehr.

Kongress der Unfreiheit (Teil 2 1/2 )

FundiWatch im Podcast „Queerocracy Now!“ zum „Freiheit-Kongress“ von ggmh, Mission Freedom & Co.

FundiWatch war zu Gast im Podcast „Queerocracy Now!“ vom Bündnis „Selbstbestimmung Selbstgemacht (SBSG)“. Dort berichten wir von den Beobachtungen der regelmäßig stattfindenden „Konferenzen gegen Menschenhandel“ im christlichen Gästenzentrum Schönblick der Apis in Schwäbisch-Gmünd.

Über den diesjährigen Freiheit-Kongress berichten wir zur Zeit in einer mehrteiligen Artikelserie. Teil 3 steht noch aus. Und so folgt nun zur Verkürzung der Wartezeit quasi Teil „2 1/2″…

Im Gespräch mit Jyn und Zoe berichtet Stella, die dieses Jahr den Kongress für FundiWatch vor Ort beobachtet hat, von ihren Eindrücken. Matthias – dem dieses Jahr für den Kongress ein Hausverbot erteilt wurde – berichtet von seinen Erfahrungen aus der Kongressteilnahme im Jahr 2024 und was seither geschah. Zoe erklärt, was unter dem Thema „Rituelle Gewalt“ zu verstehen ist und welche (fragliche) Rolle dieses Thema auf den Kongressen und deren Umfeld spielt.

Vorwürfe gegen Mitveranstalter überschatten den diesjährigen Kongress…

Und das alles vor dem Hintergrund sehr aktueller Entwicklungen:

Denn zwei Tage vor Beginn des Kongresses wurde bekannt, dass aus der Kinder- und Jugendeinrichtung „Haus SeeNest“ alle Kinder wegen vermeintlich kindeswohlgefährdender Erziehungsmethoden vom Jugendamt in Obhut genommen wurden. Das Haus SeeNest ist eine Einrichtung des bereits seit Langem umstrittenen Vereins Mission Freedom, der Mitveranstalter des Kongresses war. Zu den Vorgängen im Haus SeeNest ermittelt mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft (mehr dazu hier).

Im Podcast wird deutlich, dass die Vorkommnisse im Haus SeeNest nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Denn scheinbar zunehmend in den Bereich der Sozialen Arbeit vordringende Gruppen mit ganz eigener „Rettungs-Agenda“, drohen die Professionalität der Sozialen Arbeit als wissenschaftsbasierte und sich der Wahrung der Menschenrechte und der Selbstbestimmung verpflichtet fühlende Profession zu unterlaufen. Um die Dimension dieser Gefahr einschätzen zu können, ist der Blick weit über den (vermeintlichen) Einzelfall Mission Freedom hinaus zu richten – wie auch die Erfahrungen auf dem Freiheit-Kongress zeigen.

Queerocracy Now! ist ein Podcast, der aktuelle Themen aus einer trans-, inter- und nicht-binären Perspektive zur kollektiven Selbstbestimmung mit einem Fokus auf Deutschland diskutiert.
 Der Podcast will eine kritische Stimme aus der Community und für die Community sein in einer entscheidenden Zeit, in der wir für Selbstbestimmung, Gleichheit und Freiheit für alle kämpfen. Immer Freitags alle zwei Woche da, wo ihr Podcasts hört.

Und jetzt: Möglichst viele Erkenntnisse beim Hören!

Chronologie zu Misshandlungsvorwürfen gegen das Haus SeeNest von Mission Freedom

Letze Aktualiserung am 14.06.2026

(Quelle Titelbild: BR24) Über die aktuellen Vorwürfe gegen das zum umstrittenen christlich-fundamentalistischen Verein Mission Freedom gehörenden Haus SeeNest berichten wir bereits seit dem 26.04.2026. An dieser Stelle veröffentlichen wir eine Chronologie der aktuellen Entwicklungen zu Misshandlungsvorwürfen gegen die Kinder- und Jugendeinrichtung im Allgäu. Mission Freedom e.V. und die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH haben sich auf mehrfache Anfragen von FundiWatch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Auf Anfragen von FundiWatch an Mission Freedom e.V. und die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH mit der Bitte um Stellungnahme zu den Vorwürfen erhielten wir keine Antwort.

Die Seite wird immer wieder aktualisiert. Hinweise auf weitere Erkenntnisse und Berichte zu den Vorgängen nehmen wir gerne – sofern gewünscht auch vertraulich – entgegen!

Direkt zur Chronologie gehts hier.

Vorbemerkung

Bereits vor Bekanntwerden der aktuellen Vorwürfe berichteten wir wiederholt über die Einrichtung Haus SeeNest, den Verein Mission Freedom e.V. sowie dessen Vorsitzende, die evangelikale Predigerin Gaby Wentland.

Mission Freedom stand im Zuge einer Preisverleihung des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) bereits 2013 in erheblicher Kritik. In Folge dessen distanzierten sich Hamburger Stellen unter anderem wegen der Verbreitung von Falschdarstellungen, mangelnder fachlicher Standards und Zweifeln an der Seriosität des Vereins. Gleichwohl blieb die Kritik weitgehend folgenlos: Gaby Wentland blieb (selbst nachdem sie den US-Präsident Donald Trump als von Gott eingesetzt pries) über Jahre Mitglied im Vorstand der Evangelischen Allianz, Mission Freedom war weiterhin in zahlreiche Netzwerke eingebunden – unter anderem als Mitglied der Diakonie Hamburg sowie über weitere Organisationen, u.a. innerhalb des Netzwerkvereins Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh), zu dem nahezu 40 Mitgliedsorganisationen – teils auch aus dem US-evangelikalen Umfeld – gehören.

Nachdem Matthias (heute Gründungsmitglied von FundiWatch) im Sommer 2023 erfuhr, dass Mission Freedom im Allgäu eine vollstationäre Einrichtung für sexuell missbrauchte Minderjährige plante, begannen umfangreiche Recherchen zu Träger, Netzwerken und Konzept der Einrichtung. Die Recherche und weitere Hintergründe dazu haben wir mittlerweile auch auf unserer Webseite im Volltext veröffentlicht.

Nachdem die Erteilung der Betriebserlaubnis im Sommer 2024 kurzfristig mediale und politische Aufmerksamkeit erzeugte, geschah erst mal – nichts.

Ende April 2026 erschienen schließlich erste Medienberichte, wonach alle Kinder aufgrund von Vorwürfen kindeswohlgefährdender Erziehungsmethoden aus der Einrichtung in Obhut genommen wurden. Seitdem werden schrittweise weitere Details zu den Vorgängen im Haus SeeNest bekannt; inzwischen berichten zahlreiche regionale und überregionale Medien über den Fall.

Das Jugendamt Oberallgäu und die zuständige Heimaufsicht bei der Regierung von Schwaben erklärten öffentlich, die bekannt gewordenen Vorfälle stünden nicht im Zusammenhang mit der bereits zuvor kritisierten weltanschaulichen Ausrichtung des Trägers. Auf Nachfrage von FundiWatch erklärte die Heimaufsicht, man sei den bekannt gewordenen Vorfällen „im einzelnen nachgegangen“. Dabei habe sich gezeigt, dass diese „jeweils nicht im Zusammenhang mit der spezifisch-religiösen Ausrichtung des Trägers standen“. Das Jugendamt Oberallgäu verwies mit Blick auf laufende Ermittlungen darauf, sich hierzu nicht weiter äußern zu können.

Auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen zu Ausrichtung, Konzeption, Netzwerken und Arbeitsweise von Mission Freedom bestehen aus unserer Sicht erhebliche Zweifel daran, dass mögliche Zusammenhänge zwischen religiös-weltanschaulicher Ausrichtung und den aktuellen Vorgängen bereits abschließend bewertet werden können. Deshalb halten wir es für absolut notwendig, nicht nur die konkreten Vorwürfe selbst aufzuklären, sondern auch die Fragen, ob die Betriebserlaubnis überhaupt hätte erteilt werden dürfen, ob bestehende Warnsignale ausreichend berücksichtigt wurden und inwieweit weltanschauliche Prägungen, Organisationskultur oder Netzwerkstrukturen problematische Entwicklungen möglicherweise begünstigt haben.

Unseres Erachtens reichen die Vorgänge deutlich über einen Einzelfall hinaus. Sie werfen grundsätzliche Fragen zum zunehmenden Engagement christlich-fundamentalistisch geprägter Organisationen im Bereich Sozialer Arbeit (auch im Erwachsenenbereich!), zu staatlicher Aufsicht sowie zu Qualitäts- und Schutzstandards auf. FundiWatch veröffentlichte hierzu bereits im Sommer 2025 die von der Freien und Hansestadt Hamburg geförderte Broschüre „Christlicher Fundamentalismus & Soziale Arbeit – Handreichung über Vorgehensweisen, Strategien und Netzwerke christlich-fundamentalistischer Akteurskonstellationen in der Sozialen Arbeit“, in der wir bereits auf Mission Freedom, das Haus SeeNest und relevante Netzwerke eingingen.

Wichtig ist uns abschließend: Im Mittelpunkt der hiesigen Kritik stehen nicht individuelle religiöse Überzeugungen einzelner Personen – auch wenn diese selbstverständlich ebenfalls Gegenstand von Kritik sein dürfen. Im Fokus steht vielmehr die Frage, wie weltanschaulich geprägte Organisationsformen, Arbeitsweisen und Machtstrukturen im Bereich Sozialer Arbeit wirken – insbesondere dort, wo Menschen in Abhängigkeits- oder Schutzverhältnissen leben und nach Unterstützung suchen.

Chronologie der Ereignisse

(Stand: 13.06.2026)

09.02.2026:
Meldungen ehemaliger Mitarbeitender der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH über Missstände im Haus SeeNest erreichen die Regierung von Schwaben als zuständige Heimaufsicht. Die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH und die pädagogische Heimleitung werden von der Heimaufsicht angehört.

05.03.2026:
Die Heimaufsicht erlässt ein Tätigkeitsverbot für die bisherige pädagogische Leitung des SeeNest und ordnet den Sofortvollzug der Maßnahme an.

12./24.03.2026:
Die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH legt Widerspruch gegen das Tätigkeitsverbot ein. Kurz darauf geht sie im Wege eines Eilverfahrens vor dem Verwaltungsgericht Augsburg gegen den Sofortvollzug des Tätigkeitsverbots vor.

13.04.2026:
Das Verwaltungsgericht Augsburg weist den Antrag der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH in einem Beschluss (Az. Au 3 S 26.987) zurück. Das Tätigkeitsverbot gegen die pädagogische Leitung bleibt in Kraft.

15.04.2026:
Auf der Webseite christliche-jobboerse.de veröffentlicht die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH eine Stellenausschreibung für die pädagogische Leitung einer heilpädagogisch-therapeutische Wohngruppe im Allgäu. Die Position sei zunächst als „Interimsfunktion“ vorgesehen. Sie „könne – je nach Entwicklung – perspektivisch in eine längerfristige Zusammenarbeit übergehen„. Laut Profilbeschreibung wird u.a. erwartet: „Bereitschaft, die Arbeit auf Grundlage eines christlichen Menschenbildes mitzutragen„.

17.04.2026:
Das ortsansässige Jugendamt Oberallgäu nimmt alle sechs in der Einrichtung untergebrachten Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren in Obhut. Die Kinder werden anderweitig untergebracht.

24. – 26.04.2026:
Die Vorfälle werden durch diverse Medienberichte öffentlich: BR24 berichtet über die Inobhutnahmen von sechs Kindern in einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche im Oberallgäu. Auch die Allgäuer Zeitung und Antenne Bayern berichten über die Vorgänge und bereits in der Vergangenheit bestehende Kritik an der Einrichtung.

Der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) nimmt in einer Pressemitteilung auf die Vorgänge Bezug und warnt vor ideologischen Einflüssen auf die stationäre Jugendhilfe. Der DBSH fordert eine vollumfassende Aufklärung, strenge Aufsicht über entsprechende Einrichtungen und besseren Schutz vor Pseudowissenschaften in der Kinder- und Jugendhilfe.

Namen und Träger der Einrichtung werden in den Berichten nicht genannt. Aus den erwähnten Details ergibt sich jedoch eindeutig dass es sich um das Haus SeeNest in Immenstadt handelt. FundiWatch macht am 26.04. öffentlich, dass es sich bei der fraglichen Einrichtung um das zu Mission Freedom gehörende Haus SeeNest handelt, dessen Träger die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH ist.

Als Grund der Inobhutnahme nennen Heimaufsicht und Jugendamt auf Anfragen von FundiWatch „gewichtige Anhaltspunkte für eine mögliche Gefährdung des Kindeswohls“. Hierunter zählten laut Jugendamt „u.a. fragwürdige Erziehungsmaßnahmen, wie beispielswiese ein unangemessener Umgang mit freiheitsbeschränkenden Maßnahmen gegenüber den betreuten Kindern.

Auf spätere Anfrage von FundiWatch, warum die Inobhutnahmen erfolgten, obwohl die Heimleitung aufgrund des Tätigkeitsverbots bereits nicht mehr im SeeNest tätig sein durfte, teilt das Jugendamt mit, dass es aus Sicht des Jugendamtes Anhaltspunkte dafür gab, dass die Anwendung der fragwürdigen Erziehungsmaßnahmen gegenüber den betreuten Kindern nicht nur auf die Leitung beschränkt war.“ (Hervorhebung d.d.Verf.)

26.-29.04.2026:
Bereits zum dritten Mal findet der sog. Freiheit-Kongress im christlichen Gästezentrum Schönblick statt. Zu den Veranstaltern gehören neben Mission Freedom des Weiteren die Evangelische Allianz Deutschland (EAD), Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh), return gGmbH, Aktion Hoffnungsland gGmbH und die Schönblick gGmbH. In einer Artikelserie berichten wir über den Kongress, an dem auch mehrere Politiker*innen teilnahmen.

Beobachter*innen berichten FundiWatch, dass die Vorgänge um das Haus SeeNest auf dem Kongress nicht öffentlich thematisiert wurden. Die Geschäftsführerin der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH war zur Moderation des Films „Blinder Fleck“ vorgesehen, dem u.a. die Verbreitung verschwörungsideologischer Narrative über vermeintliche Fälle sog. ritueller Gewalt vorgeworfen wird (vgl. unseren Artikel hier).

30.04.2026:
Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Vorgänge und stellt ebenfalls den Bezug zum Haus SeeNest, der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH und Mission Freedom her.

Der BR berichtet erneut über den Fall und berichtet von 29 Polizeieinsätzen seit Eröffnung der Einrichtung. Ein Kind habe sich von einem Balkon abgeseilt, Nachbarn hätten immer wieder Hilferufe aus dem Heim gehört. [Edit: Ergänzung kurz nach Veröffentlichung:] Auf spätere Nachfrage von FundiWatch teilt die Heimaufsicht mit, ihr sei nur ein Polizeieinsatz wegen eines abgängigen Kindes bekannt. Angebliche weitere Einsätze seien der Behörde von keiner Seite gemeldet worden. Das ortsansässige Jugendamt teilt mit, ihr seien nur Meldungen aus dem Jahr 2024 bekannt, die eine einzelne Jugendliche betrafen. Die Polizei teilt auf Anfrage mit, alle Einsätze ordnungsgemäß gemeldet zu haben.

Gaby Wentland, die sich nicht öffentlich zu den Vorwürfen äußert, veröffentlicht auf ihrem Youtube-Kanal ein Predigtvideo unter dem Titel „Widerstände überwinden„.

02.05.2026:
Mission Freedom veröffentlicht zu den Vorgängen eine Stellungnahme auf seiner Homepage. Ehemalige Mitarbeitende hätten angebliche Missstände direkt an die Aufsichtsbehörde gemeldet, ohne zuvor das Gespräch mit der Einrichtungsleitung zu suchen. Eine von Mission Freedom im März beauftragte „externe Kinderschutzfachkraft“ habe nach Prüfung festgestellt, dass keine aktuelle Kindeswohlgefährdung vorliege. Durch die Inobhutnahmen seitens der Behörden seien die Kinder „retraumatisiert“ worden. Man bedaure die Entwicklungen und prüfe weitere Schritte.

03.05.2026:
Die taz berichtet über die Vorfälle. Die Regierung von Schwaben prüfe den Widerruf der Betriebserlaubnis für das Haus SeeNest. Zudem weist die taz auf eigene frühere Recherchen zu Zuständen in „Schutzhäusern“ von Mission Freedom für Betroffene von Menschenhandel und „Zwangsprostitution“ hin: Demnach hätten die Frauen nach Recherchen der taz keine weltliche Musik mehr hören dürfen, ihr Handy abgeben müssen und nicht ohne Begleitung das „Schutzhaus“ verlassen dürfen.

04.05.2026:
In einer Anfrage zum Plenum im Bayerischen Landtag richtet die Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel (Bündnis 90 / Die Grünen) Fragen an die Bayerische Staatsregierung zu den aktuellen Vorkommnissen im Haus SeeNest.

Unter anderem fragt Triebel, ob beabsichtigt sei, die Betriebserlaubnis zu widerrufen und wie die Grundkonzeption des Trägers Mission Freedom nach den Vorfällen neu bewertet werde, auch im Hinlick auf Forderungen des DBSH, eine Trennung von missionarischem Eifer und professioneller Unterstützung zu gewährleisten.

Die Staatsregierung verweist in ihrer Antwort auf das laufende Verfahren, dessen Ergebnis abgewartet werden müsse. Die Vorfälle stünden laut Rückmeldung der Heimaufsicht „wohl in keinem Zusammenhang mit der religiösen Ausrichtung des Trägers„.

04./05.05.2026:
Erstmals greifen Medien aus dem christlichen Umfeld die Vorgänge auf: Die evangelikalen Magazine pro und Idea (hier und hier) berichten über die Vorgänge und die Kritik von Mission Freedom an dem behördlichen Vorgehen.

Gegenüber Idea teilt der Verein Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh) – einem Bündnis von knapp 40 Organisationen, bei dem auch Mission Freedom Mitglied und in dessem Vorstand Gaby Wentland vertreten ist – mit, Wentland lasse ihr Vorstandstätigkeit bei ggmh bis zur Klärung der aktuellen Vorwürfe ruhen.

Der Bericht von Idea wird auch im Newsletter des Arbeitskreis Religionsfreiheit – Menschenrechte – Verfolgte Christen der Evangelischen Allianz Deutschland (EAD) wiedergegeben.

05.05.2026:
Mission Freedom ergänzt auf seiner Webseite die Stellungnahme zum Haus SeeNest durch ein knappes Update: „Aufgrund der weiteren Entwicklungen wurde der Betrieb eingestellt. Der Träger wird zudem keine weiteren rechtlichen Schritte mehr verfolgen.

10.05.2026:
Durch Beschluss des Amtsgerichts Hamburg (67c IN 195/26) wird für die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt.

11.05.2026:
Auf Anfrage bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Kempten erfährt FundiWatch, dass diese ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener eingeleitet hat. Aktuell werde gegen eine Person ermittelt. Das Ermittlungsverfahren wurde laut Staatsanwaltschaft „auf Grund des Ergebnisses geführter Vorermittlungen eingeleitet, welches im Zusammenhang mit der Presseberichterstattung über die Inobhutnahme von Kindern im Haus SeeNest geführt wurde.“

12.05.2026:
Eine dpa-Mitteilung, die u.a. von der Zeit und weiteren Medien wiedergegeben wird berichtet über die Vorgänge im Haus SeeNest und die Einleitung des staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens gegen die Heimleitung. Die Wohnung einer beschuldigten Person sowie die Einrichtung selbst seien durchsucht worden.

Am gleichen Tag teilt die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg (KJF) gegenüber FundiWatch mit, dass die KJF den mit Mission Freedom bestehenden Mietvertrag über das Haus SeeNest nach den Inobhutnahmen fristlos gekündigt habe.

21.05.2026:
Auf Anforderung beim Verwaltungsgericht Augsburg erhält FundiWatch die bereits erwähnte Gerichtsentscheidung vom 13.04.2026 zum Sofortvollzug des Tätigkeitsverbots gegen die Heimleitung übersendet. In der Entscheidung werden erschütternde Behandlungsmethoden geschildert. Aus der Entscheidung geht zudem hervor, dass die Handlungen offenbar unter Mitwirkung verschiedener Mitarbeitender vorgenommen wurden und sich offenbar über einen längeren Zeitraum zugetragen haben.

FundiWatch weist verschiedene Medien auf die Gerichtsentscheidung hin, was in den nächsten Tagen u.a. von der Süddeutschen Zeitung, dem Bayerischen Rundfunk und der Allgäuer Zeitung in Berichten über den Inhalt des Gerichtsbeschlusses aufgegriffen wird.

28.05.2026:
Das Hamburger Abendblatt berichtet, dass die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH Insolvenz angemeldet habe und geht ausführlich auf die Hintergründe der Vorgänge ein. Die Regierung von Schwaben habe gegenüber der Zeitung mitgeteilt, einen etwaigen Widerruf der Betriebserlaubnis für das Haus SeeNest nun abschließend geprüft zu haben und jetzt zu beabsichtigen, die Erlaubnis zu widerrufen. Die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH habe angekündigt, die Erlaubnis „zurückzugeben“. Eine Sprecherin von Gemeinsam gegen Menschenhandel (ggmh) habe mitgeteilt, dass Gaby Wentland ihr dortiges Vorstandsamt niedergelegt habe.

Nach Recherchen von FundiWatch wird Gaby Wentland auf der Webseite von ggmh tatsächlich nicht mehr als Mitglied des Vorstands gelistet. Mission Freedom selbst wird hingegen weiterhin als Mitgliedorganisation von ggmh geführt. Das Titelbild der Seite zeigt Wentland weiterhin gemeinsam mit den weiteren Vorstandsmitgliedern Frank Heinrich (ehem. MdB, CDU), Gerhard Schönborn (Neustart e.V.), Heike Menzel-Kötz (Blickfeld Menschenhandel e.V.), Klaus Engelmohr (Augsburger / innen [sic!] gegen Menschenhandel) und Angela Fischer (Heilsarmee Deutschland).

29.05.2026:
Die taz veröffentlicht zu den Vorgängen um das Haus SeeNest einen Kommentar der Redakteurin Eiken Bruhn unter dem Titel „Glaube an Jesus reicht nicht, um ein Kinderheim zu betreiben“. In dem Kommentar kritisiert Bruhn die Erteilung der Betriebserlaubnis für das Haus SeeNest im Hinblick auf bereits seit Jahren bekannte Kritik. Hierzu weist sie auch auf eine öffentliche Distanzierung von Mission Freedom seitens Hamburger Stellen hin und verweist dazu auf Berichte der taz bereits aus dem Jahr 2013.

01.06.2026:
Der Fachverband Traumapädagogik e.V. teilt auf Anfrage von FundiWatch mit, man habe den Vorstandsbeschluss gefassst, die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH mit sofortiger Wirkung aus dem Fachverband auszuschließen. Zu unseren Nachfragen unter welchen Voraussetzungen eine Organisation aus dem Verband ausgeschlossen werden könne geht der Verband nicht näher ein, teilt jedoch mit, dass man zu internen Prozesse „in ständiger Reflexion und Weiterentwicklung und in dieser Hinsicht auch im Austausch im kooperierenden Fachgesellschaften“ sei.

03.06.2026:
Die Webseite 2mind.org mit christlichem Hintergrund berichtet unter Bezugnahme auf einen aktuellen Newsletter von Mission Freedom: Mission Freedom habe darin mitgeteilt, einige „Veränderungen vorgenommen“ zu haben. So sei dem Haus SeeNest die Betriebserlaubnis entzogen worden und die pädagogische Leitung des Hauses sei freigestellt worden. Die verantwortliche Geschäftsführerin verlasse den Verein.

FundiWatch konnte diese Angaben bisher noch nicht überprüfen. Geschäftsführerin der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH ist Inga Gerckens, die nach eigenen Angaben bereits seit 10 Jahren für Mission Freedom tätig ist und die dortigen „Schutzhäuser“ leitet.

Edit (13.06.): Der erwähnte Newsletter von Mission Freedom vom 31.05.2025 liegt FundiWatch mittlerweile vor. Tatsächlich heißt es in dem Newsletter – in dem auch über den Freiheit Kongress berichtet wird – unter der Überschrift „Wir nehmen einige Veränderungen vor“: Gaby Wentland habe im Januar 2026 Rückmeldungen ehemaliger Mitarbeitender zur pädagogischen Leitung im Haus SeeNest erreicht. Diese seien „verantwortungsvoll an die Regierung von
Schwaben weitergegeben“ worden. Anschließend seien verschiedene behördliche Schritte eingeleitet worden. Trotz des eigenen „Einsatzes“ und eines eingelegten Widerspruchs seien die Entscheidungen der Regierung von Schwaben bestehen geblieben. Schließlich seien die Inobhutnahmen erfolgt und kurz darauf die Genehmigung zum Betrieb der Einrichtung „entzogen“ worden. Die Entwicklung bewege Mission Freedom sehr. Gleichzeitig blicke man „dankbar auf alles, was im Haus SeeNest mit Herz, Einsatz und Hingabe aufgebaut wurde“. Schließlich wird mitgeteilt, dass Inga Gerckens, die Geschäftsführerin der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH und langjährige Leiterin der „Schutzhäuser“ von Mission Freedom sich Ende Juli „neuen beruflichen Wegen widmen“ werde.
Mission Freedom wünsche Gerckens, deren Arbeit Mission Freedom „nachhaltig geprägt“ habe „alles Gute und viel Segen für Ihre Zukunft„. Mit Mission Freedom erlebe man seit 15 Jahren, wie „Gott Mission Freedom und leitet„. Man vertraue darauf, „dass Gottes Wirken weitergeht„. Gaby Wentland wolle künftig „besonders in die Ausbildung neuer Mitarbeiterinnen investieren, damit noch mehr betroffene Frauen kompetent, liebevoll und hoffnungsvoll begleitet werden können„.

Die Aussage, Gaby Wentland selbst sei im Januar von ehemaligen Mitarbeitenden auf Vorfälle hingewiesen worden und habe die Behörden informiert, widerspricht den bisherigen Äußerungen der Regierung von Schwaben und der eigenen Stellungnahme von Mission Freedom. In der Stellungnahme von Mission Freedom auf dessen Webseite heißt es: „Anfang Februar meldeten ehemalige Mitarbeitende angebliche Missstände direkt an die Aufsichtsbehörde, ohne zuvor das Gespräch mit der Einrichtungsleitung zu suchen.“

Auf Anfrage von FundiWatch bei der Regierung von Schwaben teilte diese mit, die Betriebserlaubnis sei nicht im engeren Sinne „entzogen“ worden. Da die Erlaubnis gebäudebezogen erteilt wurde, der Mietvertrag für das Haus SeeNest durch die Katholischen Jugendfürsorge der Diözese mittlerweile jedoch fristlos gewkündigt wurde, sei die Erlaubnis erloschen. Hierüber habe die Behörde am 03.06.2026 einen Feststellungsbescheid gegenüber der Trägerin erlassen. Unabhängig davon habe die Behörde bereits die Voraussetzungen für den Widerruf der erteilten Betriebserlaubnis abschließend geprüft und beabsichtigt, die Betriebserlaubnis zu widerrufen. Aufgrund des Erlöschens der Betriebserlaubnis bedürfe es des Widerrufs nun jedoch nicht mehr. Zum Tätigkeitsverbot gegen die pädagogische Heimleitung habe die Trägerin erklärt, das Verfahren derzeit wegen der angemeldeten Insolvenz der Trägerin Himmelsstürmer Deutschland gGmbH nicht weiterzuführen. Da die Behörde nicht davon ausgehe, dass die Trägerin das Widerspruchsverfahren wieder aufnehmen wird, sei insofern für die Regierung von Schwaben das Verfahren insgesamt abgeschlossen.

05.06.2026:
Die Vorgänge im Haus SeeNest werden von Boulevard-Medien aufgegriffen: Die BILD-Zeitung berichtet über den Fall, zeigt vermeintliche Innenaufnahmen des Haus SeeNest und ein verfremdetes Bild der pädagogischen Leitung des SeeNest, die sich gegenüber der Zeitung nicht zu den Vorwürfen äußern wollte. Das Haus SeeNest mache mittlerweile einen verlassenen Eindruck, ein polizeiliches Sigel an der Eingangstür sei mittlerweile gebrochen. Nachbarn hätten berichtet, Mitarbeitende hätten tagelang Umzugskisten in ein Haus in der Nähe gebracht.

08.06.2026:
Auf Anfrage von FundiWatch teilt die Diakonie Hamburg mit, dass ein satzungsgemäßes Verfahren zur Beendigung der Mitgliedschaft von Mission Freedom bei der Diakonie Hamburg eingeleitet wurde. Mission Freedom habe daraufhin im Zusammenhang einer Anhörung „ohne auf die Vorwürfe einzugehen“ seinerseits um Austritt aus dem Landesverband gebeten. Man habe sich nun auf eine einvernehmliche Aufhebung der Mitgliedschaft zum nächstmöglichen Zeitpunkt zum 30.06.2026 verständigt.

Auf Anfrage von Fundiwatch nimmt die Staatsanwaltschaft Kempten zum Stand der Ermittlungen Stellung: Die Staatsanwaltschaft habe „auf Grund der Presseberichterstattung Anfang Mai 2026“ zunächst ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet. Die Vorermittlungen führten zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen die (ehemalige) pädagogische Heimleiterin wegen des Anfangsverdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen. Die Ermittlungen dauern an. Auf Grund der bereits vorliegenden Ermittlungsergebnisse, Angaben von Zeugen und unter Berücksichtigung, dass die Heimleitung zum Zeitpunkt der Inobhutnahmen bereits nicht mehr in der Einrichtung tätig war, werde geprüft, ob die Ermittlungen gegen weitere Personen wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen von Amts wegen ausgeweitet werden müssen. Zudem prüfe die Staatsanwaltschaft auf Grund einer Anzeigeerstattung, „ob gegen angezeigte Personen ein Anfangsverdacht strafbaren Handelns besteht und ob Ermittlungen einzuleiten sind„. Die Frage von FundiWatch, ob die Staatsanwaltschaft – statt von den Vorgängen aus der Presse zu erfahren – erwartet oder sich gewünscht hätte, hierüber durch die Regierung von Schwaben oder das Jugendamt Oberallgäu informiert zu werden, könne die Staatsanwaltschaft nicht beantworten, da „es nicht Aufgabe der Staatsanwaltschaft ist dies zu kommentieren„.

Die Aktion Mensch, die die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH als Träger des Haus SeeNest gefördert hat, teilt auf Anfrage von FundiWatch mit, dass nicht ausgezahlte Mittel derzeit nicht weiter ausgezahlt werden. Bereits nach öffentlicher Kritik an der Erteilung der Betriebserlaubnis hatte man eine Vor-Ort-Besichtigung der Einrichtung durchgeführt. Dabei seien „einzelne Aspekte vertieft betrachtet und im weiteren Verlauf aufmerksam begleitet“ worden. Zum damaligen Zeitpunkt hätten jedoch keine belastbaren Erkenntnisse vorgelegen, „die eine Beendigung der Förderung auf rechtlich tragfähiger Grundlage gerechtfertigt hätten„. Gleichwohl hatte sich Aktion Mensch im Anschluss mit der Himmelsstürmer Deutschland gGmbH darauf verständigt, dass Fördersigel der Aktion Mensch von der Homepage der Himmensstürmer zu entfernen. Die Förderung selbst wurde jedoch fortgeführt. Eine wesentliche Veränderung der Sachlage habe sich erst im Frühjahr 2026 durch Maßnahmen der zuständigen Behörden im Zusammenhang mit den Inobhutnahmen ergeben. Vor diesem Hintergrund habe man unverzüglich reagiert. Nun sei der Träger gesperrt, und etwaige weitere Schritte – einschließlich möglicher Rückforderungen – würden aktuell rechtlich geprüft.

10.06.2026:
RTL berichtet über die Vorwürfe gegen das Haus SeeNest sowie die Kritik an Mission Freedom und interviewt Matthias von FundiWatch, der bereits seit langem zu dem Verein recherchiert. Bei der Ausstrahlung bei RTL Punkt 12 wurde noch ein Predigtausschnitt von Gaby Wentland gezeigt, in dem sie über den Satan predigt und empfiehlt, keine Medien mehr zu konsumieren (ist in der Mediatheksfassung nicht mehr enthalten). Die Aussage von Matthias zu den Befreiungsdiensten bezog sich insbesondere auf den Befreiungsdienst SOZO, in dem sich Gaby Wentland und die Geschäftsführerin der Himmesstürmer Deutschland gGmbH haben schulen lassen. Ob diese Praxis tatsächlich im Haus SeeNest angewendet wurde, ist uns nicht bekannt.

ARD Radio-Feature: Heilige Krieger – Christfluencer und die Neue Rechte

Erscheinungsdatum bei der ARD am 07.06.2026 – online ab sofort verfügbar: Das neue Radfio-Feature von Ralf Homann.

Wir freuen uns, dass wir mit FundiWatch dabei sein durften und dass mittlerweile Formate zunehmen, die sich auch mit den größeren Zusammenhänge und Auswirkungen christlich-fundamentalistischer Ideologien für unsere gesamte Gesellschaft beschäftigen, Bezüge und Wirkmechnismen (nicht zuletzt bedingt durch Social-Media-Logiken) unaufgeregt und sachlich aufzeigen.

Uns war es vor allem noch mal wichtig, auf die gesamtgesellschaftliche Relevanz christlich-fundamentalisticher Ideologien hinzuweisen, gerade bei der verbreitet festzustellenden Vorstellungen, Gesellschaftsbereiche nach einem christlich-fundamentalistischen Weltbild zu transformieren – bei allen Unterschieden und doch auch besorgniserregenden Parallelen zu den Entwicklungen in den USA. Wir sollten das mehr im Blick behalten.

Ein Hörtipp für das anstehende Wochenende!

Podcast-Zusammenfassung zitiert nach ARD:

Eine neue Generation christlicher Aktivistinnen und Aktivisten feiert Erfolge in den sozialen Medien. So genannte Christfluencer erreichen auf Instagram, YouTube und TikTok hunderttausende Follower – sie verbinden die Vermarktungslogik von Plattformen mit Glaubensfragen. Ultrakonservative Inhalte laufen besonders gut.

Religiöse Erweckung geht bei nicht wenigen einher mit politischer Mobilisierung. Manche bekennen sich offen zur AfD, die Botschaften anderer bleiben anschlussfähig an neurechtes Denken, auch wenn viele sich von Parteipolitik distanzieren.

Im Zentrum stehen familienpolitische Themen wie Geschlechterrollen und immer wieder Abtreibung. Schwangerschaftsabbrüche sind politisch wieder Thema, wie nicht zuletzt die Verhinderung von Frauke Brosius-Gersdorf als Bundesverfassungsrichterin zeigt. Sichtbar wird das nicht nur im Netz, wenn beim „Münchner Marsch fürs Leben“ Online-Aktivisten gemeinsam mit konservativen Gläubigen auf die Straße gehen.

Der Kulturkampf ist in der Religion angekommen. Das ARD Radiofeature zeigt wie Religion auf Social Media funktioniert, wie neurechte Aktivisten das Christentum als Bollwerk gegen Liberalismus, Feminismus und Vielfalt beanspruchen und die Kirchen versuchen ihre Definition universaler christlicher Werte in einer Welt im Wandel zu verteidigen.

Ein Feature von Ralf Homann. Produktion: BR 2026

Eine Kritik zum Feature veröffentlichte am 14.06.2026 epd-Medien:

„Für sein [gemeint: Ralf Homann, d. Verf.] jüngstes Feature dürfte gelten, was Matthias Pöhl, einer der Initiatoren von ‚Fundiwatch‘, des im Jahr 2024 ins Leben gerufenen Recherche- und Aufklärungskollektivs zum Thema ‚Christlicher Fundamentalismus‘, gleich am Anfang äußert: Dass ‚Thema und Gefahren‘, die von christlichen Fundamentalisten ausgehen, trotz des Beispiels USA, hierzulande immer noch zu wenig ‚beachtet und thematisiert‘ würden.“

Weitere Kritiken und Infos zur Sendung:

[Edit 20.6.2026] Weitere Kritiken und Infos zur Sendung finden sich auch hier:

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